Liturgie der Karwoche - Karmittwoch PDF Drucken E-Mail
Mittwoch, den 27. März 2013 um 10:00 Uhr

Mittwoch der Karwoche

Judas, der Erzschelm

 

Heute lässt uns die Kirche, wie schon zur Zeit des heiligen Papstes Leo I. (+ 461), die Leidensgeschichte nach Lukas vorlesen. Die Leitlieder zur Sonnenwende singen von Petrus; die Überlieferung der Kirche macht den Tag, wie überhaupt jeden Mittwoch, zum traurigen Gedenktag des Judasverrates.

Am Morgen singen wir: „Simon, du schläfst? Konntest du nicht eine Stunde mit mir wachen?“ (Laudes – passt gut für die Morgenstunde.) Am Abend: „Die Magd sprach zu Petrus: Wahrlich, du bist einer von ihnen; denn auch deine Mundart macht dich kenntlich.“ (Vesper)

1. M e ß f e i e r (In nomine): Die Station ist heute in der „großen Marienkirche“, einer der größten Kirchen Roms; dies und der Umstand, daß die Messe drei Lesungen hat, beweist, daß diese Meßfeier sehr alt ist. Ob die Wahl der Lesungen von der Stationskirche beeinflußt ist? Lukas, der Evangelist der heutigen Passion, gilt als Maler der Gottesmutter; sicher ist, daß kein Evangelist Maria so schön gezeichnet hat wie Lukas; denken wir nur an die Kindheitsgeschichte des Herrn. Auch der Prophet der Jungfrauengeburt Christi, Isaias, hat in dieser Messe zweimal das Wort. Also ein Triptychon: die Gottesmutter in der Mitte, und zu beiden Seiten Isaias und Lukas, das wäre das Bild der Messe. Die Messe beginnt wieder feierlich: der dreifältige Gottesstaat liegt anbetend vor dem bis zum Tode am Kreuze gehorsamen Herrn: Die triumphierende, die streitende und leidende Kirche! Doch die Kirche sieht ihn schon in der Herrlichkeit zur Rechten des Vaters. Heute geht wieder durch die Messe ein Leitgesang hindurch: Durch vier Gesänge der Psalm 101. Dies ist auch wieder ein Zeichen des Alters der Messe. Wir kennen diesen Psalm bereits von den Bußpsalmen; wir wollen ihn ganz beten. In unserer Messe wird das Lied dem leidenden Christus in den Mund gelegt, mit dem sich die Gemeinde vereinigt. Beachten wir noch im Introitus den großen Kontrast zwischen Antiphon und Psalm; dort sehen wir den Herrn in der Glorie des Vaters, hier im Psalm ist er der bis zum Tod am Kreuze Gehorsame und zugleich Erniedrigte. Beim Opfermahl schlagen wir eine Brücke von dem Psalm zum eucharistischen Trank: „Mein Trank ist mit Tränen gemischt: weil du mich aus der Höhe herabgeschleudert hast …“ Ja, was hat den Herrn der eucharistische Trank für Leid gekostet! Die zwei Lektionen geben uns die schönsten Leidensweissagungen des Propheten Isaias; die erste spricht vom göttlichen Keltertreter: „Wer ist’s, der da kommt von Edom, in Kleidern, getränkt im Blute von Bosra? Der da prangt in seinem Gewande und einherschreitet, strotzend von Kraft? Ich bin’s (der Messias), der Gerechtigkeit verheißt, ich, der nur straft, um zu retten. Warum aber ist dein Gewand so blutigrot, deine Kleider wie die von Keltertretern? Die Kelter habe ich allein getreten und von den Völkern ist niemand mit mir. Ich kelterte die Völker nieder in meinem Zorn und zerstampfte sie vollends in meinem Ingrimm. Ihr Blut aber bespritzte meine Kleider und befleckte all mein Gewand.“ Christus hat uns durch sein Leiden den eucharistischen Wein gekeltert. – Besonders ergreifend ist die zweite Lesung, die den „Mann der Schmerzen“ schildert, auf den Gott die Sünden gelegt: „Verachtet war er, der letzte der Menschen, ein Mann der Scherzen, mit Leiden vertraut; sein Antlitz war wie verhüllt und geschmäht, so daß wir sein nicht achteten. Wahrlich, er hat unsere Schmerzen auf sich geladen. Wir hielten ihn für einen Aussätzigen, für einen von Gott Geschlagenen und Gedemütigten. Er aber ist verwundet worden um unserer Missetaten willen, er ist geschlagen worden wegen unserer Sünden. Zu unserem Heil traf ihn die Züchtigung, durch seine Striemen ward uns Heilung. Wie  Schafe irrten wir alle umher, ein jeder wich ab auf seinem Wege. Der Herr hat auf ihn unser aller Missetaten gelegt. Er ward geopfert, weil er selbst gewollt; er öffnete seinen Mund nicht: wie ein Schaf vor seinem Scherer verstummt er und öffnet seinen Mund nicht.“ Die  Passion ist aus dem Evangelium der barmherzigen Liebe: wir sehen da einige tief ergreifende Szenen, z. B. das Verzeihungswort Christi an den Schächer am Kreuze. In der Kommunionbitte hören wir das erstemal das ehrwürdige Gebet, das uns durch das heilige Triduum geleiten wird: „Schaue herab, wir bitten dich, o Herr, auf diese deine Gemeinde, für die unser Herr Jesus Christus kein Bedenken trug, sich den Händen der Sünder zu überliefern und die Qual des Kreuzes zu erdulden.“

2. D i e  S t u n d e n f e i e r  ist wieder ganz erfüllt von Leidensklagen Christi; beachten wir, daß die Mittwochpsalmen, besonders der kleinen Horen sehr traurig sind, also ganz in die heutige Stimmung passen. So ist zum Beispiel Psalm 54 (in der Terz) eine Klage Christi über den Verrat des Judas:

„Hätt’ mich mein Feind verschmäht,

Ich hätt’ es leicht ertragen,

Höhnte mein Todfeind mich,

Ich wüßte mich vor ihm zu bergen.

Doch du – ein Gleichgesinnter,

Mein Freund und mein Vertrauter,

Der du mit mir zu Tische saßest und süße Speise aßest,

Die wir in Eintracht hin zum Hause Gottes wallten …“

In der Lesung hat wieder der Prophet Jeremias das Wort:

„Alle, die dich verlassen, gehen zugrunde; die sich von dir trennen, werden in den Sand geschrieben: denn sie haben verlassen den Quell lebendigen Wassers, den Herrn. Heile mich, o Herr, dann bin ich gesund; du bist mein Ruhm … Laß sie zugrunde gehen, die mich verfolgen. Schrecken erfasse sie, daß ich nicht in Schrecken komme. Schicke über sie den Zahltag, mit doppelt schwerer Strafe wirf sie nieder.“

„Habe acht, o Herr, auf mich und höre auf die Worte meiner Gegner. Soll denn für das Gute Böses vergolten werden, weil sie mir eine Grube graben? Gedenke doch, daß ich vor dir gestanden bin, um für sie Gutes zu reden und um deinen Groll von ihnen abzuwenden.“

Diese Worte legt die Liturgie gern Christus in den Mund. Auch die Wechselgesänge sind Klagen des leidenden Herrn:

„Umrungen haben mich trügerische Menschen, ohne Grund schlagen sie mich mit Geißeln,

Du aber, o Herr, bist mein Anwalt, schütze mich.

Die Not ist gar so groß und niemand ist, der hilft.“

3. D i e   G r ü n d o n n e r s t a g s m e t t e: Heute abends feiern wir die erste Trauermette. Die Mette des Gründonnerstags ist der erste Teil der Trilogie, der Auftakt zu dem großen Drama! Der Grundgedanke ist: die Passion Christi in seinem Innern, in den Ursachen und in der Auswirkung: a) Bei den Juden war heute der Tod Jesu beschlossene Sache. b) Judas verrät seinen Meister, gerade von ihm ist heute viel die Rede. c) Die Todesangst am Ölberg ist das vollendete Leiden Jesu in seiner Seele und in seinem Willen. d) Die Einsetzung der hl. Eucharistie, die Vergegenwärtigung des Leidens Christi.

Die Handlung spielt am Abend des ersten Gründonnerstags. Doch es ist nicht so aufzufassen, als ob die Handlung wie in einem wirklichen Schauspiel sich zeitlich fortsetze, nein die Gedanken laufen sprunghaft dahin, kehren immer wieder zurück; Bilder aus dem Leiden des Herrn, auch von den folgenden Tagen, tauchen ohne zeitliche Anordnung auf; es ist ein Mosaik von Gebetsstücken, deren Einheit das Leiden Jesu im allgemeinen und im besonderen des Gründonnerstagsabends ist.

D i e  P s a l m e n: Sonst bei den Festmetten und auch bei den folgenden zwei Karmetten sind die Psalmen eigens ausgewählt, d. h. aus dem Schatze der 150 Psalmen sind solche ausgesucht, welche den Gedanken und der Stimmung des jeweiligen Festes entsprechen. Das ist bei unserer Mette nicht der Fall, sondern die Psalmen laufen von 68 bis 76 in ununterbrochener Reihenfolge fort (die alte feriale Mittwochmette endete mit Psalm 67; deshalb wurde diese mit Psalm 68 fortgesetzt), obgleich nicht alle auf den Leidensgedanken abgestimmt sind. Darin liegt eine vielleicht beabsichtigte Schwäche der Mette, weil sie eben Einführungen in die Trilogie sein will. Das macht aber unsere Mette etwas weniger genußreich und der ungeübte Beter wird die Psalmen schwerer auf den Festgedanken beziehen können.

Über die  K l a g e l i e d e r  haben wir bereits gesprochen; in ihnen hören wir unter dem Bilde der ungetreuen Braut Jerusalem die sündige Menschheit und Seele klagen über ihre Entwürdigung durch die Sünden und über die Strafe für diese. So verstehen wir jetzt die erste Nachtwache aller drei Metten. Im Gebetsgottesdienst hören wir den Herrn leiden, im Lesegottesdienst schlägt sich die Menschheit an die Brust und spricht: das duldet er für mich!

Die  R e s p o n s o r i e n, Wechselgesänge der Trauermetten, sind bei ihrer Schlichtheit von unerreichbarer Poesie und Schönheit; sie machen die Mette erst dramatisch und erhalten in ihr die Einheit der Handlung. Bei der ersten Mette zeigen sie sogar eine gewisse Ordnung und einen Fortschritt; in der ersten Nachtwache handeln sie von der Todesangst am Ölberg, in der zweiten von Judas, in der dritten von den schlafenden Jüngern und dem Mordplan der Juden. Das letzte Responsorium gibt in allen drei Metten das Situationsbild der am weitesten gediehenen Handlung.

In allen drei Metten hat in der ersten Nokturn Jeremias, in der zweiten der hl. Augustin, in der dritten der hl. Paulus das Wort; liegt darin eine Absicht? Jeremias ist das Vorbild des leidenden Heilands, Augustinus und Paulus haben die Bekehrungsgnade und die Wirkung des Leidens Jesu am stärksten an sich selbst erfahren.

Wenn wir die ganze Mette überschauen, so ist die Handlung ziemlich einheitlich:

Der Abend des Gründonnerstags.

1. Den breitesten Raum nimmt die Todesangst am Ölberg ein: die meisten Psalmen, 68, 69, 70, 76, können darauf bezogen werden.

2. Das letzte Abendmahl wird in Lesung 8 dargestellt; auch Psalm 71.

3. Einzelne Szenen des Abends:

a) Judas: Responsorien 4, 5, 6, 8;

b) die schlafenden Jünger: Resp. 8

c) die Feinde: Resp. 9

4. Endlich das Leiden Jesu im allgemeinen – Ps. 72, 73, 74, 75, Lesung 6

Klassische Stellen: vor allem alle Responsorien; schön ist Psalm 68, Lesung 8; großartig schön die Klagelieder.

Das heilige Triduum

Die drei letzten Tage der Karwoche werden gern das heilige Triduum (triduum sacrum) genannt. Man kann sie in dreifachem Sinne betrachten: a) Sie sind vor allem End- und Höhepunkte der ganzen Vorbereitungszeit auf Ostern. Die Kirche ist, wie wir schon oft beobachtet, Künstlerin in der allmächtigen Steigerung. Seit Septuagesima erlebten wir ein ständiges crescendo; die Vorfasten bildeten die erste Stufe, hernach die Fastenzeit; in dieser konnten wir ein unaufhaltsames Vorwärtsdrängen sehen; dann die Passionszeit; eine weitere Stufe bedeutete der Palmsonntag mit dem Eintritt in die Karwoche und jetzt treten wir in das Allerheiligste: das heilige Triduum. b) Doch diese drei Tage gehören auch schon zur Osterfeier: Tod und Auferstehung Christi sind untrennbar verbunden, sie sind die Ostermysterien. Darum gehen wir auch ohne scharfe Trennung von der Karwoche in die Osterwoche hinüber; die Feier des Karsamstages ist bereits Auferstehungs- und Tauffeier. c) Die drei Tage können endlich in sich als eine Einheit angesehen werden, wirklich ein Triduum oder eine Trilogie, ein dreiteiliges Drama vom Erlösungswerk Christi. Haben wir schon die drei Trauermetten in diesem Sinn gedeutet, so gilt dies auch von den Morgen- und Nachtfeiern dieser drei Tage. Die Trauermetten hängen mehr dem „bitteren Leiden“ und der Totenklage des Herrn nach, die übrigen Feiern sind meist anderen Inhalts, ja anderer Seelenhaltung. Sie haben mehr die „beata passio“, die segenbringende, sieghafte Seite der Erlösungstat Christi zum Gegenstand. (Die Metten sind auch in späterer Zeit entstanden, 8. – 9. Jhdt., während die Zeremonien in die älteste Zeit zurückreichen.) Der Hauptinhalt der Mettentrilogie ist: Todesangst, Kreuestod, Grabesruhe; der Zeremonientrilogie hingegen: Eucharistie, Triumph des Kreuzes, Taufe und Auferstehung. So finden subjektiv-betrachtende und objektiv-aufnehmende Frömmigkeit in gleicher Weise ihre Nahrung; das bittere Leiden und die Glorie des Kreuzes treten im Wechsel vor unsere Seele.


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