O, Schatz, der siebenfältig ziert PDF Drucken E-Mail
Sonntag, den 27. Mai 2012 um 15:41 Uhr

Die Herabkunft des Heiligen Geistes an Pfingsten bildet den Abschluss des Erlösungswerkes. Wie er es versprochen hatte, sandte Christus zehn Tage nach seiner Himmelfahrt den Aposteln den Heiligen Geist, um sie «mit der Kraft aus der Höhe» auszurüsten (vgl. Lk 24,49). Auch wir haben diesen Heiligen Geist empfangen: Als wir getauft wurden, empfingen wir nicht nur die Gnade, sondern die allerheiligste Dreifaltigkeit nahm von unserer Seele Besitz, und seitdem sind wir ein Tempel Gottes, wenn wir nicht das Unglück hatten, diesen göttlichen Gast durch eine schwere Sünde aus unserer See le zu vertreiben. In besonderer Weise wurde uns der Heilige Geist dann nochmals in der Firmung gegeben, die sozusagen unser persönliches Pfingsten darstellt und uns zu Streitern Christi machte.

Somit wohnt der Heilige Geist in uns. Aber er will nicht nur in uns wohnen, sondern auch in uns wirken. Er offenbarte sich an Pfingsten ja als ein Sturmwind und in Feuerzungen. 

Tugenden und Gaben

Es gibt nun grundsätzlich zwei verschiedene Weisen, auf die der Heilige Geist in uns wirkt: die übernatürlichen Tugenden und die Gaben. Beides sind Fähigkeiten, die der Heilige Geist uns schenkt, damit wir durch sie übernatürliche Handlungen vollbringen können. In den Tugenden ist sein Wirken ein mehr verborgenes, denn hier trägt und unterstützt er unser Handeln, aber es sind doch mehr wir, die handeln. Seine ganze Macht entfaltet der Heilige Geist dagegen in den Gaben, denn hier übernimmt er selbst die Führung und erhebt den Menschen zu außerordentlichen Leistungen, ohne dass dieser etwas dazu beitragen müsste, außer seine Zustimmung zu geben. Sicherlich ist der vom Heiligen Geist bewegte Mensch keine Marionette. Er stimmt dem Wirken des Heiligen Geistes zu, und daher sind die Handlungen, die unter dem Einfluss der Gaben gesetzt werden, durchaus menschliche Handlungen, aber sie sind doch auf eine besondere Weise vom Heiligen Geist getragen. Man kann sagen, dass die Gaben unserer Seele die Fähigkeit geben, den leisesten Inspirationen des Heiligen Geistes mit großer Leichtigkeit folgen zu können.

An zwei Vergleichen kann man gut den Unterschied zwischen den Tugenden und den Gaben zeigen:

a) Ein Schiff kann grundsätzlich auf zwei Weisen fortbewegt werden: durch Ruder oder mit Hilfe von Segeln. Das Schiff, das durch Ruder vorwärtsbewegt wird, ist ein Bild für den Menschen, der die Tugenden übt. Das Rudern ist mit einer gewissen Mühe und Anstrengung verbunden und bringt das Schiff nur relativ langsam voran. Greift dagegen der Wind in die Segel eines Schiffes, so wird dieses mühelos und schnell zu seinem Ziel gelangen. Die Gaben sind daher gewissermaßen die Segel, die in unserer Seele für das Wirken des Heiligen Geistes aufgespannt sind.

b) Ein kleines Kind, das noch nicht richtig laufen kann, kann einen Weg dennoch zurücklegen, wenn die Mutter es stützt und an der Hand führt. So etwa ist es, wenn wir die Tugenden üben: Wir betätigen unsere eigenen Kräfte, werden dabei aber vom Heiligen Geist unterstützt. So können wir langsam in Richtung auf unser übernatürliches Ziel gehen, das wir allein auf unsere natürlichen Kräfte gestützt niemals erreichen könnten. Schneller und leichter aber kommt das Kind vorwärts, wenn die Mutter es auf den Arm nimmt und trägt, und dies ist ein schönes Bild für den schnellen und leichten Fortschritt, den wir mit Hilfe der Gaben des Heiligen Geistes machen können.

Vergegenwärtigen wir uns dies noch an zwei Beispielen. Wenn jemand einer Versuchung standhaft widersteht und tapfer kämpft, um nicht von ihr überwältigt zu werden, übt er die Tugend der Tapferkeit. Überwindet jemand aber schwerste Versuchungen mit großer Leichtigkeit und Freude, so ist dies nur unter dem Einfluss der Gabe der Stärke möglich. Oder jemand steht vor einem wichtigen Problem, vielleicht einer entscheidenden Frage seines Lebens. Wenn er nun nachdenkt, um die richtige Entscheidung betet und andere um Rat fragt, übt er die Tugend der Klugheit. Weiß er aber plötzlich von einem inneren Licht erleuchtet ganz genau, was er zu tun hat und was der Wille Gottes ist, so wird er von der Gabe des Rates geführt.

Die sieben Gaben

Im Anschluss an die Prophezeiung des Isaias zählt man sieben Gaben auf. Der Prophet schreibt nämlich: «Doch wächst hervor ein Reis aus Isais Stumpf, ein Zweig bricht aus seiner Wurzel hervor. Auf ihn lässt sich nieder der Geist des Herrn, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Frömmigkeit, und erfüllen wird ihn der Geist der Furcht des Herrn.» (Is 11,1)

Die Gabe der Weisheit vervollkommnet die Tugend der Liebe, und wie die Liebe die vollkommenste unter den Tugenden ist, so ist die Weisheit die vollkommenste unter den Gaben. Sie gibt uns eine gleichsam erfahrungsmäßige Erkenntnis Gottes und ein innerliches Verkosten der göttlichen Dinge gemäß dem Psalmwort «Kostet und seht, wie gut der Herr ist» (Ps 33). Diese Gabe ließ den heiligen Apostel Johannes alles von der göttlichen Liebe her betrachten und entflammte ihn, immer wieder von dieser Liebe zu sprechen. Die Gabe der Weisheit stärkt auch unseren Glauben, denn wie könnte z.B. derjenige, der die Freuden der heiligen Kommunion verkostet hat, an der Wahrheit dieses Sakramentes zweifeln. Ebenso stärkt sie unsere Hoffnung, denn wie könnten wir nicht all unser Vertrauen auf den setzen, dessen Liebe zu uns wir erfahren durften.

Durch die Gabe des Verstandes erleuchtet uns der Heilige Geist, so dass wir die geoffenbarten Glaubenswahrheiten besser durchdringen können. Unter dem Einfluss dieser Gabe enthüllt sich uns z.B. der tiefere Sinn der Heiligen Schrift. Sie zeigt uns auch, dass die Glaubenswahrheiten alle zusammenhängen und die Dogmen nicht wie einzelne Bauklötze durcheinanderliegen, sondern eine wahre Einheit bilden.

Die Gabe des Rates gibt uns ein promptes und sicheres Urteil, was wir zu tun bzw. zu lassen haben, eine übernatürliche Intuition, die vor allem in schwierigen Fällen wichtig ist. Diese Gabe hat Christus seinen Jüngern versprochen, als er zu ihnen sagte: «Wenn sie euch überliefern, so habt nicht Sorge, wie oder was ihr reden sollt, denn es wird euch in jener Stunde gegeben werden, was ihr zu sagen habt. Denn nicht ihr seid es, die reden, sondern der Geist eures Vaters ist es, der in euch redet.» (Mt 10,19 f) Die heilige Katharina von Siena konnte mit Hilfe dieser Gabe, obwohl sie jung war und nicht studiert hatte, die Ratgeberin von Prinzen, Kardinälen und selbst von Päpsten sein. Nur dieser Gabe ist es auch zuzuschreiben, dass die heilige Johanna von Orleans das französische Heer siegreich gegen die Engländer führen konnte, obwohl sie in der Kriegskunst vollkommen unerfahren war. Diese Gabe ist für uns alle sehr wichtig, damit wir in den großen Fragen unseres Lebens die richtige Entscheidung treffen können, z.B. in der Frage der Standeswahl oder des richtigen Verhaltens in den Gelegenheiten zur Sünde, denen wir unfreiwillig ausgesetzt sind.

Die Gabe der Stärke gibt dem Willen eine solche Kraft und Energie, dass es ihm möglich ist, große und schwierige Dinge trotz aller Widerstände leicht und unerschüttert zu ertragen bzw. zu vollbringen. So konnte der heilige Stephanus seinen wütenden Gegnern unerschrocken die Wahrheit ins Gesicht sagen, und heilige Ordensleute konnten die Keuschheit auch in den schwersten Versuchungen unversehrt bewahren. Die Gabe der Stärke gab den Missionaren die Kraft, sich von unzähligen Hindernissen nicht entmutigen zu lassen, sondern sie zu überwinden, und natürlich konnten die Martyrer nur mit diesem besonderen Beistand des Heiligen Geistes die ausgesuchtesten Foltern mit großer Freude ertragen. Wir alle brauchen diese Gabe, um die vielfältigen Versuchungen unseres Lebens bestehen zu können, z.B. die Versuchung zur Menschenfurcht.

Die Gabe der Wissenschaft hat nichts mit Wissenschaft im modernen Sinn zu tun, sondern zeigt uns die geschaffenen Dinge in ihrer Beziehung zu Gott. Sie ist die Wissenschaft der Heiligen und ließ z.B. den heilige Franz von Assisi in der Schöpfung zahlreiche Gleichnisse auf die Größe und Schönheit Gottes finden. Von dieser Gabe geleitet, werden wir uns nicht in dieser Welt verlieren. Sie bewahrt uns vor der Gefahr, nur ein innerirdisches Glück zu suchen, denn sie zeigt uns, dass alles Geschaffene nur als Abbild Gottes groß ist, aber vollkommen nichtig, wenn man es von Gott trennt. Um diese Gabe müssen wir beten, um immer besser zu erkennen, inwieweit es für uns gut ist, die Geschöpfe zu gebrauchen, und inwieweit es besser ist, sich von ihnen zu trennen.

Die Gabe der Frömmigkeit bewirkt in unserem Herzen eine kindliche Liebe zu Gott und zu allen Personen und Dingen, die mit ihm in Verbindung stehen. Von ihr spricht der heilige Paulus mit den Worten: «Ihr habt den Geist der Kindschaft empfangen, in dem wir rufen: Abba, Vater!» (Röm 8,15) Diese Gabe lässt uns Gott lieben wie einen Vater und bewirkt in uns die großmütige Gesinnung, uns für Gott zu opfern und seinen Geboten bereitwilligen Gehorsam zu leisten. Sie lässt uns mit der gleichen Gesinnung aber auch diejenigen lieben, die an Gottes Vollkommenheit anteilnehmen, wie z.B. die Heilige Schrift, die Kirche, die Priester, Eltern und Vorgesetzten.

Die Gabe der Furcht schließlich hat nichts mit Angst vor Gott zu tun, sondern macht uns zu einem kindlichen Respekt der Majestät Gottes gegenüber geneigt und lässt uns die Sünde als etwas Gott sehr Mißfälliges fliehen. Die Gabe der Furcht bewahrt uns vor einer falschen Vertraulichkeit Gott gegenüber und lässt uns nicht vergessen, dass Gott nicht ein gleichgestellter Kumpel von uns, sondern der absolut Erhabene ist, wir aber das abgrundtiefe Elend sind. Von dieser Gabe erleuchtet sprach Abraham: «Ich habe gewagt, zu meinem Herrn zu reden, obwohl ich nur Staub und Asche bin.» (Gen 18,27) Gerade in unserer ehrfurchtslosen Zeit ist das Gebet um die Gabe der Furcht besonders notwendig, und man muss sich das Wort der Heiligen Schrift vor Augen halten, dass «die Furcht des Herrn der Anfang der Weisheit ist». Mit Hilfe dieser Gabe erkennen wir die Schwere der Sünde und empfinden eine lebhafte Reue selbst über unsere kleinsten Fehler. Dabei steht sie keineswegs im Gegensatz zur Liebe! Wenn wir uns einer hochgestellten Persönlichkeit nähern, empfinden wir zwar zunächst Furcht und Angst. Diese wandelt sich aber in Liebe, wenn wir feststellen, dass diese Persönlichkeit uns mit größter Güte und Freundschaft begegnet, und diese Liebe wird um so größer sein, je größer der Respekt ist, den wir ihr gegenüber haben. So sollte auch unsere Liebe zu Gott entbrennen, wenn wir erkennen, dass dieser unendlich erhabene Gott uns doch wie seine vertrauten Freunde behandelt.

Die Entfaltung der Gaben

Die Lehre von den sieben Gaben des Heiligen Geistes zeigt uns, zu welcher Größe und Heiligkeit uns Gott schon in diesem Leben erheben will. Diese Gaben besitzt ein jeder von uns, wenn er im Stande der Gnade ist, aber die meisten von uns werden zugeben müssen, dass sie vom Einfluss dieser Gaben bisher noch wenig verspürt haben. Das ist auch ganz normal, denn nach den Lehrern des geistlichen Lebens treten diese Gaben erst bei den vollkommenen Seelen deutlich hervor. Das heißt aber nicht, dass sie vorher gar keine Bedeutung hätten, sondern nur, dass ihr Wirken bei den weniger Vollkommenen nicht so deutlich zu erkennen ist. Während wir die Tugenden selber üben können, haben wir auf die Gaben keinen direkten Einfluss. Sie sind in unserer Seele wie Segel, und wir müssen warten, bis der Heilige Geist sich würdigt, in diese hineinzublasen. Allerdings können wir dem Wirken des Heiligen Geistes in uns immer mehr Raum schaffen, indem wir unsere Leidenschaften bezähmen und die Demut, Sanftmut und Keuschheit üben. Wie sollte nämlich eine Seele mit Leichtigkeit vom Heiligen Geist bewegt werden können, wenn in ihr noch leidenschaftliche Genusssucht, Zorn und Stolz herrschen? Es ist auch wichtig, dass wir oft an Gott denken und versuchen, seinen Einsprechungen, die uns zu Gebet und Opfer rufen, willig Folge zu leisten. Beten wir vor allem viel zum Heiligen Geist, z.B. mit den schönen Pfingstgebeten der Kirche, dem «Komm, Schöpfer Geist» und dem «Komm, o Geist der Heiligkeit» oder auch mit dem Gebet des Kardinal Manning:

«O Gott Heiliger Geist, den ich verachtet, betrübt und zurückgewiesen habe von meiner Kindheit bis zum heutigen Tage, offenbare mir deine Persönlichkeit, deine Gegenwart, deine Macht! Lass mich erkennen deine siebenfachen Gaben – den Geist der Weisheit und des Verstandes, des Rates und der Stärke, der Wissenschaft, der Frömmigkeit und der Furcht Gottes. 0 du, der du bist der Geist des Vaters und des Sohnes, der du taufest mit Feuer und gießest aus die Liebe Gottes in unsere Herzen, gieße aus deine Liebe in mein Herz! Eines habe ich verlangt von dir - das will ich suchen, nicht Reichtum, Rang, Macht, irdisches Heim und irdisches Glück –‚ aber einen Strahl dieses heiligen Lichtes, einen Funken dieses heiligen Feuers, das mich entzünde und mich ganz in das Feuer der Liebe versenke! Lass dieses heilige Feuer in mir aufleuchten, dass es in mir jeden Rest der Sünde an Leib und Seele austilge. Reinige mich siebenfach mit deinen Gaben! Entzünde mich mit Eifer und lass mich zerfließen in Buße, dass ich möge leben das Leben und sterben den Tod eines wahrhaft bußfertigen Sünders. Amen. »


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