Nr. 11 (1976) PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, den 07. Oktober 1976 um 01:00 Uhr

Rundbrief von S. E. Erzbischof Marcel Lefebvre
an die Freunde und Wohltäter
Nr. 11 vom 7. Oktober 1976
(Nr. 11)

Liebe Freunde und Wohltäter!

Zahlreich sind die Ereignisse, die seit dem Erscheinen des letzten Briefes in der Osterzeit wiederum die Geschichte unseres Werkes gekennzeichnet haben. Es ist seitdem zu einem Mittelpunkt allgemeinen Interesses geworden. Ein Beweis mehr, wenn ein solcher überhaupt notwendig wäre, daß die Menschen unserer Zeit sich noch für religiöse Fragen begeistern können, und daß diese Fragen in unserer Gesellschaft von größerer Bedeutung sind, als man gemeinhin annimmt.
Nach Bekanntwerden dieser Ereignisse haben viele von Ihnen uns gegenüber Ihren Schmerz, Ihre Empörung, Ihre Sympathie und manchmal auch Ihre Beunruhigung ausgedrückt. Alle haben uns ihrer inständigen Gebete versichert. Tausende von Briefen und Telegrammen haben uns erreicht. Es war für uns unmöglich, alle zu beantworten. Erkennen Sie bitte in diesen Zeilen den Ausdruck unserer tiefen Dankbarkeit. Mögen diese für Sie auch zugleich eine Quelle neuen Mutes und neuer Hoffnung sein!
Um Ihnen zu helfen, anderen Menschen, die uns nur wenig kennen, die Ursachen unserer Haltung verständlich zu machen, betonen wir zwei Beweggründe, die uns sehr wichtig erscheinen: Der disziplinäre Gesichtspunkt und der theologische, oder der Gesichtspunkt des Glaubens.
Man bestraft nicht ohne Gerichtsurteil, und man kann nicht urteilen, wenn die Angelegenheit nicht gemäß den Formen behandelt werden konnte, die auch ihre vollkommene und freie Verteidigung vor einem Gericht gewährleisten. Wir jedoch wurden ohne Gerichtsurteil bestraft, ohne unsere Sache verteidigen zu können, ohne Ladung vor irgend einem Gerichtshof zu erscheinen. Mit dieser willkürlichen und tyrannischen Auflösung der Priesterbruderschaft St. Pius X. und ihres Seminars werden das Weiheverbot und die Suspendierung, die mich persönlich trifft, begründet. Da die offensichtliche Nichtigkeit der ersten Bestrafung feststeht, sehe ich nicht ein, wie die darauffolgenden Maßnahmen gültig sein könnten. Deshalb nehmen wir gar keine Rücksicht auf Entscheidungen einer Autorität, die ihre Macht mißbraucht. Würde es sich um eine rein kirchenrechtliche Frage handeln und beträfen diese ungerechten Verurteilungen allein uns persönlich, könnten wir uns allenfalls im Geiste der Buße unterwerfen. Aber zu diesem kirchenrechtlichen Gesichtspunkt kommt ein viel schwerwiegenderer Beweggrund hinzu, nämlich die Reinerhaltung unseres Glaubens.
Diese Maßnahmen wollen uns in der Tat dazu zwingen, uns einem neuen Kurs in der Kirche zu unterwerfen, einem Kurs, der die Frucht eines „historischen Kompromisses“ zwischen der Wahrheit und dem Irrtum ist.
Dieser „historische Kompromiß“ ist im Konzil durch die Aufnahme liberaler Ideen zustandegekommen, die nach dem Konzil von liberal denkenden Gliedern der Hierarchie in die Tat umgesetzt wurden, denen es geglückt ist, sich der leitenden Stellen innerhalb der Kirche zu bemächtigen.
Er wird im Dialog mit den Protestanten sichtbar, der zur Liturgiereform sowie zu den Beschlüssen über die eucharistische Gastfreundschaft und die Mischehen geführt hat. Im Dialog mit den Kommunisten, der damit endete, daß ganze Nationen dem Sozialismus und Marxismus ausgeliefert werden, wie Kuba, Vietnam, Portugal und bald auch Spanien, wenn nicht sogar Italien. Im Dialog mit den Freimaurern, der in der Kult-, Gewissens- und Gedankenfreiheit gipfelt und der somit jegliche Wahrheit und Moral unter dem Druck des Irrtums und der Sittenlosigkeit ersticken läßt.
An diesem Verrat der Kirche sollten wir mitwirken, denn man drängt uns einen Kurs auf, der schon mehrfach von den Nachfolgern Petri und den vorangegangenen Konzilen verurteilt wurde.
Wir weisen diesen Kompromiß zurück, um unserem Glauben, unserem Taufgelübde und unserem einzigen König, Unserem Herrn Jesus Christus, treu zu bleiben.
Deshalb werden wir auch in Zukunft denen, die die göttliche Vorsehung unserem Seminar zuführt, die Priesterweihe spenden, nachdem wir ihnen eine Ausbildung gegeben haben, die der Lehre der Kirche voll und ganz entspricht und die dem Lehramt der Nachfolger Petri treu geblieben ist.
Wir werden voraussichtlich in diesem Studienjahr 14 Seminaristen zu Priestern weihen und nehmen 35 Neubewerber, davon vier Bruderpostulanten, auf. Zu unserer Freude befinden sich darunter auch einige Italiener und Belgier. Alle diese Bewerber machen zur Zeit die Exerzitien, die das Schuljahr eröffnen.
Währenddessen werden unsere Priorate allmählich eingerichtet. Drei von ihnen können im Laufe des Jahres 1977 ihrem Zweck übergeben werden. Überall fordert man unsere Hilfe an. Die Gruppen glaubenstreuer Katholiken wachsen beträchtlich an, während andererseits noch nicht genügend Priester vorhanden sind.
Wir rechnen sehr mit Ihrer materiellen und geistigen Unterstützung, die uns erlauben wird, das für die wahre Erneuerung der Seelen so dringend notwendige Werk weiterzuführen: Die Ausbildung wahrer Priester und ebenfalls die Heranbildung von Ordensbrüdern und Ordensschwestern.
Wir sind glücklicherweise nicht die einzigen, die auf diesem Gebiet an der gesunden Überlieferung der Kirche festhalten. Solche Noviziate für Männer und Frauen vermehren sich, trotz der Schwierigkeiten, die ihnen von jenen bereitet werden, die sie eigentlich segnen müßten.
Am 26. September dieses Jahres haben zwei Brüder ihre Gelübde abgelegt und zwei weitere empfingen das Ordenskleid, während uns am 29. desselben Monats die Freude beschieden war, das Gelübde der ersten Schwester der Bruderschaft Sœur Marie Michel aus Australien entgegenzunehmen, und das Kleid von drei amerikanischen Postulantinnen zu segnen. Am 20. September sind acht neue Postulantinnen eingetreten.

Mit dem Beistand von Jesus, Maria und Joseph hoffen wir, daß das Ende der Verfolgung, die wir ungerecht erleiden, nahe bevorsteht. Gott verläßt seine Kirche nicht, auch wenn Er zuläßt, daß sie weiterhin das Leiden ihres göttlichen Stifters erduldet.
Lassen wir Unsern Herrn Jesus Christus in allen Bereichen unseres Lebens herrschen! Darin besteht unser Auftrag.

Gott segne Sie durch die allerseligste Jungfrau Maria, die Rosenkranzkönigin.

Ecône, 7. Oktober 1976
+ Marcel Lefebvre
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