Predigt beim Pontifikalamt von S. E. Mgr. Bernard Fellay in München am 30. Januar 2011 PDF Drucken E-Mail
Dienstag, den 08. Februar 2011 um 09:00 Uhr


Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Liebe Gläubige,

an den Sonntagen nach der Erscheinung des Herrn bemüht sich die Kirche, an die Gottheit Jesu Christi zu denken. Sie will, dass wir uns in dieses Geheimnis vertiefen, das ein wesentlicher Kern unseres Glaubens ist. Wäre Jesus Christus nicht Gott, dann wäre unser Glaube vergebens, unsere Kirche ohne Wert.

Der heilige Paulus sagte: „Wäre Christus nicht auferstanden […], dann wären wir die ärmsten aller Menschen.“ (1 Kor 15,17–19) Deshalb will die Kirche, dass wir uns jeden Sonntag nach Erscheinung des Herrn mit einem oder mehreren Wundern Jesu Christi befassen, dass wir in diesen Wundern zuerst das bestaunen, was tatsächlich geschehen ist, damit daraus unser Glaube bestärkt werde. Er ist wirklich Gott! Und so dürfen wir heute dieses wunderbare Geschehen beim Sturm auf dem See Genezareth betrachten.

Jesus steigt mit den Jüngern in ein Schiff, sie fahren auf den See hinaus, und plötzlich bricht ein Sturm, ein gewaltiger Sturm herein, und Jesus schläft ganz ruhig. Die Apostel sind sehr damit beschäftigt, das in dieses Schiff eindringende Wasser so weit wie möglich herauszuschöpfen, aber die Wellen, der Wind und das Wasser sind zu stark; sie drohen zugrunde zu gehen und sehen sich machtlos. Die Jünger sind Fischer, sie kennen den See, sie leben davon, aber das übersteigt ihre Kraft. Ihr letztes Mittel ist, den Heiland zu wecken: „Herr, rette uns, rette uns, wir gehen zugrunde!“ Und was tut Jesus? Das ist schon erstaunlich, er beginnt mit einem gewaltigen Vorwurf: „Warum seid ihr so furchtsam?“ Was für eine Zurechtweisung, nicht wahr? Der Heiland fragt: „Warum fürchtet ihr euch, ihr Kleingläubigen?“ Er steht auf, spricht zum Wasser und zum Wind und gibt den Befehl: „Seid still!“ Von diesem Augenblick an herrscht Stille! Das Wasser wird flach wie ein Spiegel, der Wind ist verschwunden, es wird still. Kein Mensch kann so etwas tun. Wenn Sie mir nicht glauben, versuchen Sie es! Kein Mensch kann das tun. Nur der Herr, der Herr dieser Schöpfung, der Schöpfer selbst kann der Schöpfung das befehlen. Er ist Gott, er ist der Allmächtige!

Meine Lieben, es ist so einfach, so klar und der Schluss folgt unmittelbar. Und was machen die Theologen aus diesem Ereignis, die Modernisten? Wenn ich das sage, liebe Gläubige, möchte ich Sie damit warnen: Seit einem Jahrhundert sind Feinde in der Kirche, die versuchen, den Glauben mit einer unglaublichen List vollkommen zu zerstören. Sie verwenden dazu die moderne Philosophie, diese erbärmliche Philosophie, die um sich selber kreist, diese Philosophie, die behauptet, dass sie bis zur Wirklichkeit nicht vordringen kann. Sie hat sich in ihrer eigenen Gedankenwelt eingesponnen und behauptet, sie könne da nicht raus. So hat sie mit Kant und Hegel – wie dem ganzen Idealismus – begonnen und gipfelt im Modernismus. Das ist äußerst gefährlich. Warum? Weil man mit ihr den katholischen Glauben durchdringt, indem man sagt: „Ja, wir müssen glauben, dass Jesus Gott ist, wir müssen auch glauben, dass er Wunder gewirkt hat.“ Aber man hat aus diesem Glauben irgendein Wolkenschloss gemacht, das eben nicht mehr mit der Wirklichkeit verbunden ist. Man hat aus Jesus zwei „Jesusse“ gemacht, indem man annimmt, dass es in der Geschichte, also in der Wirklichkeit, einen Jesus gegeben hat, den „Jesus der Geschichte“. Aber von diesem „Jesus der Geschichte“ wird man nur eines sagen und hören: Er war ein Mensch, hat unter den Menschen gelebt und ist einmal am Kreuz gestorben. Und danach? Hier hört dieser „Christus der Geschichte“ auf! Er ist gestorben und Punkt. Das sagen katholische Theologen! Und dann zaubern sie aus der Tasche einen zweiten Christus hervor, den sie den „Christus des Glaubens“ nennen. Einer von diesen Theologen behauptet sogar, dass, hätte man am Grabe Jesu eine Kamera angebracht und versucht, den Augenblick der Auferstehung fotografisch festzuhalten, diese Kamera gar nichts aufgenommen hätte. Denn in dem Grab – behauptet dieser deutsche Theologe – ist gar nichts passiert. Er geht aber noch weiter und sagt, dass an diesem Ostertag doch etwas geschehen sei. Es sei der Tag, an dem die Apostel an die Auferstehung zu glauben begonnen hätten. Sehen Sie den Unterschied? Das hat also mit der Wirklichkeit gar nichts mehr zu tun, denn in der Welt des Glaubens erfindet man sich plötzlich etwas. Man erfindet, dass Christus auferstanden sei, man erfindet, dass Jesus Gott sei usw. Man erfindet ein neues Leben für diesen [historischen] Jesus: einen Jesus der Wunder tut. Aber dieser „Jesus des Glaubens“ bleibt eben da oben in diesem Wolkenschloss, vollkommen getrennt von der Wirklichkeit. Wenn man mit diesen Theologen spricht und sie fragt, ob sie glauben, dass Jesus Gott sei, dann antworten sie: „Ja, ich glaube, es ist schließlich der Glaube der Kirche, und wir sind verpflichtet, daran zu glauben.“ Aber dieser Glaube bleibt eben ein Märchen und bezieht sich nicht mehr auf die Wirklichkeit.

Seit einem Jahrhundert wirken diese Feinde in unserer Kirche und heute sind sie sozusagen überall in den Priesterseminaren, finden sich unter Priestern, Bischöfen und sogar Kardinälen. So viele sind diesem unglaublich gefährlichen Irrtum verfallen. Man kann es an einem einzigen Punkt nachweisen, wer nämlich einem solchen Irrglauben erliegt, der kann gewisse verbindliche Schlüsse aus ihm nicht mehr ziehen. Ist Jesus bloß ein Produkt der Fantasie – sei es meiner eigenen oder der eines Kollektivs wie der Kirche –, die man plötzlich „Glauben“ nennt, dann bleibt das wirkungslos für die übrigen Menschen. Diejenigen, die diesem Glauben nicht anhangen, sind nämlich auch nicht zu diesem Glauben verpflichtet; sie können einen anderen Glauben haben. Schauen wir, wie man daher seit dem Konzil die anderen Religionen behandelt. Man begegnet ihnen mit großer Hochachtung. Man empfiehlt sogar, für andere Christen nicht an Bekehrung zu denken. Man spricht es zwar nicht so deutlich aus, das wäre zu offensichtlich, aber in den offiziellen römischen Texten des Vatikans spricht man nicht mehr von „Bekehrung“. Man würde die Bekehrung höchstens noch im Namen der Religionsfreiheit rechtfertigen. Wenn einer sich aufgrund seines Gewissens bekehren will, dann darf er es aufgrund seiner Gewissensfreiheit. Wenn man das hört, meine lieben Gläubigen, dann fragt man sich wirklich: Kann das wahr sein? Kann so etwas wirklich in der katholischen Kirche passieren?

Ich kann Ihnen ein Beispiel von einem schismatischen Bischof geben, von einem Portugiesen, der katholischer Seminarist in Brasilien war, das Seminar verließ und zu einer schismatischen Sekte ging. Dort wurde er zum Priester und dann zum Bischof geweiht. Vor einigen Jahren hat er diesen Weg bereut und ist zu mir gekommen. Er sagte mir, er bereue das und wolle zur katholischen Kirche zurückkehren. Ich habe ihm darauf erklärt, wie die Lage aussieht und ihm gesagt, ich könne ihn schon aufnehmen, aber er werde dann unglaubliche Probleme bekommen. Es sei besser, wenn er zuerst nach Rom ginge. Das habe ich ihm so gesagt, weil sich kurz zuvor zwei orthodoxe Bischöfe bekehrt hatten und von einem ukrainischen Bischof aufgenommen worden waren. Dagegen hatten die Orthodoxen in Rom Protest eingelegt, woraufhin der Vatikan diese Rückkehr, diese Bekehrung und Aufnahme in die katholische Kirche für ungültig erklärte, weil sie ohne die Erlaubnis von Rom erfolgt sei. Deshalb habe ich ihm erklärt, wenn ich ihn aufnähme, würde dasselbe geschehen, also solle er zuerst nach Rom gehen. Er hatte die besten ökumenischen Beziehungen. Jedes Mal, wenn ein ökumenisches Treffen in Rom stattfand, war er eingeladen worden. Also ging er nach Rom und sagte dem Sekretär des Papstes (damals noch Johannes Paul II.): „Ich bereue mein Leben, ich will mich zum katholischen Glauben bekehren.“ Daraufhin beraumte der Sekretär des Papstes einen Besuch beim Präfekten der Kongregation für die Bischöfe, damals Kardinal Moreira Neves, an – einem Brasilianer, weshalb es also kein Problem mit der Sprache geben sollte. Ihm erklärte dieser Bischof, dass er sein Leben bereue und sich zum katholischen Glauben bekehren wolle, worauf der Kardinal antwortete: „Exzellenz, Sie brauchen überhaupt nicht zu konvertieren. Seit dem Konzil hat sich die Sache geändert. Sie brauchen sich nicht zu bekehren.“ Darauf fragte dieser Bischof: „Was halten Sie davon, wenn ich zur Priesterbruderschaft St. Pius X. ginge?“ – „Um Gottes willen, tun Sie das nicht! Das sind doch Fossilien!“ Am folgenden Tag rief der Kardinal den Bischof wieder an und teilte ihm mit, er habe die ganze Nacht darüber nachgedacht, es wäre gut, wenn er mit Bischof Kasper zusammentreffen würde. Und Walter Kasper sagte diesem Bischof bei der neuerlichen Begegnung: „Ich habe gehört, Sie wollen sich bekehren. Kennen Sie die Bischöfe von Utrecht?“ Darauf der schismatische Bischof: „Ja, das sind unsere Modernisten.“ Und Kasper: „Ja, ich habe gute Beziehungen zu denen. (Diese Bischöfe von Utrecht sind Altkatholiken.) Darf ich Sie einladen, sich an diese wenden?“ – Also, da kommt ein Bischof und sagt: Ich möchte katholisch werden, und was macht Rom, was tun der Kardinal der Bischofskongregation und der für den Ökumenismus verantwortliche Bischof Walter Kasper? Sie tun alles Mögliche, um auszuweichen, wenn einer sich bekehren will. Dieser Bischof ging ein zweites Mal nach Rom. Da war Kasper schon Kardinal [und Vorsitzender des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen], und dieses Mal sagte er ihm, dass er ihn wegen des Ökumenismus nicht aufnehmen dürfe.

Was ist das für ein Ökumenismus? Was sucht man für eine Einheit? Was für eine Überzeugung hat man von der Ausschließlichkeit der einzig wahren Religion? Wenn jemand sich so benimmt, dann hat er diese Überzeugung eindeutig nicht. Und warum nicht? Weil er an die Gottheit Jesu Christi nicht glaubt! Besser gesagt, weil er nicht annimmt, dass Jesus wirklich Gott ist. Denn wenn Jesus wahrhaft Gott ist, dann ist er auch die Wahrheit und der Weg, dann ist seine Kirche mit Gewissheit der einzige Weg, und dann gibt es keine anderen Wege. Das ist der Glaube der Kirche. Das ist die Lehre der Kirche. Bis zu Papst Pius XII. hat die Kirche immer nur ein einziges Wort verwendet, um die anderen Religionen zu bezeichnen. Das war sehr einfach und verständlich für alle: Sie sprach von den „falschen Religionen“. Der Buddhismus, der Islam oder die Protestanten: Sie alle waren die „falschen Religionen“. Das war allen klar. Jetzt ist das Wort „falsch“ verschwunden, es existiert nicht mehr. Und so gelangt man nach Assisi, so kommt man zu einem solchen Treffen. Ist Jesus wirklich Gott, dann kann niemand ein Assisi-Treffen veranstalten. Es geht einfach nicht. Man kann nicht Gott mitten unter Menschen einreihen, auch nicht für den besten Zweck. Gott ist Gott! Wer kann den Menschen den Frieden bringen? Wir sagen – die Kirche sagt, der Herr der Heerscharen, Jesus Christus, das ist der König des Friedens. Will man den Frieden auf Erden, dann soll man zu ihm gehen. Er wird uns den Frieden geben. In Fatima hörte man von der Gottesmutter, dass Gott den Frieden der Nationen in ihre Hände gelegt hat. Er hat ihr diese Sorge um den Frieden anvertraut, nicht den Menschen. Die Menschen können versuchen, Frieden zu schaffen, wenn sie wollen. Sie sollen es auch versuchen, aber nicht alleine. Alleine werden sie es nie schaffen, den Menschen den Frieden zu bringen. Solche Versuche werden nie gelingen – im Gegenteil. Wenn man Gott beleidigt, dann muss man sich auch auf seinen Zorn gefasst machen.

Es ist schon traurig, mehr als traurig, es ist unerträglich, was da geschieht – wenn man bedenkt, warum es geschieht. Ich bin fest überzeugt, meine lieben Gläubigen, die Lösung und die Antwort ist einzig in der Gottheit Jesu Christi zu finden. Wer wirklich daran glaubt, wird die richtigen Schlüsse daraus ziehen, er wird alle Stoffe, Gegenstände und Geschöpfe wieder in die richtige Beziehung zueinander setzen – alles an seinen Platz. Die Beziehung zwischen Kirche und Staat, die Beziehung zwischen den verschiedenen Religionen – alles wurde mit dem Konzil auf den Kopf gestellt. Und warum? Weil man einfach etwas erreichen will ohne Gott. Ein Treffen wie in Assisi, um gemeinsam Picknick zu machen, um gesellig unter Menschen zu sein, das ginge noch. Es ist ganz normal und verständlich, dass wir auf Erden versuchen, mit den anderen Menschen irgendwie in Frieden zu leben. Dass wir also eine geregelte Beziehung zu ihnen anstreben sollten, ist nicht zu bestreiten. Aber zu meinen, man könne ein religiöses Treffen mit Menschen veranstalten, die die Gottheit Jesu Christi leugnen, die es als eine Blasphemie betrachten, wenn man Jesus als Gott bekennt, das ist unmöglich. Wie soll das gut gehen? Beim letzten Assisi-Treffen hat man gesehen, was dann tatsächlich geschah. Beim ersten Assisi-Treffen hatten die Buddhisten es geschafft, ihren Götzen Buddha auf den Tabernakel zu setzen. Beim letzten Treffen sagte man dann: Das wollen wir nicht mehr, das ging zu weit. Also stellte man den anderen Religionen nun nicht mehr eine Kirche zur Verfügung, sondern versammelte sie alle im großen Kloster des hl. Franziskus und bot jeder Religion einen gesonderten Raum an. Dazu befragte man ihre Vertreter nach ihren Wünschen: Die Zoroastrier z. B. machen ein rituelles Feuer und wünschten sich daher einen Raum mit einem großen Fenster, damit der Rauch abziehen kann – das ist nachvollziehbar. Die Mohammedaner wollten einen Raum, der Richtung Mekka ausgerichtet ist – auch das ist nachvollziehbar. Die Juden aber verlangten nach einem Raum, der nie gesegnet wurde – das ist schon problematischer. Und etwas noch Erstaunlicheres geschah: Alle Kreuze wurden zu diesem Anlass abgehängt. Alle Kreuze im Kloster wurden entfernt! Ja, das Kreuz stört. Um solch ein Treffen zu ermöglichen, damit es friedlich ablaufen konnte, musste zuvor etwas evakuiert werden: das Kreuz Jesu! Buchstäblich! Das einzige Mittel des Heiles, das den Menschen gegeben ist, hat man beiseitegeschafft. Das ist nicht nur traurig, das ist Zorn erregend, wenn man dazu bedenkt, dass es nicht die UNO ist, die so etwas veranstaltet, sondern ganz offiziell die Behörden der katholischen Kirche. Und nun will man das aus Anlass des 25-jährigen Jubiläums des ersten Assisi-Treffens wiederholen. Und Papst Benedikt XVI. wird dorthin gehen.

Ja, meine lieben Gläubigen, das sind Ereignisse, die für ein katholisches Herz unverständlich sind, und sie sind äußerst gefährlich, denn sie untergraben tatsächlich den Glauben an die katholische Kirche, da man glauben lässt, dass schlussendlich mehr oder weniger alle Religionen gleich sind. Das ist das Gefährliche daran. Man nennt dies Indifferentismus, diese (natürlich mehr oder weniger große) Gleichgültigkeit. Das sind die Gefahren, in denen wir uns befinden, meine Lieben, große Gefahren für den Glauben. Es ist ganz klar, dass man angesichts solcher Gefahren nicht schweigen kann. Egal, ob die Diskussionen mit Rom platzen, wir protestieren, wir sagen: So nicht, der Herr kommt zuerst, der Glaube kommt zuerst!

Kommen wir wieder auf unser heutiges Evangelium zurück. Es ist klar, ein Sturm, ein wahrer Sturm ist für sich genommen beängstigend. Aber wir haben eben Jesus. Er mag schlafen, aber er ist da! Er bleibt im Schiff, auch wenn er zu schlafen scheint. Ich sage, „zu schlafen scheint“. Fragen wir uns doch: Wer gibt dem Wind denn seine Kraft? Wie kann der Wind eine solche Kraft entwickeln, wenn nicht derjenige, der da schläft, ihm diese Kraft verleiht? Wer legt die Höhe der Wellen fest? Warum kann eine Welle so hoch sein, eine andere so tief? Es gibt jemanden, der sich um all das kümmert, und das ist zweifellos derjenige, der da im Schiff schläft. Wer bestimmt bis zum Kubikmillimeter die Menge Wassers, die in das Boot hereinschwappt, wenn nicht derjenige, der da im Schifflein schläft? Das Schiff wird sogar von Wasser überflutet, aber er lässt das zu. Das sagt uns die Lehre der Kirche über die Gottheit unseres Herrn Jesus Christus: Er ist der Gott, er ist der Schöpfer, er hat uns alle aus dem Nichts erschaffen. Ein jedes Geschöpf hat in ihm seinen Bestand. Wenn wir etwas Gutes in uns sehen, dann müssen wir mit dem hl. Paulus sagen: „Was hast du, das du nicht empfangen hättest“ (1 Kor 4,7). All das Gute, das wir in uns haben, kommt von ihm, dem Schöpfer, der zugleich auch Vorsehung ist, der alles regiert bis ins Kleinste, bis zum kleinsten Tröpfchen Regen. Wenn ein Regen kommt, dann weiß er ganz genau, wie viele Tropfen fallen und wo sie fallen. Das ist der große Gott, der uns sagt, es gebe nicht ein Haar, das von unserem Haupt falle ohne seine Erlaubnis. Wir wissen nicht einmal, wie viele Haare wir haben. Er weiß es nicht nur, sondern er gibt jedem Haar, das ausfällt, die Erlaubnis dazu. So groß ist also der allmächtige Gott, und wir haben trotzdem Angst. Verdienen wir dann nicht den Vorwurf „Kleingläubige“?

Wenn es falsch läuft in der Kirche, wenn solche Prüfungen kommen, liebe Gläubige, dann müssen wir uns immer sagen: Es gibt einen, der über alles die Kontrolle hat, und das ist der Herr. Deshalb nennen wir ihn auch „Herr“, unseren Herrn Jesus Christus. Es gibt nicht ein einziges Übel auf Erden, das er nicht zulässt. Man kann sich immer fragen, warum. Warum lässt der liebe Gott solche Übel zu? Die Antwort darauf kennen wir, sie lautet immer: weil er größer ist, weil er daraus etwas Größeres, etwas Besseres machen wird, auch wenn wir es nicht direkt sehen. Manchmal kann man es mit der Zeit im eigenen Leben feststellen, sicher werden wir es im Himmel verstehen, aber wir wissen schon jetzt, dass es in jedem Fall immer um der Offenbarung einer der Eigenschaften Gottes willen geschieht. Und wir wissen auch, dass der liebe Gott etwas Schlechtes nicht deshalb zulässt, weil er es nicht besser machen kann – nein, keineswegs. Das anzunehmen wäre Blasphemie. Nein, er steht unendlich weit darüber. Wir Menschen sind so in dieser Welt von Gut und Böse befangen, dass wir dazu neigen, immer gleich zu handeln. Manchmal hat man den Eindruck, dass das Böse zu siegen scheint. So ist es aber nicht. Gott hat immer das letzte Wort. Wenn er uns solchen Widrigkeiten aussetzt, dann prüft er uns, und wenn er das tut, bietet er uns immer auch die Mittel an, die wir brauchen, um diese Prüfungen zu bestehen und zu überwinden. Gott wird nie zulassen, dass wir in Versuchungen geraten, in denen wir vom Bösen, vom Teufel, von der Sünde überwältigt werden können. Daran dürfen wir nie zweifeln. Gott ist immer da und er ist ein gütiger Gott. Er schickt uns zwar die Prüfung, aber nur, damit wir diese bestehen und als Sieger daraus hervorgehen, nicht aber, dass wir untergehen sollen, auch wenn wir zuweilen den Eindruck haben, wir seien machtlos.

Das heutige Tagesgebet ist so kraftvoll und schön. Es beginnt mit den Worten: "… in tantis periculis constitutos – wir sind in so großen Gefahren" irgendwie „eingebürgert – constitutos"; wir sind ihnen nicht nur „ausgesetzt“, wir sind vollkommen darin „befangen“. Das Gebet spricht weiter von der "humana fragilitas – der menschlichen Gebrechlichkeit“, die diese Gefahren alleine nicht bestehen kann. Also menschlich gesehen, wenn wir nur mit menschlichen Mitteln kämpfen, dann gehen wir sicher unter. Das will diese Oratio nicht sagen, sondern sie meint: Wir brauchen Gottes Hilfe und Unterstützung, und wer weiß, ob der liebe Gott uns nicht gerade deswegen eine Prüfung schickt, damit wir uns schließlich oder häufiger an ihn wenden, damit wir uns vor ihm demütigen und ihn um seine Hilfe bitten. Eines, meine lieben Gläubigen, ist sicher: Wenn der liebe Gott uns erschaffen hat, dann nur für einen Zweck, nämlich den Himmel. Wenn der liebe Gott eine Seele erschafft, ist sein einziger Gedanke, aus dieser Seele ein Kind Gottes für die Ewigkeit zu machen. Er lässt dieser Seele ihren freien Willen, aber er belässt sie nicht ohne seine Hilfe. Sie soll sich frei für Gott entscheiden, Gott als ihren Vater anerkennen und diese Erkenntnis in den Prüfungen des Lebens unter Beweis stellen. Die Kirche belehrt uns darüber hinaus, dass es ein Gebet gibt, das unfehlbar ist, d. h. welches immer erlangt, worum es bittet, und das ist das Gebet für das eigene Heil. Wenn wir es richtig beten, d. h. unter den gewöhnlichen Bedingungen des Gebetes, die da sind der Glaube, die Beharrlichkeit, das Vertrauen und die Demut – und die Erfüllung dieser einfachen Bedingungen genügt –, dann ist dieses Gebet unfehlbar. Das bedeutet, wer jeden Tag für sein Heil bittet, der darf sicher sein, gerettet zu werden. Der Heiland hat es versprochen. Gott hat es versprochen, und er ist an sein Versprechen gebunden. Er wird uns retten. Daran dürfen wir nicht zweifeln, auch wenn wir uns in den größten Prüfungen befinden. Auch das ist unfehlbar wahr.
Lassen wir uns also nicht entmutigen, auch wenn die Lage in der Kirche von Neuem bedrückend erscheint. In den letzten Monaten konnte man den Eindruck gewinnen, Rom kehre wieder zum Altgewohnten [unter Johannes Paul II.] zurück. Das macht nichts, wir lassen uns trotzdem nicht entmutigen, sondern gehen unseren Weg weiter: Wir wollen, dass die Kirche den katholischen Glauben und nur den katholischen Glauben verkündet. Sie ist die katholische Kirche. Von ihr erwarten wir die Verkündigung des wahren Glaubens und die Gnadenspendung. Das erwarten wir von der Kirche, und das verlangen wir von den Behörden der Kirche.

Wenden wir uns an die Gottesmutter. Bereiten Sie sich also vor, meine lieben Gläubigen, ich glaube, wir sind bald wieder reif für einen neuen Kreuzzug, für einen neuen Rosenkranzkreuzzug. Wenn wir jetzt auf die Lage der Kirche und der Welt schauen, dann sollten wir wieder einmal zu unseren Rosenkränzen greifen. Wie lange die Krise noch andauert, weiß ich nicht. Viele fragen mich, was aus dem letzten Kreuzzug geworden ist, was mit den gebeteten 19 Millionen Rosenkränzen geschehen ist. Wir dürfen nicht daran zweifeln, dass der liebe Gott uns gehört hat, nur müssen wir ihm zugestehen, dass er seine Pläne damit erfülle - so, wie er es will. Der Triumph der Gottesmutter wird kommen, die Weihe Russlands wird kommen, aber wann und wie, das müssen wir dem lieben Gott überlassen. Ich habe die gebeteten Rosenkränze dem Papst überbringen lassen, und ich habe die menschliche Gewissheit, dass sie übermittelt wurden, das wurde mir bestätigt. Aber eine Antwort habe ich bis heute nicht erhalten. Eigentlich habe ich nie eine Antwort bekommen, auf keinen meiner Briefe an den Papst, es ist nie eine Antwort gekommen – nie, nicht ein einziges Mal! Warum? Manchmal kann man feststellen, dass das Staatssekretariat Mitteilungen an den Papst nicht weiterleitet. Solche Fälle sind vorgekommen. Das kann auch hier der Fall sein, oder aber der Papst selbst hat tatsächlich nicht reagiert. Ich weiß es nicht. Es ist auch gleichgültig: Wir haben gebetet. Aber vielleicht verhält es sich auch so wie im Evangelium, in dem Gleichnis des Heilands von dem Freund, der in der Nacht an die Türe klopft und um Brot bittet, während es im Haus heißt: „Wir sind alle schon im Bett, wir wollen nicht.“ Der Heiland zeigt uns da, dass wir mehrere Male an die Tür klopfen sollen, so lange, bis wir das Brot bekommen. Wie Sie wissen, will der liebe Gott bei großen Anliegen, dass wir zeigen, dass wir das, um was wir bitten, auch wirklich schätzen, und dass wir bereit sind, den Preis dafür zu bezahlen. Deshalb werden wir zweifellos – das Datum für den Beginn des Rosenkranzkreuzzuges habe ich noch nicht ganz festgelegt – wieder einmal zur Gottesmutter gehen. Wir werden versuchen, dem Vorwurf des Heilandes „ihr Kleingläubigen“ zu entgehen, und werden trotzdem weiter bitten und mit den Aposteln flehen: „Herr, rette uns! Du kannst es. Wenn Du es nicht tust, dann gehen wir zugrunde. Mit Dir aber sind wir sicher, als Einzelne und als Kirche.“

Er ist der Herr, und die Kirche bleibt heilig trotz all dieser Gebrechen. Möge diese heilige Messe, möge dieses Wunder [im Evangelium] uns wirklich der Gottheit unseres Herrn Jesus Christus vergewissern und unseren Glauben stärken. Erflehen wir inständig diese Gnade, dass wir unseren Heiland wirklich als Gott anerkennen, nicht nur in der Theorie, in einer Art Wolkenschloss, sondern täglich bei einer jeden Tat, in jedem Augenblick. Bitten wir, dass wir alles tun zur größeren Ehre und Verherrlichung unseres Heilandes und Retters, des großen Gottes Jesus Christus, des Mensch gewordenen Wortes Gottes. Amen.

(hier können Sie die Predigt auch anhören...)

 


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