|
In den letzten Tagen mehren sich die Meldungen in den Medien, die Gespräche der Priesterbruderschaft St. Pius X. mit Rom seien gescheitert.
Die Beilage "Christ und Welt" der Wochenzeitung "Die Zeit" berichtet in ihrer heutigen Ausgabe, dass „laut Einschätzung" des italienischen Vatikanisten Andrea Tornielli die Verhandlungen zwischen dem Heiligen Stuhl und der Priesterbruderschaft St. Pius X. „gescheitert" seien.
Die Katholische Nachrichtenagentur KNA verbreitete die Meldung umgehend weiter. Ebenso wurde sie von zahlreichen weiteren Medien übernommen.
Was ist an der Meldung wahr?
Nichts. Giuseppe Nardi kommentiert auf katholisches.info:
Tatsächlich handelt es sich nur um die (Falsch-)Meldung, die Alessandro Speciale vergangene Woche, den 3. Februar, verbreitete und die am selben Tag von Andrea Tornielli aufgegriffen wurde. Speciale behauptete, der Generalobere der Piusbruderschaft, Msgr. Bernard Fellay, habe die Gespräche für gescheitert erklärt. Nichts dergleichen war jedoch geschehen.
Am selben Tag fand eine Begegnung zwischen Papst Benedikt XVI. und Kardinal Levada statt, dem Präfekten der Glaubenskongreagtion, die mit den Gesprächen beauftragt ist. Der Kardinal berichtete dem Papst vom Stand der Verhandlungen. Auch weitere Schritte des Heiligen Stuhls wurden besprochen. (Siehe Beitrag pius.info)
Nach den beiden Antwortschreiben der Priesterbruderschaft St. Pius X. vom Dezember ist nun der Vatikan an der Reihe zu antworten.
Dazu meint Nardi:
Ein Scheitern der Gespräche ist nicht ausgeschlossen, genau so wenig jedoch eine Einigung zwischen Rom und Ecône. Was Speciale veröffentlichte und andere weiterverbreiteten, war ein gezieltes Störfeuer zur Torpedierung der Gespräche, ein Versuch, von außen Einfluss zu nehmen, wobei der Wunsch offensichtlicher Vater des Gedankens war.
Das bedeutet, dass die Einschätzung der Zeitung "Christ und Welt" dem Stand von vor einer Woche entspricht. Seither hat Tornelli in Italien nichts zu diesem Thema verlautbart.
Die Frage, wie es weitergehen wird, ist nach wie vor offen. Alles hängt jetzt von der Antwort Roms ab.
Interessant ist, dass gerade auch in Deutschland diese Antwort von überfleißigen Journalisten bereits vorweggenomen wurde. Nicht nur "Christ und Welt" zeigt sich als Kassandra-Prophet, sondern auch die Tagespost prognostizierte ein Scheitern, indem man sich auf die Predigt von Bischof Fellay am 2. Februar in Winona berief.
Doch auch das ist eine Fehlinterpretation. Bischof Fellay sprach sein "Nein" nicht zu Rom oder dem Angebot als solchem, sondern zu der in der Präambel ausgedrückten Forderung, anzuerkennen, dass das Konzil sich "nahtlos und ohne Bruch in die Tradition einfügen lasse." (Stichwort: Hermeneutik der Kontinutiät)
Es liegt also jetzt bei der Glaubenskongregation unter Kardinal Levada, in Absprache mit dem Papst die Antwort zu geben. Alle Katholiken sind aufgerufen, dieses wichtige Anliegen in ihr Gebet einzuschließen!
|