Fastenzeit (31. Tag) – Freitag nach dem 4. Fastensonntag. PDF Drucken E-Mail
Freitag, den 23. März 2012 um 09:51 Uhr

betende haende_2Ich bin die Auferstehung und das Leben!"

1. Gehobenen Herzens ziehen wir heute nach Sankt Eusebius. Wir sind auf dem großen Gräber- und Totenfeld des alten Rom. Vor unserem Geiste steht Christus, der Totenerwecker, der Herr über Tod und Grab. Wir jubeln Ihm mit dem Introitus zu: „Meines Herzens Sinnen ist allezeit vor Dir, o Herr, mein Helfer und Erlöser." Du hast auch mich vom Tode (der Sünde) erweckt, Du wirst mich am Jüngsten Tage endgültig vom Tode zum Leben erwecken.

„Die Himmel (die vom Tode der Sünde zum Leben der Gnade und Glorie Erweckten) künden Gottes (Christi) Herrlichkeit, und Seiner Hände Werk (Wundertaten, Totenerweckung) rühmt das Himmelszelt (die Geretteten auf Erden und im Himmel)" (Ps. i8, 2, Introituspsalm).

2. Jesus erweckt den Lazarus zum Leben. Das ist eines der bedeutsamsten Wunder, die Er in Seinem Erdenleben gewirkt. Wir staunen darüber. Aber mit Recht belehrt uns der hl. Augustinus:

„Wenn wir auf denjenigen schauen, der dieses Wunder gewirkt, so müssen wir weniger darüber staunen, als uns freuen. Der, welcher den Menschen vom Tode erweckt hat, ist derselbe, der ihn auch erschaffen hat, der Sohn des Vaters. Was Wunder wenn einer durch denjenigen vom Tode wieder erweckt wird, durch welchen täglich so viele ins Leben gerufen werden ? Wenn Er wollte, könnte Er plötzlich alle Toten erwecken: dies hat Er jedoch bis aufs Ende der Zeiten vorbehalten. Es wird die Stunde kommen, in der alle Seine Stimme hören, wie jetzt der tote Lazarus, und aus ihren Gräbern hervorgehen werden (Joh. 5, 28). Durch das Wunder an Lazarus sollen wir auf das große Wunder der allgemeinen Auferstehung vorbereitet werden, damit wir nicht zum Tode, sondern zum Leben auferstehen" Jesus ist der große Totenerwecker! Was Er all Lazarus tut, das hat Er an uns allen geistigerweise getan in der heiligen Taufe, oft und oft im Sakrament der Buße. Im Genuß der heiligen Kommunion senkt Er in unsere Körper den Keim der einstigen Auferstehung, damit auch der arme Körper lebe, ewig lebe und die Freuden des Himmels mitgenieße! „Ich hin die Auferstehung und das Leben. Wer an Mich glaubt, wird leben, auch wenn er schon gestorben ist."

Jesus erweckt die geistig Toten zum Leben.

„Als Jesus die Schwester des Lazarus weinen sah, ward Er tief ergriffen und erschüttert und sprach: Wo habt ihr ihn hingelegt? Sie antworteten: Herr komm und sieh! Da weinte Jesus. Die Juden aber sprachen: Seht, wie lieb Er ihn hatte." Das alles ist der heiligen Liturgie ein Gleichnis, ein Bild. Warum weinte der Herr und war Er betrübt? Die Antwort gebe uns wieder der hl. Augustinus: „Weil der Tote, der schon vier Tage im Grabe lag, das Bild eines Sünders ist, den die Last der Sünden drückt. Er deutet damit an, wie auch du betrübt sein sollst, wenn eine große Sündenschuld auf dir lastet. Wenn du dich schuldig erkennst; wenn du sagst: Das habe ich getan, und Gott hat sich meiner erbarmt: das habe ich begangen, und Gott hat meiner geschont: ich bin getauft, und doch wieder in Sünde gefallen, was fange ich an? Wohin soll ich gehen? Wohin entfliehen? Wenn du reuevoll also sprichst, dann seufzet der Heiland aus Mitleid mit dir." „Wo habt ihr ihn hingelegt ?' Er weiß alles. Warum fragt Er also? Um uns zu belehren: „Ich kenne euch nicht." So sehr hat die Sünde uns entstellt, verabscheuungswürdig und unansehnlich gemacht. Eine abstoßende, verwesende Leiche. „Komm und sieh." Er sieht unser Sündenelend an – und weint. „Seht, wie Er ihn lieb hatte!" Dann tritt er im Sakrament der heiligen Taufe, im Sakrament der Buße an den Sünder heran und befiehlt mit Macht: „Komm heraus!" Brich mit Tod, Grab und Verwesung, laß die Sünde und das Böse. „Komm heraus" und lebe das Leben der Gnade, der Gotteskindschaft! Eine Totenerweckung in der Taufe und im heiligen Bußsakrament. „Dem (in der Sünde) gedemütigten Volke bringst Du Rettung, o Herr. Wer ist Gott außer Dir?" (Offertorium.)

3. Der heutige Tag ist ein Tag innigen, freudigen Dankes für die Erweckung von den Toten, d. i. für die unschätzbare Gnade der heiligen Taufe und des Sakramentes der Buße.

Es ist ein Tag eifriger Fürbitte für die Täuflinge und insbesondere für die vielen Unglücklichen, die durch die Sünde geistig tot sind. Daß sie die Gnade erhalten, vom Grabe der Sünde auferweckt zu werden und eine gute Osterbeicht zu machen. Daß sie die Kraft bekommen, aus dem Grabe endgültig herauszukommen, und von nun an im Licht des Glaubens zu wandeln. Es braucht viel Gebet und Opfer unsererseits.

Es ist ein Tag fester Entschlossenheit: „Laßt uns mit Ihm gehen, daß wir mit Ihm sterben." So sprechen wir heute mit dem Apostel Thomas im Evangelium „Laßt uns mit Ihm gehen, daß wir mit Ihm sterben" Denn soweit werden wir das Leben haben, als Wir mit Ihm sterben. Das will die heilige Taufe, mit der wir besiegelt sind. Das will die tägliche heilige Messe: Opfergemeinschaft mit dem sich opfernden Herrn, damit wir, tot dem Ungöttlichen, dem eigenen Geist, mit Jesus ungeteilt dem Vater leben. Das will das christliche Leben überhaupt: „Ihr sollt euch als solche betrachten, die, der Sünde gestorben, für Gott leben in Christus Jesus" (Röm. 6, 11). Das will vor allem die heilige Fastenzeit.

Gebet

O Gott, Du erneuerst die Welt durch unaussprechliche Sakramente (das Geheimnis des Leidens, des Todes und der Auferstehung des Herrn); so gib, wir bitten Dich, daß Deine Kirche durch diese überzeitlichen Einrichtungen (geistlich) wachse, aber auch der zeitlichen Hilfe nicht entbehre.

Allmächtiger Gott, unserer eigenen Schwäche wohl bewusst, vertrauen wir auf Deine Kraft und bitten Dich, laß uns unter dem Schutze Deiner Vatergüte allzeit freudig sein. Durch Christus unsern Herrn. Amen.


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