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Religion und Modernität schließen sich nicht aus. Gerade die Gesellschaften in Amerika, Indien und China, die einen rapiden Modernisierungsprozess durchlaufen, entdeckten zugleich eine tiefe religiöse Seite, sagte der Religionssoziologe José Casanova.
In diesem Sinne müsse sich gerade "Europa als Ausnahme begreifen, wo Modernisierung stets mit Säkularisierung einhergegangen" sei. In einem "säkularen gesellschaftlichen Rahmen" sei der Glaube nicht ein Randthema, sondern eine wichtige "Option", so Casanova am Rande der Salzburger Hochschulwochen. Dabei kommt er auch auf die Piusbruderschaft zu sprechen. (Bild: José Casanova)
Zur Vielfalt der katholischen Kirche gehörten auch die Piusbrüder: "Die Kirche ist nur katholisch, wenn es in ihr Platz für alle Richtungen gibt - von der Befreiungstheologie bis zur Piusbruderschaft". Die interne Pluralität sei die einzige Möglichkeit, eine katholische universelle Kirche zu sein und keine sektiererische Kirche. „Das können wir uns heute einfach nicht mehr erlauben", so Casanova weiter.
Der gebürtige Spanier ist vergangene Woche mit dem mit 5.000 Euro dotierten "Theologischen Preis" der Salzburger Hochschulwochen ausgezeichnet worden. Casanova gilt weltweit als einer der renommiertesten Religionssoziologen. Seine Arbeiten setzen sich vor allem mit der Frage nach dem Verhältnis von Religion und Moderne auseinander. Casanova lehrt an der Georgetown University in Washington.
Kommentar: Es ist durchaus erfreulich, dass ein US-amerikanischer Soziologe sich für die Katholizität der Piusbruderschaft ausspricht.
Dennoch muss man sagen, dass das hier gezeichnete Bild nicht dem entspricht, was die Bruderschaft unter Akzeptanz versteht. Im Sinn von Casanova wäre die Bruderschaft eine Strömung von vielen, gemäß dem Pluralismus eines alten Friedrichs: "Jeder nach seiner Façon". Wenn also jemand auf Weihrauch, alte Messe und Latein steht, dann kommt er zu Pius, wenn jemand die neue Weltreligion, Frauenpriestertum, Abschaffung des Zölibats befürwortet, dann geht er zu Hans Küng.
Eine solche Vereinnahmung der Piusbruderschaft als "möglichen Weg für die Konservativen" wird die Bruderschaft immer ablehnen. Wir sind nicht konservativ, weil es uns gerade besser gefällt, als die nachkonziliare Auflösungsbewegung, sondern weil die katholische Kirche so war und so ist.
Die Kirche selbst muss also wieder zu ihrer ursprünglichen Sendung und Aufgabe zurückkehren. Dazu gehört: Die Darbringung des unblutigen Sühneopfers Christi in den Kirchen, die Beendigung des unkatholischen Heilsoptimismus, der den modernen Menschen glauben macht: "Wir kommen alle, alle in den Himmel", die Neubegründung des Sündenbewusstseins und einer Bußgesinnung in einer Zeit, da die Menschen glauben, es gebe nur noch Umwelt- und Verkehrssünder, die Verkündigung Jesu Christi als den einzigen Heilsweg, den keine andere Religion ersetzen kann, und manches mehr.
Wenn die Kirche diese Sendung wieder erfüllt, bedarf es keines innerkirlichen Pluralismus. Dann werden die Katholiken ganz einfach wieder katholisch sein. Doch bis dahin ist ein weiter Weg.
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