Fastenzeit (11. Tag) - Quatembersamstag PDF Drucken E-Mail
Samstag, den 03. März 2012 um 07:47 Uhr

betende haende_2Quatembersamstag in der Fastenzeit

Verklärung

1. Wir machen heute im Geiste mit den früheren Jahrhunderten den Nachtgottesdienst in St. Peter mit: die Lesungen, die Gebete, die Erteilung der heiligen Weihen. In der Frühe des Sonntags, beim Aufgang der Sonne, schließen wir die Nachtfeier mit dem eucharistischen Opfer und dem Empfang der heiligen Kommunion ab. Durch die Nacht der Fastenzeit des Erdenlebens geht es dem Morgen der seligen Auferstehung und Verklärung entgegen.

2. Die heilige Liturgie weckt in uns die Sehnsucht nach dem Licht, nach dem Auferstehungsmorgen, nach der Erlösung. Sie versetzt uns in die Stunde, da uns erstmals in der heiligen Taufe ein Strahl des göttlichen Lichtes traf. Da stießen wir die Finsternis der Sünde, Satan, den Fürsten der Finsternis, mit einem energischen, entschlossenen „Ich widersage" von uns. Wir wandten uns dem Lichte, dem Morgen, der Sonne, Christus zu und gelobten: Ich glaube, weihe mich Gott, ich weihe mich Jesus Christus, ich weihe mich dem Heiligen Geist in der Gemeinschaft der heiligen Kirche. Heute lassen wir diesen heiligen Augenblick in uns aufleben: „Heute gebietet dir der Herr, dein Gott, daß du diese Satzungen (Taufgelübde, Taufverpflichtungen) aus ganzem Herzen haltest und erfüllest. Du hast dir heute den Herrn erwählt, daß Er dir Gott sei: so wandle denn auf Seinen Wegen, halte Seine Anordnungen und gehorche Seinem Befehle. Und der Herr hat dich heute erwählt, daß du Sein Ihm gehöriges Volk seiest und alle Seine Gebote haltest, auf daß du seiest das heilige Volk des Herrn, deines Gottes" (erste Lesung). Als „das hei-lige Volk des Herrn" wandern wir durch die Nacht des Erdenlebens dem Lichte entgegen. Von allen Seiten umgeben uns feindliche, finstere Mächte (zweite, dritte, vierte Lesung). Wir sehen uns von Satan, von der Welt, von der bösen Begierlichkeit und der Verderbtheit unseres Herzens bedroht. Wir flehen: „Erbarme Dich unser, Du, Gott des Alls, schau auf uns herab und laß uns leuchten das Licht Deiner Erbarmungen" (vierte Lesung). „Schau hernieder, o Gott, unser Schützer, und laß uns, die wir von der Last unserer Sünden erdrückt werden, Barmherzigkeit erlangen und so mit freier Seele Dir dienen." „Herr, wende Dich zu uns, und laß Dich erbitten über Deine Knechte." Ein mächtiges

Sehnen nach Licht, nach Freiheit, nach der Auf-erstehung aus dem Tode der Sünde und aller Unfreiheit. Ein Sehnen, daß der Engel des Herrn auch uns der Nacht des Todes entreiße und dem Leben zurückgebe, wie er es den drei Jünglingen im Feuerofen getan (fünfte Lesung).

Die Liturgie zeigt uns die Erfüllung unserer Sehnsucht. Im Evangelium führt sie uns auf den Berg Tabor, damit wir mit Petrus, in dessen Haus wir die heilige Feier mitmachen, Zeugen der Verklärung des Herrn seien. Die Nacht der Fastenzeit der Erdenpilgerschaft, die Nacht des Kreuzes, der Abtötung, der Verdemütigung, des Kämpfens führt über sich hinaus, hinauf auf die Höhen des Tabor, der Verklärung. Jesus ist das Haupt, wir sind Seine Glieder, eins mit Ihm. So wahr Er heute im Glänze der Verklärung erstrahlt und im heiligen Opfer als der Verklärte unter uns erscheint, ebenso wahr sollen und werden wir, Seine Glieder, und wird die Kirche, Sein Leib, Seine Braut, ewig das Leben Seiner Verklärung teilen und mitleben. Der auf dem Tabor unseres Altares verklärte Herr ist uns das Vorbild und zugleich das sichere Unterpfand unserer und der heiligen Kirche zukünftigen Verklärung. Wir glauben. Wir vertrauen. Wir richten den Blick nicht so sehr auf die uns jetzt noch umfangende Nacht und Finsternis, als vielmehr auf den Morgen der Verklärung, der uns im ewigen Ostern erwartet. „Herr, hier ist gut sein."

3. Heute erneuern wir unsere Taufe. In der Mitfeier der heiligen Messe wiederholen wir unser: „Abrenuntio — Ich widersage." Wir tragen in den Gaben von Brot und Wein unser eigenes Ich zum Altar und bitten: „Nimm hin meine Freiheit, mein Gedächtnis, meinen Verstand, meinen Willen. Ich übergebe alles Dir, damit Du mich nach Deinem heiligen Willen leitest."

Verklärung! Am Ende aller Mühen und Opfer der Fastenzeit des Erdenlebens steht die Verklärung. Wir sehen zumeist bloß auf den harten, steinigen Weg, den wir geführt werden. Wir bleiben bei un-sern Opfern, Werken, Anstrengungen, Gebeten und Übungen stehen und verlieren den Blick auf das Große, das unser wartet. Der Osterglaube, der Blick auf die einstige Verklärung gäbe uns den Mut und die Kraft, die Opfer freudiger zu bringen und die Mühen und Leiden der Gegenwart lieber auf uns zu nehmen. Wenn nur der Verklärte viel lebendiger in unserem Bewußtsein lebte! Das ist heute der Gedanke und Wunsch der heiligen Liturgie.

Heilige Sehnsucht! „Die Hungernden erfüllt Er mit Gütern, die Satten läßt Er leer ausgehen" (Magnifikat). Ein Grundgesetz der Gnadenordnung! Und wir! Wir fühlen uns so wohl in unserer Erdverhaftung, in den Niederungen des irdischen Wohlergehens, der zeitlichen Güter. Wir, berufen, Kinder des Lichtes zu sein, dem Ewigen, Zukünftigen, Göttlichen zu leben, lieben die Nacht. Ja, wir empfinden die Nacht nicht einmal mehr. So wenig leben wir im Geist der heiligen Taufe, der Absage an die Nacht, der Hingabe an das Licht.

„Auf daß du seiest das heilige Volk des Herrn!" Taufe, Ordensprofeß, heilige Weihen! Wie oft vergessen wir, daß wir Ihn gewählt haben! Wie oft haben wir neben Ihm einen andern Gott, ja vertauschen wir unsern Gott mit einem Götzen!

Gebet

Wir bitten Dich, o Herr, schaue gnädig auf Dein Volk und wende voll Milde die Geißeln Deines Zornes von ihm ab.

Komm unserem Tun mit Deinen Eingebungen zuvor und begleite es mit Deiner Hilfe, auf daß all unser Beten und Handeln stets von Dir begonnen, und, wie begonnen, auch durch Dich vollendet werde. Durch Christus unsern Herrn. Amen.


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