Schrift (Die derzeitige Irrlehre) (1968) PDF Drucken E-Mail
Mittwoch, den 21. Februar 1968 um 10:00 Uhr

Schrift von S. E. Erzbischof Marcel Lefebvre

Die derzeitige Irrlehre

In vorangehenden Artikeln habe ich mich bemüht zu zeigen, wie die Vorsehung Gottes wollte, daß die Teilnahme an seiner Autorität für alle Menschen eine Quelle von Wohltaten sein sollte, und zwar nicht nur der zeitlichen, sondern auch der ewigen. Die Familie, der Staat, die Kirche sind nur soweit wirklich Gaben Gottes, als die Autorität, die der Schlußstein dieser Gesellschaften ist, ihre Rolle vollkommen erfüllt, innerhalb der Grenzen, die vom besonderen Ziel jede dieser Gesellschaften vorgezeichnet werden. Da sie alle drei göttlichen Ursprungs sind, können sie nur einander ergänzen und völlig im letzten auf das höchste Gut ausgerichtet sein, nämlich die Ehre Gottes und das Heil der Seelen.
Wenn wir diese Autoritäten verringern, einschränken, ihren Wirkungsbereich beschränken im Gegensatz dazu, wozu sie Gott eingesetzt hat, so bringt das sofort schwerwiegende Folgen mit sich im Leben dieser Gesellschaften und nach einer kürzeren oder längeren Frist deren Zerfall durch Gesetzlosigkeit oder Diktatur, welche die beiden tödlichen Krankheiten der menschlichen Gemeinschaften sind.
Um auf genaue Weise die Übel einzuschätzen, von denen die Gesellschaften befallen wurden, vor allem seit den letzten Jahrhunderten, müssen wir in der Geschichte diesen ständigen Hang zur Auflehnung des Menschen gegen die Autorität entdecken.

Die Familie und der Staat haben nur durch die Unterweisung der Kirche und die Gnade Unseres Herrn Jesus Christus die vollkommene Verwirklichung ihres Zieles, ihres Gleichgewichts und ihren wahrhaften Frieden gefunden.
Es ist eine alltägliche Erfahrungstatsache, daß die Familie zerbricht, wenn die Ehegatten sich der Lehre der Kirche nicht mehr unterwerfen wollen. Dasselbe geschieht, wenn die Autorität des Familienoberhauptes sich nicht mehr auf seine Ehefrau und seine Kinder erstreckt, wie dies der Fall ist in den sozialistischen Gesellschaften. Die Diktatur dagegen führt zur Vielweiberei und zu allen Übeln, die daraus entspringen. Dieselben Grundvoraussetzungen lassen sich auf die staatliche Gemeinschaft übertragen. Der sogenannte „Gesellschaftsvertrag“, die Trennung von Kirche und Staat, das „neue Recht“, wie es Papst Leo XIII. in seiner Enzyklika Immortale Dei bezeichnet, haben die Gemeinschaften zugrunde gerichtet, die jetzt zwischen Gesetzlosigkeit und Diktatur hin- und herschwanken, ohne ihr gesundes Gleichgewicht finden zu können.
Wenn die Kirche sich teilweise von diesen Übeln auch anstecken läßt, das heißt, wenn die Menschen darangehen, die göttliche Verfassung der Kirche abzuändern und sich dabei auf die menschliche Vernunft berufen oder die menschliche Wissenschaft heranziehen wollen, dann wird die Kirche in eine schwere Krise geraten, was ihr Lehramt und ihren heiligen Dienst betrifft.
Wir müssen also mit glühendem Verlangen wünschen, daß die Unterweisungen der Kirche wieder zu Ehren kommen, was die Autorität betrifft und deren Ausübung in den drei von Gott selbst gegründeten Gesellschaften. Papst Leo XIII. hat uns grundlegende Schriften auf diesem Gebiet hinterlassen: Immortale Dei oder die christliche Staatsverfassung; Satis cognitum oder die göttliche Verfassung der Kirche. Diese hat eine besondere Bedeutung, denn sie ist nichts anderes als das Schema über die Kirche, den Papst und die Bischöfe, das vom ersten Vatikanischen Konzil erarbeitet worden ist. Über die Familiengemeinschaft faßt die Enzyklika Casti Connubii die gesamte Lehre der Kirche zusammen.
Die Auflehnung gegen die regierende Autorität heißt Ungehorsam, sie treibt zum Schisma, zum Bruch mit der Person, die die Autorität innehat und schließlich zum Treuebruch gegen Gott.
Haben wir daran gedacht, diese Auflehnung, die zum Schisma führt, mit der Auflehnung der Vernunft gegen den Glauben, Auflehnung des menschlichen Verstandes gegen die Weisheit und Barmherzigkeit Gottes in Verbindung zu bringen, die Seine Weisheit enthüllen und die Absichten, die zu verwirklichen Ihm gefiel, um sie zu offenbaren? Diese Auflehnung ist nichts anderes als die Irrgläubigkeit oder Häresie.
Es ist sehr lehrreich, wenn wir uns fragen – während wir in einem Zeitalter leben, das eine neue Häresie hervorbringt, die schwerwiegender ist als alle vorangegangenen –, wie diese Auflehnung beim Vater der Häresie und Lüge begonnen hat. Fragen wir den Doctor Angelicus, den hl. Thomas, von Aquin und so lautet seine Antwort: „Der Engel wollte seine endgültige Glückseligkeit durch seine eigenen Kräfte erlangen, was nur Gott allein zusteht“ (1 Pars Quaest. 63, art. 3). Der hl. Thomas erklärt die zwei Hypothesen dieses widernatürlichen Willens: entweder wollte er nur sein natürliches Ziel anstreben und dabei die übernatürliche Glückseligkeit verachten, die er nur mit der Gnade Gottes erlangen konnte; oder er behauptete, er könne diese übernatürliche Glückseligkeit erreichen und dabei auf die göttliche Hilfe verzichten, die durch die Anordnungen der Vorsehung bereitgestellt war. In beiden Fällen haben wir die Auflehnung der Natur gegen den Glauben, mit anderen Worten ausgedrückt, die Verwerfung des Wortes Gottes, einziger Weg zur übernatürlichen Glückseligkeit.
Da wir über diese Wahrheit Bescheid wissen, können wir leicht den Schluß ziehen, daß der schismatische oder häretische Mensch haarscharf genau so handelt wie der erste Schismatiker, der Luzifer war. Der menschliche Wille empört sich gegen den Willen Gottes. Die Vernunft bekämpft die Autorität Gottes, die uns die Wege des Heiles offenbart, auf denen es Seiner ewigen Weisheit gefallen hat, uns wandeln zu lassen.
Wie die Hebräer in der Wüste oft ihren Willen demjenigen Gottes entgegenstellten und deswegen hart bestraft wurden, ebenso verwerfen viele von denen, zu welchen das Evangelium gelangt, es entweder völlig und bleiben Gefangene ihrer falschen Ideologien und menschlichen Erfindungen, oder sie nehmen es nur teilweise an und lehnen eine demütige und völlige Unterwerfung unter die Autorität Gottes ab, die durch die einzige Kirche geoffenbart wird, welche Er eingerichtet hat, um uns Seine Wahrheit und Seine Gnade mitzuteilen.
Diese alle, die durch ihre eigenen Kräfte zum Heil und zu ihrem ewigen Glück gelangen wollen – und nicht durch Unseren Herrn Jesus Christus, der von Seiner römisch-katholischen Kirche gespendet wird – alle Sektenführer, haben die eine oder andere der göttlichen Einrichtungen Unseres Herrn Jesus Christus zu unserer Rettung verworfen und im allgemeinen haben sie damit begonnen, die grundlegenden Forderungen zu verfälschen, diejenigen Tatsachen also, die gerade am Ursprung der Erlösung stehen.
Eine der ersten Tatsachen, die die gesamte christliche Gnadenverwaltung bedingen, ist die Erbsünde. Wir können zwar in der Geschichte der Menschheit Ursachen finden, die den Schluß auf eine Urunordnung zulassen, aber dennoch erkennen wir erst durch den Glauben, die Offenbarung diese Sünde mit ihren genauen und ach! so schwerwiegenden Folgen, aber auch mit ihren unaussprechlichen Absichten Gottes, um sie wieder zu heilen, die Menschwerdung des Wortes, die Erlösung durch Sein Kreuz, die Rechtfertigung der Sünder durch die Taufe und die Sakramente oder ihre Eingliederung in den mystischen Leib Unseres Herrn.
Das erklärt, warum die meisten, wenn nicht gar alle Häretiker damit angefangen haben, den Begriff der Erbsünde zu entstellen oder diese Tatsache ganz zu leugnen, wie der hl. Papst Pius X. sagt: „Die Feinde der Religion fangen an diesem Punkt an, um so viele und so schwerwiegende Irrtümer auszustreuen, durch die der Glaube einer so großen Zahl von Menschen erschüttert wird. Sie beginnen damit, den Sündenfall des Menschen zu leugnen und seinen Verfall… Das heißt, das Glaubensgebäude auf den Kopf zu stellen“ (Ad diem illum, 2. Febr. 1904).
Die Sünde, die Unordnung in den Verstand und den Willen des Menschen bringt, verletzt den Hochmut der Vernunft, die ihre Schwäche und ihre Dummheit nicht eingestehen kann und es unter ihrer Würde findet, daß sie sich auf den Glauben verlassen soll, um die wesentlichen Wahrheiten zu erkennen, die ihr ewiges Heil betreffen.
Eine zweite Wahrheit, die die Vernunft verdemütigt, ist die Gottheit Unseres Herrn Jesus Christus. Welche Lösungen, die einen immer noch haarspalterischer als die anderen und oft die widersprüchlichsten, sind im Laufe der letzten zwei Jahrhunderte erfunden worden von den Protestanten, dann von den Modernisten und heute von den Neomodernisten, um die Göttlichkeit Unseres Herrn aus dem Weg zu räumen!
Pater de Grandmaison gibt in seinem Werk über Jesus Christus einen atemberaubenden geschichtlichen Überblick über die Vorstellungen der Heiden, der Juden, der Mohammedaner über die Person Jesu. Wir finden darin im Kern die Lehre der Vorläufer des Antichrist der Renaissance, sodann der liberalen Protestanten, der Freidenker, der Rationalisten des 19. und 20. Jahrhunderts und schließlich von Teilhard de Chardin sowie der zeitgenössischen Neomodernisten. Von Porphyrius angefangen mit seinem Werk „Gegen die Christen“, das aus dem dritten Jahrhundert stammt bis zu unseren Leugnern der Wunder Unseres Herrn oder bis zu denen, die das Evangelium über die Kindheit leugnen, die die jungfräuliche Mutterschaft Mariens bezweifeln, ist es immer derselbe Ungeist, der die übernatürliche Welt und den Glauben an die Macht Gottes ablehnt, welcher die Werke Seiner ewigen Weisheit offenbart. Wir können wahrhaftig sagen, daß der Irrtum im Grunde derselbe bleibt, wenn auch die Darstellung des Irrtums und die Personen, die ihn anbieten, im Lauf der Geschichte wechseln. Und trotzdem versteifen sich diese Falschdenker und rationalistischen Schreiber darauf, ihre Ideologien als etwas Neues anzupreisen, das für die einen die katholische Kirche vernichten soll, oder für andere ihr neue Wege eröffnen soll für die Rettung der Welt.
Christus ist weder für die Juden noch für die Mohammedaner Gott. Die Juden lassen noch gelten, daß Er ein überragender Sittenlehrer sein soll, die Mohammedaner ein Apostel oder ein Prophet, nichts weiter.
Luther, Voltaire, Rousseau basteln sich einen Christus nach ihrer Art, der vom wahren Christus sehr weit entfernt ist. Aber ihre Gefolgsleute sind die eigentlichen Vorläufer der modernen Häresie. Die folgende Seite, die der Pater de Grandmaison vor vierzig Jahren geschrieben hat, verdient es, vollständig zitiert zu werden, denn was er schreibt, beleuchtet einzigartig die Krise, die die Kirche heute durchleidet:
„Die Formen von Unglauben und Ablehnung der Religion, denen wir begegnet sind innerhalb des Christentums, haben sich bis zu einem gewissen Punkt an wissenschaftlichen oder literarischen Strömungen ausgerichtet, die zunächst von anderer Richtung zu kommen schienen, nachdem sie an der Ausbreitungskraft teilgenommen hatten, die wir für den Humanismus und für die naturwissenschaftliche Erneuerung feststellen konnten, die, nachdem sie im 16. Jahrhundert begonnen hatte, mit Leibniz (1716) und Isaac Newton (1727) ihren Höhepunkt an Widerhall in der breiten Öffentlichkeit erreichte.
Die geistige Gesetzlosigkeit des 16. Jahrhunderts und der Deismus des 18. Jahrhunderts nehmen im großen Ganzen an diesen Strömungen völligen Anteil, als ob jede Neuheit darauf aus wäre, die Geister zu zerrütten und sie dazu brächte, mit Beunruhigung ihre früheren Glaubensgrundlagen in Frage zu stellen. Dieses Gesetz bestätigt sich einmal mehr bei den Ursprüngen und dem Erfolg der liberalen und modernistischen Christuslehre. Sie sind eng verbunden mit den Geschicken der Hypothesen, die Herder, Goethe und Lessing auf die Geschichte angewendet haben, die von ihnen als eine beständige, fortschreitende Entwicklung angesehen wurde: ‚die göttliche Erziehung der Menschheit!’ Da diese Ansichten etwas verschwommen und allgemein gehalten waren, zielten sie darauf ab, das unüberlegte Handeln der Gesellschaften den Einflüssen von Einzelpersonen zuzuschreiben, von denen man sich den ersten als ein Organ vorstellte, das dem Wesen der großen göttlichen Kraft angemessener wäre, eine innerweltliche, unpersönliche Kraft, die die Menschheit auf ihr Ziel hin bewegt…
Sobald man annimmt, daß der Gesamtfortschritt der Welt, von dem der religiöse Fortschritt nur eine Seite ist, sich durch schicksalsbestimmtes Voranschreiten vollzieht, ein Voranschreiten, das sich beständig in dieselbe Richtung bewegt, wobei das gewonnene Gebiet nie mehr verlorengehen kann und die heutige Synthese die von gestern überrundet, und zwar mit absoluter Notwendigkeit, sie aber teilweise miteinschließt, kann man in Jesus offensichtlich nur noch einen Ring in der riesigen Kette erblicken. Man kann in Seiner Tätigkeit nur einen Schritt erblicken, so bedeutsam wie immer man will, aber eben nur einen Schritt auf die endgültige Verwirklichung der ‚Idee’, einer ‚Synthese’, die ihrerseits zur ‚These’ werden soll, um von einer ‚Antithese’ bekämpft zu werden und schließlich überholt sein soll. Wenn diesem reinrassigen Hegelianer die Tatsachen sich nicht mit seinen philosophischen Ursachen vereinbaren zu lassen scheinen, dann wird er das Unrecht den Tatsachen in die Schuhe schieben und jede Erklärung wird für ihn tauglich sein, die den Meister von Nazareth in den großen, authentischen Strom einzwängen will, in dem er schließlich eingeebnet werden wird.
Das Wesentliche dieser Ansichten ist allen Jüngern Hegels gemeinsam, aber bei den Schriftstellern der hegelianischen Rechten werden sie manchmal mit Mäßigung, in respektvollem Ton dargestellt, wie ein Bemühen, die Betonung auf den göttlichen Charakter der gesamten Evolution zu legen und ganz besonders auf die unvergleichliche Verkörperung der Idee, die Jesus von Nazareth war, wodurch viele Christen sich täuschen lassen“ (Jesus Christus, Bd. II, Kap. 3).
Wie sollen wir dabei nicht an Teilhard de Chardin denken und an alle Christen, die sich heutzutage täuschen lassen, wenn sie seine Schriften lesen, die von diesem Rationalismus und diesem Pantheismus vergiftet sind?
Diese Seite aus dem Buch von Pater de Grandmaison beleuchtet auf erstaunliche Weise das Weiterleben des grundlegenden Irrtums, der darin besteht, daß wir alle Tatsachen des Glaubens unserer Vernunft unterwerfen wollen. Die Tendenzen, die wir heute in den Schriften der Modetheologen feststellen, die klipp und klar modernistisch sind, haben darin ihren Ursprung, wie im übrigen alle Häresien.
Leider zeigen sich diese Tendenzen genauso in den modernen Katechismen, und das ist außerordentlich schwerwiegend. Daß die Menschen es wagen, die wesentlichsten Wahrheiten des Glaubens zu entstellen oder sie in Zweifel zu ziehen, bedeutet, daß sie sich außerhalb des katholischen Glaubens begeben in gleichem Maße wie diejenigen, die im Laufe der Geschichte ebenso gehandelt haben und sich außerhalb der wahren Kirche befanden.
Welcher Hohn ist es, wenn wir von denjenigen, die an den notwendigen und schicksalsbedingten Fortschritt der Menschheit glauben, hören oder lesen, daß die Menschen unserer Zeit und um so mehr die Kinder unfähig seien, Worte wie Jungfräulichkeit, Engel, Hölle, Andacht, Heiligkeit u.s.w. … zu verstehen. Sagen wir es einfach, die Welt von heute wäre folglich ungeeignet, den katholischen Glauben zu erfassen, ja sogar das Evangelium! Welches Eingeständnis! Aber es ist viel wahrscheinlicher, wenn wir sagen, daß diejenigen, die so etwas behaupten, den Glauben verloren haben und sich künftighin außerstande fühlen, ihn weiterzugeben. Nemo dat quod non habet: „Niemand kann etwas geben, was er nicht hat.“
Wir müssen unverzüglich verkünden, sei es gelegen oder ungelegen, daß es nur einen Glauben und eine Taufe gibt, daß der Glaube ein Ganzes ist, von dem wir keinen einzigen Artikel ausklammern können, ohne daß wir uns außerhalb der Kirche und des Weges zum Heil befänden. Wer auch immer seine Vernunft der Offenbarung entgegenstellt, die von der katholischen und römischen Kirche überliefert wird, und sei es auch nur in einem einzigen wesentlichen Punkt wie die vollständige Gegenwart Unseres Herrn in der Eucharistie, oder die Jungfräulichkeit Mariens oder das Vorhandensein der Erbsünde, die von unseren Stammeltern begangen wurde und uns alle schuldig macht und des ewigen Lebens beraubt, dieser trennt sich von der katholischen Kirche und muß als Häretiker bezeichnet werden und das bedeutet: exkommuniziert.
Papst Leo XIII. bestätigt diese Wahrheit auf sehr eindringliche Weise in seiner Enzyklika Satis cognitum: Es ist also notwendig, daß beständig weiterbesteht: einerseits die unverrückbare und immer gültige Sendung, alles das zu lehren, was Jesus Christus selbst gelehrt hat, andererseits die beständige und unverrückbare Pflicht, die gesamte so verkündete Lehre anzunehmen und zu bekennen. Das drückt der hl. Cyprian hervorragend mit diesen Worten aus: „Wenn Unser Herr Jesus Christus in Seinem Evangelium erklärt, daß diejenigen, die nicht mit Ihm sind, Seine Feinde seien, dann bezeichnet Er nicht irgendeine bestimmte Irrlehre, sondern Er gibt alle diejenigen als Seine Gegner an, die nicht völlig mit Ihm sind und, da sie nicht mit Ihm sammeln, die Herde zerstreuen. ‚Wer nicht mit Mir ist, ist gegen Mich, wer nicht mit Mir sammelt, der zerstreut!’“
„Da die Kirche bis ins Innerste von diesen Grundvoraussetzungen durchdrungen und besorgt ist, ihre Pflicht zu erfüllen, liegt ihr nichts mehr am Herzen, hat sie nichts mit mehr Eifer betrieben, als aufs vollkommenste die Unantastbarkeit des Glaubens zu bewahren. Deshalb hat sie alle als erklärte Aufrührer betrachtet und weit von sich gewiesen, die nicht ebenso dachten wie sie, ganz gleich in welchem Punkt ihrer Lehre. Arianer, Montanisten, Novatianer, Quartodezimaner, Eutychianer hatten gewiß nicht die gesamte katholische Lehre abgelehnt, sondern nur gewisse Teile davon und dennoch, wer wüßte nicht, daß sie zu Irrgläubigen erklärt und aus dem Schoß der Kirche vertrieben wurden? Und ein ähnliches Urteil hat alle Fälscher einer irrigen Lehre verurteilt, die in der Folge aufgetreten sind zu verschiedenen Abschnitten der Geschichte. Nichts konnte gefährlicher sein, als diese Häretiker, die durch einen einzigen Satz, wie durch einen Tropfen Gift, die Reinheit und Geradlinigkeit der Lehre verderben, wobei sie alles übrige beibehalten, der Lehre, die wir von der Überlieferung Unseres Herrn und sodann der Apostel erhalten haben…“
„Solcher Art war immer die Gewohnheit der Kirche, gestützt auf das einstimmige Urteil der Päpste, die immer alle diejenigen, die sich im kleinsten von der Lehre entfernten, die vom wahren Lehramt verkündet wird, als ausgeschlossen von der katholischen Einheit und außerhalb der Kirche stehend betrachtet…“ (Päpstliche Unterweisungen – Solesmes – die Kirche Bd. 1, S. 370).
Nun ist es für die Zukunft offensichtlich, daß wir in einer Zeit leben, in der das Lehramt der Kirche angesichts von offenen Irrtümern, von wahrhaftigen Häresien, von ärgerniserregenden sittlichen Entgleisungen nicht mehr mit der Kraft und Treffsicherheit handelt, die wir vorher von ihm gewohnt waren. Es genügt, daß wir Kenntnis erhielten von den Verhandlungen der Synode (die 1967 in Rom stattfand) in bezug auf die Gefahren, die dem Glauben drohen, um leider davon überzeugt zu sein, daß eine große Anzahl von Hirten eine Irrlehre oder Häresie nicht mehr verurteilen wollen. Sie haben es ausdrücklich gesagt. Dies ist gewiß einer der Gründe für die Unverfrorenheit, mit der die Irrlehren verbreitet werden, sogar in und durch die katholische Presse. Diese Haltung ist unerklärlich und nicht nur entgegen der gesamten Überlieferung der Kirche, sondern auch gegen den einfachen gesunden Menschenverstand: Den Irrtum verurteilen heißt, die Wahrheit zu verkündigen, gegen die sich dieser Irrtum stellt und vor allem bedeutet es, zu verhindern, daß er sich verbreiten und die Seelen zugrunde richten kann.
Ebenso ist es offensichtlich, daß es die grundlegendste Pflicht der Hirten ist, ihre Truppe zu schützen gegen die Wölfe, die herumschleichen, und die Mietlinge zu verjagen, die ihre Herde im Stich lassen, entsprechend den Unterweisungen des Obersten Guten Hirten. Bewahren wir die Reinheit unseres Glaubens in der Haltung der Demut und Unterwerfung unter die göttliche Autorität, die ihn uns unveränderlich überliefert hat durch die Jahrhunderte bis in unsere Tage. Lassen wir uns nicht verführen durch die Gaukelei der Rationalisten, die die Nachfolger der Anführer von Häresien aller Zeiten sind. Bleiben wir den Katechismen treu, die gewiß die rechte Lehre beinhalten, dem des Konzils von Trient, des hl. Pius X., des Kardinals Gaspari. Fliehen wir die Neuerungen, die der Tradition der Kirche entgegengesetzt sind. Novitates devita – meide die Neuerungen, sagte bereits der hl. Paulus.
Bossuet sagt in seiner Weltgeschichte (II. Teil, Kap. 30): „Die Sektenführer konnten zwar die Menschen durch ihre Redekunst und einen Anschein von Frömmigkeit blenden, sie durch ihre Leidenschaften erschüttern, sie zu ihrem Vorteil einspannen, sie anziehen durch die Ungebundenheit und Neuheit entweder des Geistes oder sogar der Sinnlichkeit, kurzum, sie konnten sich leicht täuschen, oder die anderen täuschen, denn es gibt nichts Menschlicheres; aber außer, daß sie sich überhaupt nicht rühmen konnten, irgendein öffentliches Wunder gewirkt zu haben, noch ihre Religion auf feste Tatsachen zurückführen konnten, deren Zeugen ihre Anhänger gewesen wären, so bleibt vor allem die eine unglückliche Tatsache für sie bestehen, die sie niemals verbergen konnten, nämlich daß ihre Lehre neu war.“

21. Februar 1968


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