Predigt von Pater Stefan Frey (Regens) zur Primiz von Pater Sandmark (Schweden) PDF Drucken E-Mail
Samstag, den 10. Juli 2010 um 07:36 Uhr

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Exzellenz, lieber hochwürdiger Herr Primiziant, liebe Mitbrüder in Christus, geliebte Gläubige.
Wie muss es einem zu Mute sein, wenn man nach jahrzehntelangem Suchen das heiß ersehnte Ziel gefunden hat? Wenn ein uralter, brennender Herzenswunsch endlich in Erfüllung gegangen ist? Wer vermöchte ein solches Glück zu beschreiben! Gestern ist Ihnen, lieber Herr Primiziant, dieses Glück zuteil geworden, worüber wir uns alle aus ganzem Herzen mit Ihnen freuen. Wir beteiligen uns heute an Ihrer Danksagung, die nun Ihr ganzes Priesterleben lang lebendig in Ihrem Herzen bleiben wird.

In Ihrem Weihegesuch schrieben Sie vor einigen Tagen: Meine Sehnsucht nach der Priesterweihe ist über 50 Jahre alt. Und in der Tat, schon als kleiner Junge von fünf Jahren haben Sie in sich den Ruf vernommen: Gott wünsche von Ihnen, dass Sie Priester werden. Bevor Sie überhaupt wussten, was ein Priester genau ist. Damals, vor 58 Jahren, als die priesterliche Berufung in Ihrem Herzen aufkeimte, konnten Sie nicht ahnen, wie lange der Weg zum Priestertum dauern und über wie viele Umwege er führen würde. Sie sind nämlich in der schwedischen lutherischen Landeskirche aufgewachsen und glaubten, wie so viele andere Schweden, Sie wären in der wahren Kirche Christi. Die Landeskirche sei sozusagen die katholische Kirche in Schweden. Sie sei die Fortsetzung der Kirche der Heiligen Birgitta und der schwedischen Glaubensboten des 11. Jahrhunderts. Es war für Sie auch sehr schwierig, die wahre Kirche zu erkennen, da die katholische Kirche auch in Schweden, wie überall auf der Welt, die Verwüstungen des eindringenden Modernismus erlebte und die Liturgie dann bald schlimmer wurde als die lutherische Liturgie, die immerhin ein äußere, traditionelle Prachtentfaltung bewahrt hatte. So war Ihnen der Weg zum wahren Priestertum noch verschlossen. Sie wurden protestantischer Pastor.

Doch Gottes Vorsehung wachte über Ihnen. Sie kamen in Berührung mit der mittelalterlichen Theologie und Mystik, die Sie tief beeindruckte. Und bald reifte in Ihnen die Überzeugung von der Wahrheit des katholischen Glaubens. Ihre Predigten wurden fortan immer katholischer - zum wachsenden Erstaunen Ihrer Zuhörer. Sie gründeten sogar eine Augustinerordensgemeinschaft mit den Gelübden der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams.
Die Konversion zum katholischen Glauben wäre nun das Naheliegendste gewesen. Doch sie scheiterte an den ökumenischen Rücksichten. Der katholische Bischof von Stockholm wollte Sie nicht in den Schoß der katholischen Kirche aufnehmen. Und so vergingen noch zehn Jahre, bis Sie durch einen glücklichen Zufall - oder besser gesagt durch das Walten der göttlichen Vorsehung - die Priesterbruderschaft St. Pius X. kennen lernten. Es war im August 2005, als Sie eine französische Pilgergruppe der Tradition in Ihrer Pfarrei empfangen haben. Von der ersten Bank Ihrer wunderschönen Kirche in Oskarshamn wohnten Sie der heiligen Messe von Pater Peignot bei. Das erste Mal sahen Sie eine tridentinische Messe. Und Ihr Urteil nach der Messe dann in der Sakristei kam ganz spontan über Ihre Lippen: Das ist genau das, was ich gesucht habe.

Bald darauf kamen Sie in Kontakt mit Herrn Pater Schmidberger. Und nun entwickelten sich die Dinge sehr rasch. Hier in der Bruderschaft entdeckten Sie, was Sie in der Tiefe Ihres Herzens seit Jahren ersehnten: den unverkürzten katholischen Glauben, die Treue zur immerwährenden Tradition der Kirche und somit eben auch die Kirche der heiligen Birgitta, des heiligen Ansgar.
Der Entschluss zur Konversion duldete nun keinen Aufschub mehr. Nach der gebührenden Vorbereitung traten Sie im Sommer 2006 der katholischen Kirche bei. Es war die große Heimkehr nach Hause, wie Sie sich damals ausdrückten. Und jetzt stand Ihnen der Weg zum Priestertum auch offen, den Sie in den vergangenen vier Jahren hier im Priesterseminar beherzt gingen und der Sie endlich zum so lange ersehnten Ziel geführt hat. Sie sind nun Priester auf ewig nach der Ordnung des Melchisedek.
Rückblickend dürfen wir Ihnen vielleicht die Frage stellen: Hat sich denn dieser so lange, dornenreiche Weg für Sie gelohnt? Ich bin überzeugt, Sie werden keinen Augenblick zögern: Ja, tausendfach hat er sich gelohnt. Denn das Priestertum ist eine so überaus erhabene Gabe Gottes, und die dem Priester übertragene Sendung ist so hoch bedeutsam und notwendig für das Heil der ganzen Welt, dass dafür keine Anstrengung zu hoch angesetzt werden kann.

Ja, und nun in der Festfreude des heutigen Primiztages wollen wir über das sprechen, was Ihr Glück ausmacht, die Würde, zu der Sie berufen sind. Und wir wollen auch fragen nach Ihrer Sendung, die Ihnen nun übertragen ist. Wir können diese Frage nicht beantworten, ohne dass es uns dabei schwindelig wird. Sie sind Priester. Was ist der katholische Priester? Der katholische Priester ist Mittler zwischen Gott und den Menschen. Er ist von Gott erwählt, aus den Menschen genommen und steht nun zwischen Gott und den Menschen. Aber wie hoch steht er, der Priester, zwischen Gott und den Menschen? Erreicht er die Höhe der Engel? Ja. Aber nicht nur das. Er wird weiter emporgehoben, und zwar bis zur Würde des Gottmenschen selbst. Ja, wie das? Das Priestertum ist seinem innersten Wesen nach nichts Geringeres als eine wahre Teilnahme am gottmenschlichen Dasein unseres Herrn Jesus Christus. Oder, wie die Theologen sagen: an der Gnade der hypostatischen Union. Das heißt also: an der Verbindung der göttlichen und der menschlichen Natur des Heilandes. Warum dies? Weil darin das Priestertum Christi begründet ist. Christus ist ewiger hoher Priester, weil er Gottmensch ist. Weil Christus sowohl Gott als auch Mensch ist, ist er der perfekte Mittler. Seinem Wesen nach sogar ist er Mittler. Denn als Gott kann er die Allerheiligste Dreifaltigkeit vertreten. Und als Mensch vertritt er die Menschheit. Kein anderer war dazu in der Lage.

Und nun, lieber Herr Primiziant: An dieser priesterlichen Würde Christi als Mittler haben Sie Anteil. Diese Würde ist so groß, dass der Priester selbst sie nie begreifen kann. Könnte er sie begreifen, sagt der heilige Pfarrer vor Ars, würde er sterben vor Liebe. Sein Herz würde zerspringen, wenn er sähe, was ihm Gott alles - ganz unverdienter Weise - geschenkt hat. Fragen wir aber etwas weiter: Mittler zwischen Gott und Menschen, das ist ja schön. Aber brauchen ihn die Menschen, diesen Mittler zwischen ihnen und Gott? Oh ja, oh ja, und wie sie ihn brauchten! Denn die Menschen hatten mit Gott gebrochen. Sie hatten ihn zurückgewiesen, obwohl er ihr Ursprung und Ziel ist. So entstanden gewissermaßen zwei befeindete Parteien. Einerseits Gott, der unendlich beleidigt wurde, und dann die Menschheit, auf welcher eine grenzenlose Schuld lastet. Diese Sündenlast schafft einen unüberwindbaren, tiefklaffenden Abgrund, der uns von Gott trennt. Wir sind Kinder des Zornes geworden. Und wir hatten keine Möglichkeit, diesen Abgrund zu überwinden. Er war zu tief, er war zu weit. Gott wollte aber nicht, dass dieser Abgrund ewig bestehen bleibt. Er wollte nicht, dass jene, die er geschaffen hat für die ewige Herrlichkeit, definitiv von ihm getrennt seien. Und darum hat sich der Sohn Gottes anerboten, Mittler zu sein. Gesandt von seinem himmlischen Vater und selbst getrieben von seiner eigenen, unendlichen Liebe, ist er Mensch geworden, Hoherpriester: mit dem Auftrag der Vermittlung, der Versöhnung der Menschen mit Gott. Und wir wissen alle, wie er dieses Versöhnungswerk vollbrachte, diesen Abgrund überwand, nämlich durch sein hochheiliges Erlösungsopfer am Kreuz. Sein Kreuz ist gewissermaßen die Brücke, über welche wir über diesen Abgrund zurückgelangen zum himmlischen Vater. Christus ist Pontifex. Pontifex, das heißt Brückenbauer. Und dieser Brückenbau, das war die größte Heldentat der Menschheitsgeschichte. Ohne diese Brücke des hochheiligen Kreuzes wären wir auf ewig verloren gewesen. Und darum müssen alle Menschen zu Jesus Christus kommen, weil es außerhalb von ihm kein Heil geben kann, ohne ihn keine Chance, gerettet zu werden. Kein anderer als er konnte dieser Mittler sein. Und welch ein Wahnwitz wäre es, wenn man sagte, wir brauchen Christus und seine Brücke nicht. Wir schaffen es ohne sie, den Abgrund zu überwinden. Aber genauso spricht man heute. Diese neue, esoterische Religiosität des New Age verkündet eine Selbsterlösung ohne Christus. Tja, wir haben eine neue Methode der Gottfindung. Ganz neue Techniken geistigen Weitsprungs, mit denen wir glauben, den Abgrund überspringen zu können. Aber welche Illusion, welche Illusion, in welcher sich heute Millionen von Menschen befinden. Ein geistiger Sprung, der aber im Abgrund landet. Und im Abgrund endet.
Gott will aber nicht, dass wir im Abgrund enden. Und für uns wäre es auch alles andere als gut. Und darum hat er eben das Priestertum des neuen Bundes eingesetzt und der Kirche Christi anvertraut. Sie, lieber Herr Pater, dürfen das Mittleramt und die Sendung Christi weiterführen - eben das Werk der Erlösung. Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch, sagte der Heiland zu seinen Aposteln.
Und das Gleiche spricht er nun zu Ihnen, lieber Herr Primiziant. Als Prediger werden Sie den Menschen den Weg zu Christus und zur rettenden Brücke zeigen. Als Darbringer des heiligen Messopfers errichten Sie die Brücke dort, wo Sie wirken, und in der Zeit, in der Sie priesterlich tätig sind. Als guter Hirte führen Sie die Menschen über den Abgrund hin zum ewigen Leben. Eine dreifache Aufgabe. So nehmen Sie teil am dreifachen Amt der Mittlerschaft Christi.
Wir wissen, Christus ist Doktor, er ist Lehrer der Menschheit, er ist Sanktifikator, Heiliger der Menschheit durch die Darbringung des Erlösungsopfers am Kreuz. Dann ist er Pastor, der gute Hirte der Menschheit. Der Hirte, der durch sein eigenes Beispiel den Schäflein vorangeht und sie zu einem heiligen Leben führt. Das wird fortan auch Ihre überaus erhabene Aufgabe als Priester sein. Und als Gesandter Gottes bringen Sie den Menschen einen dreifachen göttlichen Schatz: den Schatz der Lehre, der göttlichen Offenbarung, der Glaubenswahrheiten, den Schatz der Erlösungsgnaden, um die Menschen zu heiligen, dann den Schatz der heiligen Gebote, um sie auf dem Weg zu führen.

Betrachten wir nun diese dreifache Sendung etwas im Einzelnen:
Zunächst haben Sie Anteil am Lehramt Christi. Sie sind Verkünder der göttlichen Wahrheit, die der Heiland vom Himmel gebracht hat, also Herold der Botschaft Christi, der Vermittler des Glaubens. Das ist die erste Aufgabe des Priesters. Denn bevor die Menschen den Weg des Heiles gehen können, müssen sie ihn zuerst kennen lernen, und drum hat auch Christus zuerst gepredigt und erst dann sein Opfer der Erlösung dargebracht. Diese Verkündigung der göttlichen Wahrheit ist eine der schönsten und wichtigsten Aufgaben, die es überhaupt geben kann. Denn wonach dürstet der geistbegabte Mensch mehr im Tiefsten seiner Seele als nach der Wahrheit. Er möchte und muss doch wissen, woher er kommt, wer er ist und wohin er geht. Ohne dieses Wissen ist er völlig orientierungslos, geht blind durch das Leben, durch die Welt. Das Leben muss ihm letztlich sinnlos erscheinen. Und genau das ist der Zustand der heutigen Menschheit. Nichts brauchen also die Menschen heute so dringend wie diesen Dienst der Verkündigung der Wahrheit. Das ist allerdings eine Aufgabe, die alles andere als einfach ist, die sogar zum Teil gefährlich ist. Die Wahrheit wird nicht immer geliebt. Vielfach wird sie gehasst. Oder sie wird gleichgültig abgewiesen Denn die Wahrheit ist anspruchsvoll. Sie fordert von den Menschen, sich ihr zu unterwerfen und ihr Leben nach ihr auszurichten. Und das wollen natürlich nicht alle. Viele lieben ihre Illusionen, ihren Egoismus, ihre Profit- und Machtgier. Und darum hassen sie die Wahrheit. Und zudem hat auch der Teufel an der Ausbreitung der göttlichen Botschaft alles andere als Freude. Und das ist der Grund, warum die Glaubensboten in der Geschichte oft verfolgt wurden, sogar bis in den Tod. Und angesichts all dieser Schwierigkeiten muss der Priester mit Mut und Entschlossenheit den Glauben verkündigen, im Vertrauen auf die Hilfe Gottes. Aber er muss auch bereit sein - wie sein Meister - für sein Zeugnis Unbill zu erdulden, ja, sogar sein Leben hinzugeben. Und da darf er sich durch Widerstände und Erfolglosigkeit nie beeindrucken oder abschrecken lassen. Sie, lieber Herr Neupriester, Sie werden nach Schweden gesandt. Rein menschlich gesehen, haben Sie dort keine großen Chancen, viel auszurichten. Doch rein menschlich gesehen, waren die zwölf Apostel, unbedeutende Fischer, auch chancenlos. Ihre Zeit war nicht viel anders als die unsrige. Doch sie trugen allen Widerständen zum Trotz das Licht des Evangeliums in alle Welt. Und die Völker wandelten sich nach und nach um. Und so ist die christliche Zivilisation entstanden. Der Priester muss also an seine Sendung glauben, an die übernatürliche Kraft, die im Wort Gottes verborgen liegt. Denn das Wort Gottes ist lebendig, sagt der heilige Apostel Paulus. Das Wort Gottes ist lebendig, wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert. Es wäre also ein verhängnisvoller Fehler, wenn der Prediger sich von rein menschlichen Erfolgsaussichten bestimmen ließe. Wenn er nur das sagte, was den Leuten gefällt, hingegen das unterschlägt, was ihnen nicht passt. Wer ein anderes Evangelium predigt als das Evangelium Christi, der ist, nach dem Zeugnis des Apostels, verflucht. Aber genau das, wir wissen das alle, genau das geschieht heute allzu häufig. Man reduziert das Evangelium auf eine rein soziale, politische Botschaft, auf eine oberflächliche, kraftlose Mitmenschlichkeit. Und das ist die Kapitulierung vor dem Zeitgeist. Oder deutlicher gesagt: Das ist der Verrat an der Sendung, die Christus der Kirche gegeben hat. Und ich denke, das ist ein Hauptgrund für das Desaster heute in der Kirche. Die Predigt wirkt oft so fruchtlos, steril. Und es interessiert letztlich niemanden, wenn ein Priester seine persönlichen Ansichten zum Besten gibt. Nein, die Predigt, sie muss schon ein bisschen schockieren und aufrütteln. Gerade das Unerhörte der göttlichen Botschaft ist es, was die Leute aufhorchen lässt. Wenn sie hören, dass das Leben mehr ist als das, was die heutige Diesseits-Kultur, die Spaßgesellschaft zu bieten hat. Wenn sie hören, dass sie zu Höherem berufen sind, zur Heiligkeit, zur Teilnahme am Leben Gottes, und dass sie Pflichten haben gegenüber Gott und der Gesellschaft, die sie nicht ungestraft vernachlässigen dürfen. Die erfolgte Sendung des Priesters ist also verknüpft mit der Verkündigung der ganzen Botschaft. Ohne Abstriche, ob gelegen oder ungelegen, wie der heilige Paulus sagt. Als Gesandter Gottes muss er eben alles verkündigen, was Gott ihm aufgetragen hat. Und darum, lieber Herr Primiziant, seien Sie ein eifriger Verkünder der frohen Botschaft Christi. Wenn Sie nach Schweden zurückkommen werden: Nutzen Sie jede Gelegenheit, den Menschen das Licht der Wahrheit zu bringen. Dadurch rufen Sie sie von ihren Irrwegen zurück und führen sie zu den Quellen der Gnade. Sie zeigen ihnen die Nichtigkeit der irdischen Güter und wecken in ihnen die Sehnsucht nach dem Ewigen.

Dann, zweitens, lieber Herr Primiziant: Nach der Predigt der frohen Botschaft haben Sie die Aufgabe, die Menschen zu heiligen und ihnen so das ewige Leben mitzuteilen. Sie werden es tun in der Spendung der heiligen Sakramente. Die sieben Sakramente sind ja die Heilskanäle, die Kanäle der Heilsgnaden, die aus einer gemeinsamen Quelle hervorfließen, nämlich dem Erlösungsopfer Christi, das fortdauert in der heiligen Messe. Und es kann nichts Größeres, Gewaltigeres gedacht werden als der Vollzug der heiligen Sakramente. Hier steht der Priester in ganz besonderer Nähe zu Christus. Er ist ganz Instrument in seiner Hand. Das heißt, Jesus bedient sich seiner, um den Menschen zu begegnen, sie von ihren Sünden zu reinigen, sie zu stärken und zu heiligen. Ja, sie sogar in das innergöttliche Leben hineinzuziehen.
Aber, wissen Sie, Herr Pater, wann der Priester den höchsten Gipfel in seinem Tun erreicht? Das wird er dann tun, wenn er das heilige Messopfer feiert. Wenn Christus durch ihn hindurch sein Erlösungsopfer vergegenwärtigt, dann kann es auf dieser Welt, objektiv gesehen, kein gewaltigeres Geschehen geben. Man kann sogar sagen: Wenn der Priester die heilige Messe feiert, erreicht die ganze Schöpfung ihren Höhepunkt und ihr Ziel. Aber wie das? Ganz einfach. Alles, was geschaffen wurde, das Universum, alle Wunder der Natur, die Menschen, sogar die Engel, sie wurden erschaffen für unseren Herrn Jesus Christus. Oder genauer gesagt: Sie wurden erschaffen darauf hin, dass dann Gottes Sohn eines Tages in die Welt kommen würde, um im Namen aller Geschöpfe die Herrlichkeit Gottes zu besingen, Gott zu loben und zu preisen. Und das tut Jesus und mit ihm vereint die Kirche in jeder heiligen Messe: die Glorie des dreifaltigen Gottes zu besingen, im Namen sämtlicher Geschöpfe. Und ich würde sagen, genau das erleben wir in der heutigen Primizmesse auf sehr spürbare Weise. Wir alle hören den wunderbaren Vogelgesang und wie sich dieser Gesang mit den gregorianischen Melodien vermischt und wie dieses herrliche Konzert sich mit dem Gebet des Heilandes vereinigt. Und es ist wirklich wunderbar, was wir sehen und hören. Genau darin besteht die Sendung Christi. Er ist in die Welt gekommen, um den Lobpreis Gottes in unendlicher Vollkommenheit zu singen. Gewiss, er ist auch gekommen, um uns zu erlösen. Klar. Aber in erster Linie, um den Lobpreis der Schöpfung Gott darzubringen, denn das gehört auch zu seiner Mittleraufgabe: im Namen der Geschöpfe Gott vollkommenes Lob zu bereiten. Und dies, lieber Herr Primiziant, wird nun täglich Ihre schönste, vornehmste Aufgabe sein, wenn Sie zum Altar emporschreiten. Und Sie werden diesen Lobpreis Gottes fortsetzen in allen liturgischen Diensten, im Breviergebet sowie in Ihren persönlichen Gebeten und Opfern. Welch ein Glück, Sänger Gottes sein zu dürfen mit Christus und durch ihn in der Vereinigung mit den heiligen Engeln. Wenn das nicht schon der Himmel auf Erden ist! Und dies gilt auch für Sie, liebe Gläubige, wenn Sie die heilige Messe lieben, wenn Sie bestrebt sind, aus ihr zu leben, dann wird Ihr Leben nach und nach auch zu einem Lobpreis der Gnade Gottes, wie der heilige Paulus im Epheserbrief so schön sagt.

Kommen wir zum Schluss noch zum Amt des Leitens. Zu diesem dritten Amt, das der Priester zu verwalten hat. Wie Christus werden Sie, lieber Pater Sandmark, guter Hirte sein. Wie er werden Sie die Ihnen anvertrauten Seelen anleiten. Sie werden sie zur Bekehrung und Buße aufrufen, sie an die Gebote Gottes erinnern, die sie beobachten sollen. Aber Sie werden ihnen auch in Rat und Tat zur Seite stehen, sie trösten, ermuntern und anspornen zum Guten. Vor allem werden Sie durch Ihr eigenes Beispiel vorangehen. Als Hirt müssen Sie aber auch Ihre Schäflein vor den Wölfen warnen, vor dem Teufel, seinem Anhang. Vor den Gefahren der falschen, destruktiven Ideologien, vor einem Leben der Sünde. Und vor allem vor der größten Gefahr, nämlich jener, ewig verloren zu gehen. Und wiederum ist es der Heiland selbst, der durch Sie hindurch wirken wird und die Seinen auf ihrem Weg zum Himmel führen wird.

Lieber hochwürdiger Herr Primiziant, als Priester, Gesandter Gottes, werden Sie künftig also diesen dreifachen, hochheiligen Dienst vollziehen. Größte und heiligste Schätze sind Ihrer Verwaltung anvertraut. Die wunderbarste Aufgabe, die man sich denken kann, werden Sie in Angriff nehmen. Und Sie werden es tun, ich bin überzeugt, sie werden es tun mit der ganzen Freude und Begeisterung Ihrer priesterlichen Seele, dieser Seele, die kein Alter kennt, sondern stets jugendlich bleibt. Es kann aber auch sein, dass ein leises Bangen Ihre Seele beschleicht im Gedanken an die hohe Verantwortung, die nun auf Ihren Schultern lastet. Zudem wissen wir ja auch, dass wir die uns anvertrauten Schätze in zerbrechlichen Gefäßen tragen. Besteht da nicht die Gefahr zu versagen? Der Verantwortung nicht gerecht zu werden? Oh ja. Diese Gefahr besteht in der Tat. Aber nur dann, wenn der Priester sich auf seine eigenen Kräfte stützen würde. Nicht aber, wenn er sich ganz und gar auf seinen Herrn und Meister stützt und sich ihm immer wieder von neuem hingibt.
Wenn Sie sich in allem bemühen, lieber Herr Primiziant, in seiner Liebe zu wachsen, sein Leben nachzuahmen - und Sie sollen ja auch ein lebendiges Abbild Christi werden, und die Menschen sollen in Ihnen den ewigen Hohenpriester und die Güte des göttlichen Herzens erkennen - dann wird der Heiland Ihre Arbeit überreich segnen und befruchten. Er wird Ihnen beistehen, Ihre priesterlichen Pflichten ganz treu zu erfüllen.

Einen letzen Rat darf ich Ihnen noch geben: Vertrauen Sie sich und Ihr Priestertum ganz der Gottesmutter an. Sie ist ja die virgo fidelis, die treue Jungfrau. Und die getreue Jungfrau wird auch Ihnen beistehen, Ihnen helfen, die Treue zu bewahren. Sie wird Sie in all Ihren Aufgaben begleiten auf Schritt und Schritt. Sie wird Sie nie im Stich lassen, denn sie ist ja die Mutter der Priester, wie sie die Mutter des ewigen Hohenpriesters ist. Und sie ist die Mutter von der Immerwährenden Hilfe. Heute feiern wir ja das Gedächtnis unserer lieben Frau von der Immerwährenden Hilfe. Sie wird Ihnen beistehen in Schweden und wird Sie zum Seelenfischer Schwedens machen. So Gott will.
Und Sie, liebe Gläubige, wenn ich mich zum Schluss an Sie wenden darf: Ich bitte Sie inständig um Ihr Gebet für unsere Neupriester. Wie dankbar sind wir für dieses Ihr Gebet! Und wie sehr benötigen die Priester dieses Gebet! Wir leben ja in einer Zeit, in der die Treue nicht viel gilt. Wie mächtig kann da bei Schwierigkeiten oder Misserfolgen die Versuchung sein, selber untreu zu werden. Mögen wir alle unter dem Schutzmantel Mariens treu den uns gewiesenen Weg gehen, damit einst der Heiland seine so süße Verheißung in Erfüllung gehen lasse: Wohlan, du guter und getreuer Knecht, weil du über Weniges getreu warst, will ich dich über Vieles setzen, geeint in die Freude deines Herren. Amen.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

 


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