Was im Papstbrief fehlt PDF Drucken
Freitag, den 27. April 2012 um 12:04 Uhr

Papst Benedikt hat mit seinem Brief, in dem er die korrekte Übersetzung des „pro multis“ einfordert, gezeigt, dass er nicht bereit ist, einen deutschen Sonderweg zu akzeptieren. Erfreulich ist auch der ausdrückliche Hinweis, „dass sowohl bei Matthäus wie bei Markus kein Artikel steht, also nicht ‚für die vielen’, sondern ‚für viele’“, womit wohl ein fauler Kompromiss bei der Übersetzung von vorneherein ausgeschlossen werden soll.

Offenbar darf in Deutschland aber selbst der Papst nicht „zu katholisch“ sprechen, denn es fällt auf, dass Papst Benedikt die eigentliche Begründung, warum es „für viele“ und nicht „für alle“ heißt, nicht erwähnt: In der Messe geht es nicht um das Heilsangebot, sondern um die wirksame Heilswirksamkeit. Es geht um den Neuen Bund („Dies ist der Kelch des neuen und ewigen Bundes, mein Blut ...“), und zu diesem Bund gehören nun einmal nicht alle, sondern nur viele, nämlich diejenigen, die das Heil annehmen.

Dabei war dieser Aspekt im Brief des Präfekten des Gottesdienstkongregation, Kardinal Francis Arinze, vom 17. Oktober 2006, mit dem die richtige Übersetzung erstmals angemahnt wurde, durchaus enthalten:

„Der Ausdruck ‚für viele’, der offen bleibt, um jeden Menschen in das Heil einzuschließen, bringt deutlicher die Tatsache zum Ausdruck, dass das Heil nicht automatisch geschenkt wird, quasi ohne Einbeziehung des eigenen Willens oder Anteilnahme am Heil.Der Gläubige ist vielmehr eingeladen, in Glauben das Geschenk anzunehmen, welches ihm von Gott angeboten wird, und das übernatürliche Leben zu empfangen, das demjenigen geschenkt wird, der an diesem Mysterium teilnimmt. In seinem Leben ist der Christ eingeladen, dieses Mysterium umzusetzen, um so unter die ‚vielen’ gerechnet zu werden, auf die der Text sich bezieht“.

Sehr schön erklärt auch der im Auftrag des Konzils von Trient herausgegebene Römische Katechismus, die Worte „für euch und für viele“ dienten dazu, „die Frucht und den Nutzen des Leidens zu verdeutlichen. Denn wenn wir die Kraft desselben betrachten, so muss man sagen, dass der Heiland sein Blut für das Heil aller vergossen hat; wenn wir aber die Frucht, welche die Menschen daraus ziehen, im Auge haben, werden wir leicht einsehen, dass dessen Nutzen nicht allen, sondern nur vielen zuteil werde. Indem er also ‚für euch’ sagte, meinte er damit entweder die Anwesenden oder Auserkornen des Judenvolkes, wie die Jünger waren, mit Ausnahme des Judas, mit welchen er redetet. Wenn er aber beifügte ‚für viele’, so wollte er darunter die übrigen Auserwählten aus den Juden und Heiden verstanden wissen. Es ist also Recht geschehen, dass nicht gesagt wurde ‚für alle’, da hier bloß von den Früchten des Leidens die Rede war, welches doch nur den Auserwählten die Frucht des Heiles gebracht hat“ (2. Teil, 4,24).

Nur ganz implizit könnte man diesen Gedanken auch im Papstbrief angedeutet finden, wenn Papst Benedikt erklärt, die Worte „für euch“ bzw. „für viele“ meinten eine Konkretisierung auf die anwesende Gemeinde.

Offenbar wagte der Papst aber nicht, in Deutschland ausdrücklich darauf hinzuweisen, dass eben nicht alle Menschen automatisch schon erlöst sind, sondern der Mensch die Erlösung auch annehmen und damit etwas für sein ewiges Heil tun muss.

Dass der Papst der Deutschen Bischofskonferenz einen Brief schreiben muss, um in der deutschen Kirche einer „Spaltung im innersten Raum unseres Betens zuvorzukommen“, zeigt, dass die Dinge bei uns offenbar schlimmer stehen als in anderen Teilen der Kirche, denn diese haben sich nicht geweigert, der römischen Weisung Folge zu leisten.

P.S. In diesem Zusammenhang sei auch wieder einmal auf die ausgezeichnete Studie von Manfred Hauke, „Für viele vergossen“ (Dominus-Verlag, Augsburg 2008) hingewiesen, die man über den Sarto-Verlag beziehen kann.


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