Priesterweihe (Ecône, 1975) PDF Drucken E-Mail

Predigt von S. E. Erzbischof Marcel Lefebvre
am 8. Dezember 1975 in Ecône
(Priesterweihe)

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Meine geliebten Brüder!
Meine geliebten Freunde!

Virgo fidelis ora pro nobis — Du getreue Jungfrau, bitte für uns!

Wenn wir heute einer Tugend in ganz besonderer Weise bedürfen, dann ist es die Tugend der Treue, das Treusein. Was bedeutet diese Treue, diese fidelitas? Fidelitas kommt vom Wort fides, der Glaube. Dieses Wort bedeutet, den Glauben haben. Fidelitas beinhaltet mehr als den Glauben. Es beinhaltet die Beharrlichkeit im Glauben, im Glaubensgeist, im Leben nach dem Glauben, nicht nur einen Tag oder einen Monat, sondern unser Leben lang. Diese Glaubenstreue beinhaltet das Einhalten der Gelöbnisse, die man abgelegt und der Verpflichtung, die man auf sich genommen hat. Die Treue ist vor allem eine Eigenschaft Gottes selbst und zwar in ihrer Fülle, in ihrer Vollkommenheit, in ihrer Unendlichkeit. Gott ist treu. Gott ist sich selbst treu. Gott ist allen Seinen Versprechungen treu. Gott ist allen treu, die Er liebt. Das ist die Treue, die das Beispiel, das Vorbild, für unsere eigene Treue sein muß.
Heute, meine lieben Freunde und besonders Sie, lieber Franz, der Sie soeben die Gnade des Priestertums empfangen haben, verpflichten Sie sich vor Gott, die Ihnen durch diese Gnade auferlegten Pflichten als Priester treu zu erfüllen. In den Gebeten dazu ist ein Wort enthalten, das diese Treue gut umschreibt. Es ist die constantia, die Standhaftigkeit, die Beharrlichkeit im Einhalten des Gelöbnisses, das man abgelegt hat. Wenn sich die Treue mit der Tugend des Glaubens verbindet und der Glaube die Grundlage und das Prinzip Ihres Handelns ist, dann verbinden sich Treue und Glaube zur Tugend des Starkmuts. Bitten wir den Heiligen Geist, daß er Ihnen diese Tugend des Starkmuts, diese Gabe der Stärke, für Ihr Priestertum verleihen möge, damit Sie standhaft bleiben. Standhaft in der Treue zu Gott. Bleiben Sie den Verpflichtungen treu, die Sie heute feierlich auf sich nahmen, als Sie die Gnade des Priestertum empfangen und alle Mahnungen und Ratschläge vernommen haben, die Ihnen der Bischof bei der Verleihung dieser Gnade des Priestertums erteilt hat. Seien Sie treu!
Auch Sie, meine lieben Freunde, die Sie heute erneut Ihr Gelöbnis in der Bruderschaft ablegen, seien auch Sie treu, treu Ihren Verpflichtungen. Wenn Gott treu war und noch immer treu ist, so deshalb, weil Er semper idem, immer derselbe ist. Gott ist immer derselbe. Gerade auf dieser Unwandelbarkeit Seiner Vollkommenheit, Seiner Unendlichkeit, Seines ewigen Seins, beruht Seine Treue, die uns so heilig ist. Weil wir mit Gott verbunden sind, halten wir an unserem Glauben fest. Unser Glaube ist nichts anderes als Gott selbst, der in unserem Geist, in unserem Herzen, in unserem Willen gegenwärtig ist. Es ist die allerheiligste Dreifaltigkeit, die in uns wohnt. Es ist Unser Herr Jesus Christus, der Gott ist, der in uns wohnt. Darin besteht unsere Treue. Bei unserer Taufe haben wir gelobt, am Glauben festzuhalten, in alle Ewigkeit, für immer, nicht nur für einen Tag, sondern in Ewigkeit.
Wenn man in der Geschichte der Menschheit ein Beispiel für diese Treue nennen kann, dann ist es die allerseligste Jungfrau Maria. Sie war treu. Sie war treu, noch bevor sie ihr Fiat gesprochen hat. Sie war ganz rein, ganz heilig, ganz dem lieben Gott verbunden. Sie war Gott treu bis in die letzte Faser ihres Herzens. Ab dem Zeitpunkt, als sie ihr Fiat gesprochen hat, war sie auch Unserem Herrn Jesus Christus, ihrem Sohn, war Sie Gott treu. Sie war Ihm ihr ganzes Leben hindurch treu, durch alle Prüfungen, durch alle Zweifel, durch alle Schwierigkeiten, durch alle Widersprüche, durch alle Ärgernisse hindurch. Die allerseligste Jungfrau Maria war immer Unserem Herrn Jesus Christus, ihrem göttlichen Sohn treu. Sie hat Ihn nie im Stich gelassen, bis zum Kreuz. Während die Apostel geflohen sind, Ihn verlassen haben, während ihr Sohn blutüberströmt, tot, von allen verlassen, gewissermaßen auch von Gott verlassen war, blieb die allerseligste Jungfrau Maria bei ihm: „Stabat mater juxta crucem”. Das Werk ihres göttlichen Sohnes hat sie weitergeführt. Sie hat es nicht im Stich gelassen. Bei seiner Entstehung, dem Pfingstereignis, war Sie anwesend. Die allerseligste Jungfrau Maria war da, weil Unser Herr Jesus Christus wollte, daß die Apostel die Gnade durch ihre Vermittlung empfangen sollten. Sie erfüllte also treu ihre Aufgaben. Sie war Unserem Herrn immer treu; sie ist es noch immer, auch heute noch. Sie hat nur ein Verlangen, zu sehen, daß wir mit Unserem Herrn, mit unserem Glauben, fest verbunden bleiben. Es ist ihre Ehre, es ist ihr Herzenswunsch, es ist ihr Leben, daß wir mit allen Fasern unseres Herzens, mit Unserem Herrn Jesus Christus verbunden sind. Auch im Alten Testament hat diese Treue große Bedeutung.
Wir sehen am Vorbild der allerseligsten Jungfrau Maria, die unter den Geschöpfen des lieben Gottes immer das vollkommenste Beispiel der Treue war und ist, wie teuer dem lieben Gott die Treue ist und wie sehr Gott will, daß wir treu sind. Wenn Er sich selbst und allen Seinen Versprechen treu ist, dann will Er auch von uns, daß wir unseren Versprechen treu sind. Die ganze Geschichte des Alten Testamentes ist nichts anderes, als die Geschichte der Treue oder der Untreue Israels gegenüber seinem Gott. Gott hat die Söhne Israels wahrhaft hart gestraft, wenn sie untreu waren, wenn sie sich von Gott entfernt haben, wenn sie ihren Bund nicht mehr eingehalten haben. Gott hat sie ihren Feinden überlassen. Gott hat sie fast vernichtet. Er hat sogar zugelassen, daß der Tempel Jerusalems zerstört wird, weil sie ihrem Gott untreu waren.
Ein Beispiel, das wir nie vergessen sollten und das mir für uns heute, im Hinblick auf unsere Kirche, sehr wertvoll, sehr heilsam scheint. Natürlich hat die Kirche die Verheißung ewig zu sein. Die Verheißung immerwährenden Lebens. Die Kirche wird nicht untergehen, aber sie kann furchtbare Prüfungen durchmachen müssen und ihrem Gott untreu sein, zumindest in ihrem überwiegenden Teil. Die Schrift sagt uns, daß es vielleicht eines Tages auf dieser Erde nur mehr einige wenige Gläubige geben wird. Es wird also in der Geschichte der Kirche furchtbare Augenblicke geben, wo uns scheinen mag, daß die Kirche selbst den Glauben verliert. Erleben wir nicht heute diese Zeit, oder zumindest eine dieser Zeiten, die den allgemeinen Abfall vom Glauben vorbereiten? Kann man behaupten, daß die heutige Kirche ein Beispiel bemerkenswerter Glaubenstreue gibt? Im Gegenteil! Man ist scheinbar dabei, den Glauben an Gott ganz aufzugeben, Unseren Herrn Jesus Christus ganz aufzugeben, denn die Glaubenstreue beinhaltet, so würde ich sagen, auch das Wort „immer — semper”. Eine Treue, die nicht für immer geschenkt wird, ist keine wahre Treue. „Gott immer treu sein”. „Immer” umfaßt die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft. Wenn wir also treu sein wollen, müssen wir auch der Vergangenheit treu sein. Dem Glauben, der immer der Glaube der Kirche war. Wir müssen Gott in dem treu sein, was die Kirche verkündet hat, was die Apostel verkündet haben, was die ganze Kirche Jahrhunderte hindurch verkündet hat, was uns die Heiligen Jahrhunderte hindurch vorgelebt haben. Wir müssen dieser Lehre der Kirche treu sein und wir, die wir zu dieser Kirche gehören, die wir Glieder dieser Kirche sind, müssen unseren Vorfahren, dem Glauben unserer Vorfahren, dem Glauben der Kirche aller Zeiten treu sein. Wenn wir das nicht sind, können wir nicht sagen, daß wir treu sind. Wenn wir nur einige Tage untreu wären, wären wir nicht derer würdig, die uns vorangegangen sind. Dieser Glaube muß die Jahrhunderte überdauern und für uns unser ganzes Leben lang. An diesem Glauben müssen wir unbedingt festhalten, denn unser Glaube ist Gott, ist Unser Herr Jesus Christus, ist die Ewigkeit, ist die ewige Glückseligkeit, ist der Mystische Leib Unseres Herrn Jesus Christus, ist der Himmel.
Wir können uns nicht von dem trennen, was unser ganzes Leben ausmacht, den Sinn unseres Seins, den Sinn unserer Erlösung, den Daseinsgrund der Kirche. Daher müssen wir diese Liebe zur Kirche in unserem Herzen bewahren. Diese tiefe Liebe zu unserer heiligen katholischen Kirche, in die Unser Herr alle Schätze Seines Lebens und Seiner Gnade eingeschlossen hat.
Wir müssen auch der allerseligsten Jungfrau Maria treu sein, der Unser Herr Jesus Christus alle Seine Gnaden anvertraut hat, damit sie uns durch sie ausgeteilt werden. Wenn wir wahrhaft der Kirche treu sind, wenn wir wahrhaft der allerseligsten Jungfrau Maria treu sind, dann sind wir sicher, daß wir in der Wahrheit leben, was auch immer kommen mag, welche Ärgernisse auch immer sich um uns herum ereignen mögen, was immer man uns sagen mag, was immer man denken, schreiben oder publizieren mag. Wir bleiben treu. Treu dem, was die Kirche immer geglaubt hat. Treu dem, was die Heiligen uns vorgelebt haben.
Versuchen wir also mit ganzer Seele, aus ganzem Herzen, treu zu sein, damit der liebe Gott uns eines Tages sagen kann: „Euge serve bone et fidelis — trefflich, du guter und getreuer Knecht, weil du über weniges getreu gewesen bist, werde Ich dich über vieles setzen; geh ein in die Freude deines Herrn” (Mt 25,21). Unser Herr hat uns ewigen Lohn versprochen, wenn wir treu sind. Bitten wir deshalb die allerseligste Jungfrau Maria, uns jene Gnade des Ausharrens und der Treue bis ans Ende zu schenken.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
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