Interview mit Pater Gaudron PDF Drucken E-Mail
Freitag, den 13. Juli 2012 um 09:51 Uhr

gaudron intro

Die Diskussion um die umstrittenen Äußerungen von Bischof Gerhard Ludwig Müller zur Leugnung der Jungfrauengeburt zieht immer weitere Kreise. Eine Vielzahl von Portalen im Internet bringen Beiträge mit Argumenten dafür und dagegen. 

Angestoßen wurde der Schlagabtausch durch die Presseerklärung der Piusbrudeschaft für die Nachrichtenagentur dapd zur Ernennung von Bischof Müller.

pius.info hat beim Dogmatiker Pater Gaudron nachgefragt, ob er seine Kritk an den Aussagen von Bischof Müller immer noch aufrecht erhält.

pius.info: Herr Pater Gaudron, mehrere Reaktionen auf Ihre Stellungnahme verteidigen Bischof Müller, indem sie behaupten, bei den kritisierten Aussagen handle es sich um aus dem Zusammenhang gerissene Sätze. Das behauptet beispielsweise auch Prälat Bux, der Mitglied der Glaubenskongregation ist. Was sagen Sie dazu?

P. Gaudron: Hier handelt es sich um eine bloße Ausrede, wie jeder leicht nachprüfen kann, der die Stellen im Zusammenhang nachliest. Ich habe die Zitate ja alle belegt, so dass die Überprüfung leicht möglich ist. Die Verteidiger von Bischof Müller können ja auch offenbar keine Stelle zitieren, in der Müller die Sachverhalte richtig darstellt.

pius.info: Man hat Ihnen geantwortet, auch die Dogmatik von Ludwig Ott, die nicht im Ruf des Modernismus steht, schreibe, die nähere Bestimmung, worin die jungfräuliche Unversehrtheit nach der physiologischen Seite besteht, gehöre nicht zum Glauben der Kirche.

P. Gaudron: Die Dogmatik von Ott erklärt dann aber doch, dass Maria ohne körperliche Schmerzen und in körperlicher Unversehrtheit Jesus geboren hat. Sie bringt auch die Analogien der Väter wie das Hervorgehen Christi aus dem verschlossenen Grab und das Durchgehen der Sonnenstrahlen durch das Glas.

Richtig ist nur, dass die Kirche keine Einzelheiten festgelegt hat, was alles genau bei der Geburt Christi anders war als bei der Geburt der übrigen Menschen, ob also z. B. der Geburtskanal erweitert wurde usw. Ein solches indiskretes Eindringenwollen in das Geheimnis wäre nicht im Sinn der Kirche. Die Schmerzlosigkeit der Geburt und die Unversehrtheit des Hymens wurden aber immer verkündet.

Einer der ersten, der physiologische Besonderheiten in Abrede stellte, scheint übrigens A. Mitterer mit seinem Buch „Dogma und Biologie der heiligen Familie" von 1952 gewesen zu sein. Dieses Buch wurde von Ott zitiert, ist in späteren Auflagen aber wieder aus dem Literaturverzeichnis verschwunden. Man kann vermuten, dass dies mit einem Monitum des Heiligen Offiziums von 1960 zusammenhängt, das leider nicht offiziell veröffentlicht, sondern nur an einige Bischöfe und Ordensobere verschickt wurde. Dieses Monitum beklagt, dass in letzter Zeit über das Thema der Jungfräulichkeit in der Geburt Arbeiten entstanden seien, die in offenkundigem Widerspruch zur katholischen Lehre ständen und verbietet für die Zukunft die Veröffentlichung solcher Traktate.

pius.info: Aber ist nicht die Jungfräulichkeit vor der Geburt, also die Empfängnis Christi durch den Heiligen Geist viel wichtiger? Diese leugnet Bischof Müller nicht.

P. Gaudron: Zweifellos, aber erstens hat Bischof Müller selbst vor kurzem gesagt, wer katholisch sein wolle, müsse die gesamte Lehre der Kirche annehmen und dürfe nicht auswählen. Zweitens argumentieren diejenigen, die die jungfräuliche Empfängnis Christi leugnen, oft ganz ähnlich wie Müller: Jungfräulichkeit meine keine biologische Tatsache, sondern dass Maria sich ganz Gott hingegeben hat. So hat mir in einer Diskussion einmal ein Hochschuldozent gesagt, natürlich sei Maria Jungfrau, aber man müsse sich fragen, was Jungfräulichkeit denn eigentlich meine! Diese Leute schaffen es, Maria Jungfrau zu nennen und gleichzeitig zu behaupten, sie habe Jesus von Josef empfangen. Die Leugnung der Jungfräulichkeit in der Geburt scheint mir eine erste „Lockerungsübung am Dogma" zu sein, die schwerwiegendere nur vorbereitet.

pius.info: Was sagen Sie zur Erklärung von Prälat Bux, die Darlegungen Bischof Müllers über die Eucharistie wollten nur einen Karpharnaismus meiden?

P. Gaudron: Auch darin kann ich nur eine Ausrede sehen. Bischof Müller spricht zwar von der Transsubstantiation, aber seine Erklärungen bewegen sich ganz im Rahmen der Transfinalisations- und Transsignifikationstheorie, die noch Paul VI. in seiner Enzyklika Mysterium fidei vom 3.9.1965, die Prälat Bux ja erwähnt, als ungenügend ablehnte.

Das Gleiche gilt von der Beziehung der Protestanten zur Kirche. Niemand bestreitet, dass die gültige Taufe eine gewisse Hinordnung auf die Kirche schafft und dass man auch zu den von der Kirche getrennten Christen freundlich sein soll, aber dass diese schon voll in die Kirche eingegliedert seien, sagt noch nicht einmal das neue Kirchenrecht.

pius.info: Sie sehen sich also in Ihrer Beurteilung nicht widerlegt?

P. Gaudron: Der ganze Vorgang scheint mir symptomatisch für unsere Beziehungen zum Vatikan. Wir bringen ein Problem vor und man antwortet uns mit Ausreden oder Gehorsamsappellen.

Die Bruderschaft sagt, dass es ein Problem gibt, wenn der Glaubenspräfekt Thesen vertritt, die der Lehre der Kirche widersprechen. Wir haben das auch sachlich vorgebracht und nicht vom „Häretiker" oder „Irrlehrer" gesprochen, wie manche Medien es dargestellt haben. Als Antwort bekommen wir, dass wir dem Papst vertrauen sollen, denn ein vom Papst ernannter Bischof könne ja gar nichts Falsches gelehrt haben.

Ebenso ist es mit dem Konzil. Wir sagen, dass es hier Probleme gibt, weil gewisse Passagen des Konzils eindeutig der früheren Lehre der Kirche widersprechen. Auch hier antwortet man uns immer, hier könne es keinen Widerspruch geben, also sei da auch keiner. Das geht zum Teil wirklich gegen alle Logik.

 


E-Mail




 
 
Kommuniqué zur Seligsprechung Papst Pauls VI.

 
Mitteilungsblatt

Gerne senden wir Ihnen das monatliche Informationsblatt der Priesterbruderschaft.

Button MB 2

 
Häufig gestellte Fragen

Meistgestellte Fragen

Brief an die Freunde und Wohltäter - neuer Rosenkranzkreuzzug

mgr fellay lab81

 
Offizielle Erklärung der Bischöfe der Bruderschaft

b weihen intro

 
Die katholischen Jugend der Tradition

tumbnail

 
Video von der Kirchweihe in Berlin (14 min)

kirchweihe berlin

 
Spenden

Helfen Sie mit!
Ihre Spende zählt!

 
Ein Tag im Kloster

schwestern video

 
Aus der Reihe Humor...

 
Helfen Sie dem Theresiengymnasium!

alt

 
Lesen Sie das...

 
Zusammenfassung

Wofür steht die Priesterbruderschaft St. Pius X.?