Warum bauen wir Kirchen? PDF Drucken E-Mail

In den vergangenen 30 Jahren hat die Priesterbruderschaft allein in Deutschland zwölf Kirchen neu erbaut und acht weitere gekauft. Das erforderte oft einen großen Einsatz von den Gläubigen, sowohl an Arbeitszeit als auch an Spenden.

Die Gläubigen haben diese Aufwendungen gerne geleistet.

Sie betrachteten es als einmalige Chance, als unverdiente Ehre, am Bau einer Kirche mitwirken zu dürfen.

Da und dort gibt es aber auch Einwände gegen den Bau von Kapellen. Manche sähen es lieber, diese Spenden würden in die Schulen oder in das Presseapostolat fließen. Wie dachten denn die Gläubigen anderer Jahrhunderte über diese Frage?

Wie uns die Heilige Schrift berichtet, ließ sich Salomon den Tempelbau einiges kosten: Die besten Bauleute stellte er an und verwendete nur das wertvollste Material. Viertausend Tonnen Weizen und sechstausend Liter feinstes Öl bezahlte Salomon für das Zedernholz aus dem Libanon (1. Kön 5,25). Gott lobte Salomon ausdrücklich für diesen Eifer um das Haus Gottes.

Ein Pfund echtes Nardenöl im Wert von 300 Tageslöhnen goss Maria über die Füße Jesu aus, und Christus lobt sie ausdrücklich dafür und verteidigt sie vor den murrenden Jüngern (Joh 12,3). Für den Herrn ist nichts zu kostbar.

„Machen Ihnen Ihre Pfarrkinder Sorgen?“ fragte ein reicher Mann einst den Pfarrer von Ars, der sehr bekümmert war.

„O nein, im Gegenteil, mit denen bin ich zufrieden, aber ich lasse eine Kapelle in meiner Kirche bauen und habe kein Geld, um sie zu bezahlen“, antwortete der heilige Pfarrer.

Diese Geldnot ist kein Wunder. Seit Johannes Maria Vianney in Ars ist, wird an der Kirche gebaut: Zuerst erbaute er einen neuen Glockenturm, dann die Muttergotteskapelle, danach die St.-Johannes-Kapelle, darauf die St.-Philomena-Kapelle, schließlich die Engel-Kapelle und als letzte die Leiden-Christi-Kapelle.

Der Pfarrer von Ars gibt sich alle erdenkliche Mühe, seine Kirche zu verschönern, ist in ständiger Bewegung, interessiert Handwerker und Künstler für seinen Plan und seine Arbeit, besucht in Lyon die Werkstätten der Stickerinnen und Goldschmiede. Die Lieferanten sind erstaunt, einen jungen Landpriester von vernachlässigtem Äußeren, in groben Bauernschuhen vor sich zu sehen, der von ihnen das Schönste verlangt, was sie haben, und den Eindruck erweckt, sich niemals damit zu begnügen.

Was den Pfarrer dazu treibt, hat er selber gesagt:

„Wie sollte man nicht unserem Herrn das Schönste und Kostbarste geben, was man hat? Was für eine Undankbarkeit wäre das, sich geizig zu zeigen einem Gott gegenüber, der so verschwenderisch gibt! Hat er nicht für uns alle sein Blut am Kreuz dahingegeben?“ (Nach Michel de Saint-Pierre: Der Pfarrer von Ars)

Mit solchen Gedanken ist der heilige Pfarrer von Ars nicht allein: „Quantum potes, tantum aude...“ dichtete schon der heilige Thomas in seiner Fronleichnamssequenz: „Such das Höchste zu erreichen, da sein Ruhm, der ohnegleichen, nie genug gepriesen wird.“

Und der große heilige Franziskus begann seine Nachfolge Christi mit dem Ausbessern von verfallenen Kirchen. Als er eines Tages in der baufälligen Kirche des heiligen Damian nahe von Assisi vor dem Gekreuzigten kniete, da vernahm er deutlich die Worte: „So geh denn hin, Francesco, und baue mein Haus auf, denn es ist nahe daran zusammenzustürzen.“ Franz versteht diesen Befehl buchstäblich und ist gerne bereit zu gehorchen: „Herr, mit Freuden will ich tun, wie Du es wünschest“, gibt er zur Antwort. Rasch im Handeln, wie Franz ist, will er sich an die Arbeit machen. Aber woher soll er die Mittel nehmen, um San Damiano wieder aufzubauen? Eines Tages sah man auf dem Markt in Assisi Franz in der Einsiedlertracht. Er sang wie ein wandernder Gaukler. Nachdem er den Gesang beendet hatte, ging er zwischen den Zuhörern umher und bettelte: „Wer mir einen Stein gibt, erhält eine Belohnung im Himmel“, sagte er, „wer mir zwei Steine gibt, erhält zwei Belohnungen, wer mir drei Steine gibt, erhält drei Belohnungen.“ Viele lachten ihn aus. Andere wurden gerührt und gaben ihm Steine. Auf seinen Schultern trug er sie fort auf seine Baustelle. Die Kirche des heiligen Damian war nicht die einzige, an der er arbeitete. Er sah in den ersten Jahren seiner Berufung den materiellen Kirchenbau als seine wesentliche Lebensaufgabe. Seine Biografen zählen noch drei weitere Kirchen auf, an denen Franz gebaut hat. (Jörgensen: Der heilige Franz von Assisi)

Dieser Eifer der Heiligen für die Kirchengebäude ist kein Wunder – im Gegenteil: Es wäre befremdlich, wenn es nicht so wäre. Für das heiligste Geschehen ist ein heiliger Raum nötig.

Der Priester am Altar trägt ja auch nicht eine Jacke, mit der er auf der Straße unterwegs ist, sondern er kleidet sich in liturgische Gewänder: Eine weiße Albe hüllt ihn von oben bis unten ein, eine Stola liegt um seine Schultern, das Messgewand umschließt ihn. Undenkbar, dass er sich so im Gedränge der Straßen zeigt. Diese Gewänder sind nur und ausschließlich für den Gottesdienst bestimmt. Was sich auf dem Altar vollzieht, übersteigt das Gewöhnliche in solcher Weise, dass es einer Entheiligung gleichkäme, wollte der Priester dieses Ereignis in profaner Kleidung vollziehen. Das besondere Geschehen am Altar fordert eine besondere Kleidung.

Nicht ein Weinglas und ein Frühstücksteller aus Porzellan dienen dem Zelebranten, sondern ein vergoldeter Kelch und eine vergoldete Patene. Sie wurden vom Bischof gesalbt und sind ausschließlich für den liturgischen Gebrauch reserviert. Das heilige Geschehen am Altar fordert besondere Geräte.

Der Priester am Altar spricht nicht so, wie jeder auf der Straße spricht. Er spricht Latein. Damit wird jedem klar, dass sich hier etwas abspielt, was den alltäglich-banalen Bereich übersteigt. Der heilige Kult am Altar fordert eine besondere, eine Kultsprache.

Nicht Volksmusik und auch nicht die Melodien der Brandenburgischen Konzerte begleiten das heilige Geschehen, sondern sakraler Gesang. Die Arie einer Oper würde die ganze liturgische Feier entweihen. Die übernatürliche Feier am Altar fordert eine besondere Musik. Der Gregorianische Choral wurde ausschließlich für den Gottesdienst erdacht.

Ähnliches gilt vom sakralen Raum. Die Christen aller Jahrhunderte waren überzeugt, dass das heilige Geschehen nicht in einen profanen Raum passt. Ihnen war kein Opfer zu groß, um Räume zu schaffen, die dem Geschehen auf dem Altar angepasst sind. Sie sahen es als eine Ehre an, mitwirken zu dürfen am Bau von Kirchen. Sie taten, was sie konnten, und erbauten sakrale Gebäude, angefangen von der bescheidenen Dorfkirche bis hin zu den gewaltigen Domen. Diese Gebäude geben Zeugnis davon, dass die Christen aller Zeiten keinen Aufwand scheuten, Gebäude zu schaffen, die dem heiligen Ereignis entsprechen.

Dabei war es vor tausend Jahren keinesfalls einfacher, eine Kirche zu bauen, als heute. Es gab keine Bagger, keine Baukräne, keine Elektrogeräte, keine asphaltierten Straßen, keine Lastwagen. Ganz zu schweigen von Computern, die heute die Planung und Berechnung wesentlich erleichtern. Die Menschen damals waren nicht reicher als wir heute. Sie lebten aber nur mit einem Bruchteil von dem Komfort und Wohlstand, der uns heute umgibt.

Sie waren davon überzeugt: Der Besitz, den sie in ihre Kirchen investierten, war dort am besten angelegt. Noch heute sehen wir, was die Jahrhunderte vor uns leisteten. Diese Geldanlage überdauerte alle Währungsreformen und wurde zu einem Schatz im Himmel, sicher vor Rost und Motten und Inflationen. Ein heiliger Raum war ihnen einige Opfer wert.

Natürlich hängt die Gültigkeit der heiligen Messe nicht vom Raum ab, in dem sie gefeiert wird. Sie ist in einem Büroraum ebenso gültig wie im Kölner Dom. Eine Messe ohne Choral, ohne Latein, ohne Messgewand, ohne Kelch und Patene kann auch gültig sein – und trotzdem wäre es ein gewaltiger Frevel, wollte man ohne äußerste Not darauf verzichten. Abgeschwächt gilt dasselbe auch vom heiligen Raum: Wo es sich machen lässt, sollte sich das heilige Geschehen in einem sakralen Raum ereignen. Nicht jeder Gemeinde ist es möglich, eine Kirche zu bauen. Die Sorge um einen angemessenen Raum sollte aber überall lebendig sein.

Wie der Choral und die liturgischen Gewänder das Beten erleichtern, so auch die sakrale Architektur. Ziel des Gebetes ist die Vereinigung mit Gott. „Die Seele findet diese Vereinigung mit Gott eben im religiösen Gesang, in der Frömmigkeit der liturgischen Handlungen, in der Sammlung, der architektonischen Schönheit, der edlen Haltung und Hingabe des Zelebranten, der symbolischen Ausschmückung, im Duft des Weihrauchs etc.“ (Erzbischof Lefebvre, Bulletin général de la congrégation du Saint-Esprit, zitiert nach Mgr. Tissier de Mallerais: Marcel Lefebvre, S. 414)

Die architektonische Schönheit des Gebäudes trägt dazu bei, dass sich die Seelen leichter mit Gott vereinigen können. Das kann sicher jeder aufgrund seiner eigenen Erfahrung bestätigen. Wie der Gregorianische Choral die Seele zu Gott erhebt so auch die sakrale Architektur.

Aus diesem Grund wirken Kirchen anziehend. In den Gemeinden der Bruderschaft, die ein „richtiges“ Kirchengebäude besitzen, tauchen viel häufiger neue Gesichter auf als in Kapellen, in denen die Messe in einem umgebauten Büroraum oder in einer liturgisch möblierten Halle gefeiert wird. Kirchengebäude sind daher kein Luxus, sondern ein wichtiges Mittel für das Apostolat. Sie sind nicht weniger wirksam als das Verbreiten von religiösen Schriften und die Veranstaltung von Vorträgen.

Viele Konvertiten berichten, wie gerade die Schönheit und das Erhebende eines gesungenen Amtes sie für den katholischen Glauben gewonnen haben. Beides aber entfaltet sich viel eindrucksvoller in einem sakralen Raum als in einem profanen.

Kirchengebäude wirken nicht nur nach innen auf ihre Besucher ein, sondern sie wirken auch nach außen: Sie sind Zeichen für den Glauben.

Wir leben in einer „getauften“ Umgebung. Jedes Dorf hat seine Kirche, jede größere Stadt ist stolz auf ihr Gotteshaus. Wer sich einmal in einem Land außerhalb des christlichen Kulturraumes aufgehalten hat, der weiß das zu schätzen. Dort erinnert keine Kirche an den christlichen Glauben, kein Glockengeläut ruft zum Gebet. So sind unsere Kirchtürme Stein gewordener Glaube. Sie machen sichtbar, dass die Menschen in diesem Land an Christus glauben (oder wenigstens geglaubt haben), an seine Gegenwart im heiligsten Sakrament, an die Erneuerung seines Opfers. Dafür haben sie diese Gebäude errichtet.

Wie lebendig der Glaube in einer Epoche der Kirchengeschichte war, spiegelt sich in den Kirchen aus der jeweiligen Zeit. In der Blütezeit der christlichen Kultur entstanden die himmelwärts strebenden gotischen Dome. Jede Barockkirche ist eine Antwort auf die Reformation. Die modernen „Alleluja-Garagen“ dokumentieren, wie es um den modernen Glauben steht.

Nicht weniger aussagekräftig sind die Kirchen der Priesterbruderschaft, die in der heutigen Krise erbaut werden. Sie sind eine Antwort auf den Glaubensverlust, auf die Ehrfurchtslosigkeit und die Geschmacksverirrung in der modernen kirchlichen Kunst. Jede in der Krise neu gebaute Kirche bezeugt, dass es noch Christen gibt, die glauben: Christus wohnt unter uns. Sein Opfer wird gegenwärtig. Jeder wirklich sakrale Kirchenneubau ist ein Aufruf an alle, die meinen, auf Ehrfurcht verzichten zu können. Jede Kirche ist ein Glaubensbekenntnis.

Warum stört uns eine Moschee mit Kuppel und Minarett weit mehr als ein Gebetsraum von Muslimen in einem Bürogebäude? In beiden geschieht dasselbe: Die Muslime beten zu Allah. Allein die Zeichenhaftigkeit macht den Unterschied. Eine nach außen kenntliche Moschee legt Zeugnis davon ab, dass der Islam auf dem Vormarsch ist und das Christentum schwindet. Der Bau einer neuen Kirche, und sei sie noch so bescheiden, beweist, dass in kleinen Kreisen der Glaube noch lebt, dass er noch so lebendig und stark ist, Kirchen hervorzubringen. Solche Zeichen braucht die Welt - gerade heute.

Die Priesterbruderschaft arbeitet derzeit an zwei Projekten: Die Kirche in Schramberg-Sulgen soll fertiggestellt werden, und die Karlsruher Gemeinde sucht einen anderen Gottesdienstraum, weil der Eigentümer die Herz-Jesu-Kirche abreißen will.

Dieser Nummer des Mitteilungsblattes liegen in Deutschland Spendenboxen bei. Mit diesen Spenden soll die Fertigstellung der Kirche in Schramberg finanziert werden.

In den Sommerferien begegnen Sie sicherlich vielen Freunden, Verwandten, Bekannten, Nachbarn und Arbeitskollegen. Diese Spendenboxen können Sie nutzen, um Ihren Bekanntenkreis auf unseren Kirchbau aufmerksam zu machen. So geben Sie Menschen außerhalb unserer Kreise die Gelegenheit, Gutes zu tun.

(Aus: Mitteilungsblatt Juli 2011, S. 32)


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