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Erzbischof Zollitsch zum Sühnetod Christi |
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Montag, den 11. Mai 2009 um 12:54 Uhr |
Erzbischof Zollitsch zum Sühnetod Christi
Ein Kommentar von Pater Matthias Gaudron
Erzbischof Robert Zollitsch hat mit seiner Leugnung des Sühnetodes Christi einiges Aufsehen erregt. Auf die Frage, ob Christus für unsere Sünden gestorben sei, antwortete er in einem Interview am Karsamstag ausdrücklich mit „Nein“. Christus habe vielmehr aus Solidarität mit uns den Tod auf sich genommen. Damit hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz eine zentrale Wahrheit des katholischen Glaubens geleugnet, was nach dem Kirchenrecht die ipso facto eintretende Exkommunikation nach sich zieht, wenn der Betreffende auch nach Ermahnung an seiner Leugnung hartnäckig festhält.
Mit seinen Ausführungen im Konradsblatt wollte der Erzbischof nun offensichtlich eine vorsichtige Korrektur an seiner These vornehmen. Einen Widerruf kann man seinen Artikel allerdings nicht nennen, denn zum schlichten Bekenntnis, daß Jesus für unsere Sünden gestorben ist, d. h. durch sein Leiden und Sterben die Sühne für unsere Sünden geleistet hat, kann sich der Erzbischof auch jetzt noch nicht durchringen. Man findet allerdings einige Sätze, die man mit gutem Willen in diesem Sinn verstehen kann. So heißt es etwa, stellvertretendes Handeln sei „im menschlichen Leben nichts Unbekanntes“, wenn z. B. jemand für einen anderen die Buße zahle, die er selber nicht leisten kann. Die ausdrückliche Anwendung auf Christus macht Zollitsch hier aber nicht. Wenn man weiter liest: „Der christliche Glaube scheut sich nicht, sogar noch dem Tod des Herrn eine positive, heilsvermittelnde und sühnende Bedeutung zuzuschreiben. Christus stirbt zu Gunsten der Menschen und stellvertretend für sie“, dann kann man das im Sinn der katholischen Lehre verstehen, klar wird es aber nicht, denn erstens legt die Formulierung „sogar noch dem Tod des Herrn“ nahe, daß es sich hier nur um einen unwesentlichen Aspekt der Erlösung handelt, und zweitens wird nirgendwo gesagt, daß Christus die Strafe für unsere Sünden auf sich genommen hat. Vielmehr heißt es, Jesus sei „zu einem Opfer menschlicher Bosheit“ geworden, und er habe sich „als Opfer der rettenden und wirksamen Liebe Gottes“ überlassen.
Der Text ist ein Meisterwerk von Zweideutigkeit und Herumreden um den heißen Brei, wie wir es aus der „nachkonziliaren Kirche“ zu genüge kennen. Die Konservativen können beruhigt aufatmen, weil der Erzbischof offenbar doch nicht häretisch ist, und die Progressiven können befriedigt feststellen, daß er nicht wirklich zur traditionellen Sühnelehre zurückgekehrt ist.
Ganz nebenbei unterläuft Erzbischof Zollitsch aber ein neuer Fehler, wenn er Jesus Christus in seinem Artikel als „Glaubenden“ bezeichnet. Das ist ganz klar ein theologischer Irrtum, denn es ist zwar nicht gerade Dogma, aber doch eine sichere katholische Lehre (sententia certa), daß Christus schon während seines irdischen Lebens die beseligende Schau des göttlichen Wesens (die visio beatifica) besaß. Diese Wahrheit, die noch von Pius XII. in den Enzykliken Mystici corporis und Haurietis aquas betont wurde, ergibt sich unter anderem daraus, daß die Seele Christi ansonsten an ihre Vereinigung mit der göttlichen Person hätte glauben müssen, was zu grotesken Folgerungen führen würde. Christus war also schon auf Erden kein Glaubender, sondern ein Schauender, er besaß nicht die Tugend des göttlichen Glaubens.
(Pater Matthias Gaudron ist Dogmatiker der Priesterbruderschaft St. Pius X. und Beauftragter des deutschen Distriktes für die theologische Diskussion)
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