Offizielle Stellungnahme des Distriktoberen von Deutschland, Pater Franz Schmidberger PDF Drucken E-Mail
Freitag, den 06. März 2009 um 12:00 Uhr

Zum Abschluss der Vollversammlung der deutschen Bischöfe behandelten diese ausführlich das Verhältnis zur Piusbruderschaft.

Dazu möchte ich als Distriktoberer dieser Bruderschaft in Deutschland festhalten:

  1. Die Piusbruderschaft lehnt das Konzil nicht als ganzes ab. Erzbischof Lefebvre hat selbst am Konzil teilgenommen, war in den vorbereitenden Kommissionen und hat dem größten Teil der Dokumente zugestimmt.
  2. Die deutsche Bischofskonferenz stellt als Bedingung die vollumfängliche Annahme des Konzils, also auch der strittigen und zweideutigen Punkte. Das bedeutet aber nichts anderes als den Dialog beenden, bevor er überhaupt begonnen hat. Wir sehen, dass die deutschen Bischöfe die umstrittenen Punkte des Konzils nicht zur Diskussion stellen wollen und Tabuzonen errichten.
  3. Das Verhalten der deutschen Bischöfe ist nicht vom Geist der Brüderlichkeit getragen. Statt den Dialog zu suchen und die Gespräche in friedlicher, konstruktiver Weise zu fördern, handeln sie gegen das Signal aus Rom, welches durch die Rücknahme des Exkommunikationsdekretes gesetzt wurde, und lehnen jedes Gesprächsangebot von Seiten der Bruderschaft ab.
  4. Auch die Bischöfe sind an das achte Gebot gebunden, welches lautet: Du sollst kein falsches Zeugnis geben!“. Deshalb fordern wir die Bischofskonferenz auf, den verleumderischen Vorwurf des Antisemitismus oder Antijudaismus gegen die Piusbruderschaft zurückzunehmen. Auch in der Causa Williamson haben die Oberen der Priesterbruderschaft sofort reagiert. Der deutsche Distrikt hat sich sogleich nach Bekanntwerden der unsäglichen Äußerungen klar und unmissverständlich von jeder Art von Verharmlosung der Naziverbrechen distanziert und bei den Betroffenen für diese Aussagen entschuldigt. Wir weisen hier erneut darauf hin, dass der Vater von Erzbischof Lefebvre im KZ Sonnenburg sein Leben lassen musste.
  5. Die Bischöfe verlangen von der Piusbruderschaft die Anerkennung der Autorität des Papstes, obwohl die Bruderschaft diese Autorität nie in Zweifel gezogen hat. Dies zeigt, dass sich die Bischöfe weder mit den Positionen der Priesterbruderschaft St. Pius X. substantiell auseinandergesetzt haben, noch diese Auseinandersetzung wollen.
  6. Die Piusbruderschaft stellt im Gegenteil innerhalb des deutschen Episkopates eine unterschwellige Ablehnung der päpstlichen Autorität fest. Das Verhalten gegenüber päpstlichen Erlassen der jüngsten Vergangenheit legt dies nahe:
    1. Der Wunsch des Papstes, die falsch übersetzten Wandlungsworte richtig zu stellen, wurde von den deutschen Bischöfen bisher ignoriert.
    2. Das Motu proprio für die Freigabe der Alten Messe wird von einigen Bischöfen so restriktiv behandelt, dass es fast wirkungslos bleiben musste.
    3. Die Karfreitagsfürbitten des Papstes wurden auch von manchem Theologen in Deutschland fälschlicherweise als antisemitisch bezeichnet.
    4. Die klare Haltung des Papstes gegenüber dem angemaßten Kirchenbegriff innerhalb der protestantischen Gemeinschaften stieß in Deutschland überwiegend auf Unverständnis.
    5. Trotz mehrfacher Aufforderung haben die deutschen Bischöfe die Königsteiner Erklärung nicht zurückgenommen, welche die Enzyklika Humanae vitae“ von Paul VI. unwirksam macht.
    6. Schließlich wurde auch die Erklärung Dominus Jesus“ gerade von deutschen Theologen aufs Schärfste kritisiert, weil darin vom einzigen Heilsweg der Kirche die Rede ist.
  7. Angesichts dieser Tatsachen sehen wir, dass einige Bischöfe den vom Papst vorgezeichneten Weg der Klarheit und der Versöhnung ablehnen. Sie wollen augenscheinlich die völlige Preisgabe aller konservativen Einstellungen innerhalb der Kirche. Dieser Widerspruch gegen den Papst geschieht derzeit (noch) nicht offen, ist aber längst in vielen Äußerungen unterschwellig vorhanden.
  8. Angesichts dieser Lage danken wir nochmals dem Heiligen Vater für das väterliche Entgegenkommen. Wir werden unsererseits alles daran setzen, die Positionen der Piusbruderschaft – die eben nicht ihre eigenen, sondern die des Lehramtes der Kirche sind – so verständlich, selbstlos und liebevoll zu formulieren, dass ein fruchtbringendes Gespräch mit allen Katholiken guten Willens möglich ist. Wir freuen uns, dass es mittlerweile an der Basis bereits zum theologischen Diskurs gekommen ist.
  9. Um unserem Willen Ausdruck zu verleihen, dem ewigen und wahren Rom in Liebe zu dienen, möchte die Piusbruderschaft vor allem dem unhaltbaren Vorwurf der unerlaubten Weihen entgegentreten. Diese ins Auge gefassten Weihen wurden nie untersagt, was in persönlichen Gesprächen in Rom bestätigt worden ist. Hier verstricken sich die Bischöfe in ihren deutlichsten Widerspruch: Mit Nachdruck wird behauptet, dass die Einheit mit der Bruderschaft noch nicht bestehe, gleichzeitig will man ihr aber die Weihen verbieten. Hierzu kann man nur auf das hinweisen, was Erzbischof Zollitsch selbst in seiner Erklärung festgestellt hat: Allein dem Hl. Stuhl – und nicht den Bischofskonferenzen – obliegt es, die Voraussetzungen für die volle Einheit festzustellen und darüber zu befinden.


P. Franz Schmidberger, Distriktoberer


E-Mail