Pro multis PDF Drucken
Samstag, den 05. Mai 2012 um 13:00 Uhr

promultisAuch einem so milden Papst wie Benedikt XVI. reißt irgendwann der Geduldsfaden. Seit Jahren sind die deutschen Bischöfe angehalten, die eucharistischen Wandlungsworte von „für alle" auf „für viele" zu korrigieren.

In einem Brief vom 14.04.2012 an die Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz hat Benedikt dies jetzt nachdrücklich eingefordert. Viel ist in der Diskussion um das „pro multis" vom biblischen Wortlaut, von Übersetzung und Interpretation die Rede. Die eigentliche Brisanz des „pro multis" liegt im Antidiskriminierungszeitalter aber woanders.

Denn „Viele" ist nicht gleichumfänglich wie „Alle", so dass ein Rest denkbar ist, der außen vor bliebe, ergo, man hört den Aufschrei der Empörung schon, „ausgegrenzt" würde.

Für den säkularen Humanitarismus der deutschen Linkskatholiken, die das Evangelium leichtverdaulich zu „einfach nur menschlich sein" verdünnen, ist das eine „unbarmherzige" Zumutung, eine „Drohbotschaft" statt der „Frohbotschaft", die da lauten soll: Alles für Alle und alles umsonst. All-Erlösung zum Nulltarif und ohne jegliches Risiko – ein wahrhaft demokratisches und inklusives Christentum eben.

Mit den korrigierten Wandlungsworten wird implizit unterschieden zwischen dem Heilsangebot, das Allen gilt, und der Heilswirklichkeit des neuen Bundes, dem die Vielen angehören, die das angebotene Heil auch annehmen.

Die Tür wurde aufgetan, hindurchgehen müssen wir jeweils selbst. Das Heilsangebot verlangt letztlich, Individuum für Individuum, eine Entscheidung für oder gegen das in Aussicht gestellte summum bonum. Wer an dem einen oder anderen Abschnitt seines Lebensweges fällt, kann zwar wieder aufstehen, und wer sich verirrt, kann wieder auf den rechten Weg kommen. Aber, so die Zumutung, es gibt auch den „point of no return". Irgendwann ist das Gesamt unserer getroffenen Entscheidungen end-gültig.

Gewürdigt aber auch gefordert zu sein, in einer schwerwiegenden Materie endgültig entscheiden zu müssen und zu dürfen, ließe sich schlicht auch als Freiheit bezeichnen.

Solche Freiheit bringt allerdings auch die Gefahr des Scheiterns mit sich – des selbst verschuldeten, selbst zu verantwortenden und im schlimmsten Fall endgültigen Scheiterns wohlgemerkt. Dass ausgerechnet eine Gesellschaft, in der permanent von der Freiheit im Sinne der „Emanzipation", der „Autonomie des Subjekts" oder des „selbstbestimmten Lebens" geredet wird, mit dieser fordernden und zumutenden Freiheit ein massives Problem hat, zeugt von einem gänzlich anderen Freiheitsverständnis.

Unter Freiheit wird heute nämlich gerade nicht das selbstbestimmte Leben verstanden, sondern das möglichst unbestimmte. Freiheit als unbestimmtes Leben in größtmöglicher Unverbindlichkeit verlangt, dass Allen alles möglich ist und alle Möglichkeiten Allen immerzu verfügbar sein sollen – ohne die Bürde der Wahl, der End-Gültigkeit oder der Fehlentscheidung.

Scheitern ist nicht vorgesehen. Scheitern in sich gibt es nicht, sondern liegt nur im Auge des diskriminierenden und „intoleranten" Betrachters. Wer zum wiederholten Male das Studium oder die Ausbildung abbricht, scheitert nicht, sondern macht lediglich eine „wertvolle Erfahrung", ist „offen", „flexibel" und „kreativ".

Gar von einem Scheitern zu sprechen, für das nicht die Gesellschaft, der Kapitalismus, die unsoziale Bildungspolitik, der Rassismus, die bürgerliche Familie oder die Schere zwischen Arm und Reich als Erklärung und Rechtfertigung dient, sondern zunächst das frei entscheidende Individuum selbst in die Verantwortung genommen wird, gilt als „menschenverachtender" Verstoß gegen die politische Korrektheit.

Für diese Freiheit des unbestimmten Lebens, quasi eine säkularisierte Version der verheißenen „Fülle des Lebens", hat das Kollektiv – die Gesellschaft und die Politik – zu sorgen.

Während eine aggressive „Toleranz" inquisitorisch darüber wacht, dass nicht etwa ein Rückfall in ein diskriminierendes Verständnis von Verantwortung und Freiheit erfolgt, liegt es am allsehenden, allgütigen und allwissenden Versorgungsstaat, die Risiken des unbestimmten Lebens abzufangen und für die Rückabwicklung misslungener biographischer Experimente die materiellen Ressourcen nebst Rundumbetreuung bereitzustellen. Ironischerweise pflegt diese Kombination aus totaler Tolerantur und totalem Versorgungsstaat dabei ihrerseits recht repressive Züge anzunehmen.

Möglich, dass die Meinungsmacher, anders als sonst bei päpstlichen Verlautbarungen, die in dem äußerlich unscheinbaren Vorgang liegende Provokation als solche noch nicht erkennen.

Linkskatholische Funktionäre, Politiker und Professoren aber wissen durchaus, was auf dem Spiel steht. Ihr Lebensprojekt, das zeitgemäße, politkorrekte Freiheitsverständnis vom unbestimmten Leben des autonomen Subjekts frei von Scheitern und Schuld, frei von Entscheidung und End-Gültigkeit sowie mit Anspruch auf alles in der Kirche und gegen die Kirche zu erzwingen, wird ausgebremst. Erfahrungsgemäß schrecken sie nicht davor zurück, sich für ihre Ziele der linken Hass-Medien zu bedienen. Aber komme was da wolle. Für freie und mündige Katholiken sollte gelten: Wir lassen uns unsere christliche Freiheit von den „Befreiern" nicht nehmen.

(Ein Gastkommentar von Theobald Krude)


E-Mail




 
 
Brief an die Freunde und Wohltäter Nr. 82

 
Erklärung des Generaloberen Bischof Fellay über die neue Pastoral der Ehe gemäß Kardinal Walter Kasper

 
Mitteilungsblatt

Gerne senden wir Ihnen das monatliche Informationsblatt der Priesterbruderschaft.

Button MB 2

 
Häufig gestellte Fragen

Meistgestellte Fragen

Stellenangebot Erzieherin/Betreuerin (St.-Theresien-Gymnasium)

intro st theresien

 
Brief an die Freunde und Wohltäter - neuer Rosenkranzkreuzzug

mgr fellay lab81

 
Offizielle Erklärung der Bischöfe der Bruderschaft

b weihen intro

 
Die katholischen Jugend der Tradition

tumbnail

 
Video von der Kirchweihe in Berlin (14 min)

kirchweihe berlin

 
Europäische Bürgerinitiative zum Schutz des Lebens

eu initiative

 
Spenden

Helfen Sie mit!
Ihre Spende zählt!

 
Ein Tag im Kloster

schwestern video

 
Aus der Reihe Humor...

 
Helfen Sie dem Theresiengymnasium!

alt

 
Lesen Sie das...

 
Zusammenfassung

Wofür steht die Priesterbruderschaft St. Pius X.?