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In einem lesenswerten Artikel im Schweizer „Tagesanzeiger“ vom 13. September stellt der Psychiater Daniel Hell fest: Früher wurde mit Argumenten gerungen, heute versucht man den Gegner zu verunglimpfen und dadurch fertigzumachen. „Statt nach richtig oder falsch zu fragen und sich mit dem Andersdenkenden auseinanderzusetzen, wird der politische Gegner verunglimpft. Konservative etwa werden als ewiggestrige Neinsager hingestellt, ‚Linke und Nette` müssen es sich gefallen lassen, als Komplizen von Gesetzesbrechern und Sozialhilfebetrügern verdächtig zu werden. Diese Unkultur sei „keineswegs auf die Politik beschränkt“.
In der Tat kann die Priesterbruderschaft St. Pius X. ein Lied davon singen. Nur wenige ihrer Gegner versuchen, sich mit ihren Argumenten auseinanderzusetzen. Oft versucht man einfach, sie in die rechte Ecke zu stellen, zu verleumden und zu diffamieren, wie es vor einigen Tagen wieder Volker Beck getan hat. Aber nicht nur er, selbst Bischöfe und Theologen gehen diesen Weg, während sie ansonsten ständig von Nächstenliebe und Toleranz reden. In unserer Gesellschaft herrscht eine ungeheure Heuchelei.
Aber natürlich bekommt das nicht nur die Priesterbruderschaft zu spüren. Auch mancher Politiker hat schon erfahren müssen, dass, sobald man nicht mehr mit ihm zufrieden ist, eine einzige unkluge Bemerkung oder sogar eine Aussage, die er gar nicht gemacht hatte, sondern die nur verdreht wurde (vgl. den Fall Homann), genügt, um ihn zum Rücktritt zu zwingen.
Prof. Hell weist auch darauf hin, dass der heutige Mensch auf sich selbst verwiesen ist und darum mehr darauf angewiesen, seinen Selbstwert vor sich oder anderen unter Beweis zu stellen. Es gibt eben nicht mehr den liebenden Vater im Himmel, der einen auch dann noch liebt, wenn man Fehler gemacht oder versagt hat. Ein Mensch ohne Gottesbezug ist darum viel verwundbarer.
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