Kardinal Meisner: Piusbrüder müssen Papst und Konzil voll anerkennen PDF Drucken
Samstag, den 25. August 2012 um 08:00 Uhr

meisnerKölns Kardinal Joachim Meisner (Bild) pocht darauf, dass die Piusbruderschaft das Lehramt des Papstes und das Zweite Vatikanische Konzil voll anerkennt.

Dazu gehörten auch die Dekrete über die Religionsfreiheit, das Verhältnis zu den Juden sowie die heutige Form der Liturgie, heißt es in einem am Freitag (24. Aug) veröffentlichten Beitrag auf der Internetplattform „direktzu.kardinal-meisner.de".

Lesen Sie hier, was Kardinal Meisner noch gefordert hat sowie die Antwort der Bruderschaft hierauf.

Eine Rückkehr der Piusbruderschaft in die Gemeinschaft der katholischen Kirche setze zudem voraus, dass sie ihre Vorwürfe gegen den Papst zurücknehme, er sei nicht rechtgläubig.

„Wer lehramtliche Aussagen ganz oder teilweise ablehnt, kann nicht in der vollen Gemeinschaft der Kirche stehen", betont Meisner.

Er weist darauf hin, dass der Papst wiederholt seine Wertschätzung für den jüdischen Glauben und die Wichtigkeit des Dialogs zwischen Christen und Juden zum Ausdruck gebracht habe. So habe Benedikt XVI. beim Kölner Weltjugendtag 2005 die dortige Synagoge besucht und dabei seinen Vorgänger Johannes Paul II. zitiert: „Wer Jesus Christus begegnet, begegnet dem Judentum."

Kommentar: Zu den drei Punkten, welche die Piusbruderschaft nach Meinung des Kardinals anzuerkennen hat, ist Folgendes zu sagen:

1) Die Religionsfreiheit: Was meint der Kardinal damit? Wenn die Religionsfreiheit so verstanden wird, wie die Kirche sie immer gelehrt hat, dann ist es kein Problem für die Bruderschaft, diese anzuerkennen. Gemäß der immerwährenden Lehre der Kirche kann und muss ein Staat nicht-katholische Religonen tolerieren (und ihnen auch die Religionsausübung zugestehen), da die Andersgläubigen –  auch das ist beständige Lehre der Kirche längst vor dem Konzil – nicht zum Glauben an Christus gezwungen werden dürfen. (vgl. Thomas v. Aquin, Summa theol. II-II q10 a8 &a11)

Wenn Kard. Meisner mit Religionsfreiheit jene verderbliche Haltung meint, welche im Grunde genommen nichts anderes ist, als eine Neubelebung des Freidenkertums und der Freimaurerei, dann lehnt die Bruderschaft dies aufs Schärfste ab. Diese Religionsfreiheit lehrt, dass jedermann deswegen frei seine Religion wählen darf, weil alle Religionen gleichberechtigte Wege zum Heil sind. Das verstößt nicht nur gegen die 2000jährige Lehre der Kirche, sondern direkt gegen das Wort Christi, der sagt: "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. NIEMAND kommt zum Vater als durch mich" (Joh 14,7). Damit sind alle nicht-christlichen Religionen als Heilswege ausgeschlossen. Gemäß Pius XII. können zwar Menschen in anderen Religionen gerettet werden, aber das hängt damit zusammen, dass Gott jeden Menschen ganz persönlich richtet, nach dem, was er von der Wahrheit wissen konnte und was nicht (vgl. das schuldlos irrende Gewissen). Unmöglich aber kann eine Religion, die Christus ablehnt, zu Gott führen. Das ist eine von der Kirche verurteilte und dem Evangelium widersprechende Irrlehre.

Der Kardinal sollte also in diesem ersten Punkt präzisieren, was er meint: Entweder die Toleranz gegenüber Andersgläubigen, welche sich aus der Freiheit des Glaubensaktes ergibt, zu dem niemand gezwungen werden darf, oder die Irrlehre, die Religionsfreiheit folge notwendig aus der Gleichstellung und Gleichberechtigung aller Religionen (vgl. die Botschaft der Religionstreffen von Assisi: Alle Religionsvertreter auf gleicher Stufe).

2) Das Verhältnis zu den Juden. Auch hier ist nicht klar, was der Kardinal meint. Die Erklärung "Nostra aetate", in welcher über das Verhältnis zum Judentum angesprochen wird, hat nichts an der traditionellen Lehre der Kirche geändert. In dem Beitrag der FAQ (häufig gestellten Fragen) an die Piusbruderschaft heißt es daher:

Es ist eine vielverbreiteter Irrtum, das II. Vatikanum habe in der Erklärung „Nostra aetate" dem jüdischen Volk einen „Heilsweg ohne Christus" zugestanden. Auch das II. Vatikanische Konzil bekennt offen die Lehre der Tradition, wenn es schreibt: „Wie die Heilige Schrift bezeugt, hat Jerusalem die Zeit seiner Heimsuchung nicht erkannt, und die Juden haben zu einem großen Teil das Evangelium nicht angenommen, ja, nicht wenige haben sich seiner Ausbreitung widersetzt. ... Zusammen mit den Propheten und demselben Apostel erwartet die Kirche den Tag, der nur Gott bekannt ist, an dem alle Völker mit EINER Stimme den Herrn anrufen und „ihm Schulter an Schulter dienen werden. ... Die Kirche glaubt nämlich, dass Christus, unser Friede, durch das Kreuz Juden und Heiden versöhnt und aus beiden in sich selbst eins gemacht hat." (Nostra aetate 4) (FAQ: Wie steht die Piusbruderschaft zum Judentum?)

Eine "Wertschätzung" (siehe Kard. Meisner) für das jüdische Volk hat schon der heilige Apostel Paulus, wenn er sagt: „Brüder! Des jüdischen Volkes Rettung ist der Wunsch meines Herzens und der Gegenstand meines Gebetes für sie. Denn ich gebe ihnen das Zeugnis, dass sie Eifer für Gott haben."

Natürlich ist auch das Gespräch und der Dialog mit unseren jüdischen Mitbürgern von höchster Wichtigkeit. Aber genau diesen theologischen Disput wünscht die Bruderschaft, wenn sie in ihrer Grundsatzerklärung zum Judentum schreibt:

Hauptmerkmal dieses Neuanfanges wird sein, dass die Diskussion nicht von gegenseitigen Schuldzuweisungen überlagert wird, sondern im gemeinsamen Studium jener Texte besteht, welche sowohl dem jüdischen Volk als auch der katholischen Kirche heilig sind: der Schriften der Väter und Propheten. Aus diesen gilt es, die alles entscheidende Frage zu beantworten: Ist Joshua min Nazareth (Jesus Christus) der von den Ketuvim und Neviim (Schriften und Propheten) angekündigte Maschiach (Messias) oder nicht? (vgl. FAQ )

Es ist also auch hier nicht klar, was der Kardinal von der Bruderschaft verlangt. Wenn er damit meint, dass die Bruderschaft das freundschaftliche Gespräch und den Dialog mit dem Judentum suchen soll, dann ist dagegen nichts einzuwenden, im Gegenteil: Der Glaube kommt vom hören! Wenn damit gemeint ist, dass die Bruderschaft (entgegen der Lehre des II. Vatikanums) behaupten soll, es gäbe für das jüdische Volk einen separaten Heilsweg ohne den Glauben an Jesus Christus, dann wird die Bruderschaft dies entsprechend der Tradition und der Heiligen Schrift klar und dezidiert ablehnen.

3) Die neue Form der Liturgie: Die Bruderschaft hat nie abgestritten, dass die Kirche das Recht und die Macht besitzt, die Form der Liturgie zu ändern bzw. zu bestimmen. Die Liturgie ist ja wesentlich aus der Tradition entstanden. Es sind auch nicht Anhänglichkeiten an Äußeres, wie Weihrauch, Latein, Hochaltar usw., welches die Bruderschaft dazu bewegen, die nachkonziliare Mahlfeier abzulehnen.

Der Grund ist viel umfassender und wesentlicher: Die Bruderschaft lehnt die nachkonziliare Mahlfeier ab, weil sie in der Summe ihrer Änderungen nicht mehr dem hochheiligen Messopfer der Kirche entspricht, sondern viel mehr der protestantischen Theologie, wonach die Messe ein "Mahl mit Jesus" ist. Die Landessprache, der Volksaltar, die Überbetonung des Menschen ("Liturgie ist Dienst Gottes am Menschen") sind der greifbare Ausdruck dieser nicht-katholischen Theologie.

Die Bruderschaft lehnt die nachkonziliare Mahlfeier also ab, weil sie ihrem Wesen nach nicht mehr der Lehre der Kirche entspricht. Luther lehrte als erstes die Theorie von der "Mahlfeier", welche vom Konzil von Trient explizit veruteilt wurde: "Wer sagt, in der Messe werde Gott kein wahres und eigentliches Opfer dargebracht [...], der sei ausgeschlossen"

Pius XII. hat diese Lehre gerade für unsere Zeit aufs Neue verkündet, indem er sagt: "Es weicht vom Weg der Wahrheit ab [...], wer arglistig behauptet, es handle sich hier nicht nur um ein Opfer, sondern zugleich um ein Opfer und Mahl der brüderlichen Gemeinschaft." (Mediator Dei)

Damit ist schon vor der Einführung der nachkonziliaren Mahlfeier dieselbe vom Lehramt verurteilt. Es ist nicht nur falsch, die Messe als ein Mahl zu bezeichnen, sondern "arglistig zu behaupten", die Messe sei "Opfer und Mahl zugleich".

Damit steht also die Form der Mahl-Liturgie eindeutig zur überlieferten Lehre der Kirche im Gegensatz. (Selbst wenn ein Priester persönlich die Mahlfeier so gestalten kann, dass sein Glaube an das Sühnopfer zum Ausdruck kommt und er die Handlung wie das Sühnopfer vollzieht). Die Bruderschaft stellt diesen Gegensatz fest und entscheidet sich, gemäß der Lehre ihres Gründers, Erzbischof Marcel Lefebvre, – der "das überliefert hat, was er selbst empfangen hat" – für die zweitausendjährige Liturgie der katholischen Kirche.

Das heißt, in diesem Punkt herrscht Eindeutigkeit: Die neue Liturgie wurde dem überlieferten Sühnopfer Jesu als Mahlfeiher entgegengestellt. Die Entscheidung ist daher in Übereistimmung mit der immerwährenden Lehre der Kirche zu treffen.


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