Abiturrede von Sr. Michaela Metz PDF Drucken E-Mail
Mittwoch, den 27. Juni 2012 um 14:00 Uhr

schwesterAbiturrede 2012

Thema: Verlust der Vaterschaft -- Aufgabe der Frau: Erziehung der Jungen

Meine lieben Abiturientinnen,

seid auf das Herzlichste begrüßt als die „sieben Aufrechten" oder besser noch als „die glorreichen Sieben", denn ihr Sieben habt glorreich eure Reifeprüfung bestanden. Vor drei Jahren haben wir uns nicht vorstellen können, was für einen Fleiß und welche Zähigkeit ihr an den Tag legen würdet, um all den Stoff zu lernen, den man euch abgefordert hat.

Mit großer Freude haben wir alle - Schwestern, Lehrer und Erzieherinnen - mit ansehen können, wie ihr euch langsam immer mehr entfaltet, für alles Gute und Schöne interessiert und ganz im Geiste unseres Gründers, Erzbischof Lefebvres, euch für die christlichen Ideale eingesetzt habt. Wir sind stolz auf euch!

Als ich darüber nachdachte, was ich euch anlässlich der Abiturfeier nun mit auf den Weg geben könnte, erhielt ich einen Anruf von einem Herrn, der mir freundlich aber bestimmt den Vorwurf machte, ich hätte in meiner Abiturrede 2010 davon gesprochen, dass heute viele Frauen dem Gender-Mainstreaming zum Opfer gefallen sind. In Wirklichkeit sei aber vor allem das männliche Geschlecht Opfer dieser Gender--Ideologie.

In der Tat werden die Cassandra-Rufe einer Christa Mewes und einer Eva Herrmann immer lauter, auch Zeitungen und Zeitschriften beschäftigen sich mehr und mehr mit diesem Problem des „Notstands unserer Jungen" und der „Krise der Väter". Es gibt in diesem Zusammenhang auch viele gute Vorschläge zur Abhilfe und Sofort-Programme, um diesem Dilemma entgegenzuwirken, aber aus unserer Sicht gibt es eigentlich nur eine wirksame Lösung, und die hat schon der heilige Pius X. zum Ausdruck gebracht mit seinem Satz: „Gebt mir christliche Mütter, und ich werde die sinkende Welt retten."

1. Die Erniedrigung des männlichen Geschlechts

In seinem Buch „Rettet unsere Söhne" führt der Medienwissenschaftler, Journalist und Buchautor Arne Hoffmann erschreckende Statistiken auf, die beweisen, wie sich die sogenannten Gleichberechtigungsmaßnahmen, die unsere Pädagogik und Politik seit den 68er Jahren prägen, nachteilig auf die Jungen und die zukünftige Väter-Generation auswirken.

Ich zitiere einige Sätze aus diesem Buch: „Das männliche Geschlecht rangiert mittlerweile überall auf einem traurigen Spitzenplatz. Jungen werden zu Bildungsverweigerern, sie brechen Schule und Studium ab und werden verhaltensauffällig." „Die Ursachen hierfür liegen in den bestehenden Lernstrukturen, die nicht dem Lernstil und dem Temperament der Jungen entsprechen." (S.9)

„Jungen wachsen immer häufiger in Lebenswelten auf, die für sie befremdlich sind. In diesen werden ihre männlichen Eigenschaften und Qualitäten nicht geschätzt, sondern herabgesetzt und zurückgewiesen. Verantwortlich ist ein vor allem in den Schulen mittlerweile institutionalisierter Feminismus, der Jungen statt zu Männern zu zweitklassigen Frauen erziehen will." (S.13)

Mit dem anfangs durchaus berechtigten Kampf um gleiches Recht für Mann und Frau in der Gesellschaft hat sich ein Feminismus durchgesetzt, der mit sarkastischer Gemeinheit alles Männliche diffamiert und lächerlich macht. In den Medien und bei Werbespots kommt das unverhohlen zum Ausdruck. Ich zitiere weiter aus dem Buch von Arne Hoffmann: „So zeigt ein Wahlplakat der Grünen z.B. einen liegenden Mann, dessen Partnerin ihre Füße auf seiner Brust stehen hat. Wenn auch der Slogan, der dieses Bild begleitet, lautet: „Die Hälfte der Macht den Frauen", so beweist doch das Foto, was für ein Anspruch in Wahrheit dahintersteht."

Unglaublich frech verspricht ein anderer Werbespot: „Bei uns können Sie Ihre alten Flaschen zurückgeben." Gezeigt werden Frauen, die mit Einkaufswagen, in denen ihre Männer sitzen, zur Kasse eilen. Oder bei einer Reklame für „Schöner wohnen" wirft eine Frau einen Mann aus dem Fenster.

Das hört sich jetzt ganz lustig an, aber letztendlich zeugen solche öffentlichen Darstellungen von Verachtung und einer nie dagewesenen Respektlosigkeit gegenüber dem männlichen Geschlecht.

Ich zitiere noch weiter aus dem Buch von Arne Hoffmann: „Erwachsene Männer, die Jungen Vorbilder sein und Orientierung liefern können, werden auch in deutschen Fernsehserien und -shows kaum gezeigt. Stattdessen wetteifern dort prominente Männer, wie sie sich gegenseitig zum Deppen machen können -- etwa wenn in einer ProSieben-Sendung die beiden Protagonisten sich in ungewöhnlichen Herausforderungen messen. Zu diesen Aufgaben gehören beispielsweise: Wer kann am schnellsten gegen eine Mauer laufen? Wer kann länger auf allen Vieren bleiben? Wer kann sich mehr Schokoladenküsse in den Mund stopfen?" (S.79f) Und das sind noch die harmlosesten Wettspiele. Es gibt da noch viel mehr Abgeschmacktes und Unanständiges.

„Wundert es da jemanden, wenn unsere Jungs keine richtige Lust mehr haben, sich zu reifen Erwachsenen zu entwickeln?" (S.80), fragt Arne Hoffmann. „Männer wollen keine Karriere mehr machen. Sie wollen keine Familie gründen. Kurz, sie weigern sich, zu Stützen dieser Gesellschaft zu werden." (S.140) „Warum sollte ein Mann eine Familie gründen wollen? Er kann auch ohne wunderbar leben. Eine Familie ist für einen Mann ohnehin eine fragile Angelegenheit. Jede Frau kann jeden Mann schneller aus der Familie entfernen, als der Gender-Mainstreaming es aussprechen kann... Man kann Frauen kriegen, ohne eine Beziehung - geschweige denn eine Familiengründung - anzustreben. Und eine Gesellschaft, die einen Ewigkeiten lang als Depp bezeichnet hat, muss man nicht stützen." (S.141) So denken immerhin 67 Prozent der jungen Männer in Deutschland - laut einer repräsentativen Umfrage des Hamburger GEWIS-Instituts.

2. Der Zerfall der Familie durch Gender-Ideologie und Feminismus *

Ich sage euch nichts Neues, wenn ich darauf verweise, dass ein widergöttlicher und antichristlicher Geist, nämlich die Gender-Ideologie, zerstört hat, was Grundlage und Stütze eines jeden gesunden Volkes ist: die Familie!

Wider alle Vernunft, Erfahrung und Neigung trachtet die Gender-Ideologie danach, das je Eigene von Mann und Frau einzustampfen. „Immer skurrilere Blüten treiben die Definitionen sexueller Orientierungen, die von Politikern mit bewundernswertem bis lächerlichem Ernst vorgetragen werden", so schreibt Stephan Baier in der „Tagespost" (Die Krise der Väter, 26. Mai 2012).

Nach diesen abwegigen Definitionen entdeckt sich der Mensch täglich neu, heute als Frau und morgen als Mann. Die von Gott geschenkte weibliche und männliche Geschlechtlichkeit wird zu beliebig austauschbaren Rollen degradiert.

Es ist in der Geschichte ja tatsächlich neu und uns absolut unverständlich, dass der heutige Mensch die natürlichen Gegebenheiten nicht mehr anerkennen will, dass er nämlich entweder als männlich oder als weiblich geboren wird. Gott schuf den Menschen ,als Mann und Frau', wie es in der Heiligen Schrift heißt (Genesis 1,27).

„Eine befreiende Erkenntnis:", ich zitiere weiter Stephan Baier, „Noch vor allem menschlichen Machen steht ein Gegebensein, ein großes und bedeutungsschweres Geschenktsein unserer Weiblichkeit oder Männlichkeit. Ihre Unverwechselbarkeit und Unaustauschbarkeit zeigt die Weiblichkeit in der Mutterschaft, die Männlichkeit in der Vaterschaft. Wer die Frau aus ihrer Mutterrolle zu befreien propagiert, attackiert tatsächlich das Intimste und Unverwechselbarste der Frau. Wer im Zeichen des Kampfes gegen den ,Patriarchalismus' die Vaterrolle des Mannes untergräbt, nimmt der Frau den Partner für das, was Familie konstituieren kann."

Die Institution der Familie dient in erster Linie der Weitergabe des Lebens, gesunden Lebens! Dazu braucht es Verlässlichkeit und Beständigkeit. Dies ist nicht gewährleistet, wenn Menschen in der Verunsicherung ihres Selbst täglich neu nach ihrer Rolle als Frau oder Mann fahnden müssen. Kinder brauchen Mütter und Väter, die bereit sind, Verantwortung zu tragen, anstatt dauernd um sich selbst zu kreisen.

Die gesetzliche Gleichberechtigung hat es mit sich gebracht, dass die Frau oft nicht mehr so abhängig ist von ihrem Mann, wie es vor wenigen Generationen noch der Fall gewesen ist. Die vielen Berufs- und Verdienstmöglichkeiten unserer Zeit verschaffen ihr eine nie dagewesene Selbständigkeit und Unabhängigkeit. So verdient sie ihr eigenes Geld und kann sich -- wie man heute gern sagt - selbst verwirklichen. Das ist für uns Frauen einerseits ganz schön, darin liegt aber auch eine große Gefahr. Die Muttergottes hat vor 400 Jahren in Quito für unsere Zeit vorausgesagt, dass die Menschheit in einem solchen Luxus leben wird, dass sie ganz und gar auf Gott vergisst.

Dies zeigt sich am stärksten darin, dass viele Frauen mit den gängigen Verhütungs- und Abtreibungsmethoden die Mutterschaft verweigern, wie viele Männer die Vaterschaft. An die Stelle der alten drei K's: Kirche, Kinder, Küche sind die neuen K's getreten: Konto, Karriere, Körperkult.

Der Feminismus hat es mit sich gebracht, dass viele Frauen wohl ein Kind haben wollen, aber keinen Mann. Sie wollen nicht heiraten und keine Familien gründen. Auch darin besteht eine Misere für unsere männlichen Erdenbürger, nämlich die, dass so viele allein erziehende Mütter der Erziehung der Jungen nicht gerecht werden, denen so das Vorbild und auch das Verständnis des Vaters fehlt.

So wird immer mehr offenbar, dass wir ein sterbendes Volk sind, und es bewahrheitet sich, was eine morgenländische Weisheit schon vor Jahrhunderten zum Ausdruck gebracht hat: „Wenn der Mann fällt, fällt nur der Mann, wenn die Frau fällt, so fällt ein ganzes Volk."

3. Die Wichtigkeit der Mutter für die Erziehung des Mannes

Was tun, um dieser katastrophalen Entwicklung entgegenzuwirken?

Wie wir aus der Geschichte der Kirche lernen können, waren es in vielen Fällen die Frauen, die die Voraussetzung für eine Christianisierung ganzer Völker geschaffen haben. Denken wir nur an die heilige Helena, die Mutter von Konstantin, die durch ihren Glauben und ihr Gebet diesen wilden und mächtigen Mann bekehrt hat. Oder an die heilige Mathilde, die Frau des Chlodwig, der seine Bekehrung ihrem Vorbild und ihrem Gebet verdankte. Denken wir an die heilige Monika, die Mutter des heiligen Augustinus, oder an die heilige Olga, die Mutter des russischen Königs Wladimir, der sich mit seinem ganzen Volk taufen ließ. Alle diese Frauen haben im Verborgenen Großes bewirkt durch ihr Gebet, ihren Glauben und ihre Hingabe.

Die Bekehrung der Germanen war bekanntlich den Klostergründungen zu verdanken. Aber die Verfeinerung der Sitten und die Zivilisierung der germanischen Heiden ist dem Rittertum zuzuschreiben, das mit seinem Minnedienst und der Verehrung und Erhöhung der Frau ihr auch eine unerhörte Selbstachtung ermöglichte.

Die Frauen des Adelsstandes, so kann man bei Horst Wenzel in „Frauendienst und Gottesdienst" nachlesen, waren sozial schwächer, aber den Herren an Wissen überlegen: Die kulturgeschichtlichen Darstellungen des Mittelalters stimmen darin überein, dass die Frauen adliger Herkunft eine bessere Schulbildung erhielten als die im Kriegshandwerk auszubildenden Männer. Durch religiöse Erziehung zur Tugend angehalten, gewannen sie mit der Aneignung des christlichen Ethos ein neues Selbstbewusstsein, in ihrer Anmut und Keuschheit waren sie für den Mann ein sittliches Vorbild. Die Erhöhung der Frau zog auch den Mann empor; ihre Tugendhaftigkeit förderte die sittliche Läuterung des Ritters. Auf dieser Grundlage, auf der des Minnedienstes des Mittelalters, hat sich das ganze Abendland christlich entfaltet.

Leon Bloy schreibt in einem Brief an seine Braut: „Das Fundament des Mannes legt die Mutter durch ihre Sorge für ihr Kind, welche ihm Belastbarkeit - aus der Beharrlichkeit entstehen kann - und die Liebesfähigkeit - aus der sich Gottes- und Nächstenliebe entwickeln kann - schenkt; auch wenn den ‚Schlussstein der Männlichkeit' geistliche Männer werden einfügen müssen in der Prägung zum Mann, so legt das Fundament und damit auch die mögliche Größe des Baues, sofern es überhaupt vom Menschen abhängt, die Mutter. Damit ist die Mutter primär die Trägerin einer neuen Generation." „Das Wohl und Wehe der Menschheit ruht ganz und gar auf der Frau."

4. Maßnahmen zur Stärkung des männlichen Geschlechts

Wie wir gesehen haben, ist das männliche Geschlecht tatsächlich Opfer des Zeitgeistes, und wir sind nicht die Einzigen, die sich Gedanken machen, wie man das ändern kann.

Arne Hoffmann hat Punkte für ein Sofort-Programm zusammengetragen, das sich vor allem an die Politiker wendet mit Forderungen wie z.B.: Unsere Kindergärten und Schulen müssen wieder jungengerechter werden; Verlage, Medien und Bibliotheken müssen Jungen als Zielgruppe wiederentdecken; unsere Medien sollen realistischere Bilder von Männlichkeit entwickeln; wir müssen in eine Forschung investieren, die sich auch den Bedürfnissen von Jungen und Männern widmet; auch für unauffällige Jungen muss es Jungenarbeit geben; wir müssen mehr Männer für erzieherische Tätigkeiten werben etc.

Diese Vorschläge sind schön und gut, allein es fehlt der springende Funke, der nur aus einer bestimmten Geisteshaltung heraus zünden kann.

Es bedarf christlicher Frauen, die entsprechend der göttlichen Schöpfungsordnung dem Mann begegnen und den Knaben erziehen. Frauen, gebildet in Kultur, vor allem aber in christlicher Lehre und christlichem Tugendstreben, um nach genanntem mittelalterlichen Vorbild auch unsere gefährdeten Jungen zu Männern - und mit Gottes Hilfe zu christlichen Männern - zu machen.

Ein Heim zu schaffen, es in Ordnung zu halten, zu schmücken und zu pflegen, die Familie zur Mahlzeit um den Tisch zu versammeln, das war von jeher die Aufgabe der Frau, die sie naturgemäß auch gern erfüllte. Den Mann zu stützen und ihn zu stärken, dazu hat Gott dem Adam die Eva an die Seite gestellt.

Bitte versteht mich richtig: Ich rede nicht vom „Heimchen am Herd". Die Frauen haben zu allen Zeiten bewiesen, dass sie zu mehr fähig sind. Aber deshalb sollten sie doch ihrer Natur und dem entsprechenden Auftrag treu bleiben.

Ihr, meine lieben Abiturientinnen, habt diese religiöse und kulturelle Formung und Bildung erfahren. Sicher werdet ihr dazu beitragen dem männlichen Geschlecht die Ehre zukommen zu lassen, die ihm gebührt: die Anerkennung, dass der Mann das Haupt der Familie ist. Ihr werdet den Mann an seine Ritterlichkeit gemahnen und nicht so tun, als brauchtet ihr seine Hilfe nicht. Auch werdet ihr das Werben dem jungen Mann überlassen und ihn durch euer Tugendstreben für das Gute und Schöne begeistern.

Lasst mich schließen mit einem Wort von Goethe: „Wenn wir die Menschen nur so nehmen, wie sie sind, so machen wir sie schlechter. Wenn wir sie behandeln, als wären sie, wie sie sein sollten, so bringen wir sie dahin, wohin sie zu bringen sind."

In diesem Sinne wünsche ich euch Glück, Erfolg, Gottes Segen für eure Zukunft und den Schutz der Muttergottes.

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