Gespräch mit Bischof Bernard Fellay PDF Drucken E-Mail
Freitag, den 08. Juni 2012 um 19:07 Uhr

Über den gegenwärtigen Stand der Beziehungen der Bruderschaft mit Rom

Bischof Bernard Fellay, der Generalobere der Bruderschaft, sprach mit dem Nachrichtendienst DICI am 7. Juni 2012. Hier die deutsche Übersetzung.

DICI: Sind Sie in Sorge über die Verzögerung der Antwort Roms? Könnte dies nicht jenen, die gegen eine kanonische Anerkennung sind, erlauben, Priester und Gläubige von der Bruderschaft zu entfernen?

 

Mgr. Fellay: Alles ist in den Händen Gottes. Ich habe Vertrauen in den lieben Gott und in seine göttliche Vorsehung; er weiß, wie er alle Dinge leitet für das Wohl derjenigen, die ihn lieben, selbst Verzögerungen.

DICI: Ist die Entscheidung des Papstes aufgeschoben worden, wie gewisse Zeitschriften gesagt haben? Hat der Heilige Stuhl Sie von einer Verzögerung benachrichtigt, die vorauszusehen wäre?

Mgr. Fellay: Nein, ich habe keine Kenntnis von irgendeinem Terminplan. Es gibt selbst solche, die sagen, dass der Papst sich in Castel Gandolfo im Monat Juli der Akten annehmen werde.

 

Eine kanonische Lösung vor einer lehrmäßigen Lösung?

DICI: Die Mehrzahl derjenigen, die sich der Annahme einer möglichen kirchenrechtlichen Anerkennung durch die Bruderschaft widersetzen, bringen vor, dass die lehrmäßigen Debatten zu dieser Annahme nur berechtigen würden, falls es auch eine lehrmäßige Lösung gibt, d.h. eine „Bekehrung“ Roms. Hat sich Ihre Haltung in diesem Punkt geändert?

Mgr. Fellay: Man muss zugeben, dass diese lehrmäßigen Gespräche erlaubt haben, dass die verschiedenen Probleme, die wir mit dem II. Vatikanischen Konzil haben, klar herausgestellt werden konnten. Was sich geändert hat, ist, dass Rom für eine kirchenrechtliche Lösung nicht mehr eine totale Annahme des II. Vatikanischen Konzils als Bedingung stellt. Heute denken gewisse Personen in Rom, dass eine verschiedene Auffassung vom Konzil nicht ausschlaggebend ist für die Zukunft der Kirche, denn die Kirche ist mehr als das Konzil. In der Tat beschränkt sich die Kirche nicht auf das Konzil, sie ist weit größer. Man muss sich also mit Fleiß daran machen, jene Probleme zu lösen, die diesen Rahmen überschreiten. Dieses Bewusstwerden kann uns helfen zu verstehen, was sich wirklich abspielt: Wir sind dazu berufen zu helfen, den anderen den Schatz der Tradition zugänglich zu machen, den wir bewahren konnten.

Insofern hat sich die Haltung der offiziellen Kirche geändert, nicht wir. Nicht wir haben um eine Lösung nachgesucht, der Papst ist es, der uns anerkennen will. Man kann sich über das Warum dieser Änderung fragen. Wir sind noch immer nicht damit einverstanden, was die Lehre betrifft, und doch will der Papst uns anerkennen! Warum? Die Antwort ist diese: Es gibt heute schrecklich wichtige Probleme in der Kirche. Diese Probleme müssen behandelt werden. Man muss zweitrangige Probleme beiseite lassen und sich den Hauptproblemen zuwenden. Dies ist die Antwort des einen oder anderen römischen Prälaten, der dies nicht offen aussprechen wird; man muss zwischen den Zeilen lesen, um zu verstehen.

Die offiziellen Autoritäten wollen die Irrtümer des Konzils nicht wahrhaben, sie werden diese nie offen aussprechen. Wenn man aber zwischen den Zeilen liest, so kann man sehen, dass sie wünschen, gewisse Irrtümer richtigzustellen. Hier ein interessantes Beispiel, das Priestertum betreffend. Sie wissen, dass man vom Konzil ab eine neue Auffassung vom Priestertum verbreitet hat, dass diese die Gestalt des Priesters zerstört hat. Heute sieht man sehr klar, dass die römischen Autoritäten versuchen, die wahre Auffassung vom Priester richtigzustellen. Man stellte dies bereits während des Priesterjahres, das für 2010 bis 2011 ausgerufen worden war, fest. Nunmehr wird das Fest des Heiligsten Herzens Jesu der Tag, der der Heiligung der Priester geweiht ist. Aus diesem Anlass heraus wurden ein Brief und eine Gewissenserforschung für die Priester abgefasst. Man könnte glauben, dass man diese Gewissenserforschung in Ecône geholt hat, so sehr ist sie angesiedelt auf der Linie der antikonziliaren Spiritualität. Diese Gewissenserforschung stellt das überlieferte Bild des Priesters heraus und selbst seine Aufgabe in der Kirche. Genau diese Aufgabe rückt Erzbischof Lefebvre ins Licht, wenn er die Aufgabe der Priesterbruderschaft so beschreibt: die Kirche erneuern durch die Erneuerung des Priesters.

In diesem Brief liest man: „Die Kirche und die Welt können nur durch die Heiligung der Priester geheiligt werden.“ Man setzt den Priester wirklich ins Zentrum. Die Gewissenserforschung beginnt mit dieser Frage: „Habe ich als Priester ernsthaft den Vorsatz, heiligmäßig zu leben?“ Zweite Frage: „Ist das heilige Meßopfer – dieses Wort wird verwendet, nicht Eucharistie, nicht Synaxe oder was weiß ich für ein Wort – der Mittelpunkt meines inneren Lebens?“ Dann werden die Ziele der heiligen Messe ins Gedächtnis gerufen: das Lob Gottes, das Gebet, die Wiedergutmachung für die Sünden..., alles wird ausgesagt. Der Priester muss sich hinopfern – das Wort „hinopfern“ wird nicht benützt, wohl aber das Wort „sich hingeben“, sich darbringen, um die Seelen zu retten. Auch dies wird ausgesagt. Sodann wird an die letzten Dinge des Menschen erinnert: „Betrachte ich die Lehre der Kirche über die letzten Dinge? Erbitte ich die Gnade der Beharrlichkeit bis zum Ende? Ermahne ich die Gläubigen, dasselbe zu tun? Bin ich eifrig, den Sterbenden beizustehen und ihnen die Sakramente zu spenden?“ Sie sehen, wie auf eine geschickte Art und Weise dieses römische Dokument das überlieferte Bild vom Priester klar und deutlich in Erinnerung ruft.

Gewiss schafft dies nicht alle Probleme aus der Welt, es gibt noch große Schwierigkeiten in der Kirche: den Ökumenismus, Assisi, die Religionsfreiheit... Aber der Zusammenhang ändert sich zusehends, und nicht nur der Zusammenhang, sondern die Lage selbst... Ich würde gerne unterscheiden zwischen den äußeren Beziehungen und der inneren Lage der Kirche. Die Beziehungen mit der Außenwelt haben sich nicht geändert; aber was das innere Leben der Kirche anbetrifft, sind die römischen Autoritäten darum bemüht, dies in kleinen Schritten zu ändern. Natürlich ist die Verheerung noch groß, man muss sich dessen bewusst sein und darf sich nichts vormachen; wir sagen nicht das Gegenteil; aber man muss auch sehen, was sich nach und nach tut. Diese Gewissenserforschung für die Priester ist ein vielsagendes Beispiel.

 

Welche Haltung gilt es, hinsichtlich der lehrmäßigen Probleme einzunehmen?

DICI: Sie geben zu, dass mit dem Ökumenismus, der Religionsfreiheit... ernsthafte Probleme bestehen bleiben. Wenn es zu einer kirchenrechtlichen Anerkennung kommt, was wird dann Ihre Haltung im Hinblick auf diese Schwierigkeiten sein? Werden Sie sich nicht eine gewisse Reserve auferlegen müssen?

Mgr. Fellay: Erlauben Sie mir, auf Ihre Frage durch drei Gegenfragen zu antworten: Sind die Neuerungen, die im Zusammenhang mit dem Konzil eingeführt worden sind, der Ausgangspunkt einer steilen Entwicklung der Kirche, an Berufungen und an religiöser Praxis? Muss man nicht im Gegenteil eine Form der „stillschweigenden Apostasie“ in allen Ländern der Christenheit feststellen? Können wir uns vor solchen Problemen Schweigen auferlegen?

Wenn wir den Schatz der Tradition zum Wohl der Seelen Frucht tragen lassen wollen, dann müssen wir sprechen und handeln. Wir brauchen diese doppelte Freiheit des Wortes und des Handelns. Aber ich misstraue einem nur verbalen Anprangern der lehrmäßigen Irrtümer – ein Anprangern, das umso polemischer ist, als es nur in Worten besteht.

Mit jenem Realismus, der ihm eigen war, erkannte Mgr. Lefebvre, dass die römischen und diözesanen Autoritäten weit empfindlicher für Zahlen und konkrete Tatsachen sind, die ihnen die Bruderschaft vor Augen führt, als für nur theologische Argumente. Da zögere ich nicht zu sagen: Falls es zu einer kanonischen Anerkennung kommt, so würden die lehrmäßigen Schwierigkeiten von uns stets unterstrichen werden, aber unter Beihilfe einer Belehrung durch die Tatsachen selbst, die greifbare Zeichen der Lebenskraft der Tradition sind. Und dafür müssen wir, wie ich dies schon 2006 im Hinblick auf die Etappen unserer Unterhandlungen mit Rom sagte, „an die überlieferte heilige Messe glauben, diese Messe, die aus sich selbst heraus die Fülle der Lehre und der Sakramente beansprucht und die das Unterpfand jeglicher geistlichen Fruchtbarkeit bei den Seelen ist.“

DICI: 2012 ist nicht 1988, das Jahr Ihrer Bischofsweihe. Im Jahr 2009 wurde das Exkommunikationsdekret zurückgenommen, und 2007 wurde offiziell anerkannt, dass die tridentinische Messe nie abgeschafft worden ist. Nunmehr bedauern manche in der Bruderschaft, dass die Kirche noch nicht bekehrt sei. Sind die 40 Jahre einer Ausnahmesituation, die ein gewisses Unverständnis der Unterwerfung unter die Autorität mit sich ziehen, schuld an ihrer Abweisung a priori einer kirchenrechtlichen Anerkennung?

Mgr. Fellay: Was in unseren Tagen vor sich geht, zeigt klar einige unserer Schwächen hinsichtlich der Gefahren, die aus der Lage fließen, in der wir uns befinden. Eine der Hauptgefahren liegt darin, schließlich und endlich eine Idee von Kirche sich in den Kopf zu setzen, die als ideal erscheint, die sich aber tatsächlich in der wirklichen Geschichte der Kirche nie so gefunden hat. Einige behaupten, es sei vorausgehend notwendig, dass sie von jedem Irrtum gereinigt ist, damit man „in Sicherheit“ in der Kirche arbeiten könne. Das ist es, was man aussagt, wenn man behauptet, dass Rom sich zuerst bekehren müsse. Oder dass die Irrtümer zunächst aus der Welt geschafft sein müssen, damit man arbeiten könne. Dies ist aber nicht die Wirklichkeit. Es genügt, die Vergangenheit der Kirche sich näher anzusehen; oft und fast immer sieht man in der Kirche ausgestreute Irrtümer. Die heiligmäßigen Erneuerer haben sie nicht verlassen, um die Irrtümer zu bekämpfen. Unser Herr hat uns gelehrt, dass es immer Unkraut gibt bis zum Ende der Zeiten. Nicht nur gute Frucht, nicht nur Weizen.

Zur Zeit der Arianer haben die Bischöfe inmitten der Irrtümer gearbeitet, um jene, die sich täuschten, von der Wahrheit zu überzeugen. Sie haben nicht gesagt, dass sie draußen sein wollten, wie gewisse Personen dies jetzt rufen. Gewiß muss man immer sehr aufpassen auf diese Ausdrücke „draußen“, „drinnen“, denn wir gehören zur Kirche, und wir sind katholisch. Aber können wir aus diesem Grund heraus uns verschließen, diejenigen, die in der Kirche sind, zu überzeugen, unter dem Vorwand, dass sie mit Irrtümern angefüllt sind? Schauen wir genauer hin, was die Heiligen gemacht haben! Wenn der liebe Gott uns erlaubt, in einer neuen Lage zu sein, in einem noch näheren Kampf im Dienste der Wahrheit... Dies ist die Wirklichkeit, wie sie uns die Kirchengeschichte vor Augen stellt. Das Evangelium vergleicht den Christen mit dem Sauerteig, und wir wollen, dass der Teig aufgeht, ohne dass wir im Teig sind?

In dieser Lage, die einige gegenwärtig wie eine unmögliche Lage darstellen, ruft man uns auf, an die Arbeit zu gehen, wie heiligmäßige Erneuerer aller Zeiten dies getan haben. Natürlich schließt dies nicht die Gefahr aus. Wenn wir aber genügend Freiheit für das Handeln haben, um zu leben und uns zu entwickeln, so müssen wir das tun. Ich glaube wirklich, dass wir dies tun müssen - unter der Bedingung, dass wir hinreichend Schutz haben.

DICI: Glauben Sie, dass es Mitglieder der Bruderschaft gibt, die – bewusst oder nicht – die sedisvakantistischen Thesen sich zu eigen machen? Fürchten Sie ihren Einfluss?

 

Mgr. Fellay: Einige können sehr wohl durch solche Ideen beeinflusst sein, und dies ist nicht neu. Ich glaube nicht, dass sie zahlreich sind, aber sie können Schaden anrichten, besonders durch die Verbreitung falscher Gerüchte. Aber ich glaube, dass die Hauptsorge in Wirklichkeit bei uns mehr in der Frage des Vertrauens in die römischen Autoritäten liegt mit der Furcht, dass das, was eintreffen könnte, eine Falle sei. Persönlich bin ich davon überzeugt, dass dies nicht der Fall ist. Bei uns misstraut man Rom, weil man zu viel Unannehmlichkeiten erlitten hat; darum denkt man, dass es sich um eine Falle handeln könnte. Es ist wahr, dass unsere Feinde von diesem Angebot als von einer Falle träumen können; aber der Papst, der wirklich diese kirchenrechtliche Anerkennung will, schlägt sie uns nicht als eine Falle vor, was das römische Angebot dem Recht und den Tatsachen nach erlaubt.

 

Erkennen, was der römische Vorschlag dem Recht und den Tatsachen nach erlaubt

DICI: Sie haben mehrfach wiederholt, dass der Papst persönlich die kirchenrechtliche Anerkennung der Bruderschaft will. Haben Sie die persönliche Sicherheit aus neuerer Zeit vom Papst selbst, dass dies wirklich sein Wille ist?

Mgr. Fellay: Ja, es ist der Papst, der dies will, und ich habe es öfter wiederholt. Ich besitze hinreichend genaue Elemente, um zu behaupten, dass das, was ich sage, wahr ist, obwohl ich keine direkten Beziehungen mit dem Papst gehabt habe, wohl aber mit seinen nahen Mitarbeitern.

DICI: Der Brief vom 14. April, den die drei anderen Bischöfe der Bruderschaft unterschrieben haben, wurde unglücklicherweise im Internet verbreitet. Entspricht die Analyse, die er gibt, der Lage der Kirche?

Mgr. Fellay: Bezüglich ihrer Position schließe ich die Möglichkeit einer Entwicklung nicht aus. Die erste Frage bei uns, die wir von Erzbischof Lefebvre konsekriert worden sind, war jene des Überlebens der Tradition. Ich glaube, dass, wenn meine Mitbrüder sehen und verstehen, dass es dem Recht und den Tatsachen nach im römischen Vorschlag eine wirkliche Möglichkeit für die Bruderschaft gibt, „alles in Christus zu erneuern“, trotz aller Verwirrung, die in der Kirche heute noch besteht, sie ihr Urteil korrigieren könnten ‑ nämlich mit dem kanonischen Statut in der Hand und den Tatsachen vor Augen. Ja, ich glaube es, ich hoffe es, und wir müssen in dieser Meinung beten.

DICI: Einige in der Welt, einschließlich Mitglieder der Bruderschaft, haben Ausschnitte aus einem Interview benutzt, das Sie den Catholic News Services gegeben haben; diese Abschnitte scheinen anzuzeigen, dass in Ihren Augen Dignitatis Humanae keine Schwierigkeit mehr darstellt. Ist die Art und Weise, wie dieses Interview geführt worden ist, sinnentstellend gewesen, in Bezug auf das, was Sie zum Ausdruck bringen wollten? Welches ist Ihre Position bezüglich dieses Gegenstandes im Verhältnis zu dem, was Erzbischof Lefebvre gelehrt hat?

Mgr. Fellay: Meine Position ist jene der Bruderschaft und jene von Mgr. Lefebvre. In einer solch delikaten Sache muss man wie immer Unterscheidungen einführen, und ein Teil dieser Unterscheidungen ist im Interview, das ausgestrahlt worden ist und das auf weniger als sechs Minuten beschränkt wurde, ausgefallen. Aber die schriftliche Fassung, die CNS von meinen Worten angefertigt hat, rückt das wieder zurecht, was ich gesagt habe und was in der ausgestrahlten Version unter den Tisch gefallen ist: „Obwohl Mgr. Fellay es zurückweist, sich die Interpretation (der Religionsfreiheit), wie Benedikt XVI. sie vertritt, zu eigen zu machen, nämlich dass sie in der Kontinuität mit der Tradition der Kirche stehe – eine Haltung, die viele in der Kirche heftig diskutiert haben – hat Mgr. Fellay von dem Gedanken in erstaunlich sympathischen Ausdrücken gesprochen.“ Tatsächlich habe ich nur ins Gedächtnis gerufen, dass es eine traditionelle Lösung für das Problem gibt, das die Religionsfreiheit darstellt, und dass dies die Toleranz ist. Bezüglich des Konzils habe ich, als man mir die Frage stellte: „Gehört das II. Vatikanum zur Tradition?“, geantwortet: „Ich hätte es gern, wenn es so wäre.“ (eine falsche französische Wiederübersetzung hat dies so entstellend wiedergegeben: „Ich hoffe, ja.“). Dies liegt ganz auf der Linie der Unterscheidungen, die Mgr. Lefebvre vorgenommen hat, um das Konzil im Lichte der Tradition zu lesen: Was im Einklang mit der Tradition steht, nehmen wir an; was zweifelhaft ist, verstehen wir, wie die Tradition es immer gelehrt hat; was ihr entgegengesetzt ist, verwerfen wir.

 

Die Beziehungen der Bruderschaft St. Pius X. mit den Diözesanbischöfen

DICI: Die kanonische Struktur, von der Sie in Ihren jüngsten Erklärungen gesprochen haben, ist eine Personalprälatur. Nun verlangt aber das Kirchenrecht, can. 297, nicht nur, die Diözesanbischöfe zu informieren, wenn es darum geht, ein Werk auf ihrem Territorium zu gründen, sondern ihre Erlaubnis zu erhalten. Wenn es klar ist, dass eine kirchenrechtliche Anerkennung unser Apostolat in seinem gegenwärtigen Zustand erhält, sind Sie dann dazu bereit, hinzunehmen, dass die Werke der Zukunft in jenen Diözesen, wo die Bruderschaft gegenwärtig noch nicht eingepflanzt ist, nur möglich sind mit der Erlaubnis des Bischofs?

Mgr. Fellay: Es gibt über diese Frage viel Verwirrung, und diese fließt vor allem aus einem schlechten Verständnis vom Wesen der Personalprälatur wie auch aus einer Verkennung der normalen Beziehung zwischen dem Ortsordinarius und der Prälatur. Fügen wir noch die Tatsache hinzu, dass der einzige verfügbare Bezugspunkt heute für eine Personalprälatur das Opus Dei ist. Falls uns indes eine Personalprälatur zugestanden wird – sagen wir es klar heraus – so wäre unsere Lage nicht dieselbe. Um besser zu verstehen, wie sich die Dinge dann gestalten würden, muss man im Kopf haben, dass unser Statut weit mehr dem eines Militärordinariates gleichen würde, weil wir eine ordentliche Jurisdiktion über die Gläubigen hätten. Wir wären wie eine Art Diözese, deren Jurisdiktion sich auf alle Gläubigen erstreckt, unabhängig von der gebietsmäßigen Lage, d.h. ihrem Wohnort.

Alle Kapellen, Kirchen, Priorate, Schulen, Werke der Bruderschaft und der in Freundschaft verbundenen Ordensgemeinschaften würden mit einer solchen Autonomie für ihr pastorales Wirken ausgestattet.

Trotzdem bleibt wahr – und dies ist das Kirchenrecht – dass für die Eröffnung einer neuen Kapelle oder für die Gründung eines Werkes die Erlaubnis des Ortsordinarius notwendig wäre. Selbstverständlich haben wir Rom vor Augen gehalten, wie schwierig unsere gegenwärtige Lage in den Diözesen ist, und Rom arbeitet noch an dem Problem. Hier und dort wird es wirklich eine Schwierigkeit geben, aber seit wann ist das christliche Leben ohne Schwierigkeit? Sehr wahrscheinlich werden wir auch das entgegengesetzte Problem haben, d.h. dass wir nicht über hinreichend Kapazitäten verfügen, auf Anfragen antworten zu können, die uns von befreundeten Bischöfen zukommen. Ich denke z.B. an den Bischof, der uns bitten könnte, uns der Ausbildung der zukünftigen Priester in seiner Diözese anzunehmen.

Unsere Beziehungen wären keineswegs jene einer Ordensgemeinschaft mit einem Bischof, sondern vielmehr jene eines Bischofs mit einem anderen Bischof, genau wie die Dinge sich abspielen für die Ukrainer oder die Armenier in der Diaspora. Und wenn man also bei einer Schwierigkeit zu keiner Lösung käme, so müsste man sich an Rom wenden, und es gäbe ein römisches Eingreifen, um das Problem zu regeln.

Nebenbei bemerkt: Was im Internet verbreitet worden ist als meine Worte in Österreich zu diesem Problem im letzten Monat, ist vollkommen falsch.

DICI: Falls es zu einer kirchenrechtlichen Anerkennung kommt, was passiert dann mit den mit der Bruderschaft befreundeten Kapellen, die unabhängig von den Diözesen sind? Würden die Bischöfe der Bruderschaft fortfahren, das Sakrament der Firmung zu spenden und die heiligen Öle bereitzustellen?

Mgr. Fellay: Falls sie mit uns zusammenarbeiten, gibt es kein Problem; alles bleibt, wie es ist. Andernfalls hängt es davon ab, was diese Kapellen unter Unabhängigkeit verstehen.

DICI: Werden sich Ihre Beziehungen zu den Ecclesia-Dei-Gemeinschaften verändern?

Mgr. Fellay: Die erste Veränderung wird darin bestehen, dass sie verpflichtet sind aufzuhören, uns als schismatisch zu bezeichnen. Für die zukünftige Entwicklung ist klar, dass einige sich uns annähern werden, zumal sie uns diskret gutheißen; andere nicht. Die Zeit wird lehren, wie die Tradition sich in dieser neuen Lage entwickelt. Wir haben große Hoffnungen für das Apostolat im Rahmen der Tradition, wie auch gewisse bedeutende Persönlichkeiten in Rom und wie der Heilige Vater selbst. Wir haben die große Hoffnung, dass die Tradition sich mit unserem Kommen entwickelt.

DICI: Immer unter der Voraussetzung einer kirchenrechtlichen Anerkennung: Wird es dann die Möglichkeit für Kardinäle der Kurie oder für Bischöfe geben, unsere Kapellen zu besuchen, dort die heilige Messe zu feiern, die Firmungen zu spenden, vielleicht sogar die Weihen in unseren Seminaren vorzunehmen?

Mgr. Fellay: Die der Tradition günstig gesinnten Bischöfe und die konservativen Kardinäle werden sich annähern. Man kann eine ganze Entwicklung voraussehen, ohne dass man etwas über die Einzelheiten weiß. Und es wird bestimmt auch Schwierigkeiten geben, was ganz normal ist. Es gibt keinen Zweifel, dass man uns aufsuchen wird, aber für eine genau umrissene Zusammenarbeit wie z.B. die Feier der heiligen Messe oder die Weihen hängt dies von den Umständen ab. Wie wir wünschen, dass die Tradition sich entwickelt, so hoffen wir, dass die Tradition sich bei den Bischöfen und bei den Kardinälen entwickelt. Eines Tages wird alles harmonisch der Tradition verpflichtet sein; wie lange es bis dahin dauert, weiß Gott allein.

DICI: Welches ist Ihre innere Einstellung in der Erwartung der römischen Entscheidung? Und welche innere Einstellung wünschten Sie für die Priester und Gläubigen, die der Tradition verbunden sind?

Mgr. Fellay: Als Erzbischof Lefebvre 1988 ankündigte, dass er vier Bischöfe weihen würde, ermutigten ihn einige, es zu tun, andere versuchten, ihn davon abzuhalten. Aber unser Gründer bewahrte den Frieden, denn er hatte einzig und allein den Willen Gottes und das Wohl der Kirche im Auge. Heute müssen wir genau dieselbe innere Einstellung uns  zu eigen machen. Wie ihr heiliger Patron, so hat die Bruderschaft St. Pius X. den Willen, „alles in Christus zu erneuern“. Einige sagen, dass dies nicht der Augenblick sei; andere sagen, dies sei der günstige Augenblick. Ich für meinen Teil weiß nur eines: Der Augenblick ist immer gekommen, den Willen Gottes zu erfüllen, und er offenbart ihn uns zur gegebenen Zeit, vorausgesetzt, wir zeigen uns seinen Eingebungen gegenüber empfänglich. Deshalb habe ich die Priester gebeten, die Weihe der Bruderschaft St. Pius X. an das Heiligste Herz Jesu an dessen Fest, dem 15. Juni, zu erneuern und sich darauf durch eine Novene vorzubereiten, während der die Litanei des Heiligsten Herzens Jesu in all unseren Häusern verrichtet werden soll. Jedermann kann sich dem anschließen, indem er die Gnade erbittet, ein williges Werkzeug bei der Erneuerung aller Dinge in Jesus Christus zu werden.


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