Diakonatsweihe (Zaitzkofen, 1980) PDF Drucken E-Mail

Predigt von S. E. Erzbischof Marcel Lefebvre
am 26. Oktober 1980 in Zaitzkofen
(Diakonatsweihe)

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen!

Meine geliebten Freunde,
meine geliebten Brüder!

Eine Weihezeremonie, besonders zu den höheren Gnaden des geistlichen Standes, ist immer ein Anlaß zu tiefer Freude für die Kirche und für Ihr Seminar. Unser Leben im Seminar wird durch die Weihetage bestimmt. Das Seminar ist dazu errichtet, Priester zu auszubilden. Wenn Sie sehen, daß sich ein Mitbruder immer ein Stück weiter dem Altar und Unserem Herrn Jesus Christus nähert, ist das für Sie ein bedeutender Anlaß, der Sie erinnert und wachsen läßt. Warum findet diese große Feier im Seminar gerade heute am Christkönigsfest statt? Das Christkönigsfest zeigt uns den König durch das Kreuz. Er hat durch das Holz des Kreuzes triumphiert, folglich durch den Altar, durch das Opfer. Meine geliebten Freunde, beten wir mit allen gemeinsam. Heute scharen sich so viele um uns, Ihre Freunde, Ihre Eltern, alle, die zu Ihrer Heranbildung beigetragen haben, der gesamte Lehrkörper des Seminars. Beten wir, daß Sie während dieser heiligen Messe und im Verlauf dieser Zeremonie in Überfülle die Gnaden des Diakonats empfangen werden, so wie sie der hl. Stephanus empfangen hat. Er ist das Vorbild der Diakone.
Man kann die Gnaden, die der hl. Stephanus empfangen hat, in drei Hauptgnaden zusammenfassen: Die Gnade der Betrachtung. Die Gnade der Stärke. Die Gnade des Missionsgeistes.
Die Gnade der Betrachtung: Betrachten Sie den hl. Stephanus, der, zum Diakon erwählt, die Herrlichkeit Gottes sah. Er sah Unseren Herrn sitzend zur Rechten des Vaters. Er selbst teilte es seinen Verfolgern mit. Sein Glaube war lebendig. Er wurde schon deshalb zum Diakon erwählt, weil er einen so lebendigen Glauben hatte. Er sah die Wirklichkeiten des Himmels, die geistigen Wirklichkeiten. Er lebte von ihnen. Nun nähern auch Sie sich dem Licht, liebe Freunde. Als Diakone haben Sie die Möglichkeit, sich Unserem Herrn, dem allerheiligsten Altarsakrament, Seinem allerheiligsten Leib, Seinem allerheiligsten Blut, zu nähern. Sie werden die allerheiligsten Gestalten tragen dürfen. In besonderen Fällen dürfen Sie diese sogar austeilen, den Gläubigen geben. Sie werden das Allerheiligste aussetzen dürfen. Sie werden Unserem Herrn, der das Licht ist, näherkommen dürfen: „Ego sum lux mundi“ – „Ich bin das Licht der Welt“ (Jo 8, 12). Ihr Herz muß sich wohl bei dem Gedanken erheben, wenn Sie daran denken, daß alles, was Sie im Seminar während der philosophischen und theologischen Vorlesungen gelernt haben, alle Wissenschaften, die Ihnen gelehrt wurden, nur die Wissenschaften Unseres Herrn Jesus Christus sind, seine Weisheit. Möge das alles für Sie, der Weg zur Heiligkeit sein. Besonders auch für diejenigen, die ihr letztes Jahr in unserem Seminar verbringen. Mögen Sie diese Heiligkeit in Unserem Herrn Jesus Christus wiederfinden. Denken Sie an den hl. Stephanus, der Unseren Herrn in der Herrlichkeit des Himmels sah. Mögen Ihre Studien für Sie lebensspendend sein, Ihr ganzes Leben lang. Mögen Sie diese Gnade der Betrachtung Ihr ganzes Leben lang, nicht nur als Diakone, sondern auch als Priester behalten! Bitten Sie den hl. Stephanus, Ihnen diese Gnade des tiefen Glaubens und das Licht der Erkenntnis Unseres Herrn Jesus Christus zu erflehen.
Bitten Sie auch um die besondere Tugend des Starkmuts. Sie wissen, daß der hl. Thomas von Aquin die Tugend des Starkmuts unter einem Gesichtspunkt beschreibt, den er mit den Worten defniert hat: „Sustinere et aggredi“ – der Starkmut lehrt uns auszuhalten, zu ertragen. „Aggredi“ bedeutet „bekunden“. Unseren Glauben bekunden. Ertragen Sie die Prüfungen, die wegen unseres Glaubens an Unseren Herrn Jesus Christus über uns kommen. Verkünden Sie unseren Glauben an Unseren Herrn Jesus Christus! Der hl. Thomas von Aquin sagt: Die Tugend des Starkmuts verwirklicht sich noch mehr im sustinere als im aggredi. Er verwirklicht sich mehr in der Geduld und in den Prüfungen, die man zu tragen hat, als in der äußeren standhaften Bekundung unseres Glaubens. Werden Sie etwas um Ihres Glaubens willen zu ertragen haben? Werden Sie Schwierigkeiten erleben, weil Sie an Unseren Herrn Jesus Christus glauben? Meine lieben Freunde, wird heute der Glaube an Unseren Herrn Jesus Christus etwa nicht verfolgt? Gibt es heute in der Kirche nicht mehr Märtyrer als je zuvor? Auch manchmal durch die Kirche! Auch gegen die Kirche. Denken Sie an die Länder, die hinter dem Eisernen Vorhang liegen. Diese sind gar nicht so weit von hier entfernt. Wie viele Seelen werden dort verfolgt und müssen leiden. Wie viele Eltern werden verfolgt, weil sie ihren Kindern Religionsunterricht geben, weil sie ihren Kindern erlauben, in die heilige Messe zu gehen. Täglich werden Priester, Familienväter und Mütter verfolgt. Auch innerhalb der Kirche findet eine Verfolgung statt. Gerade gegen Sie, meine geliebten Brüder, meine lieben Freunde, werden Verfolgungen stattfinden. Die Kirche verfolgt die Personen, die ihren Glauben bewahren wollen. Einzig und allein aus dem Grund, ohne jede andere Absicht, werden die Personen verfolgt, die unseren katholischen Glauben bewahren wollen. Auch wir werden als Störenfriede der Einheit in der Kirche angesehen. Sie werden viele Prüfungen um unseres katholischen Glaubens willen zu ertragen haben. Fürchten Sie dann nichts! Bitten Sie den hl. Stephanus, daß Sie stark sein dürfen wie er. Seien Sie dazu bereit, das Martyrium zu erleiden, wie er es erlitten mußte, weil er Unseren Herrn Jesus Christus bekannt hat.
Bekunden Sie öffentlich Ihren Glauben! Damit nenne ich den zweiten Gesichtspunkt: Die Tugend des Starkmuts. Zugleich möchte ich auch von der dritten Gnade sprechen, die wir auf Sie herabflehen: Die Gnade des Missionsgeistes. Diese Gnade kommt gerade dem zweiten Gesichtspunkt, der Tugend des Starkmuts, sehr nahe. Bekunden Sie Ihren Glauben, wie es der hl. Stephanus getan hat! Die Heilige Schrift, die Apostelgeschichte, berichtet uns, daß die Zuhörer vor den Worten des hl. Stephanus nicht bestehen konnten. Sie wußten nichts zu antworten. Sie wußten nichts zu sagen. Sie waren hingerissen vor Bewunderung über die Worte des hl. Stephanus. Er war vom Heiligen Geist erfüllt. Sein Gesicht, so berichtet die Apostelgeschichte, war „wie das Angesicht eines Engels“ (Apg 6, 15). Sie waren starr vor Staunen beim Anblick des hl. Stephanus, der gleichsam strahlte von seinem Glauben und vom Glanz des Himmels, den er schaute. Meine geliebten Freunde. Auch Sie werden diesen Glanz auszustrahlen, zu bekunden, zu zeigen haben. Sie werden zeigen müssen, daß Sie selbst von diesem Glauben überzeugt sind. Sie müssen von diesem Glauben erfüllt sein. Sie müssen erfüllt sein von Unserem Herrn Jesus Christus, vom Himmel von allen himmlischen Wirklichkeiten, von allen geistigen Wirklichkeiten, die für Sie unendlich viel mehr zählen, als alles Materielle. Dies alles müssen Sie Ihrer Umgebung kundtun. Sie werden das auch selbst wollen, wie die Missionäre.
Gerade sagte ein guter und ganz einfacher Priester zu mir: „Monseigneur, Ihre Priester sollten lauter Männer wie der hl. Bonifatius sein. Sie sollten ganz Europa durchwandern, um die Seelen zu bekehren und zu unserem Herrn Jesus Christus zurückzuführen.“ Sehen Sie, wie priesterlich dieser Priester empfunden hat, als er meinte, daß die Priester unserer Bruderschaft Missionäre sein müßten, wie der hl. Bonifatius. Das müssen Sie sein. Selbst wenn Sie eines Tages Professoren in einem Seminar sein werden oder Lehrer an einem Gymnasium. Das spielt keine Rolle. Auf jeden Fall müssen Sie diesen Geist haben, der sich danach sehnt, Seelen zu bekehren und zu Unserem Herrn Jesus Christus zurückzuführen. Wenn Sie das tun, werden Sie der Kirche dienen. Sie werden ihr dadurch einen unermeßlichen Dienst erweisen. Mit Geduld, Demut und Standhaftigkeit werden Sie es eines Tages erreichen, daß die Kirche Ihnen Gerechtigkeit widerfahren lassen wird. Eines Tages wird die Kirche das Gute anerkennen, das Sie Ihrer Umgebung getan haben.
Der hl. Stephanus hat uns das vorgelebt. Wir wünschen Ihnen aufrichtig, daß die Gebete, die der Bischof in wenigen Augenblicken über Sie sprechen wird, um Ihnen die Gnade des Weihesakramentes des Diakonats zu übertragen, Sie mit diesen Tugenden erfüllen möge. Mit den Tugenden des Glaubens, der Betrachtung, des Starkmuts und des Missionsgeistes.
Zum Abschluß, meine geliebten Freunde, möchte ich in Ihnen den Gedanken an unsere himmlische Mutter wachrufen. Denken Sie an die allerseligste Jungfrau Maria, die gleichfalls infolge ihrer einzigartigen und einmaligen Verbindung mit Unserem Herrn Jesus Christus diese Gnaden aufweist. Wer war mit Unserem Herrn Jesus Christus enger verbunden als die allerseligste Jungfrau Maria mit ihrem göttlichen Sohn? Auch Sie besaß diese Gnade der Betrachtung. Sie sang Ihr Magnificat, das der Ausdruck Ihrer Betrachtung ist. Sie hat die Tugend des Starkmuts. Sie ist die Königin der Märtyrer. Ihr Herz wurde von einem Schwert durchbohrt. Sie hat die Tugend des Starkmuts bekundet. Sie stand aufrecht unter dem Kreuz und litt mit Ihrem göttlichen Sohn. Sie war auch Missionärin. Kaum hatte Sie die Botschaft des Himmels erhalten, die Ihr ankündigte, daß Sie die Mutter Gottes werden sollte, da dachte Sie nicht an sich selbst. Da Sie wußte, daß ihre Base Elisabeth bald ein Kind zur Welt bringen sollte, begab Sie sich zu ihr. Das Evangelium berichtet uns, daß Sie auf Ihrem Weg durch das Gebirge eilte, festinavit, „abiit in montana cum festinatione“. Sie ging eilends in das Gebirge, um Ihrer Base Elisabeth die Kunde von Ihrer Gottesmutterschaft zu überbringen. Zweifellos auch deswegen, um Ihr die Pflege zu erweisen, deren Elisabeth wegen Ihrer Mutterschaft bedurfte. Sehen Sie die Liebe der allerseligsten Jungfrau Maria. Sehen Sie Ihren Missionsgeist! Bitten Sie unsere himmlische Mutter, daß Sie diese Gnaden im Überfluß empfangen mögen. Wir bitten unsere himmlische Mutter mit Ihnen, damit Sie in Wahrheit Diakone sein werden, würdige Erben des hl. Stephanus.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
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