Priesterweihe (Zaitzkofen, 1985) PDF Drucken E-Mail

Predigt von S. E. Erzbischof Marcel Lefebvre
am 7. Juli 1985 in Zaitzkofen
(Priesterweihe)

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Meine geliebten Freunde!
Meine geliebten Brüder!

Heute sind wir wieder in Zaitzkofen versammelt. Die Subdiakone und die Diakone, die Priester werden sollen, werden die Weihen erhalten. Meine lieben Brüder, Sie sind in großer Anzahl gekommen, um dieser Zeremonie beizuwohnen. Diese Weihen liegen Ihnen am Herzen. Ihnen ist bewußt, wie notwendig wahre Priester benötigt werden. Wir brauchen Priester nach dem Herzen Unseres Herrn Jesus Christus.
Meine lieben Freunde! Dieser Weihetag sollte für Sie ein Anlaß zum Nachdenken über die Wahl sein, die Gott mit Ihnen getroffen hat. „Non vos Me elegistis, sed Ego elegi vos. – Nicht ihr habt Mich erwählt, sondern Ich habe euch erwählt” (Jo 15, 16). In der Tat, Sie wurden erwählt. Bedenken Sie die Umstände, in die der lieben Gott Sie auf Erden versetzt hat! Ohne Zweifel wurden Sie in einer sehr guten, tief katholischen Familie erzogen. Vielleicht erhielten Sie auch die Gnade, in einer Gegend zu leben, wo der Glaube noch lebendig war. Denken Sie an Ihre Schulzeit, als Sie jung waren und unter welchen Umständen Sie herangewachsen sind.
Eines Tages kam die Wahl des Priestertums.
Was bedeutet die Wahl des Priestertums heute? Wo und durch wen könnte man die Erziehung zum Priester erhalten? Von wem empfängt man die Gnade des Priestertums? Nun hat der liebe Gott Sie auf eine ganz besondere Weise erwählt. Er wollte verhindern, daß Sie eine Ausbildung erhalten, die nicht der Ausbildung entspricht, wie Er sie wirklich will. Mit der Gnade des lieben Gottes haben Sie das Seminar in Zaitzkofen gewählt. Sie sind in die Priesterbruderschaft St. Pius X. eingetreten. Die Priesterbruderschaft St. Pius X. steht unter dem Patronat dieses heiligen Papstes. Er war ein Verteidiger des Glaubens und der Wahrheit. Ihre Ausbildungsjahre haben Sie in diesem Seminar verbracht. Sie konnten sich in diesem Seminar darauf vorbereiten, wahre Priester zu werden, um wirklich die Gewalten zu erhalten, die Ihnen der liebe Gott geben wird: Die Gewalt zu lehren – potestas docendi. Die Gewalt zu heiligen – potestas sanctificandi. Die Gewalt, die Seelen zu leiten – potestas regendi.
Der liebe Gott hat Ihnen großartige Geschenke vorbehalten, die Sie heute erhalten werden. Er läßt Sie an Seinen eigenen Gewalten teilhaben, an den Gewalten Unseres Herrn Jesus Christus. Heute läßt Er Sie auf eine besondere und überfließende Weise daran teilhaben.
In wenigen Augenblicken werden Ihnen diese drei Gewalten verliehen. Sie werden diese nicht so erhalten, wie man sich das heute in der modernen Kirche vorstellt. Es handelt sich nicht um die Gewalten, die dem Volk Gottes gegeben werden, also allen Gliedern des Volkes Gottes, ohne Unterschied. Die Kirche hat immer gelehrt, daß ein wesentlicher Unterschied zwischen dem Priestertum der Priester und dem nur analogen Priestertum der Gläubigen besteht. Heute empfangen Sie das Sakrament der Priesterweihe gerade deshalb, damit Sie vom gläubigen Volk ausgesondert werden. Sie wurden unter den Gliedern des gläubigen Volkes auserwählt, um sich durch die drei Gewalten, die Ihnen verliehen werden sollen, von den übrigen Gläubigen zu unterscheiden.
Heute empfangen Sie, eine ganz besondere Gewalt zu lehren. Auf diese Gewalt haben Sie sich im Seminar vorbereitet. Sechs Jahre lang haben Sie studiert. Wen und was haben Sie studiert? Letzten Endes studierten Sie die Wissenschaft Unseres Herrn Jesus Christus, das mysterium Christi, das große Geheimnis Christi. Der hl. Paulus spricht oft davon. Er sagt, daß er selbst die Wissenschaft des Geheimnisses Christi besitze und sie mitteilen möchte. Sie haben es studiert. Während Ihres Studiums haben Sie dieses Geheimnis gelernt, in der Philosophie, der Theologie, im Recht oder in der Liturgie, alles führt zu Unserem Herrn Jesus Christus. Er steht im Mittelpunkt aller Ihrer Studien. Er ist der Schöpfer, dessen Lob Sie gesungen haben. Sie haben die Theodizee studiert, den schönsten Gegenstand, den es gibt, und die Zusammenfassung der gesamten Philosophie. In der Moraltheologie haben Sie den Willen Unseres Herrn Jesus Christus, Seine Gebote, studiert. In der Theologie studierten Sie Seine Menschwerdung, Seine Erlösung und das Geheimnis der Dreifaltigkeit, deren Zentrum Jesus ist. Das waren Ihre Studien.
Diese Wahrheiten, die Sie studierten, werden Sie jetzt nach dem Befehl lehren, den Ihnen unser Herr Jesus Christus gibt: „Euntes ergo docete omnes gentes! – Gehet also hin und lehret alle Völker!” (Mt 28, 19). Erfüllen Sie diesen Befehl mit Eifer und mit Treue in der Übermittlung der Wahrheit. Diese Wahrheit gehört nicht Ihnen. Sie wurde Ihnen als Schatz anvertraut. In Ihre Hände und in Ihren Geist wurde dieser Schatz gelegt, damit Sie ihn den anderen übermitteln, so wie Sie ihn empfangen haben, ohne Veränderung! So wie wir es machen. Wir und alle Priester der Bruderschaft haben alles darangesetzt und uns bemüht, Sie zu bilden. Wir alle haben versucht, Ihnen das zu übermitteln, was wir empfangen haben. Der hl. Paulus sagt: „Ego enim accepi a Domino quod tradidi vobis. – Denn ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch auch überliefert habe” (1 Kor 11, 23). Eine treue Übermittlung! Wir können vor Gott sagen, daß wir die Wahrheit des Evangeliums treu übermittelt haben. Sie konnten dies während Ihrem Studium feststellen. Bleiben Sie in Ihrem Lehren treu. Fügen Sie nichts hinzu! Lassen Sie nichts weg! Geben Sie den Seelen, die das Licht der Wahrheit erwarten, die gute Nahrung des Geistes! „Vos estis lux mundi. – Ihr seid das Licht der Welt” (Mt 5, 14). Dieses Licht darf nicht unter den Scheffel gestellt werden. Erhellen Sie die Welt durch die Wahrheit! Lehren Sie nicht nur das, was den Menschen gefällt! Wir müssen den Menschen lehren, was Gutes stiftet, sie erbaut und ihnen hilft, das christliche Leben zu führen. Wir dürfen nicht nur reden, um ihnen Vergnügen zu bereiten und angenehm zu sein.
Möge der lieben Gott Ihnen helfen, meine lieben Freunde. Es ist eine so wichtige Aufgabe, die Wahrheit zu lehren und den wahren Glauben an die Seelen weiterzugeben, die Ihnen anvertraut sind. Meditieren Sie weiterhin über die Wahrheiten, die Sie gelernt haben. Sie müssen diese Wahrheiten mit Wärme, Eifer und Begeisterung darbieten können. Es gibt nichts Schöneres, als die Seelen mit der Wahrheit des Glaubens aus dem Evangelium zu erleuchten. Die potestas sanctificandi, die Gewalt zu heiligen, ist ganz im heiligen Meßopfer zusammengefaßt. „Hoc facite in meam commemorationem! – Dieses tut zu meinem Gedächtnis” (Lk 22, 19). Unser Herr hat dies zu den Aposteln gesagt: „Tut dies!“ Er sagte nicht: „Erzählt dies“ oder „Lest vor was Ich euch sage.“ Er hat gesagt: „Tut dies!“ Es ist eine Handlung. Es ist das Opfer, welches das Opfer Unseres Herrn wiederholt, in Seiner Person und in Seinem Namen. Wenn Sie die Wandlungsworte sprechen sind Sie wahrhaft ein zweiter Christus. Diese Wandlungsworte verwirklichen zugleich das Opfer Unseres Herrn und das Sakrament der allerheiligsten Eucharistie. Sie werden die schönste, erhabenste, größte und geheimnisvollste Aufgabe haben. Wie könnten wir uns ausdenken, daß wir arme Menschen fähig sind, Gott mit den Worten, die wir aussprechen, zu befehlen, auf die Erde herabzukommen? Das ist unfaßbar!
Zu dieser Gewalt kommt die Beichte und was davon hergeleitet ist. Sie werden die Seelen durch das Blut Unseres Herrn Jesus Christus von ihren Sünden lossprechen. Dies geschieht nicht durch die Kraft Ihrer eigenen Worte. Die Lossprechung erfolgt durch die Kraft des Blutes Unseres Herrn Jesus Christus. Diese Gewalt soll Ihnen jetzt verliehen werden. Soviel sei über die Gewalt des Heiligens gesagt.
Meine lieben Freunde, bemühen Sie sich immer so zum Altar emporzusteigen, wie Sie das erste Mal zum Altar emporgestiegen sind. Steigen Sie immer mit derselben Glut, demselben Eifer, derselben Demut, derselben Danksagung und denselben Gefühlen der Zerknirschung über Ihre Verfehlungen und Nachlässigkeiten zum Altar empor. „Pro innumerabilibus peccatis et offensionibus et negligentiis meis”. „Herr, erbarme Dich meiner, ich bin nicht würdig, zum Altar emporzusteigen, doch durch Deine Gnade werde ich emporsteigen, um Dein göttliches Opfer darzubringen für alle Sünden der Welt, für alle, die mich in diesem Augenblick umgeben.” Danken Sie Gott, daß Er Ihnen diese außergewöhnliche Gewalt verleiht. Handeln Sie immer so, daß Sie dem treu sind, was Sie empfangen haben! Sie werden nun diese Gewalt empfangen zu heiligen, das heilige Meßopfer darzubringen, die Sünden nachzulassen, zu taufen und die übrigen Sakramente zu spenden. Diese Gewalt werden Sie in der heiligen Messe aller Zeiten empfangen. Diese heilige Messe haben in der lateinischen Kirche alle Heiligen, alle Päpste, alle heiligen Priester, zweitausend Jahre lang gefeiert. Geben Sie diese heilige Messe Ihrer Weihe niemals auf! Bleiben Sie der heiligen Messe treu! In ihr finden Sie die Quelle Ihrer persönlichen Heiligung. Sie werden in ihr die Quelle Ihres Apostolats finden. Das ganze Programm Ihres priesterlichen Lebens liegt im Kreuz Jesu Christi. Zu Ihm steigen Sie zum Altar empor. Sie steigen nicht zum Volk Gottes empor. Sie steigen zu Christus empor, zu Ihrem Herrn Jesus Christus. Er ist Ihr Vorbild. Ihm bringen Sie Ihr Lob dar. An Ihn richten Sie Ihr Flehen. Vom Ihm erbitten Sie die Vergebung Ihrer Sünden. Das alles finden und erflehen Sie von Unserem Herrn Jesus Christus, von Jesus, dem Christus. Alle Gläubigen, die Ihnen folgen, werden Sie dorthin mitnehmen. Sie sind wie der Hirt vor der Herde. Bleiben Sie diesem heiligen Geist der Messe aller Zeiten treu, die vom heiligen Papst Pius V. so feierlich und endgültig kodifiziert wurde.
Zur Gewalt des Leitens, zur potestas regendi, rufe ich Ihnen die Worte Unseres Herrn im Evangelium ins Gedächtnis: „Et alias oves habeo quae non sunt ex hoc ovili, et illas oportet me adducere – et illas oportet me adducere – , et vocem meam audient et fiet unum ovile et unus pastor. – Ich habe noch andere Schafe, welche nicht aus diesem Schafstalle sind; auch diese muß ich herbeiführen und sie werden Meine Stimme hören.” – Meine Stimme, das heißt den Glauben, den Ich sie lehren will, die Wahrheit des Glaubens, die Ich sie lehren will. – „Und es wird eine Herde werden und ein Hirt” (Jo 10, 16). Das ist das absolute Gegenteil zum modernen Ökumenismus. Es gilt die Schafe zu Unserem Herrn Jesus Christus hinzuführen – illas oportet me adducere. Er sagt nicht, daß man sie in der Herde lassen soll, wo sie sich befinden. Vielmehr sagt Er: adducere. Das werden Sie tun, meine lieben Freunde. Sie werden die verlorenen und verirrten Schafe suchen, die durch die Irrlehren und durch die Sünden in die Irre geführt wurden. Diese Welt ist eine Welt der Sünde. Sie steht unter dem Einfluß des Teufels. Er verirrt die Seelen. Sie werden sie mit Mut und Eifer suchen. Denken Sie an die Worte Unseres Herrn. „Discite a me, quia mitis sum et humilis corde!” Er, der Herr der Welt, Er, der Schöpfer der Welt, Er, der König des Universums spricht: „Lernet von Mir, denn Ich bin sanftmütigen und demütigen Herzens” (Mt 11, 29). Wir müssen Ihn auch darin nachahmen. Von dem Augenblick an, wo wir das Amt des Hirten übernehmen, müssen wir alles versuchen, um auch Seine Sanftmut und Seine Demut nachzuahmen. Das ist das beste Mittel Ihres Apostolats. Die Seelen werden durch Sanftmut und Demut angezogen. Jemand, der die Wahrheit aufgibt und die Wahrheit, das Böse und die Sünde verschleiert, wird keine Seelen anziehen. Die Seelen müssen mit Sanftmut, Güte und Demut aufgeklärt werden. Jemand der weiß, daß er selbst ein Sünder ist und infolgedessen die Schwierigkeiten der Seelen versteht, wenn sie im Leid, in Not oder in sittlicher Unordnung leben, werden die Seelen vertrauen.
Bitten Sie Unseren Herrn, daß er Ihnen diese Gnade verleiht. Bitten Sie Ihn um die Gnaden der Sanftmut und der Demut in Ihrem Apostolat. Bitten Sie darum, daß Sie gute und wahre Hirten sind.
Ebenso vertraue ich Sie der allerseligsten Jungfrau Maria an. Sie ist unsere Mutter. Die Bruderschaft ist der allerseligsten Jungfrau Maria geweiht, der Mutter des ewigen Priesters, Ihrer Mutter. Sie wird Ihr Trost, Ihre Hilfe und Ihre Zuflucht in Schwierigkeiten und Prüfungen sein. Sie wird auch Ihre Freude und Stärke sein. Möge Ihnen auch der hl. Pius X. zu Hilfe kommen und Sie immer in der Wahrheit bewahren. Möge er alle modernen Irrtümer an Ihnen vorübergehen lassen, damit Sie wahre katholische Priester bleiben, das Licht der Welt.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
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