9. Dezember - Sel. Liborius Wagner PDF Drucken E-Mail
Montag, den 09. Dezember 2013 um 07:00 Uhr

Liborius Wagner wurde am 5. Dezember 1593 im thüringischen Mühlhausen geboren. Er wuchs mit der protestantischen Irrlehre auf. 1613 bis 1619 studierte er Philosophie und wandte sich innerlich dem Katholizismus zu. Er begab sich nach Würzburg, wo ihm Jesuiten (vgl. 3.12.) dabei halfen, letzte Zweifel zu überwinden. 1622 bis 1625 studierte Liborius Wagner dort katholische Theologie. Die Priesterweihe empfing der 1623 in die heilige römisch-katholische Kirche Aufgenommene 1625. Nach einem Jahr als Kaplan wurde er Priester in Altenmünster bei Schweinfurth.

Nun hatte 1618 hatte der Dreißigjährige Krieg (1618 - 1648) begonnen. Den Anfang bildete der Böhmisch-pfälzische Krieg (1618 - 1623). Dessen Anlaß war ein Aufstand protestantischer Böhmen gegen Kaiser Matthias (1612 - 1619). Begonnen hatte der Aufruhr mit dem Prager Fenstersturz: Zwei kaiserliche Räte und ein Schreiber wurden am 23. Mai 1618 aus den Fenstern des Hradschin geworfen und überlebten nur, weil sie auf einen großen Misthaufen fielen. Sie konnten nach Wien fliehen.

Die Aufrührer wählten den protestantischen Kurfürsten Friedrich V. von der Pfalz, den sog. Winterkönig, zum Herrscher von Böhmen (1619 - 1620). - Zu den den Kaiser wählenden, sieben Kurfürsten zählten die Erzbischöfe von Köln , Mainz und Trier sowie der Pfalzgraf bei Rhein, der Herzog von Sachsen, der Markgraf von Brandenburg und der böhmische König. Es gab nun also nur noch drei katholische Kurfürsten! Doch der „Winterkönig“ verlor seine Herrschaft durch die Niederlage von 1620 in der Schlacht am Weißen Berge und mußte vor Kaiser Ferdinand II. (1619 - 1637) nach England fliehen.

Es folgte der Dänisch-niedersächsische Krieg (1625 - 1629). Nachdem sich der dänische König Christian IV. (1588 - 1648) an die Spitze der Protestanten des Reiches gestellt hatte, wurde er vom kaiserlichen Generalissimus Wallenstein sowie Tilly, dem Feldherren der Katholischen Liga, geschlagen. Die Kaiserlichen besetzten Norddeutschland.

Danach begann der mit französischer Unterstützung geführte Schwedische Krieg (1630 - 1635). Ein schwedisches Heer landete an der Odermündung. Tilly wurde in der Schlacht bei Rain am Lech 1632 tödlich verwundet. Der schwedische König Gustav II. Adolph (1611 - 1632) fiel noch in demselben Jahr bei Lützen. Wallenstein wurde 1634 als des Hochverrates Schuldiger ermordet. Dann schien 1635 der Friede zu Prag zwischen dem Kaiser und den meisten protestantischen Ständen den Krieg zu beenden.

Die schwedischen Truppen hatten weite Gebiete Deutschlands verheert. Selbst ihre protestantischen Glaubensgenossen schonten sie nicht. So plünderten sie beispielsweise 1643 bis 1645 die Dörfer des schleswig-holsteinischen Angeln und nahmen dabei nicht einmal die der Reformation anheimgefallenen Kirchengebäude aus.

Der hochwürdige Liborius Wagner wurde am Ort seines priesterlichen Wirkens von Protestanten ergriffen und den in Franken einmarschierten, schwedischen Soldaten übergeben, die den Seligen nach Schonungen verschleppten. Dann folterten sie ihn grausam, damit er vom katholischen Glauben wieder abfalle. Doch Liborius Wagner bekannte nur immer: „Ich lebe, leide und sterbe päpstlich-katholisch!“ Nach fünf Tagen endlich, am 9. Dezember 1631, sah man ein, daß der Glaube des gottseligen Priesters auch durch unmenschlichste Quälereien nicht zu überwinden war. Daraufhin erstach man den sel. Liborius Wagner und warf seinen Leichnam in den Main. Doch der Fluß spülte ihn bald wieder ans Ufer. Dort entdeckte ihn fünf Monate später ein Fuhrmann. Der Leichnam war unverwest. Er wurde auf den Mainwiesen bestattet. Seit 1637 befinden sich die Reliquien in der Pfarrkirche zu Heidenfeld. - 1974 wurde Liborius Wagner seliggesprochen.

Der Krieg dauerte noch lange. - Nach dem Frieden zu Prag trat Frankreich aus Feindschaft gegenüber dem habsburgischen Kaiserhaus offen in den Krieg ein. Der Schwedisch-französische Krieg (1635 - 1648) stellte die letzte und schlimmste Phase des dreißigjährigen Ringens dar. Am Ende waren weite Landstriche Deutschlands verwüstet und entvölkert, das Kaisertum geschwächt, Deutschland für lange Zeit in zwei konfessionell getrennte Lager gespalten. Der Dreißigjährige Krieg endete 1648 mit dem Westphälischen Frieden, der zu Münster und Osnabrück geschlossen wurde. Die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Frankreich und dem habsburgischen Spanien endeten 1659 mit dem Pyrenäenfrieden. Spanien mußte Gebiete im Norden des Gebirgszuges an das Frankreich Ludwigs XIV. (1643 - 1715) abtreten.

Als Sieger gingen aus dem langen, europäischen Krieg Frankreich, Schweden und Brandenburg hervor. - Der preußische Ordensstaat (s. 17.2.) war durch den zweiten Thorner Frieden von 1466 in polnische Lehensabhängigkeit geraten. Der letzte Hochmeister, der Hohenzoller Albrecht von Brandenburg, fiel 1522 zum Protestantismus ab und wandelte das dem Orden verbliebene Ostpreußen in ein Herzogtum um. Als Fürst (1525 - 1568) führte er die Reformation im Lande durch. Die baltische Ostseeküste, bis dahin ebenfalls Ordensgebiet, wurde 1561 aufgeteilt.

Das nördliche Estland kam an Schweden, während das südliche Estland sowie Livland und Kurland in polnische (vgl. 14.11.) Lehensabhängigkeit gerieten wie zuvor Preußen; dieses aber kam 1618 erblich unter die Herrschaft der protestantischen Hohenzollern Brandenburgs. In dem im Anschluß an den Dreißigjährigen Krieg ausgebrochenen Schwedisch-polnischen Krieg (1655 - 1660) triumphierte zwar im Frieden zu Oliva von 1660 Schweden. Das mit Brandenburg, Dänemark, Rußland und Kaiser Leopold I. (vgl. 12.9.) verbündete Polen mußte Livland abtreten, die Souveränität Preußens anerkennen, auf seine Thronansprüche in Schweden und auf Estland verzichten.

Doch schon fünfzehn Jahre später schlug der Brandenburger Markgraf Friedrich Wilhelm, der „Große Kurfürst“, (1640 - 1688) die Schweden bei Fehrbellin. 1701 wurde Markgraf Friedrich III. (1688 - 1701) als Friedrich I. (1701 - 1713), genannt der krumme Fritz, zum ersten preußischen König gekrönt. Das protestantische Preußen triumphierte 1871 mit der Gründung eines Deutschen Reiches unter Ausschluß des habsburgischen Kaiserreiches, das seit 1806 auf Österreich beschränkt war (s. 14.3.); preußische Könige regierten als „Deutsche Kaiser“ von 1871 bis 1918. Zwei Jahre nach dem Ende es zweiten Weltkriegs (1939 - 1945) wurde der Staat Preußen auf Beschluß der allierten Siegermächte aufgelöst. - Der letzte Kaiser, der sel. Karl I. von Österreich (1916 - 1918) , war bereits neunzehn Jahre zuvor von seinem Thron vertrieben worden. Er starb 1922 im Exil.


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