|
Am 24. Oktober veranstaltete die „Generation Benedikt“, eine Sammlung papsttreuer Jugendlicher, einen sog. Workshop über das II. Vatikanum, dessen unterschiedliche Rezeption seit der Rücknahme des Exkommunikationsdekretes gegen die vier Weihbischöfe der Piusbruderschaft wieder vermehrt in die öffentliche Diskussion gerückt ist. Über hundert Jungendliche aus allen Teilen Deutschlands hatten sich dazu eingefunden.
Begonnen wurde die Veranstaltung mit einer Messe im überlieferten Ritus, die von Pfarrer Guido Rodheudt zelebriert wurde. Bei der Vorbereitung dieser Messe bekamen die Organisatoren schon etwas von der Kirchenkrise zu spüren, denn die Erlaubnis zur Zelebration dieser Messe wurde ihnen zunächst in den umliegenden Kirchen unter den fadenscheinigsten Gründen verweigert. Auf dem Programm war deshalb als Ersatz dafür schon ein Vortrag mit einer Vorstellung der überlieferten Liturgie vorgesehen, als sich auf die Fürsprache eines Seminaristen hin dann der Rektor des Albertinums erbarmte und die Erlaubnis zur Messfeier gab.
Um die Liturgiereform ging es dann auch im Vortrag des emeritierten Kölner Weihbischofs Klaus Dick und in der folgenden Diskussionsrunde, an der neben Pfarrer Rodheudt der Freiburger Dogmatik- und Liturgieprofessor Helmut Hoping und der Schriftsteller und Theologe Josef Dirnbeck teilnahmen. Außer Dirnbeck, der mehrmals darauf hinwies, dass doch auch die neue Messe schön zelebriert werden könne, waren sich eigentlich alle einig, dass die Liturgiereform ein Missgriff war. Besonders Hoping, der verheirateter Diakon ist, überraschte mit markanten Äußerungen über die selbstherrlichen Eingriffe der Priester in die Liturgie, die in den örtlichen Pfarrgemeinden an der Tagesordnung seien. Er scheute sich auch nicht festzustellen, dass sein eigener Bischof entgegen der Weisung des Papstes die sonntägliche Zelebration der alten Messe in Freiburg verbiete und sie nur im Zweiwochenrhythmus erlaube.
Nach dem Mittagessen wurde P. Matthias Gaudron von Nathanael Liminski, der den ganzen Tag durch das Programm führte und moderierte, über eine Stunde lang interviewt. Dabei ging es vor allem um die Priesterbruderschaft St. Pius X. Pater Gaudron stellte klar, dass die Piusbruderschaft nicht als Gegenbewegung gegen das II. Vatikanum, sondern als Reaktion auf die Glaubenskrise gegründet wurde. Die Zelebration der neuen Messe habe dazu geführt, dass die meisten Katholiken den Glauben an das Messopfer verloren hätten und an den Priesterseminaren überall häretische Lehren verkündet würden.
Im Gegensatz zu anderen konservativen Bewegungen sehe die Piusbruderschaft die Ursachen und Wurzeln dieser Krise allerdings im Konzil selbst, nicht nur im (Un-)Geist des Konzils. Wenn auch die meisten Texte des Konzils in Ordnung seien, so gebe es doch zweideutige Passage, deren Bedeutung eindeutig geklärt werden müsse, und leider auch einige Stellen, die nun einfach nicht mit der Lehre der Kirche zu vereinbaren seien, wie die Aussage des Ökumenismusdekrets, „der Geist Christi habe sich gewürdigt, die von der Kirche getrennten Gemeinschaften als Mittel des Heils anzusehen“, und die Behauptung eines Rechtes auf Nichtbehinderung bei der öffentlichen Werbung für eine falsche Religion. Da das II. Vatikanum kein einziges Dogma verkündet habe, sei es das Recht der Theologen, solche Aussagen in Frage zu stellen.
Im Übrigen sei Erzbischof Lefebvre z. B. nicht grundsätzlich gegen einen vorsichtigen Gebrauch der Landessprache bei den Lesungen gewesen, und Papst Pius XII. habe durchaus in einzelnen Fällen versucht, das kirchliche Leben unter Wahrung der katholischen Glaubenssätze und Prinzipien an die Gegenwart anzupassen. So hätte auch das Konzil beispielsweise in Bezug auf die Religionsfreiheit feststellen können, dass in unserer Zeit eine weitgehende Toleranz in den meisten Fällen notwendig sei, dass die Kirche deshalb aber nicht ihre Prinzipien verraten dürfe.
Die Fragen des Interviewers waren teilweise polemisch, da er sich offenbar dadurch persönlich verletzt fühlte, dass die Piusbruderschaft seiner Meinung nach das großzügige Entgegenkommen des Papstes nicht dankbar genug angenommen habe. Insbesondere die Priesterweihen in Zaitzkofen seien ein Affront gegen die Kirche gewesen. Pater Gaudron wies dagegen darauf hin, dass diese Weihen von Rom niemals verboten und dort auch nicht als Affront aufgefasst worden seien. Er hätte noch hinzufügen können, dass die deutschen Bischöfe inzwischen wohl selbst gemerkt hätten, dass Rom einen anderen Kurs fährt als sie selbst, denn während sie die Einweihung der winzigen Kapelle in Fulda Anfang Juni als einen Skandal bezeichneten, sah der Bistumssprecher Anfang September in der Fuldawallfahrt, bei der mehrere hundert Piusbrüder unter Gebeten und Gesängen durch Fulda zogen, keinen Affront.
Die Fragen aus dem Publikum an Pater Gaudron waren fast alle wohlwollend. Es wächst offensichtlich eine neue Generation in der Kirche heran, die genug hat von liturgischer Willkür und Verwässerung des Glaubens. Natürlich handelt es sich hier nicht um eine Massenbewegung, aber doch um einen Hoffnungsschimmer.
|