Israelischer Abgeordneter zerreißt Bibel PDF Drucken
Mittwoch, den 18. Juli 2012 um 19:25 Uhr

bibel-zerissKnesset-Abgeordneter zerfetzt Neues Testament

In Israel hat ein Parlamentsabgeordneter im Zorn ein unaufgefordert zugesandtes Exemplar des Neuen Testaments zerrissen. Nachdem am Dienstag Aufnahmen von der Tat im Internet kursierten, entzündete sich daran eine öffentliche Debatte.

Der Abgeordnete Michael Ben Ari von der Nationalen Union rechtfertigte sein Vorgehen damit, dass dieses "abscheuliche Buch für millionenfachen Mord" mitverantwortlich sei.

"Auf den Müll der Geschichte"

Das Versenden der Bibel einschließlich des Neuen Testaments durch die Bibel-Gesellschaft sei eine "schreckliche missionarische Provokation", sagte Ben Ari. Das Buch und die Absender gehörten "auf den Müll der Geschichte".

Der Leiter der Bibel-Gesellschaft, Victor Kalischer, erklärte in einem Begleitbrief zur Versendung des Buches, die Neuausgabe des Neuen Testamtes helfe beim "Verstehen der heiligen Schriften". Er hoffe, dass die Bibel den Empfängern behilflich sei und "ihren Weg erleuchtet".

Laut KNA zeigten sich die jüdische Organisationen bestürzt über die Tat. Der Parlamentarier Michael Ben Ari solle sich öffentlich entschuldigen, forderte die jüdische Anti-Defamation League  am Mittwoch in New York.

Juden erwarteten einen respektvollen Umgang mit ihren heiligen Büchern und sollten ihrerseits Achtung für die Schriften anderer Religionen bekunden, sagte der Direktor der Anti-Defamation League, Abraham Foxman. „Ein Parlamentsmitglied und Vertreter des Staates Israel sollte klug genug sein, um nicht so eine tiefe Verachtung für eine andere Religion zu zeigen. Sein Handeln steht im Gegensatz zu jüdischen Werten und Standards der demokratischen Gesellschaft Israels", sagte Foxman über den Abgeordneten.

In einem Schreiben an Ben Ari forderte die Anti-Defamation League den Politiker zu einer Entschuldigung auf. Die Herausgeber des Neuen Testaments hätten nach eigenem Bekunden keine missionarische Absicht verfolgt, sondern die Abgeordneten über das Spektrum der in Israel produzierten religiösen Bücher informieren wollen. Wenn Ben Ari dies dennoch als Abwerbeversuch vom jüdischen Glauben empfinde, wäre es angemessener gewesen, die zuständigen Behörden zu einer juristischen Prüfung zu veranlassen, so die Organisation.

bibelzeriss

Quelle: Jüdische Zeitung "Merib"


E-Mail