Die Dogmatisierung des Konzils PDF Drucken E-Mail
Mittwoch, den 01. August 2012 um 11:36 Uhr

koch kurtDie Niveaulosigkeit der Vorwürfe gegen die Priesterbruderschaft ist bisweilen mehr als ärgerlich. So behauptete Kardinal Koch nach einem Bericht der KNA gestern, die Piusbruderschaft verträte mit ihrer Konzilskritik ähnliche Positionen wie Martin Luther. Die Bruderschaft gehe offensichtlich davon aus, dass das Zweite Vatikanum Fehler begangen habe. „Dass Konzile auch irren können, ist allerdings eine Behauptung, die auf Martin Luther zurückgeht“, sagte Koch. „Von daher müssen sich die Traditionalisten schon fragen, wo sie denn eigentlich stehen.“

Im Gegenzug möchten wir den Kardinal fragen, ob es ihm wirklich so vollkommen am theologischen Grundwissen fehlt oder ob er die Leute mit Absicht in die Irre führen will. Ein Konzil ist unfehlbar, wenn es eine Glaubenslehre definiert, und das hat Martin Luther bestritten. Die Kirche hat aber nie behauptet, dass alles, was sich irgendwo in den Texten eines Konzils findet, unfehlbar ist. Die Texte des letzten Konzils, das sich ausdrücklich als bloßes Pastoralkonzil verstanden wissen wollte, können schon gar nicht den Anspruch auf dogmatische Verbindlichkeit erheben.

Erzbischof Lefebvre hat mehrmals die Unehrlichkeit dieses Vorgehens gebrandmarkt: Während des Konzils sagte man, man müsse sich nicht mit dogmatischer Genauigkeit ausdrücken, da man als bloßes Pastoralkonzil handle. Nach dem Konzil begann man dann, die Texte zu dogmatisieren, wie es jetzt wieder Kardinal Koch getan hat: Es gebe zwar formale Unterschiede zwischen den Textgattungen, aber kaum hinsichtlich der inhaltlichen Verbindlichkeit.

Immerhin hat ein anderer Kardinal, nämlich Walter Brandmüller, im Mai bestätigt, dass die Konzilsdokumente über den interreligiösen Dialog und die Religionsfreiheit keinen „dogmatisch bindenden Inhalt" besäßen (vgl. den Bericht).


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