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Als eines der wohl wichtigsten kirchlichen Ereignisse in diesem Herbst ist ohne Zweifel der Beginn der angekündigten theologischen Gespräche zwischen dem Vatikan und der Priesterbruderschaft Pius X. zu betrachten. Ginge es bloß um die Klärung theologischer Streitfragen oder das Ausräumen von Missverständnissen, müsste man diesen Gesprächen kaum große Beachtung schenken.
In Wirklichkeit aber birgt der zu behandelnde Gegenstand eine ungeheure Brisanz, da bezüglich des zweiten Vatikanischen Konzils und der nachkonziliaren Reformen zwei Standpunkte aufeinanderprallen, die kaum entgegengesetzter sein könnten: Von offizieller kirchlicher Seite wird im Vatikanum II ein vollumfänglich katholisches Konzil erblickt, das sich nahtlos in die Reihe aller allgemeiner Kirchenversammlungen einreiht und das nach den Worten Pauls VI. die gleiche, in einem gewissen Sinne sogar noch höhere Bedeutung wie die übrigen Konzilien beanspruchen dürfe. Ein deutscher Bischof meinte, die Gespräche würden darum vor allem dazu dienen, den Piusbrüdern „theologischen Nachhilfeunterricht“ zu erteilen, der ihrem mangelhaften Verständnis des Konzils Abhilfe schaffen soll. Für Erzbischof Lefebvre hingegen war die Konzilsaula des Petersdoms Schauplatz einer gigantischen innerkirchlichen Revolution, indem durch geschickte Manöver glaubenszerstörende liberale Prinzipien in die Konzilsdokumente eingeschleust wurden, welche zu den Sprengsätzen wurden, welche den nachkonziliaren Zusammenbruch herbeiführten, der in seinem Ausmaß in der ganzen Kirchengeschichte keine Parallele findet. Mgr. Lefebvre und etliche andere Konzilsväter wie Kardinal Ottaviani wiesen bereits auf dem Konzil auf diese - bei fehlender Gegensteuerung - zu erwartende tragische Entwicklung hin, die sich mit der gleichen Logik vollziehen musste, wie ein Krebsgeschwür zum Ruin eines Körpers führt. Darum sah sich Erzbischof Lefebvre und seine Bruderschaft im Gewissen verpflichtet, jene Teile des Konzils, die mit dem katholischen Glauben nicht vereinbar sind, insbesondere die neuen Lehren über die Religionsfreiheit, den Ökumenismus und die Kollegialität, entschieden zurückzuweisen, weil die höchsten Güter der Kirche auf dem Spiel stehen, der Glaube und die Sakramente. Gerne wünschen wir den sich nun anbahnenden Gesprächen besten Erfolg und beten inständig für ein gutes Gelingen. Bei realistischer Einschätzung der Lage müssen wir aber doch annehmen, dass sie sich als sehr schwierig erweisen und längere Zeit andauern werden. Doch bei Gott ist kein Ding unmöglich. Setzen wir darum mit umso größerem Eifer den Gebetskreuzzug der 12 Millionen Rosenkränze fort, zu welchem unser Generaloberer aufgerufen hat. Möge die gütigste Gottesmutter, die Überwinderin aller Häresien, die Teilnehmer der theologischen Gespräche erleuchten und mit himmlischer Weisheit erfüllen. Der Kirche ist ja verheißen, dass die Pforten der Hölle sie nicht überwinden werden. Also wird eines Tages auch die schrecklichste und bedrohlichste aller Häresien, der Modernismus, überwunden werden und die Wahrheit überall wieder neu aufleuchten und der Kirche einen wahren Frühling bescheren. Regens Stefan Frey Internationales Priesterseminar Herz Jesu (Seminarrundbrief September 2009)
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