Gründe für die heutige Situation innerhalb d. Kirche (Oberriet, 1980) PDF Drucken E-Mail
Sonntag, den 06. Januar 1980 um 01:00 Uhr

Vortrag von S. E. Erzbischof Marcel Lefebvre
am 6. Januar 1980 in Oberriet (SG), Schweiz
(Gründe für die heutige Situation innerhalb d. Kirche)

Meine geliebten Mitbrüder!
Meine Damen und Herren!

Pater Kocher hat mich gebeten, heute nachmittag diesen Vortrag zu halten. Soweit es die kurze Zeit erlaubt, möchte ich versuchen, die Gründe für die heutige Situation in der Kirche etwas genauer darzulegen. Wir müssen versuchen, uns darüber klar zu werden, warum es unsere Pflicht ist, Mittel und Wege zu finden, um die Kirche getreu ihrer Überlieferung zu erhalten. Ich würde das Thema dieses Vortrages als „Der Irrtum der Geistlichen“ oder „Die Illusion der Geistlichen“ bezeichnen. „Der Geistlichen“, das bedeutet der Priester und alle Personen, die vom lieben Gott beauftragt wurden, die Kirche zu beleben und sie zu erneuern. In einem kurzen Überblick werden wir zuerst über die Situation der Kirche vor dem Konzil sprechen. Im weiteren Verlauf werde ich über das Besondere, das meines Erachtens während und nach dem Konzil geschehen ist, einige Worte verlieren. Schließlich werde ich noch darüber sprechen, was wir heute, angesichts dieser Situation, tun müssen. Wir werden über den großen Irrtum sprechen, der anläßlich des Konzils und der daraufhin durchgeführten Reformen nach dem Konzil begangen wurde.
Eine überwiegende Mehrzahl der Anwesenden dürfte bereits die Zeit vor dem Konzil erlebt haben. Sie haben daher sicher bemerkt, daß bereits vor dem Konzil in der Kirche beunruhigende Dinge vor sich gingen. Man muß zugeben, daß es bereits vor dem Konzil eine Krise in der Kirche gab. Damals, vor allem in der Zeit nach dem letzten Krieg, gingen die Berufungen in den Seminaren sowie auch bei den Ordensfrauen zurück. Es war damals zum Beispiel bereits schwer, Schwestern für die Spitäler zu finden. In vielen Diözesen begannen die Schwestern ihre Schulen zu schließen. Die Bischöfe mußten feststellen, daß es an Ordensfrauen und Ordensbrüdern fehlte. Die Zahl der Brüder, die an christlichen Schulen unterrichteten, begann in allen Ordensgemeinschaften zu sinken. Das beunruhigte die Bischöfe und sie stellten sich die Fragen: „Was verursacht diese Krise in der Kirche? Warum beginnen die Berufungen weniger zu werden? Warum bemerkt man sogar in den Pfarren ein gewisses sich Lossagen und Aufgeben bei den Gläubigen? Warum üben die Gläubigen weniger Frömmigkeit, Innigkeit und Gebet? Warum passiert das alles?“ Es sind verschiedene Bücher erschienen. Vielleicht erinnern Sie sich an gewisse Titel, wie zum Beispiel „Frankreich – Missionsland“, das nach dem Krieg veröffentlicht wurde. Kardinal Suhard von Paris erließ daraufhin einen großen Hirtenbrief, der die Menschen in Bewegung brachte. In diesem Hirtenbrief zeigte der Kardinal seine Beunruhigung. Er wies auf die Krise in der Kirche hin und wünschte neue Lösungen. Sie erinnern sich vielleicht daran. Zu diesen Lösungen gehörten speziell die Arbeiterpriester. Man hatte diese Idee lanciert. „Der Priester ist vom Volk abgeschnitten und kann nicht mehr hinreichend Kontakte zu den Menschen pflegen. Die Menschen beginnen dem Priester fernzustehen. Was soll daher geschehen?“ In den Gehirnen gewisser Personen keimte die Idee, daß der Priester in den Hüttenwerken arbeiten soll. Der Priester ging also arbeiten wie die Arbeiter, um inmitten der Welt zu sein. Diese Ideen gab es bereits vor dem Konzil. Man muß also zugeben, daß es die Krise innerhalb der Kirche bereits vor dem Konzil gab und die Bischöfe beunruhigt waren. Bereits vor dem Konzil war ich Bischof. Ich erinnere mich daran, daß ich nach Frankreich, Italien und in die Schweiz reiste. Von meinen Brüdern im Bischofsamt hörte ich, daß eine gewisse Unruhe im Episkopat herrschte, die sich wie folgt ausdrückte: „Was soll aus der Kirche werden? Was soll angesichts dieser Situation aus der Kirche werden?“
Man kam nicht auf den Gedanken, in der Vergangenheit nachzuforschen, um zu sehen, was die Päpste geschrieben haben. Die Obersten Hirten, wie Papst Pius IX., Papst Leo XIII., vor allem der hl. Papst Pius X. und selbst Papst Pius XII. hatten bereits in ihren Enzykliken, die ich als Prophetien bezeichnen möchte, davor gewarnt, weiterhin die Verfassungen der Staaten in diesem Geist des Laizismus und der Trennung von Kirche und Gesellschaft zu ändern. Dieser Laizismus muß für die Gesellschaft und für die Kirche das größte Unheil bringen. Anstatt in den Unterweisungen der Päpste nachzulesen und diese zu befolgen, wollte man für die Idee des Änderns eintreten. „Die Kirche ist nicht mehr an die Zeit angepaßt. Sie vermittelt einen mittelalterlichen Charakter. Die Bischöfe leben noch in Palästen und sind nicht volksnah genug. Die Hierarchie in der Kirche ist zu sehr ausgeprägt und führt zu großen Unterschieden zwischen den Bischöfen und den Priestern sowie zwischen den Priestern und den Gläubigen. Man muß etwas in der Kirche ändern.“ Es besteht kein Zweifel. Diese Idee des Änderns und des Wandels ging von den Freimaurerlogen aus und besagt, man muß den Geist der Bischöfe, Priester und aller Gläubigen mit der Idee durchdringen: „Es muß geändert werden!“ Was geändert werden muß, wird nicht gesagt. Es wird nur davon gesprochen: „Es muß geändert werden! Ein Wandel! Man muß sich der Welt anpassen!“ Man muß also „ändern“. Diese Idee wurde allgemein, sogar bis zum dem Grad, daß auch die Priester selbst ihre Arbeit ändern wollten. Sie wollten ihre Art und Weise zu handeln und ihre Methoden des Apostolats ändern. Es herrschte die Auffassung: „Man braucht neue Methoden des Apostolats!“ Ein weiterer Gedanke nistete sich ein: „Die Seminare sind zu rückständig und zu veraltet! Man muß auch die Seminare ändern. Man muß die Liturgie ändern! Man muß ändern!“ Diese Ideen begannen sich in den Gedanken der Priester auszubreiten. Das war eine überaus gefährliche Denkweise, da man sich mit diesen Ideen dem Vorabend des Konzils näherte. Diese Situation hatte deshalb so schwerwiegende Auswirkungen, da die Geister bereits auf große Änderungen vorbereitet waren.
Hätte der hl. Papst Pius X. dieses Konzil einberufen, wäre das Konzil anders ausgefallen, als wir es miterleben mußten. Der liebe Gott hatte es nicht erlaubt, einen hl. Papst Pius X. zu haben. Er hatte uns Papst Johannes den XXIII. gesandt, der nirgendwo Schwierigkeiten sah. Für ihn war alles einfach und leicht. Alle Schwierigkeiten „übertreibt man nur“. Dagegen hatten bereits Papst Pius XI. und Papst Pius XII. ein Konzil abgelehnt. Diesen beiden Päpsten war bereits damals nahegelegt worden, ein Konzil abzuhalten. Sie hatten die Kardinäle konsultiert und man hatte ihnen gesagt: „Nein, es ist sehr gefährlich, jetzt ein Konzil abzuhalten. Die Anzahl der Bischöfe ist sehr groß. Zudem wird sich der Einfluß der sozialen Kommunikationsmittel, der Tageszeitungen, der Presse und der öffentlichen Meinung, innerhalb des Konzils auswirken. Wir werden die größten Schwierigkeiten haben, zu verhindern, daß die modernen Ideen in das Innere der Kirche eindringen.“ Papst Johannes XXIII. wußte das. Dies war bereits in den Rechenschaftsberichten der Päpste Pius XI. und Pius XII., die ebenfalls mit der Idee eines Konzils zu kämpfen hatten, aufgezeichnet. Der gute Papst Johannes XXIII. sagte daraufhin nur: „Nein, es gibt keine Schwierigkeiten. Warum sollte man denn Schwierigkeiten machen? Man wird ein schönes Konzil versammeln. Sie werden sehen. Die Bischöfe werden sich einige Monate lang zusammenfinden. Nach drei Monaten wird man wieder auseinandergehen und alle werden zufrieden sein, daß sie sich getroffen haben. Die Kirche wird wieder aufblühen und eine neue Jugend erleben.“
Die Menschen in der Umgebung von Papst Johannes XXIII. hatten diesem nahegelegt, daraus ein Konzil des Aggiornamento, ein Konzil des Änderns, zu machen, das die Kirche auf die Höhe der Zeit bringt. Stellen Sie sich diese Situation vor. Gerade in dem Moment, als viele Bischöfe die Kirche ändern und umwandeln wollten, kam ein Papst, der mit einem Konzil des Änderns die Kirche auf die Höhe der Zeit bringen will! Wo ist der Anfang und das Ende dieser Idee „auf die Höhe der Zeit bringen“? Das war sehr gefährlich! In der Kirche kann man sich nicht in so ein Abenteuer stürzen! Dazu ist es praktisch gekommen. Um das zu erleichtern und um die dogmatischen und theoretischen Schwierigkeiten zu vermeiden, hatte Papst Johannes XXIII. erklärt, daß dieses Konzil ein pastorales Konzil sein wird. So wird alles weniger von Bedeutung sein. Die Bischöfe können ihre Meinungen äußern, wie sie wollen. Das Konzil wird nicht die Bedeutung eines dogmatischen Konzils haben. Die Schwierigkeiten werden beseitigt sein und man wird sagen können, was man will. Das war außerordentlich ernst. Dieser Drang nach Änderung herrschte bereits auf dem Konzil und hat das Konzil mit sich fortgerissen. Das Konzil wurde gerade dazu abgehalten, die Kirche auf die Höhe der Zeit zu bringen.
Diese Geister, die die Änderung wollten, haben triumphiert. Sie konnten zu sich sagen: „Jetzt müssen wir nicht mehr in kleinen Gruppen versuchen, die Kirche zu ändern und die alten Strukturen der Kirche abzutragen. Wir haben nun vielmehr die Möglichkeit, dies durch ein Konzil durchzusetzen.“ Das ist unglaublich! Man muß wirklich sagen, diese Geister haben triumphiert. Kardinäle, die standhalten wollten, wie Kardinal Ottaviani, Kardinal Ruffini, Kardinal Siri, Kardinal Browne und viele andere Kardinäle, sagten: „Man muß an der Überlieferung der Kirche festhalten. Die Kirche kann man nicht auf diese Weise ändern, ohne sie zu zerstören.“ Alle diese Kardinäle wurden zum Schweigen gebracht. Während des Konzils hatte man sich über Kardinal Ottaviani lustig gemacht. Es war eine Schande, wie diese Kardinäle behandelt wurden, die die Überlieferung beibehalten wollten! Die Stimmen, die hätten sprechen sollen, verstummten allmählich. Diese Kardinäle hatten nichts mehr gesagt, als sie das Eindringen dieser Bewegung in das Innere des Konzils mitansehen mußten.
Innerhalb des Konzils gab es zwei Kräfte – die überlieferungstreue Kraft und die Kraft des progressistischen Änderns. Zwischen diesen beiden Kräften befanden sich vielleicht 2.000 Bischöfe, vielleicht 1.500, die darauf warteten, was der Papst sagen wird. Stellt sich der Papst auf die Seite der Progressisten, werden sich diese Bischöfe ebenfalls auf diese Seite stellen. Geht der Papst mit den Traditionalisten, werden sie ebenfalls mit den Traditionalisten gehen. Der Papst hat eher die Progressisten ermutigt.
Es ist ausreichend, die Kardinäle zu betrachten, die Papst Paul VI. selbst zu Vorsitzenden des Konzils ernannt hatte. Dabei handelte es sich um Kardinal Döpfner, Kardinal Lercaro, Kardinal Suenens und Kardinal Agagianian. Papst Paul VI. hatte diese vier Kardinäle zu „Moderatoren des Konzils“ ernannt. Über Kardinal Agagianian wurde gesagt, er wäre etwas traditionalistisch. Kardinal Suenens sprach sich für die Priesterehe aus. Kardinal Lercaro war Philokommunist. Sein Generalsekretär war ein eingeschriebenes Mitglied in der Kommunistischen Partei. Kardinal Döpfner befürwortete eine totale Änderung der Liturgie und die interkonfessionellen Zeremonien. Diese Kardinäle waren den Kardinälen als Repräsentanten des Papstes übergeordnet. Damit war bereits alles entschieden. Das Konzil hatte eine Richtung angenommen, die zum Progressismus und zum Liberalismus führte.
Auf diese Weise hat die Idee des Änderns triumphiert. Selbst wenn in den Konzilstexten selbst keine ausdrückliche, formelle Ermutigung zum Ändern enthalten ist, kann man im Konzil traditionelle Dinge finden. Es wurden jedoch mehrdeutige Sätze eingefügt, die man auf mehrere Arten interpretieren kann. Man sagte, es wurden Türen geöffnet, wie zum Beispiel in der Liturgie. Die Bischöfe und die Bischofskonferenzen erhielten das Recht, die Landessprache einzuführen. Dies war vorher nicht erlaubt. Ganz langsam wurden in allen Konzilstexten die Pläne für die Reform vorbereitet. Nach dem Konzil wurden alle Reformen durchgeführt, die noch viel weiter gegangen sind, als das Konzil selbst. Der beste Beweis ist die Anzahl der Fälle, in denen bei der Reform Dinge eingeführt wurden, von denen das Konzil nicht gesprochen hatte. Die Liturgie, die Seminare, die Hierarchie, die Bischofskonferenzen, der Katechismus, ich weiß nicht was noch alles, wurden reformiert und geändert.
Nun erleben wir die Folgen. Papst Paul VI. selbst hatte es offen ausgesprochen: „Wir stehen vor der Selbstzerstörung der Kirche!“ Ein überaus ernster Satz: „Wir stehen vor der Selbstzerstörung der Kirche!“ Ihm wurde klar, daß die Kirche im Begriff war, sich selbst zu zerstören. Er selbst sagte: „Der Rauch Satans befindet sich im Inneren der Kirche!“ Wenn sich der Rauch Satans im Inneren der Kirche befindet, von wem geht dann die Zerstörung der Kirche aus? Von den Feinden, die in die Kirche eingedrungen sind. Man hatte auf diese Feinde gehört, die sich nun im Inneren der Kirche befinden. Auf die guten, glaubenstreuen Kardinäle, wie Kardinal Ottaviani, Kardinal Siri und die Kardinäle der Römischen Kurie, wurde nicht gehört. Man hörte auf die Kardinäle, deren Gesinnung vom Ändern bestimmt war, und die auf die Welt, den modernen Menschen und die Ideen des modernen Menschen hörten.
Wenn man darüber nachdenkt, kann man sich fragen, was sich abgespielt hat und worin der Irrtum bestand. Es wurde ein Irrtum begangen. Ansonsten wäre es nicht möglich gewesen, daß sich die Kirche, nach einem Konzil wie diesem, in eine Richtung entwickelt hat, in der sie sich heute befindet. Die Seminare stehen leer, wenn auch gesagt wird, daß es in einigen Seminaren auch weiterhin Berufungen gibt. Es ist ausreichend, die Ausbildung in diesen Seminaren zu betrachten. Was wird aus diesen Priestern werden, die in diesen Seminaren ausgebildet werden? Welchen Glauben werden sie haben? Was werden sie als Priester sein? Diese wahrhaft tragische Situation, die wir gegenwärtig in der Kirche erleben, beruht sicher auf einem profunden Irrtum.
Die Schuld an der Krise in der Kirche wurde den Strukturen der Kirche angelastet, also der Institution der Kirche selbst. Diese Situation könnte man allerdings mit einem Arzt vergleichen, der, anstatt nach den Ursachen der Krankheit zu forschen, seinem Kranken erklären würde: „Die Organe sind unzureichend!“ Das würde bedeuten, daß der Organismus von vorne herein nicht richtig erschaffen wurde. Der kranke Mensch leidet also nicht an einer Krankheit oder an den Ursachen einer Krankheit, sondern an seinem Organismus. Dann wären wir alle krank, da der menschliche Organismus in diesem Fall schlecht erschaffen wäre. Dieser Organismus ist der Körper, den der liebe Gott erschaffen hat. Dieser Körper soll also angeblich schlecht erschaffen sein. Die gleichen Worte wurden über die Kirche gesagt. Die Kirche ist krank. Was ist krank in der Kirche? Es sind die Institutionen der Kirche, die Art, wie die Sakramente beschaffen sind, die Art der Liturgie, die Art, wie die Seminare beschaffen sind, und die Art, wie die Priester ausgebildet werden. Alles ist schlecht, daher muß alles geändert werden. Wenn ein Arzt alle Organe eines Kranken zerstört, würde dieser bald sterben.
Anstatt nach den Ursachen der Krankheit zu suchen, ließ man sich von den Feinden der Kirche beraten, von Satan, seinen Werkzeugen und von allen, die seit Unser Herr auf die Erde gekommen ist versuchen, die Kirche zu zerstören. Die Feinde sind immer noch in der Kirche gegenwärtig. Der Fehler wurde jedoch nicht bei diesen Feinden gesucht. Im Gegenteil, man versuchte die Fehler innerhalb der Kirche zu finden. Man hat so lange gesucht, bis alles zu einer entsetzlichen Situation geführt hat.
Was waren und sind heute noch die schwersten Krankheiten und Feinde der Kirche? Es sind der Kommunismus, der Sozialismus, der Laizismus und der Liberalismus. Das sind die schweren Krankheiten, die im Inneren der Kirche ausgebrochen sind, nicht nur von außen oder hinter dem Eisernen Vorhang, sondern auch im Inneren unserer Länder und in uns selbst. Betrachten Sie zum Beispiel die Zahl der kommunistischen Katholiken in Italien! Selbst bei den Katholiken sind der Kommunismus, der Sozialismus und der Laizismus eingedrungen. Die Menschen haben keine Vorstellung mehr von ihrem Glauben und leben wie Atheisten. Sie haben ihr Leben dem kirchlichen Einfluß entzogen. Dem lieben Gott räumen sie nicht mehr den Ihm gebührenden ersten Platz ein. Sie führen den Laizismus und den Liberalismus in den Staaten ein, selbst in den katholischen Staaten. Diese Menschen führen ein Doppelleben. Zu Hause führen sie ein christliches, außerhalb des Hauses ein nichtchristliches Leben. Das hätte man auf dem Konzil sagen und verurteilen müssen. Auf dem Konzil konnte man allerdings nicht einmal den Kommunismus verurteilen. Dafür bin ich persönlich Zeuge.
Gemeinsam mit mehreren Bischöfen hatte ich versucht, möglichst viele Unterschriften zu erhalten, um eine klare und ausdrückliche Verurteilung des Kommunismus zu verlangen. Schließlich hatten wir 450 Unterschriften von Bischöfen gesammelt. Außerdem hatten wir einen Text zur endgültigen Verurteilung des Kommunismus vorbereitet. Unsere Unterschriften wurden allerdings in eine Schublade gelegt. Man hatte sie praktisch versteckt. Als wir später auf der Versammlung diese Unterschriften mit den Worten reklamierten: „Wo sind diese Unterschriften der Bischöfe?“ wurde behauptet, nur ein einziger Bischof hätte die Verurteilung des Kommunismus verlangt. Daraufhin suchten wir den Sekretär auf und fragen ihn: „Wo sind diese Unterschriften, die wir, Erzbischof Geraldo de Proënça Sigaud von Diamantina und ich, Ihnen selbst überbracht haben?“ Ich selbst hatte diese Unterschriften rechtzeitig, noch lange vor Ablauf der verlautbarten Hinterlegungsfrist für die Unterschriften, an den Sekretär, Erzbischof Pericle Felici, übergeben. Später hatte man zugegeben: „Diese Unterschriften wurden in eine Schublade fehlgeleitet.“ Niemand hat mehr darüber gesprochen. Man wollte den Kommunismus nicht verurteilen. Das alles ist mit voller Absicht geschehen.
Dennoch wollten wir unser Ziel, den Kommunismus verurteilen zu lassen, nicht aus den Augen verlieren. Erzbischof Sigaud von Diamantina und ich meinten, vielleicht wäre es möglich, die Bischöfe, die hinter dem Eisernen Vorhang waren, Kardinal Joseph Beran, Kardinal Stefan Wyszynski und Kardinal Josif Slipyi, für uns zu gewinnen. Wir dachten uns, wenn wir die Unterschriften dieser drei Bischöfe erhalten könnten, die während zehn oder fünfzehn Jahren von den Kommunisten eingesperrt waren, und diese ihre Zustimmung zur Verurteilung des Kommunismus geben würden, könnte es vielleicht gelingen, den Kommunismus verurteilen zu lassen. Gemeinsam mit Kardinal Sigaud suchte ich Kardinal Beran auf. Wir wurden sehr freundlich von Kardinal Beran empfangen. Nachdem er den für die Verurteilung bestimmten Text gelesen hatte, meinte er: „Ich will gerne unterschreiben. Allerdings verlange ich, daß auch die anderen – Kardinal Wyszynski und Kardinal Slipyi – unterschreiben. Ich verlange diese Unterschriften auch aus dem Grund, da ich nicht alleine dastehen will, in dem Fall, wenn sie nicht unterschreiben sollten. Wenn das die Kommunisten in Prag wissen, wird man meine Familie und alle meine Verwandten einsperren. Ich muß mich vorsehen. Wenn mehrere dafür sind, wird es für die Kommunisten schwieriger. Stehe ich allerdings alleine da, riskiere ich schwere Verfolgungen für meine Familie.“ Wir waren damit einverstanden und erklärten: „Gut, wenn die anderen nicht unterschreiben, erhalten Sie Ihre Unterschrift zurück.“ Er unterschrieb. Daraufhin suchten wir Kardinal Slipyi auf, der im Vatikan wohnte. Achten Sie auf die Worte von Kardinal Slipyi! Ich habe diese Worte selbst gehört. Diese Worte wurden mir nicht durch einen Dritten überliefert. Kardinal Slipyi sagte: „Das ist sehr gut. Man müßte unterschreiben. Aber ich kann nicht unterschrieben. Ich bin Gast des Vatikans und von da oben“, er zeigte mit dem Finger hinauf, „da oben will man den Kommunismus nicht verurteilen. Ich kann also nicht unterschreiben. Ich bin Gast des Vatikans.“ Danach riefen wir bei Kardinal Wyszynski an, da wir ihn nicht aufsuchen konnten. Kardinal Wyszynski sagte zu uns: „Ich habe einen kompletten Text gegen den Kommunismus beantragt, nicht nur eine Seite, sondern zehn oder zwanzig Seiten. Sie wissen selbst, daß ich in der Versammlung mit einer regelrechten Intervention eingeschritten bin und verlangt habe, daß der Kommunismus öffentlich und vollständig verurteilt wird. Sie kennen auch die Erklärung: ‚Nein, der Kommunismus wird nicht in dieser Weise verurteilt.’ Damit ist diese Angelegenheit für mich erledigt. Ich will nichts mehr in dieser Angelegenheit unternehmen. Meine Unterschrift werde ich nicht geben.“ Wir hatten also weder die Unterschrift von Kardinal Wyszynski, noch von Kardinal Slipyi. Daher waren wir gezwungen, die einzige Unterschrift, die wir erhalten hatten, an Kardinal Beran zurückzuschicken.
Das war die Lage. Die Helden des Glaubens wurden am sprechen und daran, etwas zu unternehmen gehindert. Das zeigt mit voller Gewißheit den absoluten Willen der obersten Autoritäten, die offensichtlich mit den Kommunisten Kontakte aufgenommen hatten.
Die Kommunisten mußten erklärt haben: „Wir erlauben, daß unsere Bischöfe nach Rom gehen, um am Konzil teilzunehmen. Allerdings verbieten wir dann, den Kommunismus zu verurteilen.“ Sie mußten mit den Kommunisten ein Geschäft abgeschlossen haben. Das ist unzulässig! Heute, in unserer Epoche, wird auf einem Konzil die größte Irrlehre unserer Zeit, der Kommunismus, der uns vielleicht bald überrollen wird, nicht verurteilt! Vielleicht werden wir in sechs Monaten, vielleicht auch in einem Jahr, vom Kommunismus überflutet sein! Wenn das Konzil gegen den Kommunismus energisch Stellung bezogen hätte, wäre dieser vielleicht heute bereits zurückgedrängt oder sogar abgewiesen worden. Vielleicht hätten Italien und viele andere Länder den Kommunismus vermieden. Es ist unglaublich. Erkennen Sie die Lage, in der man sich befand. Man wollte die Feinde der Kirche nicht verurteilen. Daher versuchte man, die Kirche umzustrukturieren. In dieser Situation leben wir. Auf dem Konzil wurde ein schwerer und gefährlicher Irrtum begangen!
Das Konzil hätte diese modernen Irrtümer verurteilen müssen. Man hätte dem Beispiel allen vorangegangenen Päpste folgen müssen, die diese Irrtümer immer verurteilt haben. Gleichzeitig hatten diese Päpste immer dazu ermutigt, durch den Empfang der Sakramente, des heiligen Meßopfers, der Kommunion, des Gebetes und der Buße nach der Heiligkeit zu streben. Das gleiche sagte die allerseligste Jungfrau Maria in Lourdes und in Fatima: „Betet und tut Buße!“ Das hätten wir auf dem Konzil sagen müssen. Wir hätten die Irrtümer verurteilen und sagen müssen: „Betet, tut Buße! Geht zu den Sakramenten! Empfanget die Sakramente!“
Gerade jetzt sehen wir, wie sich diese Worte als richtig erweisen. In dem Maß die Menschen beten, Buße tun und die Sakramente empfangen, wie früher, blüht die Kirche offensichtlich auf. Sie sehen, es an dem Beispiel, eine Kapelle wie diese zu eröffnen. Gleich kommen die Menschen. Diese Menschen wissen, daß man in dieser Kapelle die Gegenwart Unseres Herrn, die Gegenwart des Heiligen Geistes, wiederfindet. In dieser Kirche fühlt man die Wärme, die die Seelen ermutigt und ihnen wohltut. Das gleiche findet man in unserem Seminar. Warum kommen gute Berufungen in unsere Seminare? Für uns alle steht das Meßopfer im Mittelpunkt. Unsere Priester sind bereit, das Meßopfer darzubringen und zum Altar emporzusteigen. Sie gehen nicht zum Arbeiten in die Fabriken oder Hüttenwerke und ziehen mit einer Gruppe von zwanzig oder hundert Menschen herum. Unsere Priester arbeiten für das Heil der Seelen, sie steigen zum Altar empor, hören die Beichte im Beichtstuhl, spenden die Gnade der Buße, predigen das Evangelium und erteilen den wahren Katechismusunterricht. Wenn man diese Dinge predigen würde, dann würde die Kirche wiedererstehen und eine neue Jugend erleben.
Das war der große Irrtum, der begangen wurde. Alle anderen Päpste haben uns in den Enzykliken hinterlassen, was getan werden muß, um der Kirche neue Lebenskraft zu verleihen. Alle Heiligen haben uns im Laufe der Kirchengeschichte diesen Weg gezeigt. Anstatt diesen Päpsten und den Heiligen zu folgen, wollte man ein anderes Mittel anwenden, um sich sozusagen der modernen Welt anzupassen. Man wollte die Ideen der modernen Welt. Man wollte sich diesen Ideen und allen Religionen anpassen. Man wollte sich mit den Irrtümern, sogar mit den Kommunisten, Freimaurern und Protestanten verbrüdern. Alle sind Brüder! Es gibt keinen Irrtum und keine Feinde mehr. Das ist vorbei! Alle sind gut! Jetzt sehen wir die Katastrophe, zu der diese Ideen geführt haben!
Wir müssen an unserem Glauben festhalten. Ich beglückwünsche Sie daher von ganzem Herzen, daß Sie hierher gekommen sind und in Ihren Familien die Unterweisung im wahren Katechismus soweit als möglich aufrechterhalten. Wenn Sie niemanden finden, der Ihre Kinder unterweist, dann unterweisen Sie Ihre Kinder selbst im Katechismus, damit sie den Glauben bewahren und diesen nicht verlieren. Gerade hat uns Herr Professor Bravin Beispiele dafür angeführt, daß in den Schulen von St. Gallen nicht mehr der wahre Glaube gelehrt wird. Die katholischen Schulen lehren nicht mehr den wahren Katechismus! Die Eltern beklagen sich: „Unsere Kinder wissen nichts mehr. Sie können ihre Gebete nicht mehr. Man erzählt ihnen nichts mehr.“ In diesem Sinn kann man nicht fortfahren. Die Änderungen, die seit dem Konzil eingeführt wurden, sind eine Katastrophe für das Heil der Seelen!
Wir setzen daher unsere Seminare fort und werden unsere Priesterbruderschaft St. Pius X. weiterentwickeln. Danken wir dem lieben Gott, daß Er dieses Werk sichtlich segnet. Es kann nicht anders möglich sein. In wenigen Jahren haben wir bereits achtzig Priester geweiht. In unseren fünf Seminaren leben 210 Seminaristen. Alles befindet sich in einem stetigen Wachstum. Die Bruderschaft besitzt jetzt insgesamt vierzig Häuser. Vierzig Seminare, Priorate und Schulen wurden in zwei Jahren errichtet! Das alles konnte seit unserem Beginn vor neun Jahren geschaffen werden. Am 1. November 1970 wurde die Bruderschaft offiziell durch Bischof François Charrière von Freiburg errichtet. Man kann sagen, daß in kaum zehn Jahren eine außerordentliche Entwicklung zustandegebracht wurde. Sichtlich segnet der liebe Gott dieses Werk. Es kann wirklich nicht anders sein. Ich rechne mit Ihrem Gebet und mit Ihren Spenden. Dies wird uns erlauben, die Kirche aufrechtzuerhalten und die Quelle der Gnade zu bewahren. Heute morgen hatte ich dies bereits erwähnt. Man hätte darauf dringen müssen, die wahren Quellen der Gnade wiederzufinden, die wahre Frömmigkeit zurückzuerhalten und vor allem zur Liebe zum heiligen Meßopfer zurückzukommen. Das Kreuz Unseres Herrn ist die Quelle aller Gnaden. Das heilige Meßopfer ist die Fortsetzung des Kreuzes. Gerade darauf muß vor allem unsere tiefe und wahre Andacht im heiligen Meßopfer gerichtet sein. Nur im Herzen der Messe, mit dem Sakrament der allerheiligsten Eucharistie, ist wirklich der Grundstein und das Fundament der katholischen Kirche zu finden. Unsere ganze Andacht ist darauf gerichtet sowie auf das Sakrament der Buße und natürlich auf die anderen Sakramente, ebenso wie unsere Andacht und unsere Gebete zur allerseligsten Jungfrau Maria. Es ist nicht möglich, daß wir uns täuschen.
Manche Personen erhalten übrigens Botschaften, die nach ihrer Aussage, direkte Beziehungen zum lieben Gott hätten. Das ist durchaus möglich. Der liebe Gott ist allmächtig. Er kann Personen Seine Gnaden verleihen. Im Laufe der Kirchengeschichte hat dies der liebe Gott oft gezeigt. Allerdings herrschen in den gegenwärtigen Zeiten Verwirrung, Zweifel und Konfusion. Es ist daher sehr wichtig, bei der wahren Frömmigkeit zu bleiben und die fundamentalen Andachtsübungen der Kirche zu verrichten, vor allem den Kreuzweg. Die allerseligste Jungfrau Maria auf Kalvaria führt uns zur allerheiligsten Eucharistie und zum heiligen Meßopfer. Dort sind wir sicher, daß wir uns mit Unserem Herrn, mit allen Aposteln, mit allen Heiligen und mit allen Personen, die sich in der Kirche geheiligt haben, in einer Gemeinschaft befinden. Alle diese Personen haben sich durch das Blut Unseres Herrn Jesus Christus geheiligt. Ohne das Blut Unseres Herrn Jesus Christus ist es nicht möglich, sich zu heiligen. Das Blut Unseres Herrn Jesus Christus ist über dem Altar ausgegossen, vor allem in der allerheiligsten Eucharistie. Bewahren wir diese Andacht. Bewahren wir vor allem die Andacht zur allerseligsten Jungfrau Maria und zu allen Heiligen.
Beten Sie viel, damit gute Berufungen zu Priestern, Brüdern, Ordensmännern und Ordensfrauen kommen. Sehen Sie den Karmel! Der Karmel wurde vor einem Jahr gegründet. Die beiden Karmelitinnen gründeten gemeinsam in Quiévrain in Belgien einen Karmel. Inzwischen sind zehn junge, gute Berufungen in diesen Karmel gekommen. Es fehlt also nicht an Berufungen. Gerade komme ich von einem Besuch in Fanjeaux im Süden Frankreichs bei den Dominikanerinnen zurück. Diese Dominikanerinnen haben sich von ihrer Kongregation getrennt, um an der Messe und in ihren Schulen am Katechismus festzuhalten. Als diese Ordensfrauen die Kongregation verließen, waren noch etwa zwanzig im Orden vorhanden. Nun ist die Zahl der Ordensfrauen auf fünfzig angewachsen. In fünf oder sechs Jahren ist die Zahl dieser Ordensfrauen um dreißig gestiegen. Berufungen sind also gekommen. Sobald man an der Überlieferung festhält und guten willens ist, das zu bewahren, was der liebe Gott gegeben hat, kommen Berufungen und alles blüht auf. Wir dürfen nicht vor dem lieben Gott zweifeln, der noch immer mit uns ist. Er wird uns nicht im Stich lassen.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Ich danke Ihnen für alles, was Sie für uns tun und was Sie für dieses großartige Priorat geleistet haben. Ihnen ist es zu verdanken, daß wir dieses Priorat errichten konnten und jetzt an diesem Ort sein dürfen. Ich danke Ihnen von ganzem Herzen und bitte den lieben Gott, Sie zu segnen.
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