Fastenzeit (12. Tag) – 2. Fastensonntag PDF Drucken E-Mail
Sonntag, den 04. März 2012 um 06:50 Uhr

betende haende_2Die liturgische Meßfeier des zweiten Fastensonntags

1. Ehedem, als die Christen noch den Heroismus und den Gebetseifer der ersten Zeiten hatten, begann die Feier des Quatembersamstags erst am späten Abend dieses Tages. Die Gläubigen Roms versammelten sich in St. Peter. Ob der vielen Lesungen und Gesänge, ob der Erteilung der heiligen Weihen an die Priesteramtskandidaten, ob der Ablieferung des nicht unbeträchtlichen Fastenopfers der Gläubigen an die Kirche und die Armen, ob der Predigt des Bischofs dauerte der Nachtgottesdienst bis in den frühen Morgen des Sonntags hinein.

So kam es, daß die Messe, die wir heute in der Frühe des Quatembersamstags feiern, bereits auf den Sonntag fiel. Nun kam ein schwächeres Geschlecht: der Nachtgottesdienst wurde in gekürzter Form auf den Morgen des Samstags vorgerückt und für den Sonntag ein neuer Meßtext geschaffen, gleichsam ein Ersatz und eine Stellvertretung der Messe des Qua-tembersamstags. Aber der Geist dieser Messe, ihre Idee, ist herausgeboren aus der Messe des Qua-tembersamstags. Im Mittelpunkt steht der Tabor und über ihm im Lichtglanz der Verklärung Christus, unser Heiland Mitten in die düstere Fastenzeit leuchtet die nahe Ostersonne : durch Nacht zum Licht, durch Leiden und Sterben zum Leben, zur Auferstehung und Verklärung!

2. Wir fühlen uns als Sünder. Aus der Sündennot rufen wir im Introitus um Gottes Erbarmen, um Nachlaß und Verzeihung, um Reinigung unserer Seele von allen bösen, sündigen Gedanken (Oratio). Wir wollen zum Licht der Auferstehung (Ostern) gelangen, das uns in dem auf Tabor verklärten Heiland entgegenleuchtet. Aber „was haben Licht und Finsternis gemein?" (2 Kor. 6, 14). Deshalb dürfen wir nicht in den Niederungen der Leidenschaften, der Unzucht, der Habsucht verweilen. „Gott hat uns nicht zur Unlauterkeit berufen, sondern zur Heiligkeit*', zum Wandel im Lichte (Epistel). Im Lichte wandeln heute die drei Apostel auf Tabor (Evangelium). Voll Staunen, Ehrfurcht und Seligkeit fallen sie nieder. „Herr, hier ist gut sein." Die Apostel sind heute wir selbst. Wir schauen die göttliche Herrlichkeit, und wir glauben an den Verklärten, auch wenn wir Ihn bald in Schmach und Schwäche und Erniedrigung sehen, am ölberg und auf Golgotha. Wir glauben aber auch an unsere eigene Verklärung, die Frucht der Leiden, Entsagungen, Kämpfe und Nöten des Lebens. Durch Nacht zum Licht! In diesem tröstlichen Bewußtsein sprechen wir freudig und zuversichtlich unser Credo: Ich glaube an die Auferstehung von den Toten und an ein ewiges Leben. Unser Entschluß steht fest: „Ich überdenke Dein Gebot, das ich liebe; ich strecke meine Hände aus nach Deinen Satzungen, die ich liebe" (Offertorium): Wandel im Lichte!

3. In der heiligen Wandlung wird das, was uns das Evangelium berichtet, leibhaftige Gegenwart und Wirklichkeit. Unser Altar ist der Tabor. Auf ihm thront die Herrlichkeit des Verklärten. Vom Himmel herab ruft der Vater die Worte: „Dieser ist Mein geliebter Sohn, an dem Ich Mein Wohlgefallen habe." Ihm, diesem geliebten Sohn, sind wir in heiliger Opfergemeinschaft innigst verbunden, mit Ihm ein Opfer, eine Hostie, eine Opfer-gabe geworden. Mit Ihm und durch Ihn sind wir Kinder Gottes. Mit Seinem Munde und mit Seinem Herzen rufen wir: Pater noster. Wahrlich, an diesem unserem Rufen und Flehen, aus dem der Vater die Stimme Seines Vielgeliebten heraushört, hat Er Sein ganzes Wohlgefallen. Was muß es uns noch wundern, wenn Er über uns in der heiligen Kommunion die Fülle Seines Segens und Seiner Gnade ergießt, uns mit dem Leben Christi nährt und sättigt? In der heiligen Kommunion ist mein eigenes Herz der Tabor geworden, der Schauplatz der wonnigen Verklärung. Das Licht, das den Verklärten einhüllt, erleuchtet die Finsternisse meines Wesens. Die Wonnen, die sich über den Verklärten ergießen, strömen über auf meine Seele. Der vielgeliebte Sohn ist mein Eigentum und Besitztum. Er lebt in mir, nicht mehr ich selbst. Er senkt mir den unvergänglichen Keim der ewigen Verklärung ins Herz. So schreite ich wacker, stark und standhaft voran, durch die Nacht zum Licht, zur Helle eines ewigen Ostertages. „Wandelt als Kinder des Lichtes" (Eph. 5, 8).

Zweiter Fastensonntag. Taborhöhe.

1. Vor acht Tagen sahen wir den Herrn in der Wüste, vom Teufel versucht, gedemütigt. Heute auf den Höhen des Tabor, verklärt, von Moses und Elias, d. i. dem Alten Testament, geglaubt und anerkannt und vom Vater im Himmel bezeugt und bestätigt: „Dieser ist Mein geliebter Sohn, an dem Ich Mein Wohlgefallen habe; Ihn sollt ihr hören" (Evangelium).

2. „In jener Zeit nahm Jesus den Petrus, Jakobus und dessen Bruder Johannes mit sich und führte sie abseits auf einen hohen Berg. Dort wurde Er vor ihnen verklärt. Sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, und Seine Kleider wurden weiß wie Schnee. Und siehe, es erschienen ihnen Moses und Elias und redeten mit Ihm. Da nahm Petrus das Wort und sprach: Herr, hier ist gut sein. Und während er noch redete, überschattete sie eine lichte Wolke. Und eine Stimme erscholl aus der Wolke: Dieser ist Mein geliebter Sohn, an dem Ich Mein Wohlgefallen habe; Ihn sollt ihr hören" (Evangelium). In Petrus, Jakobus und Johannes erkennen wir die heilige Kirche. In der Fastenzeit nimmt sie der Herr abseits, auf den Berg, um ihr dort Seine Herrlichkeit, Sein wahres, himmlisches Wesen zu enthüllen. Sie soll angesichts der nahen Passion durch die Schau Seiner Herrlichkeit in dem Glauben an Ihn gestärkt und Seines göttlichen, unsterblichen Lebens gewiß werden. Die Kirche sind wir. Wir besteigen heute mit Ihm den Tabor und sehen Seine Verklärung. Wir werden an Ihm, wenn Er in die Nacht des Leidens und der Schmach hinabsteigt, nicht irre. Wir glauben an Ihn, den wir heute auf dem Tabor schauen und über dem die Stimme des Vaters erschallt: „Dieser ist Mein geliebter Sohn."

„Brüder, wir bitten' und ermahnen euch im Herrn Jesus: Wandelt so, wie wir euch zu wandeln gelehrt haben, damit ihr Gott gefallet und immer vollkommener werdet. Denn ihr wißt, welche Vorschriften ich euch gegeben habe. Das ist der Wille Gottes, eure Heiligung: daß ihr euch rein haltet von Unzucht. Gott hat uns ja nicht zur Unlauterkeit berufen, sondern zur Heiligkeit in Christus Jesus, unserem Herrn" (Epistel). Lichte Taborhöhen! Daneben die dunklen Abgründe der Finsternis und Unheiligkeit. Die Epistel nennt die Unzucht, die Entheiligung der Ehe, die Hingabe an die sinnliche Lust; dazu die geschäftliche Übervorteilung des Mitmenschen. „Der Herr rächt all das, wie wir euch schon früher gesagt und ein geschärft haben. Gott hat uns ja nicht zur Unlauterkeit, sondern zur Heiligkeit berufen." So ist es die Aufgabe der heiligen Fastenzeit, daß wir uns zum Verklärten erheben und uns von ihm verklären lassen. Nicht erst im jenseitigen Leben, schon jetzt hier auf Erden. Wir ringen um Verklärung, Heiligung unserer Gedanken, unserer Neigungen, unserer Absichten und Beweggründe; um Verklärung unseres Betens, Arbeitens und Leidens. „Das ist der Wille Gottes, eure Heiligung." Verklärung in der Erhebung über die sinnlichen Begierden, über die Augenlust, Fleischeslust und Hoffart des Lebens. Über alles, was Unehrlichkeit im Handel und Wandel ist. Verklärung des äußern Menschen durch In-zuchtnahme des Körpers, der Sinne, der Zunge; Verklärung des innern Menschen durch Erhebung zur Unbeflecktheit, Reinheit, Lauterkeit des Denkens und Wollens. So leuchtet in uns Christen täglich etwas mehr vom Lichtglanz des verklärten Herrn auf; etwas von der Reinheit Seines weißen Gewandes und Seines sonnenhaften Antlitzes auf Tabor. Verklärung ist das Ziel der Fastenarbeit. Der Weg zur Verklärung führt über Golgotha, über das Kreuz, über das Sterben.

3. Wir erheben heute unsere Augen zu den Höhen des Tabor, den Verklärten zu sehen und uns so im Glauben an Ihn, den Sohn Gottes, zu bestärken. Wir schauen zu Ihm empor, um in Seinem Anblick die Kraft zu holen, tapfer den Weg der Verklärung zu gehen; daß wir tot der Sünde, tot der sinnlichen Leidenschaft und dem ungerechten Gelderwerb so wandeln, wie wir gelehrt worden sind, damit wir Gott gefallen und immer vollkommener werden. Das ist der Wille Gottes, unsere Heiligung, unsere Verklärung: daß der neue, vergeistigte, verklärte Mensch in uns entstehe. Wir verlangen mit ganzer Seele, jetzt in der heiligen Fastenzeit, über die Niederungen der Sinnlichkeit, Weltlichkeit und Ichsucht emporzusteigen, auf die Höhen des Tabor, verklärt zu werden. „Herr, denk an Deine Güte und Deine Erbarmungen, die seit ewig währen. Befreie uns, Gott Israels, aus allen unsern Nöten" (Introitus), von allem, was in uns noch Sünde, Erdverhaftung, Ungeistigkeit, Unfreiheit ist. „Vernimm mein Rufen, hab acht auf meiner Stimme Flehen, mein König und mein Gott: ich richte mein Gebet an Dich" (Communio): wandle Du in der Kraft der heiligen Eucharistie mein Wesen um, daß es rein werde, fern aller Unlauterkeit, verklärt durch die heiligmachende Gnade, durch die Fülle der Gaben des Heiligen Geistes, der Tugenden und heiligen Werke.

Heute, in der Feier des heiligen Opfers, schauen wir den Verklärten auf dem Tabor des Altars. Sein Angesicht leuchtet wie die Sonne. Sein Gewand ist weiß wie Schnee. Ehrfürchtig fallen wir mit Petrus, Jakobus und Johannes auf unser Angesicht und beten an. In der heiligen Kommunion läßt Er sich zu uns herab, rührt uns an und ruft uns auf: „Steht auf und fürchtet euch nicht." In der Kraft dessen, was ihr gesehen und empfangen habt, geht mutig an die Mühen und Opfer des Alltags, in den Kampf wider Satan, Fleisch und Welt. Die heilige Kommunion gibt uns die Kraft, so zu wandeln, wie wir es gelehrt worden sind, um in allem Gott zu gefallen und uns zu heiligen. Das Geistige, das Seelische, das Glück in Gott, die innere Reinheit, der Friede, der heilige Frohsinn leuchtet in der äußern Gestalt hervor und kündet allen die Verklärung unseres Wesens. „Preiset den Herrn, denn Er ist gut, ewig währet Sein Erbarmen. Wer mag schildern des Herrn gewaltiges Wirken (an uns): wer wird künden all Seinen Ruhm? Selig, wer das Gesetz befolgt und allzeit handelt nach Gerechtigkeit (so wie Gott es befohlen hat)" (Tractus).

Wir fühlen tief den Schmerz der Mutter Kirche mit. Sie leidet angesichts der großen Zahl ihrer Kinder, die nicht wandeln, wie sie gelehrt werden. Sie gefallen Gott nicht. Sie halten sich nicht rein von Unzucht. Sie überlassen sich der sinnlichen Leidenschaft und entweihen, wie „die Heiden, die Gott nicht kennen", das Heiligtum der Ehe. Sie wären berufen und hätten die Gnade, mit dem Herrn auf Taborhöhen zu wandeln, im Glänze eines reinen, heiligen, verklärten Lebens. Statt dessen waten sie im Sumpf der Sinnlichkeit und Unlauterkeit. Wie tut das der Kirche wehe! „Die Ängsten meines Herzens haben sich gemehrt", betet sie zum Herrn. „Aus meinen Nöten rette mich, o Herr. Sieh an mein Elend und mein Leid" (Graduale), meine Sorge, meinen Kummer um so vieler verirrter Kinder willen. Wir heben rühmend, bittend das kostbare Erlöserblut zum Himmel empor und flehen: „Vergib uns unsere Schuld. Führe uns nicht in Versuchung. Erlöse uns, bewahre uns Tor dem Übel" der Sünde, der Sinnlichkeit, des ewigen Todes.

Gebet

Du siehst, o Gott, daß jede Kraft uns mangelt. Darum behüte Du uns innen und außen, auf daß unser Leib vor allem Übel gesichert sei und unsere Seele von verkehrten Gedanken gereinigt werde. Durch Christus unsern Herrn. Amen.


E-Mail