Predigt zur Profess im Karmelkloster (Brilon-Wald) PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, den 07. Juni 2012 um 07:59 Uhr

teresa avilaBrilon Wald, 5. Mai 2012

Predigt von Pater Raymond (OP) zur Profess von Schwester Maria-Ulrike Strauß (Bild: Hl. Teresa von Avila)

Einführung

In den Himmel, schnell, schnell, in gestrecktem Galopp!

Das sind die letzten Worte der Ehrwürdigen Mutter Thérèse de St. Augustin, als sie 1787 in Saint-Denis (Frankreich) starb. Sie war die achte Tochter des Königs Ludwig XV. und war Karmelitin geworden, als sie 33 Jahre war.

Diese Worte fassen gut den Gemütszustand einer Ordenschwester zusammen, die ihre Gelübde ablegt. Was sind nämlich die Gelübde? Ein Mittel, schneller, einfacher in den Himmel zu kommen. Das Ordensleben ist durch die drei Gelübde der gerade Weg, der königliche Weg in den Himmel - oder mit einer moderneren Metapher: die Autobahn in den Himmel!

Wir wollen den Sinn der Gelübde nach der Lehre des heiligen Thomas von Aquin erklären. Die Gelübde sind ein Werkzeug der Vollkommenheit. Sie sind auch – und dieser Aspekt liegt uns mehr am Herzen – ein Brandopfer und deshalb eine Weise, die Liebe zu Gott und zum Nächsten zu beweisen.

I Werkzeug der Vollkommenheit

I.1 Begriff

Was ist denn ein Gelübde? Es ist eine feste und freie Verheißung zu Gott, etwas besser zu tun. „Etwas besser", d.h. einen Akt, der Gott angenehmer ist als der gegenteilige Akt. Tatsächlich ist es an sich besser, in der vollkommenen Armut, Keuschheit und im Gehorsam zu leben. Das müssen wir erklären.

I.2 Vorteil der Gelübde

Die Gelübde bergen folgende Vorteile:

Sie vermehren den Wert der Akte des Lebens; sie heilen die Wunden der Seele; sie beruhigen gegen die Weltsorge.

I.2.1 Sie vermehren den Wert aller Akte des Lebens

Jeder Akt des Lebens wird verdienstvoller aus drei Gründen (II-II, 88, a. 6):

- Der Akt wird ein Akt der Tugend der Religion. Diese Tugend ist nun aber die edelste und verdienstvollste. Ein Akt der Enthaltsamkeit z.B. verdient mehr, wenn er aus einem Gelübde gezeugt wird.

- Das Gelübde lässt den Mensch sich Gott vollständiger unterwerfen, denn man schenkt nicht nur die Akte, sondern auch das Vermögen. Es ermöglicht, die Fülle des ganzen Lebens zu opfern; eigentlich geht das Leben nur von Augenblick zu Augenblick. Es wird als eine Folge gelebt. Durch das Gelübde aber opfert man die Gesamtheit der Zukunft.

- Vor allem stärkt es den Willen. Er steht damit endgültig im Guten. Nun verdient man mehr, indem man das Gute mit festerem Willen vollbringt. Ebenso sündigt man mehr, weil der Wille bewusster das Böse verübt.

I.2.2 Sie heilen die Wunden der Seele

Alle Menschen tragen die Folgen der Erbsünde. Von Geburt an sind wir von einer Unordnung unserer Fähigkeiten betroffen, die uns zum Schlechten geneigt macht. Auch und sogar nach dem Reinigungsbad der Taufe bleiben noch Beschädigungen, obwohl wir auf dem Wege der Heilung sind.

Wenn ein Mensch vollkommen werden will, sagt der heilige Thomas, so muss er alles von sich forttun, was ihn daran hindert, sich völlig Gott zuzuwenden, denn in der völligen Hinwendung zu Gott besteht die Vollkommenheit in der Liebe. Dreierlei sind solche Hindernisse.

- Zuerst die Bindung an weltliche Güter, welche durch das Gelübde der Armut aufgehoben wird.

- Zum Zweiten ist es die Begierde nach sinnlichen Lüsten, welche sündhafte Vergnügen sind; diese werden durch das Gelübde der Keuschheit aufgehoben.

- Drittens die Ungeordnetheit des menschlichen Willens; diese wird durch das Gehorsamsgelübde bekämpft.

Wenn diese Hindernisse beseitigt sind, fährt der heilige Thomas fort, verschwinden die Gelegenheiten zur Sünde, insbesondere zu jener Sünde, welche den Totalverlust der Liebe nach sich zieht [die Todsünde].

So sind die drei Räte wie eine Burg für die Seele.

I.2.3 Sie beruhigen die Seele gegen die Weltsorge

Schließlich verschafft der Ordensstand der Seele durch die drei Gelübde die Beruhigung gegen die Weltsorge. In der Tat gibt es drei Quellen der Besorgnis:

- die äußerlichen Güter verwalten;

- eine Familie lenken;

- die eigenen Handlungen führen.

Hier sind die drei Räte ebenso eine große Befreiung und Beruhigung: sie sind wie eine Oase.

I.3 Einwand

Hier könnte vielleicht jemand einwenden: Es scheint, die Gelübde befreien nicht. Viel mehr wird der Ordenmensch schwierig verpflichtet, etwas zu tun, was oft ihm nicht gefällt.

Dies stimmt nicht, wenn es sich um wahre Freiheit handelt, d.h. die Freiheit, das Gute zu üben. Wegen der Gelübde bringt man einfacher und tiefer gute Werke hervor. Sie sind ja eine Bremse für die verwundete Natur, aber für die echte Freiheit nicht. Sie sind wie die Schiene der Eisenbahn, wie der Damm eines Wildbaches: Diese Hemmnisse helfen, das Ziel besser zu erreichen.

So wie es die Freiheit keineswegs einschränkt, wenn man nicht sündigen kann, so bedeutet es auch keine Einschränkung der Freiheit, wenn der Wille auf das Gute gerichtet ist . „Bereue deine Gelübde nicht", sagt der heilige Augustinus. „Ganz im Gegenteil: Freue dich, dass es dir nicht erlaubt ist, etwas zu tun, das dir schaden würde."

Andererseits war es der freie Wille des Ordensmenschen, sich zu verpflichten, und es ist jeden Tag neu sein freier Wille.

Notwendigkeit, die aus einem Zwang entsteht, macht den Akt zu einem unfreiwilligen Akt und ist damit nicht lobenswert und verdienstlich. Wenn die Notwendigkeit aber aus dem Gehorsam erwächst, weit entfernt davon, auf den Willen einen Zwang auszuüben, dann schließt sie die Willensfreiheit ein in dem Sinne, dass man gehorchen will, auch und gerade wenn man ansonsten vielleicht niemals jenes Gebot als solches zu erfüllen gedacht hätte.

Bei der heiligen Theresia vom Kinde Jesu findet man einen Nachhall dieser Lehre. Ihre Schwester Céline überliefert uns folgende Worte:

„Einige Monate nach meinem Eintritt in den Karmel fand ich das Ordensleben für die menschliche Natur ein wenig hart, und Schwester Theresia vom Kinde Jesu machte mir Mut: ‚Sie beklagen sich, dass nicht Ihr Wille geschieht', sagte sie mir. ‚Das ist nicht richtig. Es stimmt schon, dass Ihr Wille nicht in jeder Einzelheit an jedem Tag geschieht, aber ist das nicht genau das Leben, das Sie sich erwählt haben? Tun Sie also Ihren Willen, indem sie ihn nicht tun, denn Sie wussten doch, auf was Sie sich einließen, als Sie in den Karmel eingetreten sind.

Ich gebe sofort zu, dass ich keine einzige Minute hier bliebe, wenn man mich zwingen würde. Wenn ich gezwungen wäre, ein solches Leben zu führen, dann könnte ich das nicht. So aber bin ich es selbst, die das will."

II Ein Brandopfer

II.1 Sich Gott ganz widmen

Die Gelübde bergen also zahlreiche Vorteile. Es wäre jedoch ein Irrtum zu denken, dass diese der erste und höchste Grund sind, sich zu engagieren. Die Seele, die das Kloster betritt, wurde tief von einer Liebe entzündet, von der Liebe Gottes. Von einer besonderen Gnade berührt, kann sie sich nicht mehr mit den irdischen Gütern begnügen. Hören wir die schönen Vorbilder unseres Herrn:

Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker verborgen war. Ein Mann fand ihn, deckte ihn aber wieder zu. Voll Freude ging er hin, verkaufte alles, was er besaß, und kaufte jenen Acker.

Mit dem Himmelreich verhält es sich auch wie mit einem Kaufmann, der edle Perlen suchte. Als er eine kostbare Perle gefunden hatte, ging er hin, verkaufte alles, was er besaß, und kaufte sie (Mt 13, 44-46).

So machen es die Ordensleute, wie der heilige Gregor der Große sagt:

Manche behalten nichts für sich selbst zurück. Ihr Denken, ihr Sprechen, ihr Leben und alles, was sie an Gütern haben, all das opfern sie dem allmächtigen Gott .

Die kontemplative Seele widmet sich Gott allein, weil Gott es verdient. Die Größe, die Transzendenz unseres Gottes, die allerheiligste Dreifaltigkeit verdienen, ja, fordern ein unaufhörliches Lob, nimmer endende Worte der Liebe und Danksagung. Da die normale menschliche Verfassung dazu nicht fähig ist, braucht die Kirche eine besondere Armee, die dazu geweiht ist, dieses Lob zu vervollkommnen und Gott ihre ganze Aufmerksamkeit zu schenken.

Die heilige Theresia vom Kinde Jesu wurde tief von dieser Aufgabe beeindruckt. Sie verstand, wie Gott Seelen sucht, die sich zu seiner Verfügung stellen, auf dass er in ihnen alles wirkt, was er will. Deshalb weihte sie sich selbst als Ganz-Brandopfer an die barmherzige Liebe des lieben Gottes:

[Ich] bitte dich, mich unablässig zu verzehren, die Ströme unendlicher Zärtlichkeit, die in dir beschlossen sind, in meine Seele überfließen zu lassen, damit ich eine Märtyrin deiner Liebe werde, o, mein Gott.

Ihre Gelübde, liebe Schwestern, beteuern der Welt, dass Gott über allem ist, dass er schön genug ist, um alle Blicke der Seele zu fesseln, hoch genug, um allen Wahrheitsbedarf der Intelligenz zu übertreffen, gut genug, um alle Wünsche des Herzens zu begnügen und zu übertreffen.

II.2 Die Weihe der Seele

Die Gelübde verwirklichen diesen Wunsch, sich aus Liebe Gott ganz zu widmen, indem sie die Seele ganz weihen, zumindest die ewigen Gelübde. Der heilige Thomas erklärt uns das (II-II, 186, 1 & 7).

„Die Profess ist wirklich ein Brandopfer. Sie bewirkt eine echte Übereignung: Der Ordensgeistliche gehört nicht mehr sich; er gehört Gott - wie eine geweihte Sache, wie z.B. ein Kelch.

Wer sich an jemanden ausliefert, um seinen ganzen Willen zu tun, gibt sich ihm unendlich mehr als jener, der an einem bestimmten Dienst teilnimmt. Deshalb gewinnen die in sich wenig bedeutenden Werke eine große Reichweite: wegen der ersten Verpflichtung, durch die der Mönch sich ganz Gott geweiht hat."

Er ist der Welt ganz und gar gestorben, damit er nur für Gott lebt; er ist von der Welt getrennt, weil er wesentlich und vollständig geheiligt ist. Nun ist das Opfer der größte Akt der Religionstugend.

Der heilige Thomas erzählt ein Gleichnis, um dies besser zu erklären:

Wenn ein Bauer jeden Apfel seines Apfelbaumes verschenkt, sobald er reif ist, ist das schon sehr großzügig. Wenn er den Baum selbst verschenkt, ist es noch besser. In gleicher Weise schenkt der Ordensmensch nicht nur tugendhafte Akte, sondern selbst die Wurzel seiner Akte: das Vermögen, das diese Akte zeugt (II-II, 88, 6).

Durch die Gelübde werden jegliche tugendhaften Akte, selbst die geringsten (spülen, atmen, sprechen, eine Nadel aufheben...), zu einer Handlung der Religion. Alles wird ein Dienst Gottes, ein Kult Gottes. Die Religion ist die Berufstugend der Ordensmenschen; deshalb nennt man sie „religieux".

Deshalb müssen Sie, liebe Schwester, müssen wir heute uns tief freuen.

Die ehrwürdige Mutter Thérèse de St. Augustin sagte:

„Ich möchte die Formel meiner Gelübde überall hinschreiben, um mein Engagement, wenn es möglich wäre, enger werden zu lassen. Es gibt keine Krone, die an die Zufriedenheit herankommt, die ich schon in diesem Leben habe, weil ich sie abgelegt habe."

Freuen auch Sie sich, liebe Familie Strauß. Sie können für Ihre Tochter und Schwester ganz beruhigt sein. Das heilige Konzil von Trient wagt zu sagen, dass der Ordensstand besser und glücklicher als der Ehestand oder die Ehelosigkeit ist. Es ist auch eine Ehre für ihre ganze Familie, eine Angehörige mit Gott zu verheiraten.

II.3 Ein apostolisches Opfer

Schließlich, liebe Schwester Maria-Ulrike, gehen Sie durch diese Gelübde in die Nachfolge Mariä. Sie haben einen marianischen Orden gewählt; sie tragen die Tracht Mariä. Sie wollen nach ihrem Beispiel die Seelen retten. Sie werden mit ihr, in ihr Mittlerin der Gnade, Mutter der Seelen werden.

Jesus sprach eines Tages zur heiligen Gertrud:

„Gib mir dein Herz! [...] Ich werde mir von jetzt an die Freude machen, mich deines Herzens zu bedienen. Es wird der Kanal sein, der die Ströme des göttlichen Trostes, die aus der Quelle meines Heiligsten Herzens fließen, über alle jene verbreitet, die dich um Hilfe ansuchen."

Je mehr eine Seele in die Vertrautheit mit Gott eintritt, desto mehr verströmt sie Wohltaten über ihre Brüder. Was für Gnaden kann sie nicht von ihrem göttlichen Bräutigam einfordern und erlangen, für die ganze Kirche zusammengenommen! Die Fruchtbarkeit der Natur, in der Ehe, bleibt begrenzt. Eine Familie zu gründen, Kinder zur Welt zu bringen und zu erziehen ist ganz gewiss ein bewundernswertes Werk und so notwendig für die Gesellschaft. Das aktive Ordensleben ist ebenso begrenzt. Im Vergleich mit der Fruchtbarkeit der Kontemplativen bleiben sie alle nur begrenzt.

Tausenden von Seelen schenken sie das Leben, begleiten sie durch ihre Gebete und ihre Opfer, und das, weil Jesus, das Wort Gottes, in ihnen lebt; durch die gottgeweihte Jungfrau schenkt er den Seelen das Licht, belebt und rettet sie. Es ist unmöglich, das Ausmaß dieser Fruchtbarkeit zu ermessen. Das kann man ein wenig mit den Schneematten vergleichen, die die hohen Gipfel bedecken. Den Sonnenstrahlen näher und von ihnen berührt, schmelzen sie und werden zu reißenden Strömen, die die Täler und Ebenen befruchten.

Der heilige Johannes vom Kreuz, der große Lehrer des Karmels, erklärt uns, warum die heilige Maria Magdalena, von diesen Grundsätzen durchdrungen, sehr bewusst die kontemplative Einsamkeit erwählt hatte, um dort ihr Leben zu beenden:

Obwohl die Predigt der heiligen Maria Magdalena sehr fruchtbar war und es in der Folge noch mehr hätte sein können, zog sie es unter dem Drang ihrer unendlichen Sehnsucht, Gott zu erfreuen und der jungen Kirche nützlich zu sein, vor, dreißig Jahre allein mitten in der Wüste zuzubringen, um sich ganz und gar der göttlichen Liebe auszuliefern. Sie war davon überzeugt, dass sie auf diese Weise mehr Früchte hervorbringe, weil ein einziger Augenblick reiner Liebe für die Kirche von höherem Nutzen und von höherer Bedeutung ist.

Schluss

Es ist also sicher ein großer Trost für die allerseligste Jungfrau Maria, dass Sie heute in ihre Fußstapfen treten. Die heilige Messe wird für Sie und die ganze Gemeinschaft zelebriert.

(Père Raymond gehört zu den Orden der Dominikaner, welche mit der Tradition verbunden sind, ebenso das Karmelkloster in Brilon-Wald im Sauerland.)


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