Die neue Enzyklika von Papst Franziskus: Lumen fidei PDF Drucken E-Mail
Samstag, den 20. Juli 2013 um 10:03 Uhr

lumen fideiAm Freitag, dem 5. Juli, veröffentlichte Papst Franziskus die "Enzyklika der vier Hände" (pius.info berichtete). Mit der Enzyklika über den Glauben ist die Trilogie Papst Benedikts über die drei göttlichen Tugenden abgeschlossen.

Auch wenn die Enzyklika als die erste von Papst Franziskus herausgegeben wurde, geht sie doch zum größten Teil auf seinen Vorgänger zurück.

Sie ist jedoch im eigentlichen Sinn kein Lehrschreiben. Es werden eher fromme Betrachtungen über den Glauben angestellt.

Hier wird dann zweifellos viel Wichtiges und Wertvolles gesagt, aber gerade in unserer Zeit, in der so viele unklare und falsche Vorstellungen über den Glauben verbreitet sind, wäre eine knappere und präzisere Darlegung, was der katholische Glaube ist und welche Irrtümer es in Bezug auf den Glauben gibt, wichtig gewesen. So muss man sich die wesentlichen Aussagen eher zusammensuchen.

Ausgehend vom Titel des Schreibens zeigt der Papst, dass der Glaube ein wirkliches Licht ist, das das gesamte Sein des Menschen erleuchtet und das angesichts des Scheiterns aller neuzeitlichen Lebensbestimmungen, die diesem Licht misstrauten, wiederentdeckt werden muss. Es wird zudem gesagt, dass der Glaube eine übernatürliche Tugend ist, die uns von Gott eingegossen wird.

Auch wenn es nicht mit dieser Deutlichkeit gesagt wird, so folgt aus den Ausführungen des Papstes doch, dass nur der katholische Glaube wahr ist. Überhaupt wird großer Wert auf die Wahrheit des Glaubens gelegt, der eben nicht nur eine subjektive Überzeugung oder private Meinung ist.

Es wird sogar betont, dass der Glaube „in seiner ganzen Reinheit und Unversehrtheit bekannt werden" muss. Die Leugnung auch nur eines Glaubensartikels komme „der Beschädigung aller gleich". Allerdings wäre hier die theologische Begründung dieser Tatsache notwendig gewesen, dass nämlich jemand, der nur eine Glaubenswahrheit zurückweist, die Offenbarung Gottes nicht mehr vorbehaltlos annimmt, sondern sich selbst zum Richter über das macht, was er glauben will und was nicht.

Es fehlt auch die präzise Darlegung, was denn ein solcher Glaubensartikel ist, der nicht ohne Verlust des übernatürlichen Glaubens geleugnet werden kann. Dies sind nicht nur die Artikel des Credos, sondern alle Dogmen, d. h. alle Glaubenswahrheiten, die die Kirche unfehlbar und verpflichtend vorgelegt hat. Der Begriff Dogma kommt aber leider in der ganzen Enzyklika nirgends vor.

Andererseits fallen Lehren, welche die Kirche nicht dogmatisiert hat, nicht unter die Glaubenspflicht. So ist z. B. die Lehre von der allgemeinen Gnadenmittlerschaft Mariens bis heute nicht dogmatisiert, obwohl es sehr gute Gründe für sie gibt und die Kirche sich mehrfach bereits für diese Lehre ausgesprochen hat. Wer diese Lehre leugnet, bleibt also Katholik. Erst recht gehören die der Tradition widersprechenden Lehren des 2. Vatikanischen Konzils über den Ökumenismus, die Kollegialität und die Religionsfreiheit nicht zu den Glaubensartikeln, auch wenn man das der Priesterbruderschaft St. Pius X. gegenüber immer wieder behauptet.

Der letzte Teil der Enzyklika handelt von der Bedeutung des Glaubens für die Gesellschaft, die Familie und den einzelnen. Bei der Behandlung der tröstenden Kraft des Glaubens im Leiden fehlt allerdings ein Punkt, der für die Kirchenkrise symptomatisch ist: Mit keinem Wort wird die Wahrheit erwähnt, dass derjenige, der sein Leiden in der Vereinigung mit unserem Herrn annimmt und Gott aufopfert, dadurch am Erlösungsgeschehen mitwirken und sich selbst und anderen Gnaden verdienen kann. Diese katholische Lehre, dass wir „an unserem Fleisch ergänzen müssen, was am Leiden Christi noch fehlt für seinen Leib, die Kirche" (vgl. Kol 1,24), wurde z. B. noch von Pius XII. in Mystici corporis nachdrücklich dargelegt, ist aber den nachkonziliaren Katholiken völlig aus den Augen gekommen, die ja auch von der sühnenden Kraft des Leidens Christi und des Messopfers fast nicht s mehr hören.

Schön ist, dass die Enzyklika mit der Muttergottes schließt. Sie ist die „vollkommene Ikone des Glaubens", die das Wort Gottes in ihr Herz aufgenommen und dort bewahrt und beständig erwogen hat. Sie möge auch uns helfen, dass das Licht des Glaubens in uns immer mehr wächst.

 


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