Predigt von Pater Pfluger anlässlich der Nationalwallfahrt nach Fulda 2009 PDF Drucken E-Mail
Mittwoch, den 23. September 2009 um 14:23 Uhr

Lieber Herr Pater Distriktsoberer, liebe Mitbrüder, Brüder und Schwestern, liebe Familien, liebe Gläubige. Der große französische Dichter Blaise Pascal sagt einmal: „Versuche nicht zu beweisen, was offensichtlicher ist als jeder Beweis.“ Sie sehen, Bischof de Galarreta hat nicht, wie angekündigt, dieser schönen Feier hier in Fulda vorstehen können. Er hat durch die Übernahme eines neuen Amtes als Regens in Südamerika, in La Reja, zusätzliche Verpflichtungen übernommen und muss zudem sehr viel reisen, weil er verantwortlich ist für die Betreuung der verschiedenen Ordensgemeinschaften in der ganzen Welt. Hinzu kommen die Firmungen, jetzt auch die Einbindung in die Diskussion mit Rom, sodass es ihm nicht möglich war, diesen Termin wahrzunehmen. Aber wir freuen uns trotzdem, wiederum hier zusammengekommen zu sein.

Es sind nun schon fünf Jahre, seit wir hier, 2004 zum ersten Mal, die Weihe des Distriktes an das Unbefleckte Herz der Muttergottes vorgenommen haben, in Erinnerung an den fünfzigsten Jahrestag der Weihe Deutschlands durch die Bischöfe an dieses Unbefleckte Herz unserer Mutter. So ist es eine schöne Gelegenheit, jetzt nach fünf Jahren, diese Pilgermadonna zu krönen. Damit kommt ein ganz wichtiger, ein wesentlicher Gedanke unserer Zeit, unseres Wirkens, auch unseres Kampfes zum Ausdruck, dass wir uns nämlich wirklich bewusst sind und immer mehr bewusst werden, wie notwendig wir dieser Mittlerin und Königin bedürfen, dass wir in SIE unsere letzte Hoffnung setzen.
Das hängt zusammen mit der Botschaft von Fatima, auf die wir noch zurückkommen wollen. Wir haben in der Geschichte ein sehr schönes Beispiel für diese Einsicht, dass nur SIE den Sieg bewerkstelligen kann, weil der liebe Gott es in Seiner Heilsökonomie so angeordnet hat, dass eben durch SIE die Häresien überwunden werden. Im 16. Jahrhundert hat der große Papst Pius V., nach jahrelangen vergeblichen Versuchen, Europa zu einen und eine Liga aufzustellen gegen die sehr imminent drohende Gefahr des Islam eingesehen, dass es nicht anders geht und hat zum Rosenkranzgebet in der Christenheit aufgerufen. Es ist nicht erst eine Erfahrung heutiger Zeit, dass manchmal katholische Prälaten und Verantwortungsträger sehr träge sein können - alle haben ihm abgesagt, Frankreich, Venedig, selbst Spanien hat nur zögerlich zugesagt... Es hat also Beides gebraucht: Den menschlichen Einsatz, die menschlichen Verhandlungen, das Ringen um eine Lösung, aber eben gleichzeitig auch die Einsicht, nur SIE kann aus großer Gefahr befreien.
So ähnlich ist es heute. Wir haben ja bewegte und aufregende Monate hinter uns, wie Sie alle wissen, gerade hier, besonders hier in Deutschland. Das Dekret im Januar über die Rücknahme der Exkommunikation unserer vier Weihbischöfe, dann der ganze Aufruhr nicht nur der Medien und der Welt, sondern ganz besonders auch der deutschen Bischöfe gegen den Papst, der sich veranlasst sah, einen vielseitigen Brief zu schreiben, um sich zu rechtfertigen und zu erklären, warum er diese Exkommunikation zurückgenommen hat und gleichzeitig in diesem Brief auch ankündigt, dass es jetzt darum geht, auf einer theologischen, auf einer doktrinellen Ebene, wie wir sagen, das Gespräch mit der Priesterbruderschaft St. Pius X. zu führen.
Das hat dann zur Neuordnung der Kommission Ecclesia Dei geführt mit einem eigenen Motu Proprio anfangs Juli, in dem der Papst wiederum sagt, warum er die Aufhebung der Exkommunikation und auch schon vorher die Freigabe der Messe vorgenommen hat. Das steht nun an, die Neuordnung unseres Kontaktes, und es ist eigentlich eine sehr merkwürdige Entscheidung, die hier der Papst getroffen hat, denn die Kommission Ecclesia Dei, wie Sie wissen, wie Sie sich erinnern, war ja 1988 unmittelbar nach der Bischofsweihe gegründet oder eingesetzt worden, um all diese Mitglieder und Gruppierungen und zukünftigen Gruppen, die sich von uns, von der Priesterbruderschaft, getrennt haben oder trennen wollten, unter einer Kommission zu sammeln, um ihnen die Feier des alten, lateinischen Ritus zu erleichtern. Diese Kommission hat sich in den letzten zwanzig Jahren sehr schwer getan, sich gegen den Willen der Ortsbischöfe durchzusetzen.
Jetzt wird die Kommission völlig umstrukturiert, sodass man fast den Eindruck gewinnt, jetzt müssen sie wieder zu uns zurückkehre, geht es doch in dieser Kommission eigentlich nur noch um die Beziehung Roms zu uns. Diese Kommission wird dem Präfekten der Glaubenskongregation, der wichtigsten Instanz in Rom, unterstellt; sie hat einen eigenen Sekretär, der auch die Diskussionen leiten wird, Monsignore Guido Pozzo. Die Diskussionen sollen in der zweiten Oktoberhälfte beginnen, in einem relativ raschen Rhythmus von jeweils drei Wochen. Drei Theologen aus Rom, die der Papst ernannt hat, eigentlich alles Thomisten, werden mit drei Theologen aus unserer Gemeinschaft diskutieren. Diskutieren nicht, wie es der Bischof von Regensburg genannt hat, um uns theologischen Nachhilfeunterricht zu geben! Darum geht es wirklich nicht, es geht um viel, viel mehr. Es geht darum – und deswegen haben wir um diese Diskussion gebeten, bevor überhaupt eine allgemeine, eine kanonische, eine grundsätzliche Lösung zwischen Rom, der offiziellen Kirche und der Priesterbruderschaft gefunden werden kann – klar zu machen, was die Ursache für diese verheerende Krise ist, die zu diesem Glaubensabfall, zu diesem Indifferentismus, zu dieser Gleichgültigkeit, zu diesem Erlahmen der religiösen Praxis geführt hat! Denn es ist letztlich eben doch eine neue Theologie, die im Konzil durchbricht und die durch zweideutige Texte voll zur Geltung kommt.
Das wird sicher auch ein weiterer Punkt sein in diesen Diskussionen, die einzelnen Probleme des Konzils - schwerwiegende Probleme, eines ganz neuen Verhältnisses der Religion zur Welt - zu klären. Es handelt sich wie um eine neue Sicht, einen neuen Blick auf die Welt, auf die Gesellschaft, auf die Wahrheit, auf die Moral, die großen Probleme der Religionsfreiheit, des Ökumenismus, der Kollegialität, die zu dieser stillschweigenden Apostasie geführt haben, sodass der Papst in dem erwähnten Brief sagt, er sehe den Glauben am Erlöschen, weil dieser keine Nahrung mehr hat. Gemeint ist das Feuer, welches der Herr gekommen ist, auf die Erde zu werfen, und sich so gesehnt hat, dass es brenne. Der Papst sieht es am Erlöschen, weil es keine Nahrung mehr hat. Es wird sicher darum gehen, die einzelnen Themen, die großen Fragen des Konzils zu behandeln und zu zeigen, dass es sich um eine neue Theologie, eine neue Lehre, ein neues Verständnis vom Heil, von Gott, von der Kirche handelt.
Wie gesagt, der Papst hat jetzt in diesen letzten Monaten, eigentlich seit, ja schon vor der Veröffentlichung des Motu Proprio über die Alte Messe, mehrfach deutlich zum Ausdruck gebracht, warum ihm so gelegen ist am Dialog, am Kontakt, an der Eingliederung, wie er es genannt hat, der Priesterbruderschaft in die Kirche. Wir sehen uns mitten in der Kirche, wir fühlen uns auch nicht exkommuniziert, wir sehen diesen anormalen Zustand gerade im Hinblick auf das Recht, auf den Buchstaben des Gesetzes als eine Notsituation an. Es ist ein Notstand, der uns berechtigt so zu handeln, wie wir handeln. Aber natürlich, es ist eine ungute, eine anormale Situation, eben eine aussergewöhnliche Situation.
Papst Benedikt XVI. hat es wiederum zum Ausdruck gebracht im letzten Motu Proprio vom 2. Juli, dass er all diese Bemühungen, vor allem die Rücknahme der Exkommunikation, vollzogen hat, um mit einem Hindernis aufzuräumen, so sagte er, das die Öffnung einer Tür für die Priesterbruderschaft verhindern könnte. Seltsamer Weise – er ist immerhin der Papst, und man hat gemeint, der Wille des Papstes müsse auch der Wille der Bischöfe sein – aber seltsamer Weise ist genau das Gegenteil eingetreten: Der Papst muss sich rechtfertigen für sein Tun, und er hat ganz bittere Schläge bekommen – zum ersten Mal überhaupt spricht er davon, auch wenn er keine Namen erwähnt, aber es war der ganzen Welt klar - von Seiten des Episkopates, der Bischöfe.
Es ist jetzt – 40 Jahre seit dem Bestehen der Priesterbruderschaft, aus Anlass dieser wichtigen Krönung, dieser bedeutenden Wallfahrt für ihren Distrikt, für die Glaubenserneuerung in Deutschland – eine gute Gelegenheit, inne zu halten und nach all diesen bewegten Jahren und angesichts der kommenden Diskussionen zu fragen: Warum kam es zu einer solchen Auflehnung (auch in Zusammenhang mit den Geschehnissen im Januar) gegen die Priesterbruderschaft, vor allem auch gegen den Papst? Gegen den Willen, etwas zu tun angesichts dieser Krise, ein Mittel anzusetzen, um dieser Krise Herr zu werden? Es fiel mir heute Morgen ganz spontan dieses Gleichnis vom guten Samariter ein. Wenn man uns schon, liebe Gläubige, als außerhalb der Kirche sieht, und das auch immer wieder betont werden muss, und sogar von Sekte und Schisma die Rede ist, und wenn nun der Papst sich so bemüht, uns aufzunehmen und uns eine Lösung anzubieten, die uns auch entspricht, dann würde man doch eigentlich erwarten, dass wir – wenn schon nicht Verdienstkreuze oder Lob aus der bischöflichen Ecke – so doch zumindest Anerkennung und Wertschätzung und Aufmunterung erhalten, dass unser Werk wichtig ist. Die alte Messe zu lesen, das Allerheiligste anzubeten, den Rosenkranz zu beten, gregorianische Gesänge zu singen, das kann ja keine Provokation sein! Wie kann man nur auf den Gedanken kommen, das sei eine Provokation gegen Papst und Kirche, wie es der hiesige Bischof getan hat? Beten, Gott anbeten – Provokation?
Warum also diese unangebrachte und unangemessene Reaktion der Bischöfe? Als es hier in Deutschland in Zusammenhang mit den Priesterweihen so hoch her ging, da war ich gerade in Amerika, in unserem Seminar in Winona, und da hat ein Journalist gefragt: „Was haben denn nur die Bischöfe in Deutschland, welche Tarantel hat die denn gestochen? Die Bruderschaft weiht ja schon seit Jahren in der ganzen Welt und niemand hat in den letzten Jahren großes Aufheben gemacht?“ Der Bischof von Winona hat schließlich drei Tage nach den Priesterweihen in den USA gesagt: „Ja, stimmt, die Weihen, die hier gespendet wurden, sind unerlaubt...“
Warum diese unangemessene Reaktion? Sie kennen ja alle die Statements der letzten Monate. Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz hat sogar öffentlich angekündigt, Ende dieses Jahres werde die Priesterbruderschaft St. Pius X. wieder exkommuniziert sein. Warum nur diese Bemühungen, uns wirklich außerhalb der Kirche zu sehen, warum? Warum eilt man uns nicht entgegen und nimmt uns auf und bemüht sich uns zu helfen, wenn man schon meint, wir seien außerhalb der Kirche und wir hätten theologischen Nachhilfeunterricht nötig? Es ist ein seltsames Benehmen. Es ist ein bißchen ähnlich wie im Gleichnis vom Samariter. Leider ist dieses Benehmen des Klerus oder der Prälaten und derer, die gesandt sind, Gott im Tempel zu dienen, nichts allzu Neues. Da liegt jener Mann halbtot da, aber der Priester geht vorüber. Der Levit geht auch vorüber. Es ist eigentlich ein Heide, einer von einem anderen Stamm, der hilft...
Das hat aber, so glaube ich, eine tiefere Bedeutung, die uns einen Einstieg gibt, es ein klein wenig zu verstehen. So ganz ist es nicht zu verstehen, es ist ein Geheimnis der Bosheit. Warum gibt es dieses Bemühen – sagen wir es einmal ganz brav – alles zu tun, um eine Rückkehr der Kirche zur Tradition zu verhindern, um ein Wiederaufblühen der Traditionen, des Gebetes, der Anbetung, der Andachten, des Eifers, auch des christlichen Lebens, des gelebten christlichen Lebens zu verhindern? Ausgerechnet von den Bischöfen. Warum?
Der heilige Thomas sagt, die erste Folge der Sünde sei die Verblendung, sei die Verfinsterung des Verstandes. Sie können, so hat man den Eindruck, zwei Dinge nicht verstehen. Einmal, dass es sich um eine Krise handelt, dass Gott zu kurz kommt, dass wir seit 50 Jahren einen nie da gewesenen Niedergang des Glaubens und der Glaubensüberzeugung erleben, dass gerade durch diese letzten Jahrzehnte der Glaube in unseren Ländern im Begriff ist zu erlöschen. Man spricht noch von 30›000 praktizierenden Katholiken in Deutschland. (Also „praktizierede Gläubige“ sind solche, die jeden Sonntag zur Kirche gehen, die Gebote halten, nicht irgendwelche verrückte Häresien vertreten, sondern wirklich katholisch sind.) 30›000 nach 2›000 Jahren Christianisierung!
Und zweitens sehen die Bischöfe nicht – das ist in der Anwendung noch viel schlimmer –, dass sich diese Krise festgesetzt hat. Dass es nicht einfach nur um eine Theologie geht, um Ideen, um neue Ideen, falsche Ideen, was weiß ich, Ökumenismus oder dieses ganze Problem der Gnadenlehre, sondern dass dieses Neue, dieser Bruch, diese neue Phase in der Kirchengeschichte, diese neue Theologie, wie man sie nennt, sich in der Praxis, im Leben festgesetzt hat; dass die Menschen nicht mehr glauben; dass Gott keine Rolle mehr spielt. „Gott ist tot, und wir haben Ihn getötet.“ Es ist unglaublich feststellen zu müssen: dieser Atheismus, dieser praktische Atheismus, diese religiöse Indifferenz, sind so selbstverständlich geworden, dass wir uns gar nicht mehr vorstellen können, was ein katholischer Staat, was eine katholische Gesellschaft, was eine christliche Zeit ist.
Sünder waren die Menschen immer, und zur Beichte mussten sie immer. Aber seit diesem ganz unseligen Geist der Reformation, des Protestantismus, der Renaissance, der Aufklärung, hat sich der Mensch immer mehr nicht einfach nur von Gott abgewandt, sondern ist der Mensch zum Mittelpunkt geworden. Er hat sich vom Objekt zum Subjekt gewandelt. Der Mensch des Mittelalters – wie gesagt, er war auch ein Sünder – hat gewusst, der Glaube ist das Wichtigste und Gott kommt an erster Stelle. Dieu premier servi, das haben Sie ja gerade gehört im Vortrag über die heilige Jeanne d’Arc. Das war so klar, dass es sich lohnte, die Heiligen Stätten in Jerusalem zu befreien, dass es sich lohnte, in den Krieg zu ziehen gegen den Irrtum. Das war so selbstverständlich, dass ein heiliger Pius V. mit Stumpf und Stiel und mit allen möglichen Mitteln, mit erlaubten Mitteln, die Häresie ausgerissen hat. Und heute müssen uns liberale Stern-Journalisten sagen, Gott sei Dank gab es die Inquisition, Gott sei Dank gab es diesen heiligen Pius V., sonst trügen jetzt alle Frauen hier die Burka – und wir würden sowieso nicht mehr existieren.
Es ist eine kopernikanische Wende eingetreten, ein Quantensprung. Es geht nur noch um den Menschen. Nicht nur bei den Politikern, nicht nur in der Gesellschaft, auch in der Kirche geht es nur noch um die Rechte des Menschen! Was dem Menschen Spass macht, was ihm gefällt, was jeder gerade will. Aber Gott?
Oder wie es der heilige Paulus sagt: Sie haben die Liebe zur Wahrheit verloren. Das ist, glaube ich, das Entscheidende. Die Verantwortlichen haben die Liebe zur Wahrheit verloren, nicht einfach nur die Politiker und die Funktionäre, sondern die Bischöfe, der Klerus. Die Sorge um Gott, die Sorge um Jesus Christus, um die Wahrheit. Die Religionsfreiheit zum Beispiel ist nicht einfach so eine Theorie, sie hat ganz konkrete Folgen. Man sagt uns jetzt in Frankreich, dass der Staat uns nicht mehr helfen kann, weil der Generalobere und der Distriktobere es gewagt haben, vom sozialen Königtum Jesu Christi zu sprechen. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz hier in Deutschland ist ja nicht besser, der sieht uns als verfassungsfeindlich. Wie ist ein solcher Verfall innerhalb weniger Jahre möglich? Es ist ja nicht ein aggressiver Kommunismus oder Maoismus oder die Verfolgung unter Stalin. Wie ist das möglich, dass die Männer der Kirche nicht mehr diese Liebe zur Wahrheit haben? Die Liebe zur Wahrheit, das ist Gott, das ist die Fülle, das ist das Leben, das ist existenziell. Wer nicht an die Wahrheit glaubt, „der ist schon gerichtet“. Hat das denn nicht mehr Geltung? Das ist etwas, was wir immer noch nicht fassen können, dass das möglich ist. Wie gesagt, das hat ganz konkrete Folgen.
Jetzt besucht der amerikanische Präsident den Papst. Das ist ja gut, das ist ja recht. Aber dieser Präsident ist auch bekannt als ein ganz aggressiver Verteidiger der Abtreibung und der Homoideologie. Das Weiße Haus hat vom Vatikan verlangt, dass zwei amerikanische Prälaten, ein Erzbischof und ein Kardinal, die im Vatikan tätig sind, nicht mehr ihre Stimme erheben gegen diesen Skandal, dass der amerikanische Präsident eben die Abtreibung auf Biegen und Brechen durchsetzt und immer noch mehr Morde veranlasst. Der Vatikan gibt nach und die beiden schweigen. Dass ein katholischer  Senator [gemeint ist Eduard Kennedy], der eine solche Schande für das amerikanische Volk ist wegen seiner liberalen Abtreibungspolitik, nicht nur ein Staatsbegräbnis, sondern ein kirchliches Begräbnis durch den Kardinal von Boston bekommt, das wäre vor 50 Jahren absolut unmöglich gewesen! Die Koordinaten sind völlig verschoben, es geht nicht mehr um Gott. Es geht nur noch um den Menschen, um das Irdische, um diese Welt. Das ist das Problem, und das sehen die Bischöfe nicht. Das ist die Krise, dass das so selbstverständlich geworden ist, dass wir wie Verrückte dastehen, die im Grunde genommen ja nur sehr blass und schwach und mit sehr vielen Fehlern behaftet das tun, was selbstverständlich ist: Gott lieben, Gott anbeten, Gott suchen, Gott dienen; wir sind zu nichts anderem da.
Liebe Gläubige, wir müssen uns wieder einmal bewusst werden, was passiert ist. Ich sage es ein drittes Mal: Die Menschen waren immer Sünder. Es hat immer Fehler gegeben und Skandale und entsetzliche Dinge, aber dass der Mensch von Staats wegen, von der Ordnung wegen, von der Kirche her diese seine Bestimmung verliert und Gott keine Rolle mehr spielt! Da stehen wir mitten drin, das ist unser Problem! Es geht nicht darum, dass wir nicht ganz mitgekommen sind, dass wir diese neuen Praktiken nicht ganz verstanden haben. Es geht ums Entscheidende, es geht um die Liebe zur Wahrheit, es geht darum, dass die Menschen verloren gehen. Es geht darum, dass niemand gerettet werden kann, der nicht an Jesus Christus glaubt. Das ist unser Thema, das ist das Problem der Bruderschaft. Das Problem ist nicht die Bruderschaft, das Problem in Rom oder in der Kirche sind nicht wir, sind auch nicht die Bischofsweihen, sind auch nicht die Gründungen der Häuser und Seminare ohne Erlaubnis des Ortsbischofs in den Diözesen. Das Problem ist die Theologie, ist in der Kirche selber, ist diese Blindheit zu sehen, wie es steht. Man fragt sich, ja was muss denn alles noch passieren? Jetzt stehen nicht einmal mehr 100 Priester pro Jahr in Deutschland zur Verfügung, ebenso in Frankreich. In Frankreich sterben jedes Jahr 900 Priester und nur gerade 100 Neupriester sind zu verzeichnen. Es ist eine Milchmädchenrechnung zu sehen, wo das hinführt. Es gibt in Frankreich Pfarrer, die haben 50, 60, 70 Pfarreien. Was heißt das? Das heißt, der Priester kann nicht regelmäßig in den Pfarreien die Messen lesen. Aber das heißt auch, dass die Gläubigen nicht dahingehen, wo die Messe gefeiert wird, sondern sie praktizieren einfach nicht mehr. Das bedeutet das Ende! In Deutschland ist es nur deswegen noch ein bisschen besser, weil man die Kirchensteuer hat. Wenn diese wegfällt, dann ist es aus mit der Volkskirche. Sie wird zusammenbrechen wie ein Kartenhaus. Und die Bischöfe tun alles, um das noch zu fördern. Erst legen sie die Pfarreien zusammen, sie werfen sozusagen die Priester raus – ein ganz entsetzlicher Skandal. Das gibt es sonst in der ganzen Welt nirgends. Sie verkaufen Kirchen, sie funktionieren sie um, und sie tun alles, um den Priestern das Leben zu verleiden und eine priesterlose Kirche zu schaffen. Das ist das Ende der katholischen Religion.
Da stehen wir mitten drin. Für den Erzbischof war es von Anfang an klar, liebe Gläubige, das müssen wir jetzt, 40 Jahre danach, wirklich wieder vor Augen haben: Es ist ein doppelter Kampf. Der Einsatz, das Ringen, das Mühen, das Gründen der Häuser und Priorate für den Erhalt der Messe, für den Erhalt des Glaubens, das ist die eine wichtige Seite. Gott sei Dank, wir können nicht genug danken, dass er diesen Kampf unternommen hat und die Messe gerettet hat. Man fragt sich, wie der Papst 40 Jahre später feststellen kann: „die alte Messe war nie abgeschafft“. Natürlich war sie abgeschafft, im Bewusstsein und im Benehmen der Bischöfe war sie abgeschafft! Wenn er dieses Dekret schreibt und die Exkommunikation zurücknimmt, dann nur wegen des Kampfes des Erzbischofs.
Aber zum Kampf von Erzbischof Marcel Lefebvre kam immer auch noch ein zweiter Kampf, das Anklagen der Irrtümer und der Irrlehren. Mittlerweile sind wir in einer gewissen Gefahr: jetzt gibt es viele Gemeinschaften, welche die katholische Messe gelesen. Aber viele von ihnen verstehen nicht, dass es zum Überlebenskampf genauso dazugehört, die Irrtümer des Konzils und diese Situation – eben wie ich versuchte zu zeigen, die sich festgesetzt hat – anzuklagen. Es ist nicht einfach eine Gefahr, eine Theorie, es ist das Leben, das nicht mehr katholisch ist. Dagegen sich zu wehren, das ist absolut notwendig. Wenn wir nicht mehr die Kraft haben, die Irrtümer des Konzils, auch im Verhalten des Klerus und sogar der obersten Spitze der Kirche aufzuzeigen und zu erklären, dann wird es gefährlich. Für den Erzbischof war beides ein- und derselbe Kampf.
Man kann nicht einfach nur eine Seite sehen. Dieser Einsatz für die Messe, das war wichtig, und der Einsatz für die Frömmigkeit, für den Erhalt der Tradition war wichtig. Aber gleichzeitig „Klage ich das Konzil an“ und gleichzeitig sagt er, was falsch ist. Genau das wird jetzt gemacht werden müssen. Darum hat die Bruderschaft seit dem Jahre 2000 aufgezeit, dass es nicht einfach um eine Lösung geht für uns, um des Friedens willen. Was wäre das für ein Frieden? Es wäre ein Friedhofsfrieden, der schon bald zu Ende gehen könnte, denn alle diese konservativen Gemeinschaften haben das gleiche Problem: sie möchten, aber sie können nicht, weil sie nicht die Unterstützung des Ortsbischofs haben, ja oft sogar den Ortsbischof gegen sich haben.
Wenn eine Lösung mit Rom überhaupt sinnvoll ist und akzeptabel, dann nur, wenn wir diesen doppelten Kampf weiterführen können und wenn wir auch einen Schutz haben von Rom. Das hat der Erzbischof bereits 1988 gesagt: „Es braucht eine Kommission, die die Tradition schützt.“ Was machen wir denn mit Bischöfen wie hier, die alles wollen, nur nicht die Tradition? Abgesehen von diesem „Solidaritätsopfer“ – man kann doch nicht mit so einem Bischof zusammenarbeiten. Das ist nicht der katholische Glaube. Das muss uns ganz klar vor Augen stehen: die Irrtümer nicht mehr anklagen, ist das Ende für die sichtbare Kirche. Darum dieses Bewusstsein: Genauso wichtig wie der Erhalt der Tradition ist das Ringen um Wahrheit, ist die Liebe zur Wahrheit.
Das ist nicht ein Selbstzweck. Das ist nicht ein intellektuelles Spiel. Da geht es um Leben und Tod, und manchmal geht es nur um ein Iota. Aber daran hängt das Heil! Ob Christus Gott ist und wahrer Gott, oder ob alle schon gerettet sind, das ist nicht egal. Ja, wenn alle schon gerettet sind, wie es die neue Theologie sagt... Der Erzbischof von Freiburg geht ja noch viel weiter: Wenn es nur ein Solidaritätsopfer ist, dann ist der Mensch gut. Der verstorbene Papst hat wenigstens noch gesagt, durch den Opfertod Jesu Christi sind alle gerettet und gerechtfertigt. Aber wenn es nicht einmal mehr ein Opfer braucht, wenn alle gerechtfertigt und gerettet sind, dann braucht es keine Kirche mehr, dann braucht es keine Mission mehr, dann braucht es keine Anstrengung mehr, dann kommen alle in den Himmel! Da anzuklagen und zu sagen, das kann nicht sein, das ist neu, das ist Häresie, das ist unsere Pflicht!
Für Erzbischof Lefebvre war auch immer klar, dass es nicht nur „ums Konzil“ geht, sondern immer auch um die postkonziliaren Reformen. Es geht auch um die Etablierung dieses Geistes, wie ich sagte. Wir dürfen uns nicht in einer falschen Sicherheit wähnen. Es ist eine gewisse Gefahr zu meinen: So ein langer Kampf und immer kämpfen und immer gegen den Strom schwimmen und so wenige, und dann noch diese Geschichte mit dem Holocaust, und dann noch dies und jenes und warum immer wir und man sehnt sich nach Frieden... Das ist eine gewisse Gefahr. Liebe Gläubige, es geht auch um diese postkonziliaren Reformen. Schauen Sie nur das Titelbild des neuen Mitteilungsblattes an, das genügt, da brauchen Sie keine Predigt und keine Konferenz, keine Bücher mehr: Soweit sind wir gekommen, das haben sie aus der Messe gemacht! Das ist das Ende der Religion, das ist Menschendienst, Brüderlichkeit, aber nicht Gottesdienst. Es geht nicht mehr um Gott, es geht nur noch um uns selber, das ist reiner Egoismus. Das hat aber mit der Frohbotschaft, mit der wunderbaren Aufgabe, die wir haben, Gott zu lieben, Gott zu suchen ein Leben lang, und vor allem Gott zu dienen und Ihn ewig zu preisen und ewig glücklich zu sein, das hat damit gar nichts mehr zu tun!
Es geht jetzt nicht einfach um die paar Theologen, die jetzt zu diskutieren versuchen – da braucht es viel Gebet, damit das gelingt, denn wir waren schon einmal da. Mitte der Achtziger-Jahre hatte der Erzbischof auch sogenannte Dubia aufgelistet, Zweifel, die wir haben, wo man sieht, das stimmt nicht mehr mit dem Glauben von früher. Das wurde eigentlich sehr schnell abgeschmettert, dann war es wieder aus. Es ist durchaus möglich, dass sich bei den Diskussionen sehr schnell zeigen wird, man ist noch nicht so weit.
Andrerseits gibt es in Rom Prälaten, die uns sagen: Ohne Überwindung der neuen Messe kann die Krise der Kirche nicht überwunden werden. Oder Monsignore Pozzo, der jetzt zuständig ist [für die Gespräche], sagte uns: „Von diesen Diskussionen hängt sehr viel ab für das Heil der Kirche!“ Es gibt also Leute, die das sehen, aber es braucht auch viel Gebet und Opfer, damit diese Einsicht nicht zunichte gemacht wird.
Eben das ist nicht einfach Aufgabe der Leitung der Bruderschaft und von einigen Dogmatikern, die hier sich stellen müssen – und das auch können. Es ist die Wahrheit, die stärker ist. Daran dürfen wir nicht zweifeln: Es ist eindeutig dass das, was wir tun, richtig war und richtig ist. Aber es braucht auch, ich glaube das ist ganz im Geiste des Erzbischofs, es braucht unser Leben, Ihr Leben! Wenn der Erzbischof über Rom und Beziehungen und Verhandlungen und Gespräche gesprochen hat, hat er oft, beinahe immer gesagt: „Schlussendlich lässt sich Rom nur überzeugen oder bekehren durch die Fakten.“ Ich will jetzt nicht gerade sagen durch Zahlen, aber durch Fakten, durch die Werke, durch den Baum, der Früchte trägt, meine Lieben. Unser Glaube ist nicht einfach ein schönes Gedankenspiel und nostalgisch. Der Glaube ist Leben! Das ist gerade das Evangelium vom heutigen Sonntag: Ihr könnt nicht zwei Herren dienen. Ihr sollt den Glauben in der Liebe tun. Und die Liebe, das sind die Früchte. Das sind diese Früchte des Heiligen Geistes. (Lesung vom heutigen Sonntag.)
Der Herr sagt sicher nicht zufällig am Anfang seiner Unterweisungen in der Bergpredigt: „Suchet zuerst das Reich Gottes.“ Das ist der Schlüssel für die Überwindung der Krise. Das müssen wir begreifen und vielleicht, gebe Gott die Gnade, auch die Verantwortungsträger. Wir haben es heute nicht nur mit einem Baum zu tun, der keine Früchte mehr trägt, er hat nicht einmal mehr Blätter, er ist beinahe bis auf die Wurzeln verdorrt. Es liegt jetzt an uns. Dieses wunderbare Werk, das Gott ermöglicht, ist unsere Aufgabe, angesichts eines solchen Debakels in der Kirche eine ganz wichtige Seite der Geschichte zu schreiben: Durch die Fakten, das heißt durch unsere Heiligkeit, durch unser Beispiel, durch unser Leben, die Krise zu überwinden. 
Es ist Wunderbares geschehen, aber es muss noch viel mehr Wunderbares geschehen, sonst lässt sich Rom nicht überzeugen. Vor allem dürfen wir nicht in eine Routine verfallen, in eine Gleichmäßigkeit, das ist eine Gefahr, das ist ein menschliches Problem. Darum ist diese Krönung [der Muttergottesstatue] providentiell. Es geht nicht einfach darum, dass man gesehen hat, zwei Rosenkranzkreuzzüge haben Wunderbares geschafft, jetzt machen wir noch einen dritten, erhöhen noch ein bisschen die Zahl – zwölf Millionen ist nicht wenig! Bischof Fellay hat übrigens schon angekündigt, wenn es nicht reicht, dann fangen wir wieder von vorne an...
Warum hat denn der Generalobere zu diesem Gebet aufgerufen? Es ist die Überzeugung, nur SIE kann helfen. Darum müssen wir diese Botschaft von Fatima ernst nehmen. Worum geht es in dieser Botschaft von Fatima? Warum, um Gottes Willen, fordert die Muttergottes immer diese Kinder auf, den Rosenkranz zu beten? Warum ist dieser Rosenkranz so wichtig? Ebenso die Andacht der fünf Sühnesamstage. Warum sollen an einem so kleinen Werk der Friede und die Bekehrung Russlands, die Bekehrung des Atheismus, der Gottlosigkeit, hängen? Um diese Gottlosigkeit geht es ja, dessen Subjekt der Mensch ist, der Mensch, der plötzlich alles ist. Darum muss Russland geweiht werden, um zu zeigen, es geht wieder um Gott.
Sehen Sie, diese Botschaft von Fatima, dieser Rosenkranz meint doch das: SIE ist Miterlöserin und unser Herr ist der Erlöser. Wir betrachten im Rosenkranz das Leben der Muttergottes und des Herrn. Was ist das Leben des Herrn? Er ist gekommen in die Welt, um für unsere Sünden den Tod zu erleiden. Das ist die erste Predigt des heiligen Petrus: ER ist für unsere Sünden gestorben. Wenn er nicht gestorben und auferstanden ist, dann ist unser Glaube nichtig. Wenn wir alle schon erlöst sind, dann ist auch der Tod Christi nichtig. Aber er ist für unsere Sünden gestorben und wir sollen bei dieser Erlösung mitwirken. Das ist das wunderbare Geheimnis der Heilsökonomie. Es ist nicht einfach nur der Tod Christi, sondern wir müssen diesen Tod auch annehmen, wir müssen auch glauben, wir müssen das kostbare Blut auch über uns sich ausgießen lassen. Wir müssen uns bemühen, in diesem Glauben an unseren Herrn Jesus Christus zu bleiben und zu bestehen. Die Religion ist nicht einfach ein Mantel, sondern das muss unser ganzes Leben durchdringen.
Ich glaube, darum geht es in diesem Aufruf zum Rosenkranz, zu begreifen, wir brauchen einen Erlöser und wir sind selber mitverantwortlich für diese Erlösung.
Das ist etwas Wunderbares, dass Gott nicht einfach alles selber gemacht hat, sondern dass er eine Frau erwählt und von ihrem Fiat die Erlösung abhängig macht. Das hätte er auch anders machen können, aber jetzt hat er es so gemacht. Dazu erwählt er eine Kirche und ein Priestertum und Sakramente. Das bedeutet, wenn wir eben nicht beichten, sind die Sünden nicht nachgelassen. Wenn wir nicht beten, dann werden wir den Glauben verlieren. Das ist beängstigend, aber gleichzeitig auch faszinierend. Pius XII. sagt, „es ist ein schaudererregendes Geheimnis, dass das Heil so vieler Seelen von unseren Gebeten und Opfern abhängt“. Das heißt, die Überwindung der Krise und die Tradition sind nicht einfach etwas für Theologen, sondern da ist jeder gefordert.
Da seid vor allem Ihr, liebe Mitbrüder, gefordert. Habt den Mut, das erlaube ich mir hier öffentlich zu sagen. Wir haben diese Jubiläen gefeiert, auch zweimal hier in dieser Nacht, 25 Jahre [Priestertum]. So reiche Schätze sind in unsere Hände gelegt, habt den Mut, sie auszuteilen. Habt vor allem den Mut, das munus regendi auszuüben, zu führen, zu leiten, zu sagen, was die Kirche zu sagen hat. Die Prinzipien für die Erziehung, für die Familie, für die Gesellschaft, für ein christliches Leben an jedem Sonntag und in jeder Katechismusstunde zu wiederholen und zu erneuern. Nützt diese Schätze. Wir werden vielleicht in der Ewigkeit einmal sehen, was möglich gewesen wäre und was wir durch unsere – war es Mutlosigkeit, war es Feigheit, war es Trägheit, war es Schwäche? – unterlassen haben. Ich liebe es, Waggerl zu zitieren, einen österreichischen Schriftsteller, der einmal über eine eigene Anekdote in seinem Leben reflektiert, wo er versagt hat, wo er das Gute, das er hätte tun können, nicht getan hat und es war nicht getan. Da sagt er diesen theologisch nicht ganz einfachen Satz: „Das Böse, das wir getan haben, das wird uns Gott vielleicht verzeihen (wenn wir beichten, wenn wir bereuen). Aber unverziehen bleibt das Gute, das wir nicht getan haben.“
Meine lieben Mitbrüder, was wir tun können durch die Kraft der Weihe und durch die Kraft der Sakramente! Ich will mich nicht wiederholen, aber in der Biographie des Erzbischofs berichtet Bischof Tissier diese Begebenheit, da der Erzbischof zurückkommt von Afrika und die kleine Diözese von Tulle in Frankreich übernimmt und wo an einem der ersten Tage ein junger Pfarrer in sein Büro kommt, in sein Ordinariat, und sagt: „Warum bin ich Priester? Warum hat man mich geweiht? Ich habe drei Pfarreien, es kommt niemand zur Messe, acht alte Frauen, ein paar Kinder zum Katechismus, die werde ich nie mehr sehen, wenn sie gefirmt sind. Was soll ich?“ Und der Erzbischof sagt richtig: Schlimm war nicht in erster Linie diese desolate Situation, dass der Klerus arm war und die Gläubigen eine schlechte religiöse Praxis hatten, sondern dass diese Priester nicht geglaubt haben an die Macht und die Kraft der Sakramente, dass sie nicht an die Gottheit Christi geglaubt haben, dass Er wirklich der Herr ist, auch wenn es äußerlich ganz anders aussieht.
Habt diesen Glauben! Und habt den Mut, diese jungen Menschen zu führen. Ich glaube, das ist eine Hauptsorge in der Bruderschaft. Es sind so viele gute Kräfte da, so viele Familien, so viele Jugendliche. Es kann doch nicht sein, dass ausgerechnet heute der liebe Gott weniger beruft, heute, wo wir mehr Berufungen bräuchten als in einer Zeit, wo es der Kirche viel besser ging. Gott ist doch kein Funktionär, Er will, dass die Seelen gerettet und glücklich werden. Habt den Mut!
Der Herr macht es doch auch so. ER stellt die erste Frage bei den ersten Berufungen, nicht Petrus. „Wen sucht ihr?“ Am Ende sagt er sogar dem Diener im Gleichnis, dass man die geladenen Gäste, die Berufenen, „nötigen“ soll. Es gibt einfach diese Trägheit und es gibt die Angst und vor allem die Mutlosigkeit. Habt den Mut, durch Euer Beispiel, durch Eure Überzeugung, durch Euer überzeugendes Leben, diese jungen Menschen in den Dienst der Kirche zu führen und zu verantwortungsvollen Männern und Müttern zu machen.
Das ist das zweite, was uns Not tut, das ist ein Appell an die Jugend. Ihr habt Eltern und Erzieher, die Euch mitgeben, dass der Glaube und das Leben eine Einheit darstellen, die man nicht trennen kann. Wir dürfen nicht zwei Gesichter haben, ein Sonntagsgesicht, wo man betet und zur Kirche geht, und dann ein Wochentagsgesicht, wo man so ist wie die andern. Wenn uns das nicht gelingt, dann wird es schwierig. Es muss uns gelingen zu zeigen: Glaube und Leben sind eine Einheit. Es muss normal sein, dass der Vater betet und dass die Mutter die Tugenden übt. Dann werden die Kinder in dieser Welt bestehen.
Warum steht denn bei diesem großen Patron, dem heiligen Erzengel Michael, dieser Abschnitt über das Kind im heutigen Evangelium? Wir haben schon öfters darüber gesprochen, das würde jetzt zu weit führen. Aber wenn Sie das Evangelium zur Hand nehmen, dann sehen Sie, dass diese Begebenheit mit dem Kind umrahmt ist von zwei großen Lehren, die Lehre über die Größe der Ehe und der Jungfräulichkeit und die Lehre über die Gefahr des Reichtums, wo der junge reiche Mann versagt. Die Reichtümer, der Mammon, sind zu stark. Er ist vollkommen, aber er kann sich nicht trennen. Die Jünger sind so erschüttert über die Reaktion des Herrn, als er sagt, es könne kein Mensch gerettet werden, doch bei Gott sei es möglich. Es gibt nur eine Möglichkeit, gerettet zu werden, in diesem Leben zu bestehen – „dass ihr werdet wie die Kinder“. „Wenn ihr euch nicht bekehrt und werdet wie die Kinder, könnt ihr nicht in das Himmelreich eingehen!“
Das, liebe Familien, liebe Eltern, liebe Mitbrüder, das müsst Ihr dieser Jugend beibringen. Das Kind weiß um seine Abhängigkeit, und es hat Vertrauen.
Dieses Vertrauen ist entscheidend. Dass man sich Gott übergeben kann, dass man den Willen Gottes tun kann. – Wir tun doch immer das Andere, das Umgekehrte. Wir haben große Pläne und Ideale und tun alles, um diese Pläne zu verwirklichen. Wenn es dann nicht geht, wie wir uns das vorstellen, dann bitten wir den lieben Gott, uns zu helfen für unsere Pläne. Das ist so falsch! Zuerst müssen wir wie der heilige Paulus die Frage stellen: „Was willst DU, das ich tue?“ Es geht darum, dass die jungen Menschen lernen, Gottes Plan zu erkennen und diesen in ihrem Leben zu verwirklichen. „Was ist für mich der Wille Gottes?“ Liebe Jugendliche, lasst euch führen, habt den Mut, in den Dienst Gottes einzutreten! Und wenn Gott Euch ruft für die Ehe, dann wirklich eine christliche Ehe zu gründen und rein bleiben bis zur Hochzeit. Wenn das in Amerika Millionen Mitglieder christlicher Sekten können, rein vor der Ehe zu bleiben, dann sollen wir es nicht können, mit unseren Mitteln, der Messe, des Gebetes und der Katechese? Habt dieses Vertrauen und vor allem habt diese Abhängigkeit, dieses Wissen, es ist die Kirche, die Euch die Nahrung gibt.
Schließlich gilt das ganz besonders für die Familien. Ich glaube, was wir begreifen müssen, liebe Eltern, ist diese Verantwortung für das Allgemeingut, wie man das nennt. Und da kommt es auf jeden Einzelnen an; wenn es wenige sind, dann braucht es jeden. Das ist das heutige Festtagsevangelium: „Was macht ihr euch so ängstlich Sorgen?“ Man muss sich sorgen, man muss für seine Familie besorgt sein, aber diese Sorge soll nicht ängstlich sein, keinkariert. Vor allem aber es gibt Dinge, die sind wichtiger. Vielleicht wäre das jetzt und heute eine katholische Schule aufzubauen, eine katholische Pfarrei, eine neue Zeit! Da braucht es jeden. Es ist so verständlich, sich zu verbeamten, Sicherheiten zu haben... Aber vielleicht bräuchte es jetzt den Einsatz für die Kirche, für die Tradition, für die Zukunft der Kinder. Ob wir es uns in Deutschland nicht zu einfach machen mit unserem angeborenen Sicherheitsdenken? Der Herr jedenfalls sieht das anders: „Darum sorgen sich die Heiden!“
Ich habe mir kürzlich erlaubt, in der Schweiz eine Anekdote des großen Kaisers Konrad zu erzählen, der die Stiftshütten, die Steinmetzen beim Bau des Domes zu Speyer besucht. Das ist bei einigen ein bisschen aufgestoßen, weil die Schweizer natürlicherweise  ein Problem mit dem Geld haben, denken Sie nur ans Bankgeheimnis... Kaiser Konrad sieht eine Gruppe von Steinmetzen und sagt zum ersten: „Was machst du da?“ „Ich verdiene mein Geld“, sagt dieser. – Natürlich soll und darf man sein Geld verdienen, aber ist das alles? Der zweite sagt: „Ich ernähre meine Familie.“ – Sehen Sie, das ist schon viel wichtiger, sich einzusetzen und zu arbeiten für seine Familie. Schließlich fragt der Kaiser einen Dritten: „Was machst du?“ „Ich baue am Dom!“ Ich baue am Dom – welch eine Größe! Das ist das Entscheidende, mitzuhelfen beim Dom...
Das kann jeder von uns, jeder von Ihnen, auch die Alten, die Kranken. Das Gebet ist so wichtig, das Opfer. Aufzubauen am Dom, nicht einfach nur die eigene kleine Welt zu sehen, meine Interessen, meine Karriere. Wenn die Eltern jetzt nicht verstehen, dass der Glaube und der Dienst an der Kirche ihrer Kinder viel wichtiger sind als die Karriere und der sichere Job, dann wird es nicht besser. Dann werden wir Rom nicht überzeugen können.
Darum bitten wir Euren Patron, den Patron Deutschlands, den Heiligen Erzengel Michael, uns in diesem Kampf beizustehen, denn es ist ein gigantischer Kampf. Der heilige Michael hat nicht nur die Aufgabe, unsere Gebete, wie es in der Liturgie so schön heißt, „zum Himmel zu tragen“, sondern der Kampf, den er im Himmel begonnen hat, geht ja nach der Heiligen Schrift weiter auf dieser Welt! In diesem Kampf muss er uns helfen! Dass er uns führe, dass er uns die Kraft und den Mut gebe, diese Begeisterung, diese Hingabe: „Wer ist wie Gott?“ Dass wir, wenigstens wir, Priester, Laien, die Jugend, die Familien – alle! wieder begreifen: es geht nicht um unser kleines bourgeoises Leben, es geht um Gott! Dann wird es besser. Wir müssen unsere eigene kleine Welt überwinden und wirklich verstehen: Dieu premier servi. Gott zuerst. Zur größeren Ehre Gottes und zum Heil vieler Seelen. Amen.


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