Ein Haus voll Glorie PDF Drucken E-Mail
Samstag, den 26. Mai 2012 um 19:52 Uhr

Die Abtei St. Michael im rheinischen Siegburg wurde 1064 durch den heiligen Erzbischof Anno gegründet. Das weit über das Land schauende Benediktinerkloster in der Nähe von Bonn wurde 2011 geschlossen. Die letzten Mönche, die mit der Auflassung betraut waren, verlassen in diesen Tagen das Gotteshaus.

Eine Gruppe von ca. 100 traditionstreuen Katholiken aus der Umgebung hat am vergangenen 25. Mai eine Wallfahrt auf den heiligen Berg unternommen, um für die Gnaden zu danken, die durch das Kloster in all den Jahrhunderten auf Volk und Land herabgerufen wurden.

Sie beteten auch für die Seelenruhe der langen Reihe von verstorbenen Mönchen, die hier Tag und Nacht der allerheiligsten Dreifaltigkeit in Gebet und Arbeit gedient hatten.

In der altehrwürdigen Abteikirche auf dem Michaelsberg wurde ein feierliches levitiertes Hochamt im überlieferten Ritus der Kirche gefeiert.

Für diese heilige Messe war doch einst diese kleine Gottesstadt auf dem Michaelsberg erbaut worden. Die alten Steine des Klosters sprechen von der lateinischen Messe. „Res clamat ad Dominum. Die Sache ruft ihren Herrn.“

Zelebrant der Pilgermesse war Pater Bernhard Huber OSB vom Benediktinerkloster in Bellaigue (Frankreich). Das gregorianische Kyriale und Proprium der Messe wurde von der Schola des Bonner Priorats Christkönig gesungen, Messformular war die Votivmesse zum heiligen Erzengel Michael, dem Haupt-Patron der Abtei.

In seiner Predigt ging Pater Huber darauf ein, dass die Auflösung der Abtei ein Grund zur Trauer sei, dass aber die Dankbarkeit für die vielen hundert Jahre klösterlichen Lebens überwiegen müsse: Dankbarkeit gegen Gott, gegen die Gottesmutter, gegen den heiligen Erzengel Michael, den heiligen Benedikt und den heiligen Anno, den in der Abteikirche beigesetzten heiligen Gründer.

Diese Dankbarkeit solle anspornen, das klösterliche Leben weiter hochzuschätzen.

Wenn auch bedauerlicherweise das benediktinische Leben auf dem Michaelsberg ende, werde es anderswo fortgesetzt. Auch in Monte Cassino, dem im Jahr 529 gegründeten Mutterkloster des Benediktinerordens, sei mehrfach das klösterliche Gotteslob durch geschichtliche Wechselfälle unterbrochen worden. Doch immer wieder habe der abgehauene Stumpf neue Blüten getrieben. Vielleicht, so P. Bernhard, komme ja in nicht allzuferner Zeit das benediktinische Mönchtum auf den Michaelsberg zurück. Man solle dem lieben Gott alles zutrauen.

Pater Huber dankte ausdrücklich den zuständigen kirchlichen Autoritäten in Rom für die Erlaubnis der Pilgermesse.

Die Schreinkapelle des heiligen Anno war während der heiligen Messe weit geöffnet. Möge das Vermächtnis des heiligen Abtei-Stifters – Erzbischof von Köln und Kanzler des Reiches – irgendwann durch eine neue Generation von Mönchen wieder aufleben. Das wirke Gott!

War schon das feierliche Hochamt (auch auf Grund der besonderen Umstände) bewegend, so war es insbesondere auch das Schlusslied, das die zahlreichen Teilnehmer der Messe aus vollem Herzen mitsangen: Beim Anblick der 40 Meter über Siegburg auf dem Michaelsberg liegenden Abtei hatte der Priester-Dichter Joseph Mohr (Jesuitenpater aus Siegburg; + 1892) den Text verfasst: „Ein Haus voll Glorie schauet weit über alle Land, aus ew'gem Stein erbauet von Gottes Meisterhand“.


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