Kein Haus für Gott PDF Drucken
Donnerstag, den 16. August 2012 um 12:00 Uhr

kirchturm"Einst zwangen französische Revolutionäre und deren Nachfolger im Geiste die Gläubigen aus ihren Kirchen. Heute geben die christlichen Konfessionen ihre Gotteshäuser selbst auf"

Mit diesen Worten beginnt Dankwart Guratzsch einen höchst lesenswerten Essay auf welt.online  über die Schließung der Kirchen in Deutschland. Darin heißt es weiter:

"Wo Gemeinden Gebäude aufgeben, den Altar durch einen Küchentisch, den Gottesdienst durch ein Frühstück ersetzen, wird der Rückzug auf Raten zum sich selbst verstärkenden Prozess.

Alsbald sind die Türme [der Kirchen] nicht mehr Zeichen von Gemeinde, sondern Zeichen der Leere, Umfunktionierung und Verlegenheitsnutzung.

Sie verlieren mit dem "Alleinstellungsmerkmal" ihrer Bedeutung auch ihren "Nimbus", der sie über die alltägliche Stadt erhob. Ihre Steine predigen nicht mehr Sammlung, Einkehr, Besinnung, sondern klingen hohl."

Hat die Kirche noch einen Ort in der Stadt? In Stuttgart wird eine neue "Stadt in der Stadt", das Rosensteinviertel auf den Bahngleisen von Stuttgart 21, gebaut. Von einer Kirche ist bislang nicht die Rede. Dabei soll die neue Innenstadt 12.000 Bewohner haben, und an ein riesiges Einkaufscenter ist bereits gedacht. Handel als Gebetsersatz? Offenbar stört es keinen, der an der Planung für den Stadtteil mitarbeitet. Auch in Hamburg ist eine "neue Innenstadt" für 12.000 Bewohner geplant. Und sie ist bereits im Bau. Aber dass sie auch eine Kirche als Mittelpunkt erhalten sollte, wird von niemandem gefordert. Nicht einmal die Kirchen selbst haben diesen Anspruch angemeldet. Dabei haben sich 19 Kirchen zusammengeschlossen, um ein gemeinsames Projekt in dieser zweiten City zu realisieren. Doch wer erwartet hatte, dass sie gemeinsam so etwas wie ein neues, großes, sichtbares Zeichen aufsetzen, sieht sich enttäuscht. Tatsächlich ist inzwischen ein Andachtsraum mit 30 Stühlen entstanden, versteckt im Erdgeschoss eines Bürohauses mit verbeulter Fassade. Ganz oben, dort wo bei den alten Kontorhäusern und Speichern der Lastenkran hervorlugte, hängt sogar eine kleine Glocke. Bis an den Hafen und zu den Elbbrücken, wohin sich die neue Hafencity einmal ausdehnen soll, wird sie nicht zu hören sein.

Haben die Kirchen den Rückzug angetreten? Die Frage ist aktuell, denn immer mehr Kirchengebäude werden für überflüssig erklärt, in Gaststätten, Wohnhäuser und selbst in Tanzlokale umgewandelt, "entwidmet" oder abgerissen. Sogar vor dem Einbau einer Sparkasse oder eines Spielkasinos schreckt man nicht zurück. Die französischen Revolutionäre und Stalin gingen zwar noch ein Stück weiter und machten Sakralgebäude zu Pferdeställen und Schwimmbädern. Doch sie taten es aus Vorsatz. Die Religion sollte mit Stumpf und Stiel ausgerottet, die christliche Bevölkerung eingeschüchtert, "aufgeklärt" und ein regelrechter Feldzug gegen das, was Karl Marx "Opium fürs Volk" genannt hat, entfesselt werden. Die Zweckentfremdung von Kirchen erschien den Potentaten als ein probates Mittel.

Heute bedarf es keiner Gewaltherrscher mehr. Die Kirche räumt sich selbst aus dem Weg. Argumentiert wird mit Kosten-Nutzen-Rechnungen, schwindenden Gemeindezahlen, rückläufigen Steuereinnahmen, Pfarrer- und Priestermangel. Auch die Sprachregelung hat sich gewandelt. Vertreter beider großer Konfessionen reden bevorzugt nur noch von "Immobilien", wo sie früher noch von Gotteshäusern gesprochen hatten.

Aber ob die Kirchenschließungen auf staatlicher Gewalt oder auf Sparprogrammen der Kirchen selbst beruhen: Die Wirkung auf die Gemeinden, das kirchliche Selbstverständnis, die Rolle der Kirchen in der Stadt ist dieselbe. Ulbrichts Programm zur sukzessiven Entkirchlichung der DDR war nicht zuletzt deshalb so erfolgreich, weil mit der Niederlegung der Gebäude auch die Religion verächtlich gemacht, gedemütigt und ausgegrenzt wurde. Die stärkste Waffe dabei war die Entweihung und Karikierung des Symbols. Mit ihr wird auch die Sache selbst im Kern getroffen. Indem man den Gläubigen die sichtbaren Zeugen für die öffentliche Geltung ihrer "Werte" nimmt, schwächt man auch die Geltung dieser Werte für die Gläubigen selbst. Sie verlieren den Nimbus der Unverletzlichkeit, der sie unsichtbar wie eine Sonnenkorona umgab und der in gleicher Weise auch das Kirchengebäude unantastbar zu machen schien - man denke nur an die Rolle der Kirche als Zufluchtsort für Verfolgte oder als Versammlungsort für Gruppen, die sich sonst nicht öffentlich artikulieren können (wie einst in der DDR).

Dieser Effekt wird nicht etwa abgeschwächt, sondern verstärkt, wenn der Symbolträger selbst "reinen Tisch" macht. Wo Gemeinden Gebäude aufgeben, den Altar durch einen Küchentisch, den Gottesdienst durch ein Frühstück ersetzen, wird der Rückzug auf Raten zum sich selbst verstärkenden Prozess. Alsbald sind die Türme nicht mehr Zeichen von Gemeinde, sondern Zeichen der Leere, Umfunktionierung und Verlegenheitsnutzung. Sie verlieren mit dem "Alleinstellungsmerkmal" ihrer Bedeutung auch ihren "Nimbus", der sie über die alltägliche Stadt erhob. Ihre Steine predigen nicht mehr Sammlung, Einkehr, Besinnung, sondern klingen hohl.

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